Anlage EÜR zur Steuererklärung für 2013: Wie die Gewinnermittlung für das Finanzamt aussieht

Die "Anlage EÜR" ist das Formular für Einnahmenüberschussrechnung zum Jahresabschluss 2013

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Stand: 24. April 2014

Überblick

Die "Anlage EÜR" enthält genaue Vorschriften über die äußere Form der Gewinnermittlung von Freiberuflern und Unternehmen, die nicht bilanzierungspflichtig sind. Wir erläutern die sachliche Gliederung des amtlichen EÜR-Formulars für den Jahresabschluss des Geschäftsjahres 2013.

Beim sachlichen Aufbau der "vereinfachten Buchführung" hatten Steuerpflichtige bis vor ein paar Jahren völlig freie Hand. Mittlerweile ist die weitgehende Formfreiheit bei der Gewinnermittlung jedoch Geschichte: Denn § 60 der Einkommensteuer-Durchführungsverordnung (EStDV) verlangt seit einigen Jahren die Vorlage der EÜR auf dem amtlichen EÜR-Formular. Mehr noch: Seit 2012 muss die Einnahmenüberschussrechnung zudem auf elektronischen Weg ans Finanzamt geschickt werden ("[...] nach amtlich vorgeschriebenem Datensatz durch Datenfernübertragung zu übermitteln").

Bitte beachten Sie: Falls Ihnen die elektronische Datenübermittlung noch Probleme bereitet, können Sie eine Ausnahmegenehmigung beantragen. In § 60 Abs. 4 EStDV heißt es: "Auf Antrag kann die Finanzbehörde zur Vermeidung unbilliger Härten auf eine elektronische Übermittlung verzichten; in diesem Fall ist der Steuererklärung eine Gewinnermittlung nach amtlich vorgeschriebenem Vordruck beizufügen."

Umstrittenes EÜR-Formular

Gegen das EÜR-Formular hat sich unter Experten und Praktikern von Anfang an erheblicher Widerstand geregt. Die erste Version des Formulars musste auf Druck des Bundestags und sämtlicher Länderfinanzminister sogar eingestampft werden. Auch die überarbeiteten Versionen der "Anlage EÜR" waren lange Zeit umstritten – zuletzt war das Finanzgericht Münster in einer Grundsatzentscheidung zu dem Ergebnis gekommen, dass es weder in der Abgabenordnung noch im Einkommensteuergesetz und der dazugehörigen Durchführungsverordnung eine rechtliche Grundlage für die Vorgabe eines EÜR-Formulars gegeben habe. Im Revisionsverfahren hat der Bundesfinanzhof mittlerweile jedoch entschieden, dass das EÜR-Formular auf einer wirksamen Rechtsgrundlage beruht (BFH-Aktenzeichen X R 18/09).

Folterwerkzeug des Finanzamts?

Sie sollten sich durch kritische Stimmen aber nicht unnötig erschrecken lassen:

  1. Verglichen mit der früheren Rechtslage erhebt das Finanzamt keine zusätzlichen Informationen. Das Finanzamt bekommt die Daten allerdings von vornherein in leichter vergleichbarer Form. Abweichungen vom Branchendurchschnitt und damit Anhaltspunkte für "lohnende" Betriebsprüfungen fallen somit leichter ins Auge.

  2. Für Selbstständige und kleine Unternehmen mit einem Jahresumsatz von bis zu 17.500 Euro gilt der Vordruck nicht: Sie dürfen die Ergebnisse ihrer EÜR weiterhin formfrei einreichen.

  3. Art und Umfang Ihrer eigenen Buchführungsunterlagen schreibt Ihnen die "Anlage EÜR" nicht vor. Sie müssen bei der abschließenden Steuererklärung lediglich in der Lage sein, Ihre betrieblichen Auswertungen den passenden Zeilen des amtlichen Formulars zuzuordnen. Mit anderen Worten: Die Gliederung Ihrer Aufzeichnungen muss mindestens den Anforderungen des Formulars entsprechen. Sie dürfen aber selbstverständlich an einer davon abweichenden sachlichen Unterteilung Ihrer Buchhaltung festhalten! (Genau genommen brauchen Sie gar keine Aufzeichnungen – dann müssen Sie am Ende des Jahres allerdings jeden einzelnen Beleg in die Hand nehmen und nachträglich den verschiedenen Zeilen des Vordrucks zuordnen.)

  4. Die Gesetzesformulierung "nach amtlich vorgeschriebenem Datensatz" bedeutet, dass Sie nicht unbedingt die amtliche Elster-Software nutzen müssen: Sofern Sie mit einer Software arbeiten, deren EÜR-Formular der vorgeschriebenen Systematik entspricht und die Elster-Schnittstelle zur Datenübertragung nutzt, dürfen Sie selbstverständlich auch die verwenden.

Downloads und Ausfüllhilfen

Die "Anlage EÜR" für das Jahr 2013, das dazugehörige Anlageverzeichnis, eine Rechenhilfe zur Ermittlung der "nichtabziehbaren Schuldzinsen" sowie eine Ausfüllanleitung finden Sie im Formular-Management-System (FMS) der Bundesfinanzverwaltung:

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Privatentnahmen und -Einlagen im EÜR-Formular

Sehr geehrter Herr Chromow,
verstehe ich den Beitrag richtig, dass die Angaben am Ende des EÜR-Formulars (die Zeilen 87 und 88) "Privateinlagen" und "Privatentnahmen" (also auch die nicht-erfolgswirksamen Transferbewegungen wie z.B. die Abhebung des Unternehmerlohns vom Geschäfskonto etc.) nur auszufüllen sind, wenn die Schuldzinsen höher als 2050 Euro sind? Sollte dies nicht der Fall sein, kann ich diese Zeilen leer lassen und muss nur die erfolgs- und umsatzsteuerlich wirksamen Bewegungen in Zeile 18 (Sonstige Sach-, Nutzungs- und Leistungsentnahmen) angeben? Also z.B. Privatnutzung Telefon etc.?

Über eine kurze Info würde ich mich freuen.

Herzlichen Dank
M. Wittmann

Antwort: Privatentnahmen und -Einlagen im EÜR-Formular

Hallo M. Wittmann,
ja, das haben Sie richtig verstanden.

Viele Grüße
Robert Chromow

ust-befreit nach verschiedenen Gründen

Wie trage ich Betriebseinnahmen ein, wenn ich sowohl Kleinunternehmer bin (Einnahmen unter Kleinunternehmergrenze) und auch nach §4 Nr.21 UstG umsatzsteuerfreie Einnahmen vorliegen. Beide Einnahmenarten zusammen liegen über 17500 €.

Danke für den Artikel und die Antwort.

Antwort: ust-befreit nach verschiedenen Gründen

Guten Tag,
vorweg:

1.
Die Einnahmen von Kleinunternehmern sind nicht umsatzsteuerfrei: Sie werden lt. §19 UStG lediglich "nicht erhoben".
2.
Ob Sie überhaupt (noch) als Kleinunternehmer gelten, wenn Ihre Einnahmen über der 17.500-Euro-Grenze liegen, kann ich auf Grundlage Ihrer Angaben leider nicht beurteilen.

Davon abgesehen:
* Betriebseinnahmen als umsatzsteuerlicher Kleinunternehmer gehören in Zeile 9 der "Anlage EÜR".
* Umsatsteuer_freie_ Betriebseinnahmen gehören in Zeile 13 der "Anlage EÜR".
Diese Informationen finden sich m. W. auch im Text weiter oben.

Die Details Ihres Einzelfalls besprechen Sie am besten mit einem Steuerberater - oder Sie fragen direkt beim Finanzamt nach.

Freundliche Grüße
Robert Chromow

Danke

Vielen Dank, Ihre Angaben zur Zeile 13 hatte ich leider übersehen.

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