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Pressemitteilungen

Einbau von VG-Wort-Zählpixeln auf Webseiten verletzt geltendes Datenschutzrecht

Berlin, den 15.10.2013. Wer derzeit auf seinen Webseiten die unsichtbaren Zählpixel der VG Wort platziert, verletzt gleich mehrfach geltendes Datenschutzrecht. Dies erläuterte der Berliner Beauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit am 26.09.2013 akademie.de in Beantwortung einer Datenschutzanfrage des Online-Magazins und E-Learning-Anbieters. Demnach dürfen Website-Betreiber derzeit keine Zählpixel der VG Wort auf ihren Webseiten laufen lassen.

Mit den unsichtbaren Zählpixeln identifiziert die Verwertungsgesellschaft Wort, wie viele Besucher welche Textseiten im WWW abrufen. Ab einer bestimmten Zahl von Abrufen ihrer Beiträge zahlt die VG Wort dann wahrnehmungsberechtigten Autorinnen und Autoren jährlich Ausschüttungen für ihre Texte im Internet aus. Die Ausschüttungshöhe legt VG Wort meist im Folgejahr der Zählung fest. Die VG-Wort-Zählpixel finden sich auch auf den Seiten vieler bekannter Online-Contentanbieter.

Nach eigenen Angaben erfasst die VG Wort die Nutzerdaten der Leser im Internet nur, um die Besucherzugriffszahlen pro Textbeitrag festzustellen. Die erfassten IP-Nummern der Nutzer würden anonymisiert (um eine Stelle gekürzt). Die VG Wort würde die erhobenen Daten auch nicht verwenden, um Nutzerprofile zu erstellen. „Das soll auch nicht angezweifelt werden” erklärt akademie.deGeschäftsführer Dr. von Hase. „Leider werden aber die von den VG-Wort-Zählwanzen erfassten personenbezogenen Metadaten der WWW-Leser zunächst mit voller IP-Nummer, einem Zweijahres-Langzeit-Cookie der VG Wort, der Linkinformation über den gerade gelesenen Text und weiteren Angaben offen durchs Netz an den VG-Wort-Zählserver geschickt. Erst dort werden die Daten pseudonymisiert. Gerade gut aggregierbare Meta-Daten sind fürs Profiling hoch begehrt - nicht nur bei den Geheimdiensten. Die VG Wort hat keinen Einfluss auf Datenableitungen an Netzknoten. Schon deshalb sollte jeder selbst frei entscheiden dürfen, ob die VG Wort das persönliche Leseverhalten im Internet über Zählpixel auf den Seiten tracken darf oder nicht.”

Im August 2013 hatte akademie.de zunächst die VG Wort um einen „Optout-Code” gebeten. Damit sollte sich jeder Leser per Mausklick auf einen Button in der Datenschutzerklärung von akademie.de vom Webtracking durch die VG-Wort-Zählpixel abmelden können. Bietet ein Website-Betreiber hier nämlich keine Optout-Möglichkeit an, riskiert er als Telemedienanbieter Bußgelder wegen Verletzung der Datenschutzbestimmungen.

Im Schreiben vom 22.08.2013 verweigerte die VG Wort dem Website-Betreiber akademie.de jedoch diesen Optout-Code: „Aus unserer Sicht verbietet sich ein Optout sogar, da wir ja Rechte wahrnehmen, mit deren Verwaltung wir vom Gesetzgeber betraut wurden. Ein Optout entspräche nach unserer Sicht einem 'nein, ich will nicht, dass Urheber die vom Gesetzgeber zugestandene, angemessene Vergütung für ihre Werke erhalten'.”

Nach dieser Absage wandte sich akademie.de auch an den Berliner Datenschutzbeauftragten und bat um Stellungnahme. Dieser stellte inzwischen fest, derzeit fehle hier bereits ein zulässiger Datenverarbeitungszweck nach § 15 Abs. 3 bis 5 TMG (Telemediengesetz), der die Datenübermittlung an die VG Wort als Auftragsdatenverarbeiter erlaube. Ferner fehle die erforderliche schriftliche Vereinbarung gemäß § 11 Abs. 2 BDSG (Bundesdatenschutzgesetz). Schließlich sei es rechtswidrig, den Internet-Nutzern den Optout-Button und damit ihre Widerspruchsmöglichkeit gegen eine Zählung gemäß § 15 Abs. 3 TMG zu blockieren. Da akademie.de dem datenschutzwidrigen Zustand selbst nicht anders abhelfen kann, wurden jetzt sämtliche Zählpixel der VG Wort von den akademie.de-Webseiten entfernt. In einem Schreiben an die betroffenen Autoren erläutert akademie.de, man werde wegen des Ausfalls der Seitenzugriffszählungen notfalls die eigenen Webzugriffsstatistiken nutzen und ersatzweise eigene Ausschüttungen an die Autoren aus Eigenmitteln durchführen, um Einnahmeausfälle der Autoren bei der Wort zu kompensieren. akademie.de werde dann geleistete Auszahlungsbeträge und Aufwand bei der VG Wort geltend machen. „Die VG Wort bringt die im Netz publizierenden Autoren und Verlage in eine Situation, die an Nötigung grenzt” erläutert Geschäftsführer von Hase. „Derzeit bekommen die Autoren von der VG Wort nur ihr Geld, wenn der Website-Betreiber aktiv die Rechte seiner Website-Besucher auf informationelle Selbstbestimmung verletzt und die VG Wort-Zählpixel einfach ohne Optout-Button für Nutzer laufen lässt. Das Dilemma bei dieser Zwangszählungsveranstaltung erklärt vielleicht auch, warum fast alle Online-Publisher, die unsichtbare VG-Wort-Zählwanzen auf den eigenen Webseiten platzieren, dies in ihrer Datenschutzerklärung einfach totschweigen. So bekommen monatlich zig-Millionen Leser im deutschsprachigen Web vom heimlichen Webtracking gleich gar nichts und verlangen dann natürlich auch keine Optout-Möglichkeit. Diese könnte ja auch nicht erfüllt werden, weil die VG Wort den erforderlichen Code nicht herausrückt.”

akademie.de hat inzwischen die VG Wort abgemahnt, bis spätestens 31.12.2013 ihr Zählverfahren datenschutzkonform auszugestalten. Damit ein gesetzlich erlaubter Verarbeitungszweck erfüllt wird, soll die VG Wort zunächst den wahrnehmungsberechtigten Autoren und Verlagen ihre statistischen Auswertungen für Internettexte zugänglich machen. Ferner soll die VG Wort mit den Websitebetreibern einen datenschutzgerechten Vertrag zur Auftragsdatenverarbeitung gemäß § 11 Abs. 2 BDSG abschließen. Schließlich besteht akademie.de weiterhin auf dem Optout-Button für die eigene Datenschutzerklärung als Website-Betreiber. Ansonsten wird Feststellungsklage erhoben.

Hinweis: Weitere Informationen zum Thema "Webwanzen" finden Sie unter: http://www.akademie.de/wissen/webtracking-collusion

Pressekontakt: akademie.de asp GmbH & Co. Betriebs- & Service KG

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Ansprechpartner: Dr. Dietrich von Hase

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