Crashkurs Angebots- und Preiskalkulation

Von: Uwe-Peter Engels
Stand: 28. August 2010
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Grundlagen der Preiskalkulation

Deckungsbeitragsrechnung

Die Deckungsbeitragsrechnung ist neben der Zuschlagskalkulation eine zweite und häufig ergänzende Möglichkeit, Preise zu berechnen. Die Deckungsbeitragsrechnung ist flexibler und wird insbesondere von kleinen und mittleren Firmen verstärkt eingesetzt. Bei der Deckungsbeitragsrechnung wird ermittelt, wie viel bei dem Verkauf eines Produktes, einer Arbeitsleistung, einer Stunde usw. übrig bleibt, um letztendlich die Kosten zu decken und einen Gewinn zu realisieren.

Kann der in der Zuschlagskalkulation ermittelte oder anders festgesetzte Preis nicht am Markt realisiert werden, muss sich der Unternehmer fragen, ob er vielleicht zu einem anderen Preis anbieten soll, um zumindest hieran etwas zu verdienen.

Beispiel

Bei einem Verkaufspreis von 2,25 Euro und einem Einkaufspreis von 0,75 Euro bleiben 1,50 Euro pro Wurst übrig - der Deckungsbeitrag. Diese Deckungsbeitäge aus allen Verkäufen müssen die übrigen Kosten (ohne Einkauf) wie Miete, Personal und Standgebühren decken. Wenn genügend verkauft wird und pro Wurst nach Abzug des Einkaufspreises 1,50 Euro übrig bleibt, können alle anderen Kosten gedeckt werden.

Bei einem Absatz von 2.000 Würsten und einem Deckungsbeitrag von 1,50 Euro pro Wurst bleiben 3.000 Euro (Deckungsbeitrag) über. Hiervon können die fixen Personalkosten, die Standgebühren und die Versicherungsbeiträge bezahlt werden.

Je nach Marktlage kann der Verkäufer auch die Preise differenzieren. Mal kalkuliert er bei Verkäufen auf Volksfesten mit 1.800 Stück und einem Deckungsbeitrag von 1,20 und bei Sportveranstaltungen mit einem Absatz von 700 Stück und einem Deckungsbeitrag von 1,70.

Der Gesamtdeckungsbeitrag liegt dann bei: (1.800 Würste x 1,20 = 2.160 Euro) + (700 Würste x 1,70 = 1.190 Euro) = 2.160 + 1.190 = 3.350 Euro

Wenn hiervon noch die Standgebühren, Miete und Versicherungen in Höhe von insgesamt 3.000 Euro bezahlt werden, bleibt ein Gewinn von 350 Euro übrig.

Sie sehen, die Deckungsbeitragsrechnung ist flexibler und beruht auf aktuellen Werten.

Bei der Deckungsbeitragsrechnung unterscheidet man zwischen fixen und variablen Kosten.

Fixe Kosten fallen immer an, gleichgültig ob ein Unternehmen Leistungen erbringt oder nicht. So müssen immer Miete, Versicherungen, Personalkosten u.a. bezahlt werden. Beispiel: Ein Würstchenverkäufer zahlt monatlich immer Stellplatzgebühren und Versicherungsbeiträge. Diese Kosten entstehen auch, wenn er keine Würste verkauft.

Variable Kosten hängen vom Umsatz ab. Je mehr ein Würstchenverkäufer verkauft, je höher ist sein Wareneinsatz.

Fixe Kosten fallen immer an, gleichgültig ob ein Unternehmen Leistungen erbringt oder nicht.

Variable Kosten sind abhängig von der betrieblichen Leistung, vom Umsatz.

Fixe und variable Kosten sind von der Definition ähnlich wie Einzel- und Gemeinkosten. Bei komplexen Kalkulationen ist diese Unterscheidung aber notwendig. Aufgrund dessen erfolgt auch hier eine Unterscheidung. Bei der Zuschlagskalkulation reden wir von Einzel- und Gemeinkosten und bei der Deckungsbeitragsrechnung von fixen- und variablen Kosten.

Beispiel:

Der Wurstverkäufer geht von einem Umsatz von 2.000 Würsten aus. Diese Annahme kann auf einer ersten Planung oder auf Werten aus der Vergangenheit beruhen. Verkauft er genau 2.000 Würste, so sind seine Kosten komplett gedeckt, verkauft er weniger, hat er Verluste, verkauft er mehr, so hat er einen Gewinn.

Ausgangsdaten:

Verkaufspreis pro Wurst: 2,25 Euro
- Einkaufspreis pro Wurst 0,75 Euro

Deckungsbeitrag pro Wurst 1,50 Euro

Fixe Kosten: 3.000 Euro
(Miete, Personal, Standgebühr)

Absatz 1.500 Würste

Deckungsbeitrag: 1.500 * 1,50 = 2.250
fixe Kosten: 3.000

Deckungsbeitrag - fixe Kosten = Gewinn/Verlust 2.250 - 3.000 = -750 Euro Verlust

Absatz 2.000 Würste

Deckungsbeitrag: 2.000 * 1,50 = 3.000
fixe Kosten: 3.000

Deckungsbeitrag - fixe Kosten = Gewinn/Verlust 3.000. - 3.000 = 0

Absatz 2.500 Würste

Deckungsbeitrag: 2.500 * 1,50 = 3.750
fixe Kosten: 3.000

Deckungsbeitrag - fixe Kosten = Gewinn/Verlust 3.750. - 3.000 = 750 Euro Gewinn

Noch mal: Die Deckungsbeitragsrechnung ist flexibler und näher am Zeitgeschehen. Bei der Zuschlagskalkulation nehme ich in der Regel die Gemeinkosten des Vormonates, des Vorjahres oder Planzahlen und verteile diese auf die Einzelkosten, deren Werte auch aus der Vergangenheit stammen. Es ist problematisch einen Preis festzulegen, der auf Annahmen oder Vergangenheitswerten beruht. Der Wurstverkäufer weiß nicht, ob er 2.000 Würste absetzt. Es ist lediglich eine Planung. Hier setzt die Deckungsbeitragsrechnung an.

Die Deckungsbeitragsrechnung ist hinsichtlich der Preisgestaltung flexibel und passt sich der Marktlage an. Stellt der Verkäufer fest, er kann seine Produkte nicht für 2,25 Euro absetzten, senkt er den Preis beispielsweise auf 1,95 Euro ab. Die einfache Grundüberlegung ist, dass bei variablen Kosten (Einkaufspreis) von 0,75 Euro und einem Verkaufspreis von 1,95 Euro immer noch 1,20 Euro übrig bleiben - der Deckungsbeitrag. Verharrt er dagegen auf seinen Preis, bleibt er auf seinem Produkt sitzen und hat keinen Deckungsbeitrag.

Deckungsbeitrag

In unserem Beispiel hat der Wurstverkäufer aufgrund des Markes den Preis auf 1,95 Euro pro Wurst reduziert. Seine monatlichen Fixkosten (Miete Standgebühren, Versicherungen) in Höhe von 3.000 Euro kann er bei dem geplanten Absatz von 2.000 damit allerdings nicht decken. Wie wir errechnet haben, bleiben pro verkaufter Wurst 1,20 Euro übrig. Bei einem Verkauf von 2.000 Würsten wären das 2.400 Euro, die zur Deckung der Fixkosten genutzt werden könnten. Da die Fixkosten aber bei 3.000 Euro liegen, fehlen in der Kasse 600 Euro. Was kann der Verkäufer machen?

  • Kosten reduzieren

  • den Verkauf steigern

  • das Geschäft schließen

Wichtig ist, dass man bei der Deckungsbeitragsrechnung rechtzeitig erkennt, ob genügend übrig bleibt, um die Fixkosten zu decken. Hierauf gehen wir später noch einmal ein.

Zusammenfassung

Den Marktpreis ermitteln: Bevor Sie mit der Kalkulation beginnen, müssen Sie wissen, wo der akzeptable Preis am Markt liegt.

Zuschlagskalkulation: Bevor Sie mit einem Produkt an den Markt gehen, müssen Sie Ihre Preise kalkulieren. Sie ermitteln die Einzel- und Gemeinkosten sowie die geplante Absatzmenge. Gemeinkosten lassen sich den verkauften Produkten/Leistungen nicht direkt zuordnen. Beispiele Miete, Versicherungen, Gehälter u.a. Einzelkosten hängen direkt mit dem Auftrag zusammen. Durch den Auftrag entstehen zusätzliche Kosten wie der Einkauf von Materialien (z. B. Würste, Getränke). Haben Sie die Gesamtkosten (Einzel- und Gemeinkosten) ermittelt, können Sie Zuschlagssätze berechnen.

Deckungsbeitragsrechnung: Haben Sie einen Preis ermittelt, so haben Sie einen ersten Anhaltspunkt. Am Markt müssen Sie aber flexibel agieren. Hier setzt die Deckungsbeitragsrechnung an. Sie kalkulieren pro Warengruppe, pro Stück, pro Stunde, pro Auftrag was nach Abzug der variablen Kosten übrig bleibt. Das was übrig bleibt, ist der Deckungsbeitrag. Hiervon müssen Sie die fixen Kosten begleichen.

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