Selbstständige und Berufsgenossenschaft

Freiwillig in die Berufsgenossenschaft, als Unfallversicherung - lohnt sich das? Und für welche Selbstständigen ist die Mitgliedschaft Pflicht?

4.333335
(6)
Kommentar schreiben
Stand: 14. November 2014 (aktualisiert)

Freiberufler und Unternehmer müssen ihre Mitarbeiter bei der Berufsgenossenschaft anmelden und laufend Beiträge zahlen. Sie selbst jedoch sind - meistens - nicht verpflichtet, Beiträge zur gesetzlichen Unfallversicherung zu zahlen. Lohnt sich die freiwillige Mitgliedschaft? Und welche Selbstständigen sind verpflichtet, Mitglieder in ihrer Berufsgenossenschaft zu sein (Stichwort "ETEM")? Dieser Beitrag gibt Antworten.

Die Berufsgenossenschaften: Leistung und Mitgliedschaft

Die gesetzliche Unfallversicherung ist zusammen mit der Krankenversicherung der älteste Zweig der deutschen Sozialversicherung. Dass Mitarbeiter auf Kosten ihrer Arbeitgeber gegen Arbeitsunfälle und die Folgen von Berufskrankheiten versichert sind, ist bis heute weithin unbestritten. Ob dieser Versicherungsschutz jedoch nur durch Pflichtversicherung in einer der gewerblichen und landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaften zu gewährleisten ist, steht auf einem ganz anderen Blatt: Das Monopol der Berufsgenossenschaften und deren Beitragspolitik werden oft heftig kritisiert.

Andererseits: Die Leistungen der Berufsgenossenschaften bei Arbeits- und Wegeunfällen sowie anerkannten Berufskrankheiten können sich sehen lassen. Vor allem die medizinische Versorgung und die Rehabilitationsangebote in Einrichtungen der Berufsgenossenschaften gelten als vorbildlich.

Freiwillig in die BG?

Grund genug, als Selbstständiger über eine freiwillige Versicherung in der gesetzlichen Unfallversicherung nachzudenken. Hintergrund: Als Freiberufler und Unternehmer sind Sie selbst nicht gegen Betriebsunfälle und Berufskrankheiten versichert, solange Sie nicht zugleich Angestellter Ihres Unternehmens sind (wie das zum Beispiel bei geschäftsführenden Gesellschaftern einer GmbH oft der Fall ist). Falls Sie sich als Einzelkämpfer selbstständig machen, müssen Sie sich also nicht unbedingt bei der "BG" anmelden. Ausnahmen gelten nur für bestimmte Berufsgruppen (s.u.)

Rechtsgrundlage einer freiwilligen Mitgliedschaft bildet § 6 SGB VII. Ob sich die Mitgliedschaft in der gesetzlichen Unfallversicherung lohnt, hängt im Einzelfall vom Preis-Leistungsverhältnis ab. Bei den Pflichtversicherten wird der Beitrag zur Berufsgenossenschaft auf Basis der gesamten Lohnsumme berechnet. Freiwillig versicherte Selbstständige und Unternehmer können innerhalb bestimmter Grenzen die Versicherungssumme frei wählen - und zwar unabhängig von der Höhe ihres tatsächlichen Einkommens.

Ausnahmsweise: Selbstständige BG-Zwangsmitgliedschaft

Bitte beachten Sie: Selbstständige und Unternehmer sind grundsätzlich nicht pflichtversichert. Für einige Berufsgruppen ist die gesetzliche Unfallversicherung allerdings auch dann Pflicht, wenn die Tätigkeit selbstständig ausgeübt wird. Ausnahmen von Gesetzes wegen gelten gemäß § 2 SGB VII zum Beispiel für ...

Als Mitglied können Sie diesen Beitrag weiterlesen!

Werden Sie Mitglied und testen Sie akademie.de 14 Tage lang kostenlos!

In den ersten 14 Tagen haben Sie Zugriff auf alle Inhalte auf akademie.de, außer Downloads. Sie können in dieser Zeit ohne Angabe von Gründen stornieren. Eine E-Mail an service@akademie.de genügt. Nur wenn Sie Mitglied bleiben, wird der Mitgliedsbeitrag nach Ende der 14tägigen Stornofrist abgebucht.

Ich bin bereits Mitglied
Jetzt Mitglied werden und akademie.de 14 Tage kostenlos testen
Ich entscheide mich für folgende Zahlungsweise:
14 Tage Stornorecht:
Ich kann meine Mitgliedschaft in den ersten 14 Tagen jederzeit formlos stornieren, z.B. per E-Mail an service@akademie.de.

Plichtversicherung ja oder nein?

hallo,
meine Frau hat sich zuhause selbständig gemacht mit Traditionelle Thai Massage.
sie hat keine Mitarbeiter,jetzt hat sie ein schreiben bekommen von der BGW.
darin heißt es sie muß sich bei der BGW Versichern.
meine Frage : muß sie wirklich oder ist es ihr selbst überlassen?

Vielen dank

Masseure und Masseurinnen sind pflichtversicherte Selbstständige

Die Berufsgenossenschaft für Gesundheitspflege und Wohlfahrtspflege ist jedenfalls der Ansicht, dass "Masseurinnen und Masseure" zur Gruppe der pflichtversicherten Selbstständigen gehören, und zählt offenbar auch Thaimassage dazu. Als Gesetzesgrundlage wird § 2 Abs.1 Nr. 9 SGB VII angeführt.

Konkrete Details Ihres Einzelfalls besprechen Sie am besten mit Ihrem Rechtsanwalt.

Freundliche Grüße
Ihre akademie.de-Redaktion

Berufsgenossenschaft LBG

Bin von Beruf Klauenpfleger Dienstleister für die Landwirtschaft-Hausmeisterservice.Bin Selbstädiger allein unterhalter,Meine Frage mus ich Zahlen

Antwort: Berufsgenossenschaft LBG

Guten Tag,
Solo-Selbstständige sind normalerweise nicht pflichtversichert in der Berufsgenossenschaft. Die Liste der BG-Pflichtversicherten (inklusive der laut Gesetz pflichtversicherten Selbstständigen) finden Sie in § 2 SGB VII:
http://www.gesetze-im-internet.de/sgb_7/__2.html

Im Zweifel fragen Sie am besten bei der für Sie zuständigen BG nach. Wenn Sie keine schlafenden Hunde wecken möchten, warten Sie einfach einen eventuellen Beitragsbescheid ab.

Freundliche Grüße
Robert Chromow

Ja, dfranze1,
das haben Sie ganz richtig verstanden. Sprechen Sie mit Ihrer BG und lassen Sie uns wissen, wenn Sie etwas anderes erfahren und welche Erfahrungen Sie mit dem Ausstieg gemacht haben, falls Sie den wünschen. Bevor Sie das tun, sollten Sie jedoch die Konditionen der staatlichen Unfallversicherung genau mit denen privater Anbieter vergleichen.
Hals und Beinbruch wünscht
Robert Chromow

Nachsatz

Es gibt Ausnahmen von der Regel, dass für Selbstständige die BG eine freiwillige Option ist. In manchen Branchen ist die Mitgliedschaft Pflicht, und die Textilbranche gehört dazu, wie im Text oben auch ergänzt.

guten tag,
verstehe ich ihren artikel richtig, dass ich n i c h t die pflicht habe, mich in der bg zu versichern, wenn ich als einzelunternehmer ohne angestellte ein gewerbe betreibe (modedesign, eigene herstellung mit ladengeschäft)? die bg hatte mich seinerzeit angeschrieben, seitdem bin ich dort (zahlendes) mitglied. dass dies eine freiwillige option ist, davon war aber nie die rede. für eine antwort wäre ich ihnen ausserordentlich dankbar, gruß
dfranz

Vielen Dank für Ihre Rückmeldung, Frau Mahr,
Sie haben völlig recht: Die Absicherung eventueller "Berufskrankheiten" ist in der Tat das schwächste Argument für eine freiwillige BG-Mitgliedschaft.
Freundliche Grüße
Robert Chromow
--
Redaktionsteam akademie.de
Kostenlose Newsletter-Abonnements:
http://www.akademie.de/direkt?pid=14334

Interessanter Beitrag, auch mein Mann und ich (beide jeweils mit einem Einzelunternehmen selbständig) haben über diese Frage schon mal nachgedacht. Allerdings ist nicht immer gewährleistet, daß die Berufsgenossenschaften Berufskrankheiten anerkennen - da wird oft genug ewig herumdebattiert, ob die jeweilige Krankheit tatsächlich eine typische Berufskrankheit ist und ob nicht doch schon irgendwelche Vorerkrankungen vorgelegen haben. Was Unfälle betrifft, die hohe Kosten z.B. wegen dauerhafter Erwerbsunfähigkeit nach sich ziehen, wird es manchmal richtig happig, welche Schikanen den Unfallopfern zugemutet werden. Wir waren jedenfalls nach dem Stöbern in www.unfallopfer.de fürs erste kuriert von der Idee, einen Antrag auf freiwillige Mitgliedschaft zu beantragen, auch wenn die Konditionen auf dem Papier wirklich bombig aussehen.

Freiwillige Mitglied in Bg

Hallo
Ich war selbständig und in dieser Zeit wurde Bk anerkannt nur die Bg berechnet meine Nummer Rente nicht von Versicherungssumme sondern den Mindestens Versicherungssatz. Die wollen wieder das man du es einklagen tut aber es muss die Versicherungssumme genommen werden und es ist unabhängig vom tatsächlichen Einkommen.
Das sehe ich doch richtig oder.

Vielen Dank.
Mfg

Antwort: Freiwillige Mitglied in Bg

Guten Tag,
das sehen Sie m. W. richtig: Verletztengeld sowie Verletzten- und Hinterbliebenenrenten der Berufsgenossenschaften richten sich bei freiwilligen Mitgliedern normalerweise nach der Versicherungssumme (und nicht nach dem tatsächlichen Einkommen).

Alles Gute und viele Grüße
Robert Chromow

Hallo

Vielen Dank für Ihre Antwort, habe Widerspruch gegen den Bescheid eingelegt.Die Bg sagt ich habe in Bg Verwaltung gezahlt aber Bg Verkehr hat Buch anerkannt. Sind doch beide gesetzl. Bg.Gibt es eine Stelle wo man sich über Bg beschweren kann.

Mir Grüßen

Antwort: Hallo

Guten Tag,
zuständig für Beschwerden über Berufsgenossenschaften und andere Sozialversicherungsträger ist das Bundesversicherungsamt:
http://www.bundesversicherungsamt.de/service/beschwerde-ueber-einen-sozi...

Alles Gute und freundliche Grüße
Robert Chromow

Berufsgenossenschaft

Hallo
Muss Bg Verkehr die Freiwillige Versicherungssumme anerkennen, wenn ich bei Bg Verwaltung versichert war aber Bg Verkehr hat Berufskrankheit anerkannt.
Vielen Dank.

Mit besten Grüßen

Antwort: Berufsgenossenschaft

Guten Tag,
leider habe ich Ihre Frage nicht verstanden: Wieso erkennt die BG Verkehr Ihre Erkrankung als Berufskrankheit an, wenn Sie in der Verwaltungs-BG versichert sind?
Freundliche Grüße
Robert Chromow

Berufsgenossenschaft

Hallo
Weil es die BG Verkehr vor Landessozialgericht anerkannt hat. Die Bg Verwaltung war für mich zuständig weil ich meine Fahrertätigkriten damals erabgesetzt hatte. Die Bu ist unabhängig von der Hauptbelastung. Versicherungssumme 61550,00 Euro.

Mit besten Grüßen

Unternehmerpflichtversicherung

Hallo, ich bin Schweizer Bürger im Angestellten Verhältnis, dazu habe ich in Deutschland ein kleines Transportunternehmen mit 2 Aushilfskräften. Meine Frage ist nun, muss ich bei der Berufsgenossenschaft in Deutschland eine Unternehmerversicherung bezahlen? Ich habe mal gelesen, dass der Unternehmer keine Versicherung benötigt. Ist das wahr?
Mit besten Grüßen Stevea

Antwort: Unternehmerpflichtversicherung

Guten Tag, Herr / Frau Stevea,
eine rechtliche Einzelfallberatung ist an dieser Stelle nicht möglich. Daher nur ganz allgemein:

1.
Der Unternehmer muss für sich selbst grundsätzlich keine Beiträge zur gesetzlichen Unfallversicherung zahlen.

2.
Für bestimmte Berufe gelten Ausnahmen. Mehr dazu finden Sie bei akademie.de im Beitrag
"Selbstständige und Berufsgenossenschaft"
https://www.akademie.de/wissen/als-selbststaendiger-freiwillig-berufsgen...

3.
Als Arbeitgeber müssen Sie auch für Aushilfskräfte Beiträge zur gesetzlichen Unfallversicherung zahlen.

4.
Sofern es sich bei den Aushilfskräften um geringfügig Beschäftigte handelt, finden Sie Informationen zur Beitragspflicht in der gesetzlichen Unfallversicherung auf den Seiten der bundesweiten "Minijob-Zentrale"
https://www.minijob-zentrale.de

5.
Außerdem können Sie sich an die kostenfreie Infoline zur gesetzlichen Unfallversicherung wenden unter Tel.: 0800 60 50 40 4
http://www.dguv.de/de/wir-ueber-uns/infoline/index.jsp

Mit freundlichen Grüßen
Robert Chromow

Berufsgenossenschaft

Hallo
Die Bg Verkehr hat Anerkenntnis gemacht. Können die Bg nicht untereinander Erstattungen machen.
Vielen Dank im Voraus.
Mit freundlichen Grüßen

Antwort: Berufsgenossenschaft

Guten Tag,
diese Frage kann ich Ihnen leider nicht beantworten. Wie bereits vor einigen Tagen geschrieben: Zuständig für Beschwerden über Berufsgenossenschaften und andere Sozialversicherungsträger ist das Bundesversicherungsamt:
http://www.bundesversicherungsamt.de/service/beschwerde-ueber-einen-sozi...
Mit freundlichen Grüßen
Robert Chromow

Downloads zu diesem Beitrag

Newsletter abonnieren