Unverhofft kommt oft: Warum Sie immer einen "Plan B" in der Tasche haben sollten
Von Lorenz Hölscher
Alternative | Plan B | Stolpersteine | Chance ergreifen | Fazit
(27.07.2010) Ein bisschen Begeisterung kann nicht schaden, wenn Sie Ihre Arbeit tun. Bei all der Freude sollten Sie aber potenzielle Probleme nicht übersehen, sonst werden Sie irgendwann von diesen überrollt. Lorenz Hölscher erklärt, warum man immer einen "Plan B" in der Tasche haben sollte.
Es gibt immer eine Alternative!
In der Politik gibt es inzwischen die beliebte Standard-Formulierung: "Es gibt keine Alternative zu (hier eine Forderung Ihrer Wahl einsetzen)!". Böse Zungen haben diese Behauptung schon zum TINA-Prinzip (There Is No Alternative) gekürt, weil sie gebetsmühlenartig immer wieder angewandt wird.
Die angebliche Alternativlosigkeit ist natürlich Quatsch und wird auch durch Wiederholung nicht richtiger. Sie heißt eigentlich "Darüber will ich nicht diskutieren. Basta!" oder "Ich will nicht, dass Sie über Alternativen nachdenken!" und entlarvt den Inhalt als Denkverbot.
Nun geht es nicht darum, dass wir uns gemeinsam über Politiker echauffieren, aber wie sehen die Alternativen eigentlich aus? Ihre Alternativen? Haben Sie immer einen Plan B, falls Ihre aktuellen Projekte schiefgehen?
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Sie bringen Ihren Laptop für den Vortrag mit und stellen vor Ort fest, dass der Stecker vom Beamer nicht zu der Buchse passt.
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Sie programmieren für einen Kunden ein automatisches PowerPoint-Inhaltsverzeichnis und erfahren beim Testen, dass dessen PowerPoint 2008 für den Mac gar keine Programmiersprache enthält.
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Sie laden Freunde zum gemeinsamen Fernsehgucken zur Fußball-Weltmeisterschaft ein und bemerken beim Aufbau der Leinwand, dass zu dieser Uhrzeit die Sonne darauf scheint.
Versuchen Sie doch mal, in einer solchen Situation den Satz "Es gibt keine Alternative" anzubringen! Keinen Vortrag? Keine Problemlösung für den Kunden? Kein Fußballgucken? Dabei ist es völlig egal, ob es ein berufliches Projekt fertigzustellen gilt oder "nur" ein privates: keine Alternative ist ein Armutszeugnis.
Plan B
Jetzt gilt es also, einen Plan B aus der Tasche zu ziehen. Natürlich können Sie sich nie für wirklich alle Eventualitäten vorbereiten, denn Murphys Gesetz besagt unter anderem: "Hat man alle Möglichkeiten ausgeschlossen, bei denen etwas schiefgehen kann, eröffnet sich sofort eine neue Möglichkeit." Aber Sie sollten wenigstens wesentliche Katastrophen-Varianten überlegt haben:
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Der Kunde installiert einen Windows-Rechner im Netz, von dem aus bei Bedarf jeweils ein Inhaltsverzeichnis per VBA erzeugt wird.
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Sie stellen die Leinwand in einen Pavillon oder wechseln zu Ihren Nachbarn in deren schattigeren Garten.
Stolpersteine finden
Die Auslöser für Katastrophen sind oft ganz unscheinbar, aber trotzdem vorhersehbar. In der Projektplanung gibt es einen so genannten "Kritischen Pfad", der alle Vorgänge markiert, deren Verspätung den Abgabetermin gefährdet. Nach einem ähnlichen Prinzip können Sie in Ihren Projekten solche Stolpersteine aufspüren.
Ein typischer Kandidat dafür sind alle Ressourcen, die lediglich einzeln vorhanden sind:
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ein einziger Farblaserdrucker,
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eine einzige Leiter mit über 8 m Höhe,
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ein einziges Fahrzeug für den Transport großer Geräte oder
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ein einziger Mitarbeiter mit Spezialkenntnissen.
Überlegen Sie sich jeweils dazu, was Sie tun können, um deren Ausfall zu überbrücken:
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Sie drucken im Copyshop aus,
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Sie leihen sich schnell die Leiter von Ihrem Schwager,
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Sie haben die Telefonnummern der örtlichen Autovermieter griffbereit oder
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Sie kennen einen Freiberufler mit entsprechenden Kenntnissen.
Natürlich ist das keine Garantie dafür, dass nun alles wie am Schnürchen klappt, denn vielleicht ist Ihr Schwager gerade im Urlaub oder der Autovermieter hat alle LKWs bereits vermietet. Aber es verbessert Ihre Chancen enorm, wenn Sie sofort reagieren können. Vor allem reduziert es die Panik beim Auftreten von Schwierigkeiten, wenn Sie allein das Gefühl haben, Sie hätten eine weitere Option quasi griffbereit.
Aus dem Problem eine Chance machen
Bisher haben wir die Entwicklung einer Alternative nur unter dem Gesichtspunkt einer (meist hektischen) Problembeseitigung gesehen. Betrachten Sie es einmal umgekehrt: Vielleicht ist die Alternative sogar besser als die ursprüngliche Lösung?
Denken Sie also rechtzeitig darüber nach, welche anderen Optionen es gibt und bewerten Sie diese, ob sie nicht sogar geeigneter sind. Dann wird aus Plan B plötzlich ein Plan A.
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Sie besprechen in Ihrer Firma den möglichen Drucker-Engpass und stellen dabei fest, dass für ein anderes Projekt demnächst sowieso ein zweiter Farblaser benötigt wird.
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Der Dachdecker-Betrieb gegenüber hat ausreichend Leitern, wenn Sie mal eine brauchen. Dafür leihen Sie ihm bei Bedarf mal Ihr Spezialwerkzeug.
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Sie schließen mit einer Autowerkstatt einen Vertrag ab, dass Ihre Fahrzeuge innerhalb von einem Tag repariert werden und Sie andernfalls ein Ersatzfahrzeug zur Verfügung gestellt bekommen.
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Der Freiberufler übernimmt das Coaching weiterer Mitarbeiter, sodass die bisherigen Spezialkenntnisse bei mehreren vorhanden sind. Gleichzeitig ist er dadurch in das Projekt eingearbeitet und kann notfalls schneller einspringen.
Fazit
Hektik ist kein guter Ratgeber. Wenn Sie sich rechtzeitig Alternativen zu möglichen Problemen überlegen, kommt sehr wahrscheinlich auch ein Tipp zu einer jetzt schon besseren Lösung dabei heraus. Nutzen Sie diese Chance!
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