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Steuern: Abschreibungsmöglichkeiten im Überblick

Abschreibung von geringwertigen Wirtschaftsgütern

Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens werden verteilt über die betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer abgeschrieben. Ausnahmen sind ab 2008:

  • die geringwertigen Wirtschaftsgüter bis 150 Euro netto ohne Umsatzsteuer, die im Jahr der Anschaffung oder Herstellung sofort zu 100 % als Betriebsausgaben abgezogen werden müssen und

  • die Wirtschaftsgüter, deren Anschaffungskosten mehr als 150 Euro aber nicht mehr als 1.000 Euro betragen (Sammelposten), die verteilt über 5 Jahre als Betriebsausgaben abgezogen werden müssen.

Die GWG-Falle

Mit den geänderten Abschreibungsmöglichkeiten für geringwertige Wirtschaftsgüter beschäftigt sich ausführlich auch der Beitrag "Vorsicht, GWG-Falle! Neue GWG-Abschreibungsgrenze und Sammel-Abschreibung" von Robert Chromow.

Geringwertige Wirtschaftsgüter

Seit 2008 müssen Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens,

  • deren Anschaffungs- oder Herstellkosten netto nicht höher sind als 150 Euro,

  • die beweglich, abnutzbar und

  • selbständig (= für sich allein) nutzbar sind

im Jahr der Anschaffung oder Herstellung sofort zu 100 % abgeschrieben werden.

Nur wenn alle drei oben genannten Voraussetzungen erfüllt sind, handelt es sich um ein geringwertiges Wirtschaftsgut. Bei einem Wirtschaftsgut, das aus dem Privatvermögen ins Betriebsvermögen eingelegt wird, ist der Einlagewert entscheidend. Das Wahlrecht, ein geringwertiges Wirtschaftsgut auch über seine Nutzungsdauer abschreiben zu können, besteht für alle Anschaffungen ab 2008 nicht mehr.

Bei der Investitionszulage und den Überschusseinkünften gilt weiterhin der Grenzwert von 410 Euro. Liegen die Anschaffungs- oder Herstellungskosten netto nicht höher als 410 Euro, wird der gesamte Betrag im Jahr der Anschaffung bei den Werbungskosten abgezogen. Für Wirtschaftsgüter bis 410 Euro (netto) wird weiterhin - also auch nach 2007 - keine Investitionszulage gewährt.

Selbständige Nutzbarkeit - Beweglichkeit

Es dürfen nur bewegliche Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens als geringwertige Wirtschaftsgüter behandelt werden. Umlaufvermögen, also Wirtschaftsgüter, die zum Weiterverkauf oder Verbrauch im eigenen Betrieb bestimmt sind, scheiden aus.

Die Wirtschaftsgüter müssen ebenso selbständig nutzbar sein. Die wirtschaftliche Zusammengehörigkeit spielt keine entscheidende Rolle. Wirtschaftsgüter, die zusammen mit anderen Wirtschaftsgütern genutzt werden und technisch aufeinander abgestimmt sind, können trotzdem selbständig nutzbar sein. Auch wenn das Büro in einem einheitlichen Stil ausgestattet ist, bleibt jeder Gegenstand (Schreibtisch, Stuhl, Regal, Schrank usw.) eigenständig nutzbar. Das gilt auch für die Ausstattung einer Gaststätte. Trotz einheitlicher Optik bleibt jedes Möbelstück selbständig nutzbar.

Bei einer Vielzahl von gleichartigen Gegenständen kann jeder Gegenstand ein selbständig nutzbares Wirtschaftsgut sein. Das gilt auch für Bestecke in Gaststätten, Hotels, Kantinen oder für die Grundausstattung einer Werkstatt mit Werkzeugen. Jedes einzelne Werkzeug ist für sich nutzbar.

Wirtschaftsgüter, die selbständig bewertet und abgeschrieben werden können, sind dann keine geringwertigen Wirtschaftsgüter, wenn diese nicht auch selbständig genutzt werden können. Bei der Beurteilung ist darauf abzustellen, ob das Wirtschaftsgut

  • zusammen mit anderen Wirtschaftsgütern des Anlagevermögens einen gemeinsamen Zweck erfüllt,

  • fest mit anderen Wirtschaftsgütern verbunden ist,

  • zu einer einheitlichen Nutzung über einen längeren Zeitraum mit anderen Wirtschaftsgütern fest verbunden ist und

  • nach dem äußeren Erscheinungsbild als Einheit erscheint.

Es ist von einem einheitlichen Wirtschaftsgut auszugehen, wenn ein einzelner Gegenstand für sich genommen unvollständig oder ohne eine Verbindung mit anderen Gegenständen in seiner Verwendbarkeit beeinträchtigt ist.

Beispiele:

  • Gerüst: Ein Gerüst besteht aus vielen Einzelteilen. Jede einzelne Diele oder Stange ist zwar ein eigenes Wirtschaftsgut. Für das Unternehmen ist jedoch nur die Zusammensetzung als Gerüst interessant. Die einzelnen Bretter und Stangen sind somit nicht selbständig nutzbar.

  • Einrichtungsgegenstände, die nicht fest miteinander verbunden sind, z.B. die einzelnen Teile einer Schreibtischkombination, sind als selbständig nutzbare Wirtschaftsgüter zu betrachten, wie z.B. Tisch, Rollcontainer, Beistelltisch. Bei jedem Teil, dessen Anschaffungskosten nicht mehr als 150 Euro betragen, erfolgt die Zuordnung zu den Geringwertigen Wirtschaftsgütern.

Ersatzteile verändern nicht die Funktion des Wirtschaftsgutes und dienen (anders als Zubehör) dem Zweck, vorhandene Teile, die verbraucht sind, zu ersetzen. Die Aufwendungen für Ersatzteile können daher unabhängig von ihrem Kaufpreis sofort als Betriebsausgaben (Instandhaltungskosten) abgezogen werden.

Höhe der Anschaffungs- oder Herstellungskosten

Es handelt sich nur dann um ein geringwertiges Wirtschaftsgut, wenn die Anschaffungs- oder Herstellungskosten netto ohne Umsatzsteuer nicht höher sind als 150 Euro. Für die Beurteilung, ob ein geringwertiges Wirtschaftsgut vorliegt, ist immer der Netto-Betrag maßgebend. Ob die Umsatzsteuer, die in Rechnung gestellt wird, in vollem Umfang, teilweise oder nicht als Vorsteuer abgezogen werden kann, ist unerheblich.

Beispiel: Ein Dozent, der ausschließlich umsatzsteuerfreie Leistungen erbringt, kann auch keine Vorsteuer geltend machen. Er kauft in 2008 eine

Schreibtischlampe für

150 Euro

+ 19% Umsatzsteuer

28,50 Euro

Anschaffungskosten

178,50 Euro

Ohne Umsatzsteuer wird der Grenzwert von 150 Euro nicht überschritten. Es handelt sich daher um ein geringwertiges Wirtschaftsgut, das der Dozent sofort zu 100% abschreiben muss, obwohl die Anschaffungskosten wegen des fehlenden Vorsteuerabzugs 178,50 Euro betragen.

Ist für mehrere Gegenstände auf einer Rechnung nur ein Gesamtpreis angegeben, läuft man Gefahr, dass das Finanzamt die Sofortabschreibung ablehnt. Daher sollte man eine detaillierte Rechnung verlangen, in der jeder Gegenstand einzeln mit seinem Preis aufgeführt ist.

Skonti und Rabatte

Für die Beurteilung, ob ein geringwertiges Wirtschaftsgut vorliegt, sind die Anschaffungs- oder Herstellungskosten ohne Umsatzsteuer maßgebend. Da Skonti und Rabatte die Anschaffungskosten mindern, ist der Betrag maßgebend, der sich nach deren Abzug ergibt.

Beispiel: Ein Unternehmer kauft einen Schreibtischstuhl für 153 Euro zuzüglich 29,07 Euro Umsatzsteuer. Bei seiner Zahlung zieht er 2% Skonto ab und rechnet wie folgt:

Schreibtischstuhl für

153 Euro

- 2% Skonto

3,06 Euro

Anschaffungskosten netto

149,94 Euro

+ 19% Umsatzsteuer

28,49 Euro

Gezahlter Betrag

178,43 Euro

Ergebnis: Nach Abzug von Skonto ergibt sich ein Betrag, der 150 Euro nicht überschreitet, es handelt sich daher um ein geringwertiges Wirtschaftsgut.

Skonti beim Jahreswechsel

Liegt beim Jahreswechsel die Anschaffung vor dem 1.1. und der Abzug des Skontobetrags nach dem 31.12., kann er im abgelaufenen Jahr nicht mehr abgezogen werden. Schafft der Unternehmer das Wirtschaftsgut z.B. noch im Jahr 2008 für netto 153 Euro an und zahlt er erst unter Abzug von 2% Skonto nach dem 31.12.2008, dann ist der Betrag von 153 Euro maßgebend, so dass es sich nicht um ein geringwertiges Wirtschaftsgut handelt, sondern um ein Wirtschaftsgut, das er in den Sammelposten einstellen muss. Die Anschaffungskosten mindern sich erst im Zeitpunkt der Zahlung, d.h. im neuen Jahr, dieses ist jedoch nicht mehr das Jahr der Anschaffung.

Wenn die Behandlung als geringwertiges Wirtschaftsgut gewollt ist, empfiehlt es sich, beim Einkauf kurz vor dem Jahreswechsel sofort, z.B. mit Scheck, EC- oder Kreditkarte zu zahlen, wenn damit der Skontoabzug erreicht wird.

Abzug von Rabatten

Bei Rabatten, die ein Lieferant gewährt, kann wie beim Skontoabzug verfahren werden. Anders als das Skonto ist der Rabatt eine Preisminderung, die mit dem Händler von vornherein ausgehandelt wird. Somit besteht die Möglichkeit, die Verteilung des Rabatts so zu steuern, dass das beste steuerliche Ergebnis eintritt.

Einlage von geringwertigen Wirtschaftsgütern

Der Wert der Einlage ist wie folgt anzusetzen:

  • mit den Anschaffungskosten ggf. abzüglich Abschreibung, wenn die Einlage innerhalb von drei Jahren nach der Anschaffung erfolgt;

  • mit dem Teilwert, wenn zwischen Anschaffung und Einlage mehr als drei Jahre liegen.

Bei Wirtschaftsgütern, die innerhalb von drei Jahren vor der Einlage angeschafft oder hergestellt wurden, werden die Anschaffungs- oder Herstellungskosten angesetzt. Die Abschreibung, die bereits im Zeitraum zwischen Anschaffung bzw. Herstellung und der Einlage beansprucht wurde bzw. auf diesen Zeitraum entfällt, ist davon abzuziehen.

Die Abschreibung muss auch dann abgezogen werden, wenn diese bisher steuerlich nicht geltend gemacht wurde. In diesen Fällen sollte immer nur die normale zeitanteilige Abschreibung für die Zeit zwischen Anschaffung und Einlage angesetzt werden.

Bei Gegenständen, für die vor der Einlage ins Betriebsvermögen bereits Abschreibungen als Werbungskosten geltend gemacht wurden, ist die Abschreibung eingeschränkt. Die Höchstgrenze ist wie folgt zu ermitteln:

Ursprüngliche Herstellungs- oder Anschaffungskosten
- als Werbungskosten geltend gemachte Abschreibung
= Abschreibungs-Höchstgrenze nach Einlage

Aufzeichnungspflichten bei geringwertigen Wirtschaftsgütern

Ab 2008 sind keine besonderen Aufzeichnungspflichten zu beachten, um die Sofortabschreibung beanspruchen zu können. Es ist nicht erforderlich, dass ein besonderes Verzeichnis oder Anlageverzeichnis geführt wird. Somit können die Aufwendungen für die Anschaffung oder Herstellung unmittelbar auf das Konto "Sofortabschreibung geringwertiger Wirtschaftsgüter" gebucht werden.

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Über den Autor:

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Josef Ellenrieder, Jahrgang 1943, Diplom Betriebswirt FH, lehrt an diversen Fachhochschulen, Industrie- und Handelskammern, Handwerkskammern die Themen: Betriebswirtschaft, Volkswirtschaft, Rechnungs ...

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