"The same procedure as every year?" oder: Gute Vorsätze und kleine Schritte
Von Dr. Ellen Ulbricht
"Im neuen Jahr wird alles anders". Auch diesmal. | Weniger ist mehr | Trotzdem: Ziele stecken | Gleich anfangen! | Ein erfolgreiches neues Jahr
(19.12.2008) Auch Selbstständige haben gute Vorsätze - und damit zu kämpfen, dass diese sich im Alltag dann wenig integrationswillig zeigen. Stecken Sie sich trotzdem Ziele!
"Im neuen Jahr wird alles anders". Auch diesmal.
Das steht auch bei vielen Selbstständigen und Unternehmern ganz oben auf der Wunschliste. In diesem Jahr werden wir alles anders machen! Wir werden ...
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die Buchhaltung vom Vorjahr nicht wieder monatelang liegen lassen, bis das Finanzamt den Finger hebt,
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die Belege gleich jeden Monat fein säuberlich sortieren, damit der Steuerberater beim Anblick der Schuhkarton-Buchhaltung keinen Ohnmachtsanfall mehr bekommt,
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die Rechnungen zeitnah schreiben (nicht wie bei dem einen Auftrag, der erst zwei Jahre nach Abschluss in Rechnung gestellt wurde, der war uns ja leider entfallen).
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und vor allem werden wir endlich die säumigen Kunden auf "Vordermann" bringen, damit mal wieder Geld ins Haus kommt...
Am Silvesterabend sind wir frohen Mutes. Die Gläser klingen und um Mitternacht schicken wir ein paar Raketen gen Himmel. Das neue Jahr wird es schon richten!
Am Neujahrstag sieht die Welt dann leider anders aus, wenn wir gegen Mittag mit schwerem Kopf erwachen... Die Vorsätze, noch vor kurzem in Champagner-Laune froh in der Runde verkündet, liegen jetzt bleischwer auf der Bettdecke... Es beschleicht uns die leise Ahnung, dass wir uns zu viel vorgenommen haben könnten.
Spätestens am ersten Arbeitstag überrollt uns dann der Alltag. Ende Januar fällt uns wieder ein, dass wir doch eigentlich alles anders machen wollen - gleich, wenn der nächste Auftrag erledigt ist, fangen wir an. Leider ist dann schon der Februar um. Im März bleibt nur ein Tag für die Buchhaltung des vorangegangenen Jahres, der "Rest" muss warten. Im Juli haben sich schon wieder so viele Belege angesammelt - diesmal muss ein Schuhkarton für Winterstiefel herhalten. Jetzt stehen erst einmal die Ferien vor der Tür. Danach ist sowieso keine Zeit für Aufräumarbeiten... Und am 31. Dezember? Da gibt es "the same procedure as every year" - gute Vorsätze. Im neuen Jahr wird alles anders.
Weshalb weniger manchmal mehr ist
Je größer das Paket an Aufgaben für das neue Jahr ausfällt, desto größer ist die Gefahr des Scheiterns. Im neuen Jahr erweisen sich viele unserer guten Vorsätze leider als "integrationsunwillig". Dinge zu ändern kostet Zeit - und gerade an der fehlt es uns Selbstständigen ganz besonders. Jetzt packen wir noch unsere guten Vorsätze fürs neue Jahr mit in unser überlastetes Zeitbudget - kein Wunder, wenn dieses Vorhaben bereits am Neujahrstag zu bröseln beginnt.
Trotzdem: Stecken Sie sich ruhig Ziele
Aber doch: Dass die Veränderungen, die wir uns vornehmen, immer wieder an der Umsetzung scheitern, das lässt sich ändern. Als erstes müssen wir dazu unsere Ziele ordentlich ausarbeiten.
Wenn Sie alle Ihre Wünsche auf Ihrer "Hitliste" der guten Vorsätze einmal im Detail betrachten, werden Sie schnell feststellen, dass sie nicht allzu weit kommen werden, wenn Sie sie alle auf einmal umsetzen wollen. Deshalb sollten Sie erst einmal all die guten Vorsätze sortieren und gewichten. Das können Sie so machen:
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Thematisieren
Dinge, die Sie gerne einmal in Angriff nehmen wollen, fallen Ihnen sicher spontan und das ganze Jahr über ein, nicht nur zum Jahreswechsel. Diese "Ideenwerkstatt" sollten Sie nutzen. Natürlich können Sie auch die freie Zeit zum Jahreswechsel dafür nehmen. Notieren Sie sich jedes Vorhaben, ohne es zunächst zu bewerten.
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Sortieren
Wenn Sie das Gefühl haben, dass Sie mit der Liste fertig sind, geht es an die Hauptarbeit. Werten Sie die nun einzelnen Punkte danach, wie wichtig sie Ihnen sind. Am Ende sollten Sie die ganz persönliche "Hitliste" Ihrer guten Vorsätze in den Händen halten.
Gehen wir einmal davon aus, dass Ihre Liste ähnlich aussieht wie unsere Beispiele ganz zu Beginn dieses Beitrages.
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Tranchieren
Ein "Berg" von guten Vorsätzen macht nicht gerade Laune, sich an die Umsetzung zu machen - da vergeht der Spaß von vornherein. Wer als Bergsteiger einen Achttausender in einem Zug erklimmen will, wird zwangsläufig scheitern. Deshalb sollten wir uns deren Strategie zu Nutze machen und den Weg in Etappen aufteilen.
Wir fangen gleich damit an
Wenn Sie sich nun die Aufgaben für Ihren ausgewählten Vorsatz "Säumige Schuldner mahnen" einmal näher betrachten, werden Sie feststellen, dass es gar nicht so einfach ist, diese zusätzlichen Maßnahmen in das Tagesgeschäft zu integrieren.
Deshalb sollten Sie sich gleich zu Beginn einen Zeitplan machen, bis wann Sie welche Aufgabe erledigen wollen. Andernfalls werden Sie mindestens 1.000 Ausreden finden, weshalb Sie gerade heute keine neuen Mahntexte erfinden können oder die Einrichtung eines Mahnrhythmus noch bis morgen warten muss. Aber auch hier gilt wieder: Weniger ist mehr.
Und wenn Sie gleich loslegen wollen, dann haben wir zu Ihrer Unterstützung hilfreiche Anleitungen und praktische Tipps parat:
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In Sachen Buchhaltung und "Belege sortieren":
Fürs schnelle Rechnung-Stellen:
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Damit Ihre säumigen Kunden endlich in die Spur kommen:
Ein erfolgreiches neues Jahr
Jetzt liegt es also nur noch an Ihnen, die guten Vorsätze zu schmieden. Fangen Sie am besten gleich heute damit an, damit Sie am Ende des Jahres nicht wieder einmal feststellen müssen, dass Ihre guten Vorsätze vom Vorjahr nur Schall und Rauch waren. Wenn es Ihnen gelingt, einen Ihrer wichtigsten Vorsätze mit Beharrlichkeit und Ausdauer umzusetzen, dann können Sie sich am Ende des neuen Jahres beruhigt zurücklehnen und sagen: "The same procedure as every year"!
Ich wünsche Ihnen auf jeden Fall
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viel Erfolg beim Pläneschmieden
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eine gute Portion Durchhaltevermögen beim Umsetzen Ihrer Ziele
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und damit ein erfolgreiches und gutes neues Jahr!
Zum Jahreswechsel: Gute Vorsätze in Serie
Passend zum Jahreswechsel liefern einige Autoren von akademie.de ganz persönliche Betrachtungen zum Thema "Gute Vorsätze". Die anderen Beiträge dieser Reihe:
Über die Autorin
Frau Dr. Ulbricht
hat die trockene Juristerei bereits vor einigen Jahren hinter sich gelassen und widmet sich jetzt mehr den praktischen Dingen des Lebens. Ihre "Gebrauchsanleitungen" zum Umgang mit untergetauchten Schuldnern stammen genauso aus dem richtigen Leben wie ihre Anmerkungen zu wichtigen Gerichtsentscheidungen. Dabei lässt sie es sich nicht nehmen, aus einem kunstvoll und mit dem ganzen Sachverstand unserer höchsten Richter formulierten sich über zwölf Zeilen erstreckenden Satz doch noch eine Pointe herauszufischen, frei nach dem Motto "Kunst ist schön, aber macht viel Arbeit" (Karl Valentin).
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