7 Qualitätskriterien zur Beurteilung von Webseiten - und Web-Designern

Gute Seiten, schlechte Seiten

Von: Peter Müller
Stand: 5. März 2012 (aktualisiert)
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Über den Autor: Peter Müller

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Peter Müller, Dozent und Autor, beschäftigt sich bereits seit 1995 mit dem Web und veröffentlichte zahlreiche Bücher rund um das Thema Webpublishing. Seine Erklärungen sind nicht ausschließlich für Einsteiger oder Profis, sondern setzen einfach nur Interesse an der Materie voraus.

Im Web ist er auf pmueller.de zu Hause. Dort finden Sie auch Links zu seinen Büchern, Videotrainings und anderen Aktivitäten im Web.

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Bibliothek oder Galerie?

Der Schlüssel: Über Bibliotheks- und Galerie-Sites

Wenn eine Site in allen Bereichen eine gute Figur macht, hat sie gute Chancen als benutzerfreundlich zu gelten. Aber die sieben Kriterien alleine reichen zur Bewertung einer Site noch nicht aus, denn:

  • eine Website kann potthässlich und trotzdem erfolgreich sein.

  • eine Website kann ein Augenschmaus sein und trotzdem ohne Besucher bleiben.

Zur Erklärung dieser Phänomene müssen die sieben Kriterien unterschiedlich gewichtet werden und den Schlüssel dazu liefert die folgende Metapher von Bibliotheken und Galerien.

Alle Websites, die Ihnen auf Ihren Surftouren begegnen, liegen irgendwo zwischen den beiden folgenden Extremen:

  • Bibliothek: Form follows function
    Unmengen von Informationen, strukturiert, geordnet, aber knochentrocken und trotz Kunst am Bau nicht unbedingt eine Augenweide.

  • Galerie: Function? What function?
    Leere Räume mit viel Platz und einigen, überwiegend grafischen Objekten. Informationen? Wenn überhaupt, dann nur zu den ausgestellten Objekten.

Über den Begriff "Galerie"

In diesem Abschnitt wird der Begriff "Galerie" bzw. "Galerie-Site" als Bezeichnung für den Gegenpol zu einer stark informationsorientierten Website gebraucht und hat nichts mit einer Bilder- oder Fotogalerie zu tun, wie sie auf vielen Webseiten zu finden sind. Eine Webseite kann also durchaus eine Bildergalerie haben, ohne eine "Galerie-Site" zu sein.

Schauen Sie sich zunächst die beiden Pole etwas genauer an, denn Besucher von Bibliotheken und Besucher von Galerien haben sehr unterschiedliche Prioritäten:

  • In einer Bibliothek steht die Funktionalität im Vordergrund: Viele Benutzer suchen nur eine bestimmte Information und wollen diese möglichst ohne Umwege erhalten. Danach verlassen Sie die Bibliothek und gehen ihrer Wege. Für eine Website bedeutet das: kurze Ladezeiten, schnörkelloser Aufbau, Übersichtlichkeit und auf allen Systemen darstellbar.

    Lesenswerter Inhalt, die Seite wird schnell geladen, ist leicht zu navigieren, und man kann sie in jedem Browser ohne Probleme betrachten. Der Schwerpunkt liegt in der schnellen Verfügbarkeit bestimmter Informationen und die Gestaltung hat sich diesem Ziel völlig untergeordnet: form follows function.

    Bild vergrößernEine typische Bibliothek-Site: Information pur

  • In einer Galerie wollen die Besucher anspruchsvoll unterhalten werden und sind dafür eher bereit, auch mal Schlange zu stehen oder - übertragen auf das World Wide Web - etwas länger auf eine Seite zu warten. Im Gegenzug muss sich das Warten aber auch lohnen, sonst wird die Ausstellung bzw. Site ein Flop und die Galerie nicht wieder besucht.

    Die Macher von derbauer.de zum Beispiel versuchen, die audiovisuellen Möglichkeiten von Flash auszuloten und haben überhaupt nicht den Anspruch, auf jedem System gut auszusehen. Schwerpunkt dieser Site ist die Gestaltung. Schnelligkeit, Navigation und Zugänglichkeit sind nebensächlich. Sie müssen einen modernen Browser und ein bisschen Zeit mitbringen sowie das neueste Flash-Plugin installieren, bevor Sie die Site genießen können. Kein Flash? Keine Site:

    Bild vergrößernEine typische Galerie-Site: Nur mit Flash, und am besten mit Sound

Bibliotheks- und Galerie-Sites haben unterschiedliche Prioritäten

Eine Bibliothek-Site liefert Informationen. Kriterien wie Zugänglichkeit, Schnelligkeit und Navigation sind wichtig. Struktur ist das Zauberwort. Bei einer Galerie-Site hingegen zählt fast nur die Gestaltung. Navigation, Schnelligkeit und Zugänglichkeit ordnen sich dem unter.

Etwas allgemeiner ausgedrückt, klingt das so:

  • Was in einer Bibliothek-Site wichtig ist, verliert in einer Galerie-Site an Bedeutung.

  • Und umgekehrt.

Grafisch dargestellt sieht das so aus:

Unterschiedliche Prioritäten bei Bibliotheks- und Galeriesites

Irgendwo zwischen diesen beiden Extremen liegt Ihre Website und bei der Erstellung einer eigenen Site ist die Einordnung auf dieser Skala vor der Erstellung wichtig. Denn ein eher bei den Bibliothek-Sites angesiedeltes Projekt hat bei der Gewichtung der Kriterien andere Schwerpunkte als eine Galerie-Site.

Achten Sie auf die richtige Mischung. Lassen Sie zum Beispiel eine ansprechende Gestaltung nicht zu Lasten der Navigation oder der Zugänglichkeit gehen. Umgekehrt muss ein Schwerpunkt auf Zugänglichkeit nicht bedeuten, dass eine Site aussieht wie Aschenputtel vor dem Fest.

Fazit

Die Kriterien Inhalt, Gestaltung, Navigation, Performance, Zugänglichkeit, Quelltextqualität und Interaktion sind bei der Beurteilung der Qualität einer Website nützlich.

Bei der Gewichtung dieser Kriterien ist die Einordnung der Site in das Kontinuum zwischen einer informationsorientierten Bibliothek und einer auf Unterhaltung ausgerichteten Galerie hilfreich.

Zum Weiterlesen:

Weitere Gestaltungstipps für Ihre Website finden Sie auf unserer Themenseiten:

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Sehr geehrter Herr Müller,
ich habe mit großem Interesse Ihre Ausführungen gelesen. Ich arbeite als Grafikerin.
Mehr und mehr bekomme ich Anfragen zum Gestalten von websites. Diesem Thema möchte ich mich jetzt stellen.
An wen wende ich mich, um die von mir gestaltete website zum Laufen zu bringen?
Ich arbeite mit der Adobe Creative Suite, kann ich die website damit gestalten?
Vielen Dank für Ihre Antwort.

Mit freundlichen Grüßen
Sylke Scholz

Webdesigner gesucht?

Hallo Frau Scholz,

seit 1999 arbeite ich als hauptberuflicher Webdesigner, seit 2005 selbständig. U.a. bin ich auch als Subunternehmer für verschiedene GrafikerInnen tätig. Dies läuft häufig so ab, das ich ein psd-Layout bekomme und dieses in ein CMS (Content-Management-System) umsetze bzw. - was immer weniger vorkommt - die Seiten "statisch" programmiere. Also die Seiten "zum laufen bringe".
Das geschieht entweder auf Provisionsbasis oder auch nach Aufwand.

Sollten Sie Interesse haben an einem solchen gemeinsamen Projekt, dann stehe ich für weitere Fragen gerne zur Verfügung.

Kontakt: Googeln Sie einfach meinen Namen! Dann sehen auch sofort, was Suchmaschinenoptimierung heißt ;-)

Viele Grüße, Michael Schöner

Hallo Frau Scholz,

die Gestaltung einer Website (Homepage, Internetseite) können Sie natürlich in Photoshop machen, aber wie Sie dem Artikel entnehmen können, ist eine Website mehr als eine Hochglanzbroschüre, in der man herumklicken kann. Um eine Website "zum Laufen zu bringen" benötigen Sie abgesehen von einem Editor zur Erstellung des Quelltextes keine bestimmten Programme, sondern einfach nur Know-how. Oder eine Webagentur, die dieses Know-how hat.

Was Sie zur Umsetzung eines grafischen Entwurfs auf jeden Fall benötigen, sind solide Grundkenntnisse in HTML und CSS, die Sie z. B. durch "Little Boxes Teil 1" bekommen können, das Sie kostenlos online lesen (http://little-boxes.de/) oder als Buch kaufen können.

HTML und CSS sind das Fundament zur Erstellung einer Website und sollten am Anfang des Lernens stehen. Welches Know-how Sie darüber hinaus noch benötigen, hängt sehr stark von der zu erstellenden Website ab. Auswahl des Webspace (Webhosting), Programmiersprachen wie JavaScript (im Browser) oder PHP (auf dem Webserver), Content-Management-Systeme wie Contao, Optimierung der Webseiten für Suchmaschinen (SEO) sind nur einige Beispiele zur Vertiefung.

Sehr informativ und nachvollziehbar, hilft bei der Optimierung meiner Seite.
Grüße Stephan Pries