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Von Iris Leister
Zwei Beispiele | Die Sinne beieinander
(08.06.2009) In diesem Beitrag geht es um gelungene Beschreibungen sowie darum, wie man als Autor mit ihrer Hilfe den Leser in die Welt einer Geschichte entführt. Dazu stellen wir einige Werkzeuge vor, die Autoren helfen, die Welt der Geschichte so sinnlich zu beschreiben, dass der Leser in ihr aufgeht. Außer theoretischen Grundlagen haben wir aber auch Beschreibungs-Übungen für Sie.
Wie "macht" der Autor eine Be-Schreibung, die den Leser fesselt?
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Der Roman "Die Freibadclique1" von Oliver Storz beginnt mit dem Satz:
"Die niedere Steinmauer am Freibadeingang fühlte sich an, als seien schon Ferien: gegen fünf noch so sengend, dass unsere mageren Ärsche in den dünn gewetzten Badehosen darauf glühten."
Dieser Satz lässt vor dem inneren Auge des Lesers sofort eine Welt entstehen. Wir "sehen" magere Kinderpopos, deren Besitzer offensichtlich nicht im Reichtum schwimmen (sorry für den Kalauer ...), denn die Badehosen sind abgewetzt, wir "sehen" eine niedrige, vor Hitze glühende Mauer und wir bekommen ein Gefühl vermittelt: Das vorzeitige Feriengefühl. Ein Sommergefühl. Gleichzeitig steigt vielleicht die Erinnerung an eigene Freibaderlebnisse im Leser hoch. Daran, wie die Platten des Mäuerchens am Kiosk rochen, wenn sie vom nassen Badezeug feucht wurden. Und den Geruch von Pommes. An die winzigen roten Steinläuse, die auf den Platten herumkrabbelten, das Gekreisch, das in der Luft lag, dann und wann unterbrochen von einem Platschen, wenn wieder jemand vom Zehner gesprungen war.
Mit wenigen Worten entführt Oliver Storz die Leser in die Welt seines Romans und hält ihn als eine Art freiwilligen Gefangenen dort fest.
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Genauso plastisch können auch Personenbeschreibungen sein:
"Der kleine Heinz kleidet sich vorbildlich, die Bügelfalte seiner hellen Sommerhose wirkt, als könne man sich an ihr schneiden."
So beschreibt Alexander Osang in seiner Reportage "Tod im Paradies2", in der er das Leben deutscher Rentner im thailändischen Pattaya schildert, seinen Protagonisten.
Mit wenigen, sich auf das Wesentliche konzentrierenden Worten lassen beide Autoren ihren jeweiligen "Beschreibungsgegenstand" vor dem inneren Auge des Lesers lebendig werden und ziehen diesen in die vom Autor geschaffene, bzw. im Falle von Alexander Osang, vom Autor beschriebene, Welt hinein.
Gute Beschreibungen sorgen dafür, dass der Leser sich in der beschriebenen Welt wie in einem (eigenen) Traum bewegt und sie nicht wieder verlassen will.
Alle Sinne beieinander haben
Vor ein paar Tagen las ich in der U-Bahn die Überschrift "Das Ohr liest mit". Leider bin ich nicht selbst auf diese genialen Satz gekommen, denn er ist ein passender Aufhänger für diesen Abschnitt, bei dem es um das Beschreiben mit und für alle Sinne gehen wird.
Im Alltag sind die meisten von uns Augentiere. Die anderen Sinne, wie Hören, Riechen, Schmecken und Tasten treten hinter das Sehen zurück. Trotzdem sind alle diese Sinneseindrücke da und werden, wenn auch eher unbewusst, als eine Art Hintergrundrauschen wahrgenommen.
Der Sinn einer guten Beschreibung liegt darin, eine geschlossene Welt für den Leser zu kreieren, die so spannend und lebensecht scheint, dass er nicht mehr aus ihr hinaus will. Sie kennen das: Das Telefon klingelt, aber man kann nicht aufhören zu lesen. Man hat Hunger, will aber unbedingt noch das Kapitel zu Ende lesen. Eigentlich müsste man längst schlafen, aber man kann das Buch nicht zur Seite legen. Die reale Welt tritt zurück und wir sind gefangen in der Welt des Buches, das wir lesen. Um den Leser so zu bannen, muss der Autor auch seine fiktive Welt mit einer Art Rauschen aller Sinneseindrücke versehen. Mehr noch: Er muss das Rauschen aus dem Hintergrund holen in das Bewusstsein des Lesers.
Egal, welche Art Welt, Raum oder welche Person wir beschreiben, wir brauchen Informationen für alle Sinne. Welche Gerüche strömen sie oder er aus? Welche Geräusche sind zu hören, bzw. wie klingt die Stimme einer Figur? Wie sehen die Welt oder die Figur aus?
Einige von Ihnen erinnern sich vielleicht an den kleinen Herrn Rettich, den ich für meinen Artikel "La bella Figura"3 erfunden hatte. Herr Rettich ist ein kleiner, verhuscht wirkender Mann um die fünfzig. Für und mit allen Sinnen beschrieben sähe er in etwa so aus:
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