Zum Jahreswechsel: Gute Vorsätze in Serie
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Von Robert Chromow
(19.12.2008) Es ist soweit: Der Jahreswechsel steht bevor, allerorten werden wieder mit heißem Herzen gute Vorsätze gefasst. Mitte Januar sind sie erfahrungsgemäß schon wieder Makulatur, aber: "Na und?" fragt Robert Chromow und bricht eine Lanze für Schwächlinge, Schweinehundbesitzer und andere Weicheier.
Wer den Vorsatz hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen: Bestenfalls erntet man amüsierte Blicke, wenn man sich vornimmt, ab sofort (oder schlimmer noch: ab Januar!) etwas an seinem Leben zu ändern. Mit Anerkennung oder gar Anfeuerung sollte man jedenfalls nicht rechnen, ganz gleich, wie sinnvoll, gesund und längst überfällig das Vorhaben sein mag.
Sie haben den festen Vorsatz, deshalb in Zukunft auf Vorsätze zu verzichten? Tun Sie's nicht. Sie schaden sich selbst.
Nicht, dass ich Ihnen ein Patentrezept liefern kann. Im Gegenteil: Ich bin leider ein ausgesprochen erfahrener Vorsatzbrecher:
Mehr als 20 Jahre lang habe ich erfolglos versucht, mir das Rauchen abzugewöhnen: Immer mal ein paar Tage, manchmal wochen- ein paarmal sogar monatelang konnte ich auf die Glimmstängel verzichten. Dann kam unweigerlich der Rückfall.
Immer und immer wieder wollte ich effektiver arbeiten und mir mehr Zeit für Familie, Freunde und erholsames Nichtstun nehmen. Dann fand mich immer wieder abends und am Wochenende am Schreibtisch meines Heimbüros wieder.
Zumindest regelmäßige Erholungspausen wollte ich in meine langen Arbeitstage einbauen - und ließ mich doch ständig wider besseren Wissens durch vermeintlich wichtige, aber meistens doch bloß dringende Aufgaben davon abhalten.
Aus meinen zwei wöchentlichen Joggingrunden sollte endlich ein tägliches Bewegungsprogramm werden. Im Alltag fiel es dann doch wieder unter den Tisch.
Die Liste meiner ständig neu gefassten und dann irgendwann doch wieder gebrochenen guten Vorsätze ließe sich beliebig verlängern, aber wenn Sie bis hierhin gelesen haben, kennen Sie das Muster ja.
Wer Menschen und Sprichwörter kennt, weiß: Der Weg zur Hölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert. Der gute Vorsatz ist ein Gaul, der oft gesattelt, aber selten geritten wird. Vorsätze sind wie Aale - leicht zu fassen, aber schwer zu halten. Ja, ja, und doch: Gerade, weil es so schwer ist, aus Vorsätzen dauerhafte Verhaltensänderungen zu machen, sind wir schwächlichen Vorsatzbrecher in guter und zahlreicher Gesellschaft.
Kein Anlass also, von vornherein zu resignieren. Und auch kein Grund, sich in weiser Voraussicht zu schämen, bloß weil man das Bedürfnis für gute Vorsätze verspürt, den Drang, sich mehr Zeit für seine Familie zunehmen, endlich mit dem Rauchen aufzuhören oder fünf Kilo abzunehmen.
Meine wichtigste und folgenreichste Vorsatz-Erkenntnis: Nur weil man an den eigenen Ansprüchen scheitert, ist man noch lange kein außergewöhnlicher Versager.
Ganz gleich, wie zahlreich, anspruchsvoll und ernsthaft gute Vorsätze gefasst sind, wie sie formuliert werden und ob sie miteinander kompatibel sind: Allein der Drang zum Vorsatz tut gut.
Ich sehe das inzwischen so:
In dem wiederkehrenden intensiven Bedürfnis, sein Verhalten zu ändern, steckt ein enormes Kraftpotenzial. Mir gibt bereits der Gedanke an ein gesünderes, erfüllteres, besseres Leben einen Energieschub. Die Vorstellung, in Zukunft stärker im Reinen mit mir und meinen Überzeugungen zu sein, fühlt sich einfach gut an. Selbst wenn dieses Gefühl bloß ein paar Stunden, Tage oder Wochen vorhält: Na, und? Immer noch besser, als mich von vornherein im resignierten Selbstmitleid zu suhlen.
Selbst Minimalwirkungen habe ich zu schätzen gelernt: Jeder Tag ohne Rauchen ist eindeutig besser als einer mit. Die Bewegung an frischer Luft tut mir heute gut - auch wenn ich morgen wieder nicht die Kurve kriegen sollte.
Vorsätze geben mir die Richtung vor, ganz gleich, ob frisch gefasst oder gerade mal schon wieder über den Haufen geworfen. Sie erinnern mich daran, dass ich immer wieder aufstehen und neu anfangen kann. Und ich muss dafür nicht einmal bis Neujahr warten. :-)
Mit meinen Vorsätzen halte ich zumindest den Anspruch aufrecht, es irgendwann mal zu schaffen. Irgendwann ist die Zeit reif: Dann klappt es.
Vorsätze kosten mich nichts - noch nicht einmal Selbstachtung: Selbst wiederholt verletzte Vorsätze betrachte ich als wertvolle Quelle der Selbsterkenntnis. Hinterher weiß ich wieder ein bisschen mehr über mich. Und sei es nur, dass dieses "Ich" in unterschiedlichen Situationen sehr wechselhafte, oft widersprüchliche Motive verfolgt.
Mit zunehmendem Alter habe ich festgestellt, dass diese "Ichs" bei all ihrer Verschiedenheit letztlich ziemlich genau wissen, was ihnen gut tut. In der alltäglichen Achtlosigkeit gehen diese Einsichten bloß allzu oft verloren. Indem ich gelernt habe, meine Schwächen zu akzeptieren und immer wieder einen neuen Anlauf zu nehmen, konnte ich in den letzten Jahren zu meiner eigenen Überraschung dann doch eine ganze Menge guter Vorsätze verwirklichen:
Ich habe tatsächlich ...
mir nach und nach das Rauchen abgewöhnt (die Signale meines Körpers waren unüberhörbar und es war einfach Zeit),
meine Arbeitszeiten begrenzt (indem ich endlich Fakten geschaffen und mein Heimbüro ausgelagert habe: Feierabend ist jetzt Feierabend, am Wochenende - meistens - Wochenende),
für die tägliche Bewegungsration gesorgt, indem ich den Weg ins Büro mit dem Fahrrad absolviere (eine besonders praktische Verbindung von Angenehmem und Nützlichem).
Sogar meine täglichen Pausenzeiten halte ich inzwischen ein, indem ich mich auf alle nur erdenkliche Weise zu festen Zeiten konsequent daran erinnern lasse (PC, Handy).
Zu tun gibt's noch genug - wenn ich mich nach Weihnachten an die guten Vorsätze fürs nächste Jahr mache, werde ich wieder...
Schwerpunkte setzen und auf Rundumschläge verzichten ("Ab heute wird alles anders..." bringt wenig),
möglichst konkrete, positive Vorsätze formulieren (nach der SMART-Methode: spezifische, messbare, attraktive, realistische und terminierte Ziele),
die gewünschten Ergebnisse möglichst genau vorwegnehmen ("Wie fühle ich mich, wenn ich 5 bis 10 Kilo leichter bin? Wie sehe ich aus? Was habe ich davon?")
meine Vorsätze schriftlich festhalten und sie mir an möglichst vielen Stellen vor Augen führen (Listen, Plakate),
meine Vorhaben öffentlich machen - zumindest gegenüber Menschen, die mir nicht in den Rücken fallen,
eigene und fremde Widerstände vorwegnehmen und mir überlegen, wie ich damit umgehe,
Kontakt zu Gleichgesinnten suchen und wechselseitige Unterstützung organisieren (z. B. in Form eines neuen Erfolgsteams
).
Und ich werde mich weiterhin nicht auf das Ergebnis meiner Vorhaben fixieren, sondern den Prozess beobachten, die Tricks meines inneren Schweinehundes noch besser kennenlernen und meine Beobachtungen aufschreiben. Auch und gerade dann, wenn's nicht klappt oder gar die berühmte "Jetzt ist alles egal"-Haltung entsteht.
Bei Licht betrachtet sind gute Vorsätze genau das: gut für uns! Jedenfalls, wenn die Absicht sich nicht in einem halbherzigen, augenzwinkernden "Ja, ja, man müsste eigentlich ..." erschöpft. Für mich stellen die Vorsätze fürs neue Jahr eine unverzichtbare Horizonterweiterung gegenüber der laufenden Tages- und Wochenplanung dar.
Also: Lassen Sie sich von resignierten Zeitgenossen bloß nicht bremsen, wenn Sie um den Jahreswechsel herum das dringende Bedürfnis verspüren, für mehr oder weniger einschneidende Änderungen in Ihrem Leben zu sorgen!
Nutzen Sie die positive Energie: Fangen Sie mit einer Liste Ihrer Vorhaben an, ohne sich selbst zu zensieren. Setzen Sie danach Prioritäten. Prüfen Sie, ob Ihre Absichten zueinander passen. Wenn nein, stellen Sie weniger wichtige, gegenläufige Absichten zurück: Schließlich steht in ein paar Monaten der nächste Jahreswechsel vor der Tür. Und seien Sie im neuen Jahr gnädig mit sich, wenn Sie einmal etwas nicht schaffen: Next time better.
Passend zum Jahreswechsel liefern einige Autoren von akademie.de ganz persönliche Betrachtungen zum Thema "Gute Vorsätze". Die anderen Beiträge dieser Reihe:
Seitdem sich Robert Chromow vor über zehn Jahren mit seinem Redaktionsbüro
selbstständig gemacht
hat, ist bei ihm alles Chef-Sache.
Sogar um die Personalentwicklung in eigener Sache muss er sich selbst kümmern. Da kommen ihm die guten Vorsätze zum Jahreswechsel gerade recht.
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Am 06.01.2009 09:14:59 schrieb <Anonym>:
Danke, Monika,
für die guten Wünsche! (Der gelungene Nikotinentzug ist zum Glück schon eine Weile her. Rückfallgefahr besteht also nicht mehr. :-))
Ein gesundes, erfolgreiches und zufriedenes Jahr 2009 wünscht
Robert Chromow
Am 05.01.2009 23:39:48 schrieb <Anonym>:![]()
Hallo Robert,
herzlichen Glückwunsch zum erfolgreichen Rauchen-Abgewöhnen und alles Gute fürs neue Jahr!
Danke für den aufmunternden Artikel sagt
Monika
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