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Abfindungen korrekt versteuern

Vergleichsberechnung

Eine Zusammenballung von Einkünften liegt nur dann vor, wenn

  • durch die Entschädigung der bis zum Jahresende wegfallende Arbeitslohn überschritten wird (und sei es auch nur um einen Euro) oder

  • im Jahr des Zuflusses der Entschädigung noch weitere Einkünfte erzielt werden, die der Arbeitnehmer nicht bezogen hätte, wenn das Dienstverhältnis ungestört fortgesetzt worden wäre und er dadurch mehr erhält, als er bei einem normalen Ablauf der Dinge erhalten hätte.

Bei der Berechnung der Einkünfte, die der Arbeitnehmer bezogen hätte, wenn das Dienstverhältnis ungestört fortgesetzt worden wäre, ist im Grundsatz auf die Einkünfte des Vorjahres abzustellen.

Diese vorgeschriebene Vergleichsberechnung wird im Veranlagungsverfahren nach Ablauf des Kalenderjahres vom Finanzamt anhand der Einkünfte des Arbeitnehmers vorgenommen, wobei alle Einkünfte des Arbeitnehmers aus sämtlichen Einkunftsarten berücksichtigt werden. Da dem Arbeitgeber eine Ermittlung der Einkünfte nicht zugemutet werden kann, ist zugelassen worden, dass der Arbeitgeber die Vergleichsberechnung anhand der Einnahmen aus nichtselbständiger Arbeit, das heißt nach dem Bruttoarbeitslohn vornehmen kann. Außerdem kann er andere Einkünfte des Arbeitnehmers aus anderen Einkunftsarten ebenso außer Betracht lassen, wie Arbeitslohn, der dem Arbeitnehmer nach der Entlassung von einem anderen Arbeitgeber gezahlt wird.

In die Vergleichsberechnung anhand des Bruttoarbeitslohns sind auch die dem Progressionsvorbehalt unterliegenden steuerfreien Lohnersatzleistungen (z.B. das Kurzarbeitergeld) mit einzubeziehen, aber auch pauschalbesteuerte Arbeitgeberleistungen. Das bedeutet, dass z.B. pauschal mit 20% besteuerte Beiträge zu einer Direktversicherung in die Vergleichsberechnung mit einzubeziehen sind, was sich in denjenigen Fällen zugunsten des Arbeitnehmers auswirkt, in denen der Arbeitgeber Beiträge zu Direktversicherungen im Jahr der Beendigung des Dienstverhältnisses im Rahmen der Vervielfältigungsregelung pauschal versteuert hat. Die Auswirkung der Vergleichsberechnung soll anhand von Beispielen verdeutlicht werden:

Beispiel A

Arbeitgeber und Arbeitnehmer vereinbaren am 30. Juni 2010 auf Veranlassung des Arbeitgebers die Auflösung des Dienstverhältnisses mit sofortiger Wirkung. Bei Einhaltung der Kündigungsfrist hätte der Arbeitnehmer noch bis 31. Dezember 2010 beschäftigt werden müssen. Der Monatslohn beträgt 5.000 Euro. Das Weihnachtsgeld ist zeitanteilig zugesichert und wird in Höhe eines Monatslohns gezahlt. Der Arbeitnehmer erhält eine Entlassungsabfindung in Höhe von 35.200 Euro. Es ist folgende Vergleichsberechnung anhand der Einnahmen durchzuführen:

Ohne Ausscheiden aus dem Arbeitsverhältnis hätte der Arbeitnehmer folgende Einnahmen aus nichtselbständiger Arbeit gehabt:

Monatslohn 5.000 Euro × 12

60.000 Euro

Weihnachtsgeld

5.000 Euro

Insgesamt

65.000 Euro

Aufgrund des Ausscheidens sind dem Arbeitnehmer zugeflossen:

Monatslohn vom 01.01. - 30.06. (5.000 Euro × 6 =)

30.000 Euro

zeitanteiliges Weihnachtsgeld

2.500 Euro

Entlassungsabfindung

35.200 Euro

insgesamt

67.200 Euro

Eine Zusammenballung von Einnahmen liegt vor, da die Vergleichsberechnung ergeben hat, dass der bis zum Jahresende wegfallende Arbeitslohn durch die gezahlte Entschädigung überschritten wird. Die Entlassungsabfindung in Höhe von 35.200 Euro kann deshalb unter Anwendung der Fünftelregelung ermäßigt besteuert werden.

Das Beispiel zeigt, dass die Zusammenballung von Einnahmen am einfachsten dadurch gesichert werden kann, dass die Abfindung so hoch angesetzt wird, dass der bis zum Jahresende wegfallende Arbeitslohn überschritten ist.

Noch einfacher kann die für eine ermäßigte Besteuerung erforderliche Zusammenballung allerdings dann gesichert werden, wenn der Arbeitnehmer zum Jahresende ausscheidet und ihm die Abfindung sofort ausgezahlt wird.

Beispiel B

Arbeitgeber und Arbeitnehmer vereinbaren am 31. Dezember 2009 auf Veranlassung des Arbeitgebers die Auflösung des Dienstverhältnisses mit sofortiger Wirkung. Bei Einhaltung der Kündigungsfrist hätte der Arbeitnehmer noch bis 30. Juni 2010 beschäftigt werden müssen. Der Monatslohn beträgt 5.000 Euro. Der Arbeitnehmer erhält eine Entlassungsabfindung in Höhe von 35.200 Euro. Wird die Abfindung noch am 31. Dezember 2010 ausgezahlt, liegt eine Zusammenballung ohne weiteres vor.

Wird die Abfindung erst im Januar 2010 ausgezahlt, ist folgende Vergleichsberechnung anhand der Einnahmen durchzuführen:

Einnahmen im Kalenderjahr 2009:
Jahresarbeitslohn 2009 (5.000 Euro × 12) = 60.000 Euro

Einnahmen im Kalenderjahr 2010:
laufender Arbeitslohn = 0 Euro
Entlassungsabfindung = 35.200 Euro

Der Vergleich anhand der Einnahmen aus nichtselbständiger Arbeit ergibt, dass die im Kalenderjahr 2010 zufließenden Einnahmen niedriger sind als die Einnahmen des Jahres 2009. Eine Anwendung der Fünftelregelung auf den steuerpflichtigen Teil der Abfindung ist deshalb nicht möglich.

Der Arbeitgeber kann das im Kalenderjahr 2010 ggf. gezahlte Arbeitslosengeld in die Vergleichsberechnung mit einbeziehen, wenn dem Arbeitnehmer die genauen Beträge bei Auszahlung der Abfindung bereits bekannt sind (was allerdings in der Praxis kaum möglich sein dürfte). Sollte das im Kalenderjahr 2010 zu zahlende Arbeitslosengeld (60.000 Euro - 35.200 Euro =) 24.800 Euro übersteigen (auch nur um einen Euro), ergibt sich Folgendes:

Einnahmen in Kalenderjahr 2009:
Jahresarbeitslohn 2009 (5.000 Euro × 12) = 60.000 Euro

Einnahmen im Kalenderjahr 2010:
laufender Arbeitslohn = 0 Euro
Entlassungsabfindung = 35.200 Euro
Arbeitslosengeld = 24.801 Euro
Einnahmen insgesamt = 60.001 Euro

Der Vergleich anhand der Einnahmen aus nichtselbständiger Arbeit ergibt, dass unter Einbeziehung des Arbeitslosengeldes die im Kalenderjahr 2010 zufließenden Einnahmen den Arbeitslohn des Jahres 2009 übersteigen (wenn auch nur um 1 Euro) mit der Folge, dass der Arbeitgeber die Entlassungsabfindung in Höhe von 35.200 Euro unter Anwendung der Fünftelregelung ermäßigt besteuern kann. Im Veranlagungsverfahren nach Ablauf des Kalenderjahrs wird allerdings die Fünftelregelung unter Einbeziehung des Arbeitslosengeldes in den sog. Progressionsvorbehalt errechnet, was zu einer erheblichen Steuernachzahlung an das Finanzamt führen kann.

Der Arbeitgeber darf also die Fünftelregelung nur dann anwenden, wenn die hierfür erforderliche Vergleichsberechnung zweifelsfrei ergeben hat, dass eine Zusammenballung von Einnahmen vorliegt. Kann der Arbeitgeber die erforderlichen Feststellungen nicht treffen, so muss er den Arbeitnehmer auf das Veranlagungsverfahren verweisen und die Abfindung nach den allgemein für sonstige Bezüge geltenden Grundsätzen versteuern.

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Über den Autor:

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Josef Ellenrieder, Jahrgang 1943, Diplom Betriebswirt FH, lehrt an diversen Fachhochschulen, Industrie- und Handelskammern, Handwerkskammern die Themen: Betriebswirtschaft, Volkswirtschaft, Rechnungs ...

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