Angebote erstellen als Dienstleistung - statt unbezahlte Angebote einreichen

Beraten Sie Ihren späteren Kunden beim Festlegen des Auftrags!

Von: Robert Chromow
Stand: 11. Februar 2011 (aktualisiert)
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Über den Autor:

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Robert Chromow ist gelernter Industriekaufmann, Betriebswirt und Politologe. Seit über fünfzehn Jahren arbeitet er als freiberuflicher Journalist, Texter und Berater im eigenen Projektbüro. Print- und Online-Medien beziehen dort Fach- und Serviceartikel sowie Lernmaterialien. Außerdem schreibt er Handbücher, Webtexte und Newsletter für Unternehmen.

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Angebote machen viel Arbeit. Sie bringen normalerweise aber erst dann Geld, wenn der erhoffte Auftrag folgt. Mit ein wenig Fantasie lässt sich das aber ändern: Wirken Sie am Festlegen des Auftragsumfangs mit - und verkaufen Sie Ihre Mitwirkung als Dienstleistung! Statt unbezahlt Angebote zu erstellen, coachen Sie so Ihren zukünftigen Auftraggeber: In vielen Fällen profitieren davon beide Seiten.

Außer Spesen nichts gewesen? Samater Liban war es leid, ständig seitenlange Angebote zu schreiben: Die Zahl der sich daraus ergebenden Aufträge stand in keinem Verhältnis zur Arbeit, die er in erfolglose Offerten stecken musste. Dass der IT-Berater und Experte für Geomarketing seinen Aufwand für das Schreiben von Angeboten nicht in Rechnung stellen konnte, war ihm klar. Eingehende Kundenanfragen einfach zu ignorieren, wollte er sich aber auch nicht leisten.

Stattdessen überlegte er sich, wie er bereits den Prozess der Angebotserstellung als Dienstleistung verkaufen konnte und kam auf die Coaching-Variante. Bereits vor dem eigentlichen Angebot bietet er seitdem potenziellen Auftraggebern sein Know-how an: Beratung und Moderation beim Feststellen des genauen Bedarfs und der Details des Auftrags. Der Erfolg ist erstaunlich - gleich die drei ersten Anläufe erwiesen sich als Volltreffer!

Aus Sicht des Kunden/Auftraggebers

Angebotserstellung als Dienstleistung zu verkaufen - das erinnert auf den ersten Blick an das Verkaufstalent von Tom Sawyer: Der brachte seine Freunde bekanntlich dazu, an seiner Stelle Tante Pollys Gartenzaun zu streichen und ihn dafür obendrein noch mit ihren Schätzen zu entlohnen (nachzulesen hier: "Tom streicht den Gartenzaun").

Doch ein solches Auftrags-Coaching für den Kunden ist eben nicht nur ein psychologischer Verkaufstrick, sondern tatsächlich eine echte Dienstleistung. Sie bringt auch dem Auftraggeber ganz realen Nutzen: Schließlich erlebt er einen potenziellen Auftragnehmer in Aktion, bekommt einen Eindruck von dessen Kompetenz und stellt fest, ob die Chemie stimmt. Aber nicht nur das. Beim Coaching durch den externen Experten ...

  • versammeln sich alle Projektbeteiligten an einem Tisch,

  • analysieren den Status-Quo,

  • formulieren das Ziel,

  • diskutieren verschiedene Alternativen,

  • stellen fest, welche materiellen und personellen Ressourcen vorhanden sind,

  • verschaffen sich einen realistischen Eindruck vom Ausmaß des Vorhabens und

  • halten anschließend eine Checkliste in Händen, aus der ein Lastenheft und die folgende Ausschreibung hervorgehen kann.

Vor allem bei kleinen Unternehmen herrscht bei der Vorbereitung technisch anspruchsvoller Projekte große Unsicherheit. Da kann die Beteiligung eines mit der Abwicklung vergleichbarer Projekte vertrauten Dienstleisters in der Vorbereitungsphase gar nicht hoch genug eingeschätzt werden.

Natürlich agiert der Coach und Berater nicht als gänzlich unabhängiger Berater. Das muss aber kein Hindernis sein. Schließlich spielt er mit offenen Karten: Sein grundsätzliches Interesse am Auftrag ist ja bekannt. Und wenn sich im Verlauf des Workshops herausstellt, dass der Anbieter das Projekt "nur" als Moderator und Berater begleiten soll, muss auch das kein Schaden sein.

Aus Sicht des Anbieters/Dienstleisters

Für den Dienstleister bietet der vorgeschaltete Kunden-Workshop ebenfalls eine Menge Vorteile. Bevor er das eigentliche Angebot abgibt, hat er so einen deutlichen Informationsvorsprung:

  • Er weiß recht genau, welche Aufgabe auf ihn zukommt.

  • Er hat den Betrieb, den Chef, die Abteilungsleiterin, die Mitarbeiter kennengelernt.

  • Er kann deren Know-how, Fähigkeiten und Grenzen einzuschätzen.

  • Er kann dank der gewonnenen Informationen realistisch kalkulieren,

  • ein sehr viel konkreteres Angebot schreiben und

  • nebenbei erzeugt er sogar noch einen kleinen Umsatz.

Wie viel Zeit ein solches Coaching in Anspruch nimmt und zu welchen Konditionen es angeboten wird, lässt sich nicht verallgemeinern. Je nach Branche und Komplexität des Projekts kann es zwischen zwei Stunden und mehreren Tagen dauern und durchaus mehrere Hundert oder gar Tausend Euro kosten.

Ein Praxis-Beispiel: Website-Erstellung

Die Vorteile der Methode greifen selbst bei überschaubaren Vorhaben - wie der Erstellung einer neuen Website für einen Handwerksbetrieb. Stellen wir uns das doch ruhig mal ganz praktisch vor. Das "Verkaufsgespräch Auftrags-Coaching" mit dem Handwerker könnte so klingen:

"Danke für Ihre Anfrage, Herr Müller-Lüdenscheidt. Was halten Sie davon: Bevor ich das Angebot schreibe und Sie über die Auftragsvergabe entscheiden, setzen wir uns erstmal in aller Ruhe zusammen und überlegen ganz genau, welche Zielgruppe Sie mit Ihren neuen Internetseiten erreichen wollen, welche Menschen Sie ansprechen möchten, welchen Nutzen andere Handwerksbetriebe aus ihren Web-Auftritten ziehen und welche dieser Funktionen für Ihren eigenen Betrieb am sinnvollsten sind.

Außerdem können wir bei der Gelegenheit gleich klären, welches Material bereits vorhanden ist, wer bei der Umsetzung welche Aufgaben übernehmen soll und wie sich Ihre Website sinnvoll mit Ihren übrigen Werbemaßnahmen verknüpfen lässt. Am Ende wissen Sie ganz genau, was auf Sie zukommt bei dem Projekt und haben eine ausführliche Checkliste für Ihre Entscheidung in der Hand.

Ein solches dreistündiges Website-Coaching kann ich Ihnen für 249 Euro anbieten: Ich habe am kommenden Donnerstag oder Freitag noch einen Workshop-Termin frei. Was meinen Sie? Lieber bei Ihnen im Büro oder in unserem Seminarraum?"

Fazit

Auch wenn der eine oder andere Auftraggeber abwinkt - einen Versuch ist die clevere Tom-Sawyer-Taktik allemal wert.

Das Schreiben von Dienstleistungsangeboten ist alles andere als trivial. Bei technisch, inhaltlich oder gestalterisch anspruchsvollen Projekten ist der Aufwand groß - und enthält obendrein oft schon einen beträchtlichen Teil der Lösung. Grund genug, den Kunden an den Vorarbeiten zu beteiligen: Die faire Coaching-Lösung bietet für alle Beteiligten Vorteile.

Dass Dienstleister vermehrt Berater- und Moderatorenaufgaben übernehmen, ist angesichts der technischen und wirtschaftlichen Entwicklungsdynamik ohnehin unvermeidlich.

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Das ist ein exzellenter Ratschlag und Artikel.

Gerade wenn es darum geht eine komplexe Dienstleistungsstrategie umzusetzen, also beispielsweise Marketingaktionen, PR-Strategien, Suchmaschinenoptimierung, Websitedeisgn/-programmierung etc. kommt oft die Frage von Interessenten, was das denn nun alles wieder kosten wird. Das Problem dabei: jegliche Marketingstrategie ist nicht durch die Preisvorstellungen des Anbieters begrenzt. Man kann sich immer etwas ausdenken, das - wenn richtig umgesetzt - voraussichtlich Erfolge erzielen wird.

Stichwort Fernsehwerbung. Angenommen der Daimler-Konzern fragt bei mir an, dann könnte ich vorschlagen einfach alle privaten Fernsehsender zu kaufen, um dort ausschließlich Werbung für die eigenen Marken zu machen (oder wenigstens keine Werbung der direkten Mitbewerber). Aber selbst so ein großer Konzern kann sich das nicht leisten (vor allem nicht jetzt ;)). Was nützt es also aus Anbietersicht ein Angebot zu erstellen, wenn noch gar nicht klar ist, was alles überhaupt gemacht werden kann (Budget) und überhaupt sinnvoll ist (Strategie/Konzept/Passt es überhaupt zum Unternehmen).

Um den richtigen Strategiemix zu "erarbeiten", muss man sich als Dienstleister erstmal eine Woche auf den Allerwertesten setzen und scharf darüber nachdenken, wie so eine Strategie überhaupt sinnvollerweise aussehen könnte. Dann muss man das alles aufschreiben, korrigieren (lassen), aufbereiten/ausdrucken, versenden und eine gewisse Zeit später nachfassen.

Sowas kann in meinem Bereich schonmal locker 2 Wochen dauern. Mit anderen Worten: Wenn ich im Monat 2 Angebote rausgebe, dann kann ich keine Projektarbeit mehr machen. Plus, ein gutes Angebot kann ich nur abliefern, wenn ich mich vorher ausführlich mit der Situation des Interessenten befasst habe. Innerhalb dieser "Findungsphase" kommen oft mehrstündige Telefonate und viele Recherchestunden hinzu. Erst DANN kann ich mit einer gewissen Überzeugung hinter dem stehen, was ich da "anbiete".

Mir ist also vor Jahren der Gedanke gekommen, das Ganze in eine Art Videoberatung zu verpacken. Im Gespräch gebe ich dann auch gerne zu, dass das im Prinzip nur eine Technik für mich ist, die Vorarbeit für ein ordentliches fakturierbar zu machen. In dieser Beratung gehe ich hin und erörtere ausführlich diverse Strategien, von denen ich denke, dass sie zum Unternehmen passen und für dieses auch erfolgsversprechend sein könnten. Aus den Ergebnissen der Videoberatung (es muss nicht ein Video sein, er könnte auch ein Coaching oder ein schriftliches Auswertungsdokument sein, Video ist nur mein Steckenpferd) kann der Interessent (dann Kunde) den Mix auswählen, den er/sie am besten findet. Und DAFÜR gibt es dann ein Angebot!

Ein weiterer Vorteil und das ist etwas, was sich viele gar nicht trauen auszusprechen, das aber im Markt für komplexe Dienstleistungen eine unaausgesprochene Wahrheit ist. KEIN Kunde, weiß eigentlich, was er genau will/braucht. Deswegen kommt er ja zu Ihnen! Und auch die Dienstleister müssen sich erst eine gehörige Portion Gedanken darüber machen. Mit so einem Angebotsdokument - man könnte es auch "Dokument zur strategischen Einholung eines Angebotes" nennen - kann der Interessent dann wiederum bei anderen Anbietern ein Angebot einholen, welches wesentlich "vergleichbarer" ist. Denn meistens werden Angebote angenommen, die den perfekten Umfang an Maßnahmen vorschlagen und nicht die, die am "billigsten" sind. (Übrigens: Angebote sind meistens deswegen billiger, weil sie eben "weniger" anbieten. Also die Angebote immer schön modular gestalten)

Ich sehe leider immer wieder, dass die meisten Unternehmen sich auf irgendwelche Standardlösungen einlassen und damit keinen so rechten Erfolg haben. Alles nur deswegen, weil sie sich vorher einfach keine Gedanken darüber gemacht haben, was sie wirklich brauchen oder machen sollten. Genau hier muss ein guter Dienstleister ansetzen.

Als jemand, der diesen Ansatz jetzt schon seit einiger Zeit erfolgreich umsetzt, kann ich anderen Kollegen nur mal empfehlen die Technik auszuprobieren. Sie klappt durchaus und ist, davon bin ich fest überzeugt, auch noch besser für beide Parteien.

Viele Grüße
Sasa Ebach

Die Strategie, den Kunden (zum Beispiel Handwerker) für 250 € vor den eigenen Karren zu spannen und sich das noch bezahlen zu lassen, ist meiner Meinung nach nicht clever sondern dreist.

Wer zahlt schon vorher Geld, ohne zu wissen, ob der Auftrag an den entsprechenden Dienstleister vergeben wird? Psychologisch wird der potenzielle Kunde durch die Ausgabe von Geld schon etwas an den Dienstleister gebunden, da "man ja schon Geld bezahlt hat".

Im übigen spricht der Vergleich mit Tom Saywer-Methoden Bände, wie hier die Sicht auf den Kunden ist. "Auch wenn ein potenzieller Kunde abwinkt - einen Versuch ist die clevere Tom-Sawyer-Taktik allemal wert." <-- Stimmt, vielleicht kommt der Kunde ja aus Dummsdorf, dann hat er eh selbst Schuld, wenn er für eine "Quasi-Werbemaßnahme" des Dienstleisters auch noch bezahlt. Schön blöd, oder wie?

@Anonym,

dein Vergleich mit dem Handwerker hinkt und wie wir wissen: nicht alles was hinkt ist ein Vergleich.

Ein ordentliches Angebot zu erstellen erfordert viel Zeit, die einem nicht bezahlt wird. Oder kennst du Berufsgruppen die um sonst arbeiten? Eine Angebotserstellung mit einer Beratung zu verbinden finde ich sehr gut und professionell. Davon profitieren sowohl der Kunde wie der Auftragnehmer ... was soll daran falsch sein?

Der Kunde gibt zwar im Vorfeld etwas Geld aus, dass kann ihm aber u. U. davor bewahren viel mehr Geld an die falsche Sache auszugeben.