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Akkreditiv oder Inkasso?

Das Dokumenten-Inkasso - Ein praktikables Instrument der Zahlungsabwicklung

Vor- und Nachteile eines Dokumenten-Inkasso

Ein wesentlicher Vorteil gegenüber einer Lieferung auf Rechnung ist beim Dokumenten-Inkasso darin zu sehen, dass der Importeur / Käufer die Dokumente in jedem Fall erst nach Zahlung bzw. Akzept von seiner Bank ausgehändigt bekommt. Verweigert der Importeur / Käufer jedoch, aus welchem Grund auch immer, die Zahlung oder Akzeptleistung, dann kann der Exporteur / Verkäufer mittels der nicht ausgehändigten Dokumente über seine Ware verfügen.

Damit ist allerdings auch ein erheblicher Nachteil verbunden: Hat die Ware bereits ihren Bestimmungsort erreicht und der Importeur nimmt die Dokumente nicht auf, dann fallen für den Exporteur / Verkäufer in jedem Fall Kosten für eine Zwischenlagerung und den Rücktransport an. Handelt es sich gar um verderbliche Ware, so muss er unter Umständen seine Ware verramschen, um einen vollständigen Forderungsausfall zu verhindern.

Bei einer Seefracht erhält der Importeur nur dann die Ware ausgehändigt, wenn er ein ordnungsgemäß indossiertes Konnossement vorlegen kann. Hingegen kann der Frachtführer bei einer Luft-, Bahn- oder LKW-Fracht sowie bei Versand per Post die Ware an den Importeur herausgeben, ohne dass ein Dokument vorzulegen wäre. Das Dokumenten-Inkasso kann also durchaus umgangen werden. Das liegt daran, dass die meisten Dokumente keine Wertpapiere sind, die eine Ware verbriefen. Das Konnossement (Bill of Lading, B/L) ist ein Wertpapier, wohingegen andere Transportdokumente lediglich den Versand belegen und kein Wertpapier darstellen. Das Problem lässt sich nur dadurch lösen, dass die Ware bei einem Dritten gelagert und nur gegen Vorlage der Dokumente ausgehändigt wird.

Erfolgt die Aushändigung der Dokumente gegen Akzept, dann trägt der Exporteur / Verkäufer zudem das Risiko, dass der Importeur / Käufer den Wechsel bei Vorlage am Tage der Fälligkeit nicht einlöst, ihm die Ware aufgrund der vorgelegten Dokumente längst ausgehändigt und inzwischen weiterveräußert wurde.

Aufgrund der bestehenden Risiken eignet sich daher das Dokumenten-Inkasso nur im Falle

  • einer bereits länger bestehenden Geschäftsbeziehung zum Kunden im Ausland,

  • der Zahlungswilligkeit und -fähigkeit des Kunden; bestehen hieran Zweifel, sollten andere Sicherungsinstrumente gewählt werden;

  • politisch und wirtschaftlich sicherer Verhältnisse im Importland

Da der Exporteur beim Dokumenten-Inkasso allein das Risiko trägt, dass der Importeur die Dokumente nicht aufnimmt und die Ware am Zielort liegen bleibt, sollte für alle Fälle eine Regelung getroffen werden, wie in diesem Falle weiter verfahren werden soll und vor allem, wer für die entstehenden Kosten und den Schaden aufzukommen hat.

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Über die Autorin:

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Dr. Ellen Ulbricht ist Juristin und Unternehmensberaterin, sie liefert unter Mahnen leicht gemacht Hilfen für das Forderungsmanagement. Dr. Ulbricht war 15 Jahre lang in leitender Position im Inkasso ...

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