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Von Robert Chromow
Schweigen im Walde | Aktives Hintergrund-<sprache sprache='en'>Networking</sprache>
(16.07.2003) Wer sagt eigentlich, dass man in Mailinglisten nur vor versammelter Mannschaft "networken" kann? Wirkungsvolle Kontaktpflege lässt sich auch in Form persönlicher Mails an Listenteilnehmer betreiben - in vielen Fällen sogar ganz im Sinne der Listenbetreiber.
Steckt nicht in allen von uns ein "Lurker"? Obwohl die schweigende Masse der Mitleser von Mailinglisten erfahrungsgemäß die weit überwiegende Abonnenten-Mehrheit stellt (oft 80 bis 90 Prozent), sind "Lauerer" oder "Schleicher" schlecht angesehen: Sie gelten vielfach als Schmarotzer der Netzwerk-Szene - wer sich nicht - zumindest kurz - öffentlich vorstellt, verstößt in den meisten Fällen bereits gegen die Netiquette.
Schweigen im Walde
Dabei gibt es durchaus rationale Gründe, nicht zu jeder Diskussionsliste regelmäßig aktiv beizutragen:
Die große Zahl und der beträchtliche Umfang vieler Postings erschwert es, alle Diskussionsstränge intensiv zu verfolgen und darauf angemessen zu antworten.
Der oft raue und leider nicht immer herzliche Tonfall der Listen-Insider schreckt viele Newcomer ab. Auch wenn gern betont wird, dass es keine dummen, sondern nur dummerweise ungestellte Fragen gibt, sehen sich freimütige Fragesteller regelmäßig abgekanzelt: Ganz gleich, ob durch den Verweis auf längst erledigte Themen ("Schon mal im Archiv nachgesehen?"), auf unpassende ("off topic" = OT) oder vermeintlich banale Anliegen ("Versuch's mal mit Googeln...") - unfreundliche und arrogante Reaktionen sind vielerorts an der Tagesordnung - selbst gegenüber Neulingen.
So sehr die Netz-Kollegialität normalerweise beschworen wird: Gerade Selbstständige oder prominente Mitarbeiter von Unternehmen sehen sich in der Gefahr, das Ansehen der eigenen Person oder des Betriebs durch naive Fragen und wertlose oder inkompetente Antworten bloßzustellen.
All das leistet der ohnehin weit verbreiteten Schüchternheit Vorschub, die eigene Meinung oder fachliche Kompetenz wichtig genug zu nehmen und sich öffentlich schriftlich vor Hunderten, manchmal sogar Tausenden von Mail-Empfängern zu äußern.
Aktives Hintergrund-<sprache sprache='en'>Networking</sprache>
Gute Gründe, sich zurückzulehnen und die attraktiven Kontaktmöglichkeiten von Diskussionslisten an sich vorbeirauschen zu lassen, sind das trotzdem nicht: Denn aktives Networking ist auch im Hintergrund möglich - ganz gleich, wie intensiv die öffentliche Debatten-Beteiligung ist.
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