Verhandlungssache Anwaltskosten

Spielraum bei der Vergütung für Rechtsanwälte

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Stand: 13. September 2006

Zum 1. Juli 2006 wurden die gesetzlichen Vorgaben bei der anwaltlichen Vergütung deutlich gelockert. Das RVG (Rechtsanwaltsvergütungsgesetz) bietet nun flexiblere Verhandlungsmöglichkeiten bei der Preisgestaltung. Wo können Sie als Kunde feilschen? Und wo bleibt (vorerst) alles beim Alten? Dieser Artikel gibt einen kurzen Überblick über die Rechtsanwalts-Vergütung in zivilrechtlichen Angelegenheiten.

Bisher orientierten sich die Anwaltsgebühren in der Regel am Gegenstandswert, also gewöhnlich daran, um wie viel Geld gestritten wurde. Das Honorar stand dem Anwalt für seine Arbeit ohne weiteres zu, auch wenn er nicht ein Wort darüber verloren hatte.

Dieser Automatismus ist nun für bestimmte Gebiete der anwaltlichen Tätigkeit weggefallen; das wichtigste ist die außergerichtliche Beratung. Was verbirgt sich hinter diesem Begriff?

Außergerichtliche Beratung

Eine Angelegenheit ist "außergerichtlich", solange sich kein Gericht mit ihr beschäftigt, also weder Sie noch die gegnerische Partei Klage eingereicht haben.

Beratung bedeutet, dass Sie mit Ihrem Rechtsanwalt ein Gespräch führen oder einen Brief von ihm bekommen, und hinterher klüger sind als zuvor. D.h. Sie wissen jetzt, was zu unternehmen ist. Oder auch, dass Sie besser nichts unternehmen sollten, weil sich das gewünschte Ziel ohne unangemessene Risiken gar nicht erreichen lässt. Eine Art "Hilfe zur Selbsthilfe". Dieses Feld der bloßen Beratung verlässt der Anwalt, sobald er in Ihrem Auftrag nach außen für Sie auftritt, etwa indem er einen Brief an die gegnerische Partei schreibt.

Solange sich der Job Ihres Anwalts auf eine solche außergerichtliche Beratung beschränkt, gelten für die Preisvereinbarung weder Mindest- noch Höchstgrenzen. Das Honorar darf vollkommen frei ausgehandelt werden.

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Die 98% finde ich etwas optimistisch. Das gilt für Standardprobleme im Miet-,Kauf- und Arbeitsrecht. Ansonsten hat es durchaus Vorteile, wenn die gewählte Kanzlei in ihrem Tätigkeitsprofil derartige Sachen öfter macht. Die "Grundausbildung" umfaßt nicht Leasing, Bau (VOB/B), Wettbewerbsrecht, Erbrecht etc.

Im Zusammenhang mit der Gebührenordnung wird immer das Haftungsrisiko zitiert. Frage:Worin besteht dieses Risiko eigentlich konkret? Haftet der Anwalt für die Konsequenzen, die sich aus einem Anwaltsschriftsatz ergeben können, also zB. wenn die Gegenseite eine ungeschickte Schilderung seines Mandanten in seinem Schriftsatz übernimmt und die Gegenseite daraus einen Beleidigungstatbestand entnimmt und juristisch angreift?

Ab dem 01.07.2006 kann die Anrechnung der Beratungsgebühr in der Vergütungsvereinbarung auch ausgeschlossen werden!

98 % der Fälle sind juristisch so einfach, dass sie jeder Rechtsanwalt problemlos bearbeiten kann. Spezialisierte Anwälte sind insofern also völliger Unsinn. Die meisten Fälle sind eher in der Sache undurchschaubar, auch weil die eigenen Mandanten "mauern". Es ist also viel wichtiger, einen Anwalt zu beauftragen, der sich Zeit nimmt und umfassend den Sachverhalt erfragt, als einen "Spezialisten". Im Übrigen sollte einmal deutlich hervorgehoben werden, dass jeder deutsche Jurist in seinem Studium das gesamte Recht studiert und nicht etwa nur Teile davon. Anders geht es auch nicht, da alle Rechtsgebiete immer wieder irgendwo verzahnt sind.

Bedenken Sie, dass gerade renommierte Anwälte viele der ihnen nicht allzu wichtigen Fälle nicht selbst bearbeiten, sondern den Rechtsreferendaren oder Junganwälten in ihrer Kanzlei überlassen.Vorteile hierbei: Der junge Jurist engagiert sich normalerweise richtig und der ältere Rechtsanwalt kann aus seiner Erfahrung heraus wertvolle Anregungen geben. Nachteil: Die Kommunikation läuft um eine Ecke und deshalb gehen oft Fakten verloren. Deshalb darauf dringen, dass bei Besprechungen der alte und der junge Jurist mit am Tisch sitzen.

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Über die Autorin:

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Monika Steinmetz ist Rechtsanwältin in Berlin. Ihre Interessenschwerpunkte liegen im Arbeits- und Sozialrecht. Daneben ist sie mit Herz und Hand Linux-Userin und hat so auch für alle Fragen des Online ...

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