Wieviel Umsatzsteuer auf welche Dienstleistung - 7 oder 19 Prozent?

Wie Texter, Programmierer und andere Dienstleister den richtigen Umsatzsteuer-Satz ermitteln

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Stand: 5. April 2013 (aktualisiert)

Dürfen/können/müssen selbstständige Webdesigner, Grafiker, Texter und Programmierer den ermäßigten Umsatzsteuersatz von sieben Prozent ansetzen? Oder sind doch eher 19% fällig? Diese Frage führt immer wieder zu Verwirrung. Doch in den meisten Fällen gibt einigermaßen klare Entscheidungskriterien, trotz aller Unübersichtlichkeiten im deutschen Umsatzsteuerrecht.

Grundsätzlich beträgt die Umsatzsteuer hierzulande 19 Prozent auf jeden steuerpflichtigen (Netto-)Umsatz. Geregelt ist das in § 12 Umsatzsteuergesetz. Der enthält zugleich eine recht umfängliche Liste von Ausnahmen, in denen der ermäßigte Steuersatz von sieben Prozent fällig ist.

Vergleichsweise einfach (wenn auch im Ergebnis oft kurios) ist die Angelegenheit bei Verkauf und Vermietung von Gegenständen, die in einem separaten Gesetzesanhang aufgelistet sind. Dabei handelt es sich vornehmlich um ...

  • lebende Tiere und landwirtschaftliche Produkte,

  • Nahrungsmittel,

  • Bücher, Zeitungen und Zeitschriften (sofern sie nicht überwiegend Werbezwecken dienen),

  • Bilder, Karten und Noten oder auch

  • Kunstgegenstände und Sammlerstücke.

Dass die Liste der ziemlich willkürlich wirkenden Ausnahmeregelungen immer wieder in die Schlagzeilen gerät, ist kein Wunder. Schließlich gibt es dort reichlich fragwürdige Bestimmungen: Während zum Beispiel beim Verkauf eines Hausesels 19 Prozent Umsatzsteuer erhoben werden müssen, gibt sich der Fiskus bei Maultieren und Mauleseln mit 7 Prozent zufrieden. Auch Kaffee und Tee unterliegen dem ermäßigten Steuersatz, während bei Mineralwasser der Regelsteuersatz fällig ist.

Problemfall Dienstleistungen

Trotzdem: Zu erheblich mehr Kopfzerbrechen führt in der Praxis die Beurteilung von Dienstleistungen. Bei Schwimm- und Heilbädern, Zirkussen, Zoos und Schaustellern, Theatern, Orchestern, Chören und Museen, Zahntechnikern und bestimmten Zahnarzt-Leistungen sowie im öffentlichen Personennahverkehr (bis zu 50 Kilometer) ist die Sache noch einigermaßen eindeutig ist (alle 7 Prozent).

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7% Freiberuflerbonus?

Hallo Herr Chromow, es ist stets die Rede vom "kleinen" Grafikdesigner. Spielt es für den Steuersatz eine Rolle, wie der Rechnungssteller organisiert ist oder geht es um den Gegenstand? Also Buch vom Grafiker 7%, von einer Grafik GmbH 19%?
Danke und viele Grüße aus Bruchsal
Ulrich Konrad

Umsatzsteuersatz und Rechtsform

Guten Tag Herr Konrad,

wenn ich an Stelle von Herrn Chromow antworten darf: Der Umsatzsteuersatz hängt grundsätzlich von der Art der Lieferung oder Leistung ab, nicht aber von der Rechtsform des Unternehmens.

Wenn Sie umsatzsteuerpflichtig sind, dann hängt der Umsatzsteuersatz von der Leistung ab, und wenn bei der Dienstleistung die Entstehung und Übertragung urheberrechtlicher Ansprüche im Zentrum steht, dann ist darauf 7 % Umsatzsteuer auszuweisen, egal ob ein Einzel-Freelancer oder eine DAX-notierte AG die Rechnung stellt.

(Etwas anderes ist es mit der Frage, ob jemand umsatzsteuerpflichtig ist bzw. Umsatzsteuer auf den Rechnungen ausweisen muss. Hier sind Rechtsform und Status des Leistenden sehr wohl von Bedeutung. Bei einem gemeinnützigen Unternehmen, einem e. V. oder einem Privatmenschen, der ausnahmsweise mal eine Arbeit ausführt, wird die Umsatzsteuer in der Regel bei 0 % liegen - allerdings mit Ausnahmen, im Rahmen des Geschäftsbetriebs eines Vereins entsteht doch wieder Umsatzsteuerpflicht. Auch bestimmte Branchen wie etwa Finanz- und Versicherungsmakler, aber auch die Post, erheben in Ihren Rechnungen keine Umsatzsteuer. Aber da geht es wie gesagt um das ob, nicht um das wie viel.

Freundliche Grüße
Ihre akademie.de-Redaktion
Simon Hengel

Steuersatz bei Verkauf von (antiquarischen) Fahrzeugprospekten?

Guten Abend Herr Chromow,
ich möchte mich mit einem Handel mit älteren Kraftfahrzeugprospekten und anderen Druckerzeugnissen rund um das Thema Kraftfahrzeuge selbstständig machen.
Unklar ist mir aber die umsatzsteuerliche Einordnung. Einerseits gibt es in der Anlage 2 zum UStG die Nummer 49, in der unter a) von Broschüren die Rede ist, andererseits ist mir der Ausnahmepassus "die überwiegend Werbezwecken (...) dienen" in der Anwendung nicht klar. Der ursprüngliche Zweck der von mir angebotenen Prospekte war sicherlich die Bewerbung der daran vorgestellten Fahrzeuge. Andererseits bin ich weder Auftraggeber noch Herausgeber dieser Prospekte noch Fahrzeughersteller, -importeur, -händler noch sonst im Kfz- oder Kfz-Teilehandel tätig. Es geht hier also nicht um Werbung für mein eigenes Unternehmen oder dessen Produkte/Leistungen. Desweiteren habe ich bei diversen meiner potentiellen Mitbewerber sehen können, dass diese den ermäßigten Steuersatz anwenden.
Lässt sich hier auf den Begriff "Sammlungsstück" abstellen oder welche Regelung kann sonst herangezogen werden. Die Angabe der entsprechenden Paragrafen wäre sehr hilfreich.
Vielen Dank im Voraus.
Detlef Monje

Antwort: Steuersatz bei Verkauf von (antiquarischen) Fahrzeugpro

Guten Tag, Herr Monje,
grundsätzlich wird m. W. auch auf antiquarische Werbedrucksachen der Regelsteuersatz erhoben. Ob es sich in Ihrem Fall bereits um historische "Sammlungsstücke" im Sinne der Anlage 2 Nr. 54b UStG
http://www.gesetze-im-internet.de/ustg_1980/anlage_2.html
handelt, kann ich nicht beurteilen.

Bevor Sie sich gefühlsmäßig für den günstigeren Steuersatz oder sich im Zweifel "sicherheitshalber" für den höheren entscheiden, sollten Sie sich unbedingt bei einer fachkundigen Stelle über den zutreffenden Prozentsatz erkundigen. Falls Sie noch keinen Steuerberater haben, wenden Sie sich am bestens direkt ans Finanzamt. Oder Sie fragen bei der IHK oder Ihrem Berufs- oder Branchenverband nbach.

Alles Gute und freundliche Grüße
Robert Chromow

Schnee beseitigung

wiehoch ist der mehrwehrtsteuer für Schneebeseitigung arbeiten

Antwort: Schnee beseitigung

Guten Tag,
für Schneebeseitigung und andere gewerbliche Winterdienste gilt m. W. der Regelsteuersatz von 19%. Die Details Ihres Einzelfalls besprechen Sie aber am besten mit Ihrem Steuerberater oder Sie wenden sich direkt ans Finanzamt.

Freundliche Grüße
Robert Chromow

Umsatzsteuer auf Mitgliedsbeiträge

In den AGBs von Akademie.de gibt es keinen Hinweis, ob in unseren monatlichen Mitgliedsbeiträgen MWSt enhalten ist und wenn wieviel. Ich bin bisher von einer USt-Befreiung ausgegangen und hab' dies auch so verbucht, lag ich da richtig?

Einschließlich Umsatzsteuer

Guten Tag,

die Preise für die Mitgliedschaft wie auch für die Teilnahme an einem Online-Workshop verstehen sich immer einschließlich 19 Prozent Mehrwert-/Umsatzsteuer. Umsatzsteuerbefreit ist akademie.de nicht.

beste Grüße
Ihre akademie.de-Redaktion

Mitgliedsbeiträge/ Kursgebühren Gesundheitskurse

Hallo Herr Chromow,
wie ist das bei Mitgliedsbeiträgen für Gesundheitskurse, z.B. Yoga, Pilates, Wirbelsäulengymnastik, 7% oder 19%?
Danke!

Antwort: Mitgliedsbeiträge/ Kursgebühren Gesundheitskurse

Guten Tag,
grundsätzlich unterliegen Kurse zur präventiven Gesundheitsförderung dem Umsatzsteuer-Regelsatz von 19 %.

Sofern es sich um Heilbehandlungen handelt, kommt unter Umständen eine Umsatzsteuerbefreiung i. S. des § 4 Nr. 14 UStG in Betracht:
http://www.gesetze-im-internet.de/ustg_1980/__4.html

Aber: Die Durchführung von Yogakursen ist regelmäßig keine von der Umsatzsteuer befreite Heilbehandlung. Das hat der Bundesfinanzhof kürzlich entschieden:
http://juris.bundesfinanzhof.de/cgi-bin/rechtsprechung/document.py?Geric...

Der langen Rede kurzer Sinn: Vermutlich liegen Sie mit 19 % USt. richtig - die Details Ihres Einzelfalls besprechen Sie am besten mit Ihrem Steuerberater oder Sie fragen direkt bei dem für Sie zuständigen Finanzamt nach. Keine Sorge: Die beißen nicht. :-)

Alles Gute und freundliche Grüße
Robert Chromow

Hallo tm62,
vielen Dank für Ihre nette Rückmeldung: Es freut mich, dass Ihnen der Beitrag geholfen hat. Eine Ferndiagnose Ihres Einzelfalls ist auf diesem Weg aber leider nicht möglich. Je nach Art der erbrachten Leistung kann bei einem Grafik-Designer grundsätzlich sowohl der allgemeine als auch der ermäßigte Steuersatz zur Anwendung kommen. Bitte beachten Sie die Empfehlungen, die im Beitrag unter der Überschrift "Steuerberater oder Finanzamt fragen!" für solche Zweifelsfälle gemacht werden.
Daher nur so viel: Da Sie offenbar überwiegend Geschäftskunden haben, die den Umsatzsteueranteil bislang problemlos als Vorsteuer geltend machen konnten, hält sich der Schaden für alle Beteiligten in Grenzen. Rückwirkende Korrekturen sind grundsätzlich zulässig (s. o.) - unterm Strich wird das für Sie allerdings ein Nullsummenspiel sein: Zunächst einmal stellen Sie eine neue Rechnung mit einem geringeren Vorsteueranteil an Ihren Kunden aus. Da der Brutto-Rechnungsbetrag dadurch sinkt, müssen Sie Ihrem Kunden die Differenz zum bereits gezahlten Betrag erstatten. Sowohl Ihr Kunde als auch Sie selbst müssen daraufhin eine korrigierte Umsatzsteuervoranmeldung bzw. Umsatzsteuererklärung für den betreffenden Zeitraum abgeben. Erst über diesen Umweg kommen Sie dann in den Genuss einer Steuererstattung vom Finanzamt - die aber bloß die Differenz ausgleicht, die Sie zuvor Ihrem Kunden erstattet haben. Viel Rauch um nichts also: Ob Sie gut damit bedient sind, sämtliche Rechnungen aus den letzten 20 Jahren auf diese Weise korrigieren, wage ich zu bezweifeln. :-)
"Bereichert" hat sich der Fiskus auf diese Weise auch nicht. Das wäre nur der Fall, wenn das Finanzamt von Ihren die 19-prozentige Steuereinnahme einkassiert und gleichzeitig einem Ihrer Kunden den vollen Vorsteuerabzug versagt hätte.
Der langen Rede kurzer Sinn: Am besten klären Sie mit einem Steuerberater, Ihrem Berufsverband oder direkt mit dem zuständigen Umsatzsteuerexperten Ihres Finanzamts, welchen Steuersatz Sie in Ihrem konkreten Einzelfall in Zukunft (oder z. B. ab 1.1.2011) ansetzen sollen.
Viel Erfolg und freundliche Grüße
Robert Chromow

Hallo Herr Chromow,

danke für diesen sehr informativen Artikel, der mir - endlich - einige klare
Antworten liefert.

Nun stellen sich mir allerdings Fragen zum Verhalten meines Finanzamts:
Ich habe mich vor 20 Jahren dort als freiberuflicher Grafikdesigner
angemeldet, in Unkenntnis der gesetzlichen Fakten aber immer den vollen
USt-Satz an meine Kunden weiterberechnet -- ohne dass sich der
Fiskus dazu irgendwann mir gegenüber geäußert hätte. Muss ich nun
davon ausgehen, dass das Finanzamt stillschweigend die von mir
zuviel gezahlte USt einfach einkassiert hat all die Jahre, in voller Kenntnis
des zu hohen Satzes?

Bislang hat sich allerdings nie einer meiner Auftraggeber darüber
beschwert, dass er nachträglich die USt nur zum Satz von 7% anerkannt
bekommen hat - ich vermute, das kam bisher nicht vor, weil dem
Finanzamt bei der Steuerberechnung die Original-Rechnungen nicht
vorlagen oder man sich diese nicht genau genug angeschaut hat.
Mal angenommen, einem Kunden wird die Anerkennung über die 7%
hinaus verweigert und er muss die übrigen 12% zurückzahlen:
Vermutlich wird er aus gutem Recht auf eine Erstattung von meiner
Seite aus bestehen, da ich für die Sache verantwortlich bin.
Jetzt muss es doch aber möglich sein, dass ich meinerseits dem
Finanzamt korrigierte Rechnungen und Steuererklärungen
zukommen lasse, sodass neue Bescheide erstellt werden und ich
die zuviel gezahlten 12% zurückbekomme (um sie an den Kunden
weiterzureichen)?

Und dann stellt sich mir noch die Frage, wieso das Finanzamt meine
Berechtigung als Freiberufler nie in Frage gestellt und versucht hat,
mich als gewerblich einzustufen - schließlich gäbe meine
USt-Berechnung von 19% dazu Anlass; zudem müsste der Fiskus
doch ein Interesse an der Erhebung von Gewerbesteuer haben?

Ich würde mich freuen, wenn Sie mir zu diesen Fragen noch eine
Einschätzung aus Ihrer Berufspraxis geben könnten.

Vielen Dank und mit freundlichen Grüßen,
Thomas M.

Hallo Katja,
wenn Sie sicher sind, dass in diesem Fall der ermäßigte Steuersatz richtig gewesen wäre, dürfen Sie die Rechnung durchaus korrigieren. Einmal abgesehen vom Verwaltungsaufwand wird das Museum wohl nichts dagegen haben. Sie können mit Ihrem Auftraggeber und ggf. dem Finanzamt aber auch besprechen, dass Sie den ermäßigten Steuersatz erst in Zukunft anwenden. Im Zweifelsfall sprechen Sie mit Ihrem Steuerberater oder fragen direkt beim Finanzamt nach.
Viel Erfolg und freundliche Grüße
Robert Chromow

Bei einem Museum habe ich für die Website 19% USt. berechnet. Das war scheinbar zu viel. Zukünftig habe ich weiterhin mit dem Museum zu tun. Was soll ich tun? Zukünftig andere Rechnungen schreiben? USt. zurückerstatten? Weiterhin 19% berechnen?
Danke,
Katja N.

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