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La bella Figura: So entwerfen Sie fesselnde, lebendige Figuren für Ihren Roman, Krimi, Hörspiel, Film...
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Von Iris Leister
(19.12.2008) Egal, ob man einen Roman oder Krimi liest, einen Film sieht oder einem Hörspiel lauscht, es sind die darin agierenden Figuren, die den Rezipienten fesseln.
Figuren
Wir gehen mit ihnen durch den Stoff, wollen wissen, wie es mit ihnen weitergeht. Wie die Geschichte für sie ausgeht. Mit ihnen leiden wir mit, wenn sie in einem Drama oder gar einer Tragödie ihr Schicksal herausfordern, mit ihm hadern bzw. im Fall der Tragödie daran scheitern. In der Komödie lachen wir mit ihnen und über sie und wir fiebern mit ihnen, wenn sie in einem Krimi oder Thriller, gleich ob im Buch oder auf der Leinwand, um ihr Leben kämpfen oder einen Mörder suchen.
Diese enge Bindung zwischen Rezipienten und fiktionaler Figur gelingt nur, wenn die Figur überzeugt. Wenn sie fesselt. Fasziniert. Oder man sich an ihr reiben kann. Wenn sie keine Schablone, sondern dreidimensional und abgerundet ist.
Als Beispiel vorab drei Figuren, die mir in der letzten Zeit besonders gefallen haben:
Da ist zum einen Stieg Larssons1 schroffe, genialische Heldin Lisbeth Salander, die trotz ihrer Stärke auch Opfer ist.
Zum zweiten Karen Duves Alex Herwig2, die Protagonistin ihres Romans "Taxi", eine völlig entscheidungsunfähige, eigentlich ängstliche Figur, die sagt: "Ich wusste, dass ich alles aushalten konnte. Das war meine Stärke. Mir war noch nie irgendetwas Entscheidendes in meinem Leben gelungen, aber aushalten konnte ich alles." Und aushalten muss sie. Und dabei entwickelt sie eine erstaunliche "Toughheit".
Als Drittes der von Robert Atzorn gespielte Jon Ewermann im ZDF-Film "Im Gehege"3, ein arroganter, gefühlskalter Kerl, der sich in einem Liebeswahn wiederfindet und dabei über Leichen geht.
Alle drei Figuren verfügen über ein Bündel von Charaktereigenschaften und Macken. Man reibt sich an ihnen, gleichzeitig mag man sie. Bis auf Jon Ewermann. Dem folgt man mit der Faszination des Grauen in den Abstieg. Aber es gibt natürlich auch Figuren, die man liebt. John Irving4 zum Beispiel hat viele unglaublich liebenswerte Figuren geschaffen.
Wie man solche und andere Figuren erfindet und schreibt, steht im Zentrum dieses Artikels. Fangen wir mit ein paar sehr wichtigen theoretische Grundlagen an, um dann ganz praktische Übungen kennenzulernen.
Technik
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Drei Dimensionen machen eine gute Figur
Wenn heute von dreidimensionalen Figuren die Rede ist, sind abgerundete, lebendige Figuren gemeint. Ursprünglich stammt der Begriff der dreidimensionalen Figur jedoch aus Lajos Egris Standardwerk "The Art of Dramatic Writing"5. Für Egri setzt sich die Figur tatsächlich aus drei Dimensionen zusammen. Diese drei Dimensionen bilden die Grundlage gelungener Figuren. Zunächst gibt es die physiologische Dimension. In ihr werden körperliche Details wie Geschlecht, Größe, Haare, Rasse etc. beschrieben.
Die zweite, die soziologischen Dimension, trifft darüber Aussagen, ob die Figur arm oder reich ist, ob sie über einen hohen, einen durchschnittlichen oder einen niedrigen Bildungsgrad verfügt, welcher Schicht sie angehört, ob sie Single oder Mitglied einer Großfamilie ist etc.
Die dritte Dimension ist die psychologische Beschreibungsebene. Sie beschreibt nicht nur die Grundstimmung einer Figur, nämlich ob sie traurig, fröhlich, wütend oder gleichgültig ihr Leben bewältigt, sondern auch ihre Neurosen, Ängste oder Psychosen und sonstige psychologische Eigenheiten. Die psychologische Dimension ist zu Teilen ein Ergebnis des Zusammenspiels der physiologischen und der soziologischen Dimension.
Als Beispiel erfinde ich hier einmal schnell eine Figur. Ich nenne sie Herrn Rettich. Also: Herr Rettich ist ein kleiner, fast zierlich gebauter Mann um die fünfzig mit sandfarbenem, ordentlich gescheiteltem Kurzhaar. Er trägt eine Brille mit dünnem, goldenem Rand. Seine Augen sind dahinter nicht zu erkennen. Er trägt ausschließlich Anzüge. Diese Anzüge sind schon etwas abgeschabt, aber wenn man genau hinschaut, sieht man, dass sie einmal von hervorragender Qualität gewesen sein müssen. Herr Rettich ist so zurückhaltend, dass er verhuscht wirkt. Wenn man ihn im Treppenhaus trifft, tritt er auffällig weit zur Seite. Er ist sehr höflich, aber seine Höflichkeit ähnelt einem Panzer. Er spricht leise und drückt sich gewählt aus. Herr Rettich ist Kettenraucher.
Mit dieser Beschreibung habe ich Egris drei Dimensionen erstmal abgedeckt. Man kann und wird die Beschreibung noch viel ausführlicher machen, wenn man die Figur in einem Roman, einem Film oder einem Hörspiel verwenden möchte, aber an dieser Stelle soll uns das reichen.
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Zwei zusätzliche Dimensionen machen eine noch bessere Figur
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Kommentieren, bewerten, Fragen an den Autor: "Kreativ schreiben: lebendige Figuren"
Am 04.01.2009 12:36:40 schrieb <Anonym>:![]()
Gute Anregungen! Dankeschön!
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