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Zu Hause und doch im Büro: Arbeiten im Home Office

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Stand: 18. September 2007

Die Arbeit richtig organisieren

Mitarbeiterführung bei Telearbeit: Wenn Sie Chef sind

Die Herausforderung als Führungskraft, sei es in Linie oder in der Projektleitung, eines verteilten Teams mit Telearbeitern liegt darin, dafür zu sorgen, dass der "lose Haufen" eine gemeinsame Motivation und Spaß am Miteinander entwickelt. Im Gegensatz zum fixen Bürostandort ist die Aufgabe schlicht wegen der räumlichen Verteilung schwieriger, da die direkte persönliche Kommunikation in der Kaffeeküche oder auf dem Gang entfällt.

Beispiel:

Zwei Projektleiter unterhalten sich. Der erste hat ein großes Projekt vor Ort, alle Leute sind im gleichen Gebäude anwesend. Der zweite arbeitet mit einem verteilten Team aus mehreren Telearbeitern. Sagt der erste mit gequälter Mine: "Meine bekommen nichts auf die Reihe, schon wieder über zwei Wochen im Verzug." Darauf erwidert der Zweite: "Und wie haben Sie das hin bekommen?"

Direkte Kontrolle der Mitarbeiter durch die Führungskräfte ist bei Telearbeit nicht mehr möglich. Viel mehr ist jetzt die Führung nach Ziel und Zielerreichung (Management by Objectives), begleitet vom notwendigen Vertrauen, das Mittel der Wahl. Es zeigt sich in vielen Projekten, dass gerade diese Umstellung häufig schwierig ist. Das führt dazu, dass die Akzeptanz von Telearbeit in der Gruppe nicht hergestellt werden kann.

Zwei Punkte sind für die Führung von Telearbeitern dabei notwendig: Gemeinsam vereinbarte, motivierende Ziele und eine gemeinsam erarbeitete Vorstellung davon, was der Beitrag der Gruppe zur künftigen Entwicklung des Unternehmens ist. Auf dieser Basis kann ein Führungssystem aufgebaut werden, welches ein transparentes Erfolgscontrolling ermöglicht.

Ohne Controlling geht es nicht. Wenn Sie als Führungskraft dann noch ein Gefühl für, auch schwache, Signale entwickeln und diesen aktiv kommunizierend nachgehen, dann haben Sie ein wirksames Führungsinstrument für Telearbeit an der Hand.

Ein veraltetes Rollenmodell von der Führungskraft als "Aufseher" und "Kontrolleur" ist also nicht mit Telearbeit vereinbar. Als Führungskraft schlüpft man in eine neue Rolle: Die des "Ermöglichers". Seine Aufgabe ist es dafür zu sorgen, dass das Team aus Telearbeitern die Aufgaben bestmöglich erledigen kann. Schwierigkeiten gehören aus dem Weg geräumt, firmenpolitische Weichen gestellt, tatsächliche und mögliche Barrieren im Arbeitsalltag aus dem Weg geräumt.

Jeder Handwerker weiß, dass man mit gutem Werkzeug besser - und mit mehr Spaß - arbeitet. Gleiches gilt für die Telearbeit. Mindestens genauso wichtig ist, dass die Mitarbeiter die Methoden und Verfahrensweisen kennen, um ihr Werkzeug effizient zu nutzen. Das bedeutet nicht, dass jeder Mitarbeiter gleich EDV-Experte sein muss. Erfahrungsgemäß läuft Telearbeit als Ganzes deutlich besser, wenn sich die Mitarbeiter zu einem bestimmten Grad selbst helfen können.

Dazu gehört auch das Kommunikationsverhalten. Eine Hauptaufgabe für Team- und Projektleiter ist dafür zu sorgen, dass die soziale Komponente nicht unter der Entfernung der Teammitglieder leidet. Die elektronischen Medien sind dabei nur ein Hilfsmittel, keinesfalls der Ersatz für persönliche Treffen und gemeinsame Gespräche. Zwar zeigt es sich in der Praxis, dass durch eine gute Online-Vernetzung ebenfalls ein enger Kontakt möglich ist, belastbarer wird dieser durch persönliches Kennenlernen und gemeinsame Aktivitäten.

Zentral für den Erfolg von Telearbeit ist, dass die Mitarbeiter Informationen nicht nur konsumieren sondern auch abgeben. Nur wenn Sie aktiv informieren, können Sie den Nachteil des fehlenden Flurfunks ausgleichen. Das gilt gerade auch für die kritischen Informationen.

Zusammenfassung

  • Wecken Sie Begeisterung durch motivierende persönliche und gemeinsam erarbeitete Gruppenziele.

  • Bauen Sie sich ein Erfolgscontrolling auf, das sicher vor Manipulationen ist.

  • Räumen Sie Schwierigkeiten und Barrieren weg, so dass das Team optimal arbeiten kann.

  • Gehen Sie individuell auf die Bedürfnisse der Mitarbeiter ein, so dass diese ihre Potentiale ausschöpfen.

  • Schaffen Sie ein möglichst optimales Arbeitsumfeld.

  • Sorgen Sie dafür, dass die zur bestmöglichen Nutzung notwendigen Methoden und Verfahren beherrscht werden.

  • Fördern Sie die Teambildung und soziale Infrastruktur gezielt.

  • Seien Sie ein Vorbild und lebendes Beispiel.

  • Achten Sie auf einen offenen Informationsfluss, auch für die kritischen Informationen.

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Über den Autor:

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Alexander Greisle ist Trainer, Dozent und Berater. Seine Themenschwerpunkte sind die neue Arbeitswelt, Arbeits- und Lernmethoden und die Information Worker Performance. Zu seinen Kunden gehören namha ...

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