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10 Tipps, wie Sie erfolgreich Ihre Website-Besucher vergraulen

Auf Ihrer Website tummeln sich zu viele Besucher? Das muss nicht sein.

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Stand: 21. Mai 2012 (aktualisiert)

Auf Ihrer Website tummeln sich zu viele Besucher? Das muss nicht sein. Lorenz Hölscher gibt Anregungen, wie Sie Ihre Besucher am sichersten wieder loswerden.

Tipp 1: Flash-Intro statt Information

Natürlich brennen Ihre Besucher darauf, endlich die unglaublichen Inhalte gerade Ihrer Website lesen zu wollen. Da können Sie diese Spannung noch weiter steigern, indem Sie zuerst mal ein Flash-Intro anzeigen. Darin fahren feine Linien von links nach rechts und nichtssagende Rechtecke blenden in beliebige Farbbalken über. Das hat jeder schon tausendfach in gleicher Langweiligkeit gesehen und ärgert sich. Wer Ihre Seite jetzt noch nicht weggeklickt hat, dem ist auch nicht mehr zu helfen.

Tipp 2: Flash ohne Erbarmen

Geübte Nutzer suchen auf Seiten mit solchen überflüssigen Animationen direkt die "Skip intro"-Schaltfläche. Vielleicht kommt danach ja doch noch etwas Interessantes. Aber pfiffig, wie Sie sind, fehlt diese Möglichkeit, das nichtssagende Filmchen zu überspringen. Das macht aber nix, denn der Besucher ist längst weg.

Tipp 3: Flash ohne Alternative

Sie können natürlich auch direkt Nägel mit Köpfen machen und auf schnödes Allerwelts-HTML verzichten. Ihre Seite erfindet das Bedienkonzept ganz neu und ist vorsichtshalber ganz in Flash programmiert. Wer solche PlugIns also wegen Datenschutz und nerviger Bildschirmzappelei abgeschaltet hat, sieht bestenfalls eine Fehlermeldung oder er sieht gar nix. Und diese Website sieht auch gar nix mehr vom Benutzer.

Tipp 4: Aufmerksamkeitsdefizit und Hyperaktivitätssyndrom (ADHS)

Sie haben nichts mitzuteilen, aber das ganz laut? Dann reihen Sie sich doch ein in die Phalanx der Zappelseiten! Da sind mindestens 15 animierte Icons pro Bildschirm Pflicht. Und wenn dann noch nicht genug Smileys herumhüpfen, finden sich bestimmt ein paar Werbeeinblendungen, die dem Leser mit rot blinkendem Rand aufdrängeln, dass er jetzt in 10, 9, 8, 7 ... Sekunden als Gewinner auserwählt sei. Natürlich ist er nicht auserwählt. Sondern weg.

Tipp 5: Bildschirmbreite ignorieren

Breite Bildschirme sind super, um Kinofilme im 16:9-Format auf einem Laptop zu sehen. Sie sind ebenfalls unschlagbar, um die ganzen Hilfsfenster großer Programme seitlich abzulegen und trotzdem noch arbeiten zu können. Was das mit Ihrer Website zu tun hat? Nichts. Sie fixieren Ihr Layout weiterhin mit Tabellenlayout auf 640*480 Pixel. Das schont die Augen der Leser und erzeugt meditativ anmutende weiße Flächen in weiten Bereichen des Bildschirms. Gut, der Benutzer muss dauernd rauf- und runterscrollen, aber ein bisschen Bewegung soll ja gesund sein.

Tipp 6: Lesbarkeit ist was für Weicheier

So ein Internet macht es dem Webdesigner aber auch verflixt schwer. Kaum hat er bemerkt, dass er seinem Leser die Bildschirmgröße nicht vorschreiben kann, muss er auch noch erfahren, dass nicht einmal seine Lieblingsschrift einsetzbar ist. Bei dieser Erkenntnis greifen sich auch gestandene Grafiker röchelnd ans Herz. Aber halt, Rettung naht! Schließlich können Sie die Texte ja einfach als Grafik einbinden, da ist wieder jeder optische Schnickschnack möglich. Nebenbei verhindern Sie damit auch das lästige Herauskopieren von Informationen. Übrigens auch durch Suchmaschinen. Suchmaschinen? Wer braucht die denn? Leser? Wer braucht die denn?

Tipp 7: Das ist ja alles ganz bunt hier!

Schwarze Schrift auf weißem Grund kann jeder. Wirklich innovativ ist blauer Text auf schwarzem Hintergrund oder wenigstens kleinteilige Schrift auf einem detailreichen Hintergrundbild. Na ja, so innovativ nun auch nicht mehr, es gibt genug Internetadressen, die sich an solchen Quälereien versuchen. Solche haben Sie noch nie gesehen? Wahrscheinlich haben Sie nur nicht erkannt, dass da überhaupt Text drauf steht. Und wissen Sie, wer da auch gar nicht drauf steht? Ihre Ex-Besucher.

Tipp 8: Wer diese Seite liest, ist selber schuld

Es gibt Seiten, da heißt es "Willkommen auf unserer Seite, hier finden Sie alles zu unserem Hobby 'Fönfrisuren bei Pudeln'." Das mag inhaltlich an der Schmerzgrenze (oder auch darüber) liegen, macht aber doch einen besseren Eindruck als: "Für diese Seiten wird eine Mindestauflösung von 1024*768 Pixeln und der Einsatz des XYZ-Browsers in der Version 8.33 empfohlen. Bei langsamer Internetverbindung kann es zu längeren Ladezeiten kommen." Versuchen Sie das doch mal bei Ihren eigenen Gästen an der Haustür: "Dein Regenschirm passt ja sowas von gar nicht zu meiner Garderobe!" - Wer so abweisend begrüßt wird, kehrt auf dem Absatz um.

Tipp 9: Megabytestarke Bilder

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte, aber ein zu großes Bild verdrängt locker alle tausend Worte hinter den unteren Bildrand. Wer zu faul ist, seine eingescannten oder mit voller 20 MB-Fotoauflösung gespeicherten Bilder internetgerecht herunterzurechnen, darf sich über genervte Besucher nicht wundern. Da hilft es auch nicht, die width- und height-Eigenschaften zum Verkleinern anzugeben, die Ladezeit bleibt gleich, nur der Ärger wird größer.

Also: Wer riesengroße Bilder zu Lasten der Information anbietet oder solche sich verschafft und via Website in Verkehr bringt, wird mit Besucher-Flucht nicht unter zwei Jahren bestraft.

Tipp 10: Gleich folgt eine Ankündigung

Wenn Sie diesen Satz lesen, werden Sie als nächstes erfahren, worum es geht. Es folgt eine Ankündigung. Klicken Sie hier, um mehr zu lesen. (Kurze Werbeunterbrechung) Alle Details erfahren Sie endlich im nächsten Absatz.

Würden Sie auch eine Zeitung lesen, deren erste Seite nur aus Überschriften und "Weiter auf Seite 3"-Ankündigungen besteht?

Fazit

"Am meisten stört bei der Arbeit der Kunde", sagen sich viele Dienstleister und vermitteln ihren Website-Besuchern genau dieses Gefühl. Mit einer optimal verschlechterten Website können Sie Ihren Besuchern auch dieses kuschelige Gefühl von Ablehnung und Unbrauchbarkeit vermitteln. Frisch ans Werk!

Zum Weiterlesen: Ihr starker Auftritt im Internet

Ein professioneller Auftritt im Internet ist auch mit kleinem Budget zu bewerkstelligen. Vorausgesetzt, Sie beachten einige Grundregeln.

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Ihre Wertung:

 

Sehr gut :-)

Persönlich finde ich "gut" gemachte Flash-Animationen sehr interessant aber für den Webeinsatz wird diese Art der Darstellung immer unbrauchbarer.

Klasse !

Es ist alles nicht neu. Trotzdem traurig wie viele Firmen die gleiche alte Fehler immer wieder machen. Deshalb ist es gut, es nochmals und nochmals zu sagen (oder schreiben)

Da fehlen noch einige Fehler:
- Die Webseiten die den Inhalt verschieben wenn ich mit der Maus mich über die Seite irgendwo hin bewege. Ich glaube die nennen das Fortschritt durch AJAX. Ich emfinde es nur als nervig.
- Webseiten mit zahllose Hinweise über weitere Produkte und Angebote. Ich habe mich mit Mühe zu dieser Seite Navigiert, warum wollen die mich hier weg haben?

Da fällt mir noch viel mehr ein...

Gruß,
Ernest

Oh, er war auf meiner Seite... *lol*

Ja das stimmt was hier steht - gerade als iPad-User ärger ich mich regelmäßig über den an vielen Stellen unnötigen Einsatz von Flash.

Schön, auch mal zu sehen, was man bzw. wie man es gerade nicht machen sollte.

Freue mich auf weitere Tipps.

Manno DeLarossa

witzig formuliert und inhaltlich meiner Meinung, gefällt mir!

Wenn es so aussieht, wenn Sie etwas ärgert, dann beneide ich ihre Frau. Ich habe Tränen gelacht. Einfach weltklasse.

Viele Grüße
Katja

Keine Angst, es geht mir gut und ich sitze gerade auch wieder an ganz konstruktiven Beiträgen zum Thema Website. :-)

Mit freundlichen Grüßen,
Lorenz Hölscher

oha, treffend ist es ja, aber wer/was hat Sie denn derartig geärgert? Solche nicht mehr verschleiert sarkastischen Seitenhiebe passieren mir nur an wirklich schlechten Tagen, und ich halte sie auf analogem Papier sorgfältig unter Verschluss.

Trotzdem gut erkannt, alles in allem :)
Viele Grüsse
Maddy

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