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Akkreditiv oder Inkasso?

Nichtdokumentäre Zahlungsabwicklung

Zahlungsrisiken im Außenhandel

Namhafte Handelshäuser des 18. Jahrhunderts verfügten über eigene Seehandelsflotten, mit denen sie ihre Waren verschifften, die von Vertretern der Handelshäuser begleitet wurden und am Bestimmungsort für die Abwicklung des Kaufs und das Kassieren des Kaufpreises zuständig waren. Erst durch den Wegfall der Monopole entstand erstmals in der Geschichte der Handelshäuser der Bedarf nach verlässlichen Sicherungsinstrumenten im Export, denn von nun an wurden der Abschluss des Kaufvertrags, der Warentransport und die Abwicklung der Zahlung von verschiedenen Institutionen durchgeführt.

Heute gehören schleppende Zahlungseingänge und Forderungsausfälle zum Alltag jedes Unternehmens. Wenn Sie Waren ex- oder importieren, stellt Sie der internationale Handelsverkehr vor zusätzliche Herausforderungen: Unterschiedliche Rechtssysteme, verschiedene Handelsbräuche, politische und wirtschaftliche Unwägbarkeiten bedeuten zusätzliche Risiken. Hinzu kommt noch das Transferrisiko, denn das Importland kann die Devisenausfuhr einschränken oder gar ganz verbieten.

Im internationalen Außenhandel stehen grundsätzlich die gleichen Zahlungsinstrumente zur Verfügung wie im Inlandsgeschäft, gleichzeitig sind nicht alle Sicherungsinstrumente wie im Inlandsgeschäft verfügbar bzw. anwendbar.

Lieferung auf Rechnung (clean payment)

Auch wenn der Kunde seinen Firmensitz im Inland hat, ist die Lieferung auf Rechnung mit Risiken verbunden. Selbst bei einem gut funktionierenden Forderungsmanagement sind Zahlungsverzögerungen und Forderungsausfälle nie völlig auszuschließen. Umso schwieriger gestaltet sich die Kundenbeziehung, wenn die Lieferung an einen Kunden mit Firmensitz im Ausland erfolgen soll.

Das Einholen einer Bonitätsauskunft ist stets ein wichtiges Instrument, um nähere Informationen über den ausländischen Kunden zu erhalten. Allerdings ist die Bonitätsauskunft immer nur so gut, wie das Unternehmen, das sie einholt. Im ungünstigsten Fall weiß man auch über das einholende Unternehmen relativ wenig, sodass es schwer fällt, die Qualität der Bonitätsauskunft einzuschätzen. Selbst eine gute Beurteilung der Bonität bietet keine Garantie dafür, dass Sie von Ihrem Kunden tatsächlich die vereinbarte Zahlung erhalten. Eine notwendige Durchsetzung des Zahlungsanspruchs in einem Land mit einer anderen Sprache, einem Rechtssystem, das nicht im Detail vertraut ist, kann die Lieferung auf Rechnung an einen Kunden im Ausland zum Roulette-Spiel machen. Politische und / oder wirtschaftliche Unwägbarkeiten im Exportland kommen noch hinzu.

Im Inland gebräuchliche Sicherungsinstrumente wie ein verlängerter Eigentumsvorbehalt oder eine Sicherungsübereignung versagen ihre Dienste häufig bereits an den Landesgrenzen, weil das Sicherungsinstrument im Empfängerland entweder unbekannt ist oder sogar ausdrücklich als solches abgelehnt wird.

Ein Lieferant trägt bei der Lieferung auf Rechnung neben den allgemeinen Gefahren einer Zahlungsverzögerung oder gar des vollständigen Ausfalls der Forderung die zusätzlichen Risiken des Exportgeschäfts alleine.

Zahlung bei Lieferung (cash on delivery)

Das Risiko des Lieferanten lässt sich durch die Zahlungsbedingung "Zahlung bei Lieferung" mindern. Hierbei wird die Ware nur gegen Zahlung (z.B. Nachnahme) ausgehändigt. Es handelt sich also um eine Leistung Zug-um-Zug, Ware gegen Geld. Ein Nachnahme-Paket durch die Deutsche Post AG versandt, ist allerdings mit 20 kg Gewicht und bestimmten Abmessungen limitiert. Umfangreiche Lieferungen lassen sich daher nicht per Nachnahme auf den Weg bringen.

Der Empfänger ist zudem nicht verpflichtet, die Nachnahme-Sendung entgegenzunehmen. Verweigert er die Annahme, dann wird die Sendung an den Absender zurückgesandt.

Vorauszahlung (cash before delivery/advance payment) und Anzahlung (down payment)

Für den Exporteur / Verkäufer stellt diese Zahlungsbedingung unzweifelhaft die sicherste Zahlungsart dar, die im Gegensatz zur Lieferung auf Rechnung unmittelbar seine Liquidität verbessert und zu einem Zinsgewinn verhilft. Während das Zahlungsrisiko bei der Lieferung auf Rechnung beim Exporteur liegt, liegen die Risiken bei der Voraus- oder Anzahlung vor Erhalt der Lieferung beim Importeur / Käufer, denn für ihn gibt es keine Sicherheit, dass er aufgrund seiner Zahlung die Ware erhält und sie sich in einem mangelfreien Zustand befindet.

Wird der Exporteur im Zeitraum zwischen Zahlungseingang und Warenversand insolvent, dann bleibt dem Importeur nur die Möglichkeit, über die Ländergrenzen hinweg entweder die Rückzahlung seiner geleisteten An- oder Vorauszahlung oder eine Vertragserfüllung zu verlangen. Neben Kosten für die Geltendmachung der Forderung vor Ort und erheblichem zeitlichen Aufwand ist der Ausgang der juristischen Bemühungen mehr als ungewiss. Im schlimmsten Fall ist die geleistete Zahlung gänzlich verloren, zudem sind Kosten entstanden und der Importeur kann ggf. seinen eigenen Lieferverpflichtungen mangels Ware nicht nachkommen.

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Über die Autorin:

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Dr. Ellen Ulbricht ist Juristin und Unternehmensberaterin, sie liefert unter Mahnen leicht gemacht Hilfen für das Forderungsmanagement. Dr. Ulbricht war 15 Jahre lang in leitender Position im Inkasso ...

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