Factoring: Alternative zum Kredit?Dieser Tipp wurde mit 3 von 5 Sternen bewertet.

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Von Barbara Brecht-Hadraschek

(13.09.2002) Die Ware ist geliefert und der Kunde zahlt gar nicht oder zu spät - was tun? Diese Frage ist für viele kleine und mittelständische Unternehmen oft existenziell, denn schnell droht die Liquiditätskrise. Factoring kann eine Lösung sein. Es sorgt nicht nur für die notwendige Liquidität, sondern auch für Arbeitsentlastung und den vollen Schutz vor Forderungsverlusten. Andererseits ist Factoring nicht ganz billig und nicht für jedes Unternehmen geeignet.

Ausgangslage: Zunehmende Finanzierungsprobleme beim Mittelstand

  1. Die Kreditaufnahme für den Mittelstand wird immer teurer. Steigende Zinsen, die neue Insolvenzordnung und vor allem die strengeren Kreditvergaberegeln der Banken durch Basel II, sorgen für lange Gesichter beim eigenkapitalarmen deutschen Mittelstand. Die fehlenden Finanzpölsterchen machen jeden größeren Auftrag, der nicht gleich bezahlt wird, zur Hängepartie.

  2. Auch die Zahlungsmoral hat in Deutschland in den letzten Jahren schmerzlich nachgelassen: 22 Prozent aller Zahlungspflichtigen überschreiten das Zahlungsziel um mehr als 14 Tage. Scheinbar findet hier eine Anpassung an internationale Gepflogenheiten statt, Rechnungen erst nach durchschnittlich 69 Tagen zu bezahlen - das Ziel sollte eigentlich 21 Tage sein. Die Folge: Die Finanzierung aus dem Umsatz fällt vielen Unternehmen immer schwerer.

Was ist Factoring?

Factoring ist der Kauf von Geldforderungen aus Warenlieferungen und Dienstleistungen. Der entscheidende Punkt dabei ist: Factoring ist ein Kaufgeschäft und kein Kreditgeschäft. Das Unternehmen verkauft seine offene Forderungen an eine Factoringgesellschaft (Factor) - damit vollzieht sich ein Gläubigerwechsel.

Das Unternehmen erhält dafür sofort einen Betrag in Höhe von 70 bis 90 Prozent des jeweiligen Außenstands. Die Restsumme wird nach Zahlung der Abnehmer (abzüglich der Zinsen und des fälligen Factoring-Entgeltes) beglichen. Dafür übernimmt die Factoringgesellschaft das Ausfallrisiko sowie die gesamte Debitorenverwaltung, vom Mahnwesen bis zum Inkasso. Der Vorteil liegt auf der Hand: Forderungen verwandeln sich schneller in Liquidität. Das verschafft nicht nur zeitlichen und finanziellen Handlungsspielraum sondern stärkt auch die Position des Unternehmens gegenüber den Lieferanten und der Hausbank.

Tipp: Die Vorteile im Überblick

- Planungssicherheit: Der Factoring-Kunde kann eigene Zahlungsverpflichtungen besser planen; denn vom Factor kommt das Geld pünktlich.

- Schutz vor Forderungsverlust, bzw. Zahlungsausfällen.

- Verbesserte Liquidität - dadurch sind beispielsweise Einsparungen beim Einkauf durch Skonti und Rabatte möglich.

- Finanzierung von weiterem Umsatzwachstum ist möglich.

- Entlastung auf Seite der Verwaltung, denn die komplette Abwicklung kann ausgelagert werden.

- Durch den Abbau von Dauerschulden kann auch die Gewerbekapitalsteuer verringert werden.

- Bilanzverkürzung

- Verbesserung der Eigenkapitalquote

- Verbesserung des Bonitätsbildes

- Rechtliches Know-how, vor allem im Auslandsgeschäft

Anmerkung: Bilanzverkürzung und besseres Rating: Wie geschieht das?

Durch den Forderungsverkauf können Unternehmen ihre Bilanzstruktur deutlich verbessern. Wie geht das? Die verkauften Forderungen - sonst "totes Kapital" - scheiden aus der Bilanz des Unternehmens aus . Bei geschickter Mittelverwendung findet dann eine Bilanzverkürzung statt, z.B. wenn das vom Factor zur Verfügung gestellte Geld in erster Linie zur Bezahlung der Lieferantenverbindlichkeiten verwendet wird - sprich: sowohl eigene Schulden als auch eigene Forderungen sind aus der Bilanz verschwunden, denn das eine konnte mit dem anderen bezahlt werden.

Positiver Effekt dieser Bilanzverkürzung ist schließlich auch eine entsprechend gestiegene Eigenkapitalquote. Nicht nur wegen dieser höheren Eigenkapitalquote verbessert sich dann auch das Rating des Unternehmens! Der Effekt wird noch verstärkt, da die in den Außenständen eventuell verborgenen Ausfallrisiken jetzt beim Factor liegen.

Für wen ist Factoring geeignet?

Factoring ist jedoch kein Heilmittel für notleidende Unternehmen. Es eignet sich vor allem für wirtschaftlich gesunde Unternehmen, die Wachstumspotenziale ausschöpfen wollen ohne sich durch Liquiditätsengpässe bremsen zu lassen.

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