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Arbeitszeitgesetz: Wie lange Sie arbeiten dürfen und wann Sie Pause machen müssen

Arbeitszeit, Ruhepausen, Nacht- und Schichtarbeit sowie Sonn- und Feiertagsarbeit - diese Regelungen gelten

Arbeitszeit ist die Zeit, in der ein Mensch einer Arbeit nachgeht. Handelt es sich um eine entgeltliche Tätigkeit, gelten die Schutzvorschriften des Arbeitszeitgesetzes (ArbZG). Wir erläutern die Regelungen des Arbeitszeitgesetzes in Bezug auf die Höchstdauer der Arbeitszeit, Ruhepausen, Nacht- und Schichtarbeit sowie die Sonn- und Feiertagsarbeit.

Gesetzlich definiert wird Arbeitszeit als die Zeit vom Beginn bis zum Ende der Arbeit ohne die Ruhepausen. Zu den Ruhepausen und somit nicht zur Arbeitszeit zählen insbesondere Frühstücks- und Mittagspausen.

Die Dauer und Lage der Arbeitszeit ergibt sich in der betrieblichen Praxis fast ausschliesslich nach den im Arbeitsvertrag getroffenen Vereinbarungen. Darüber hinaus können auch Tarifverträge oder Betriebsvereinbarungen auf das Beschäftigungsverhältnis anwendbare Arbeitszeitregelungen enthalten. Besteht für das Unternehmen ein Betriebsrat, hat dieser bezüglich des Beginns und dem Ende der täglichen Arbeitszeit einschließlich der Pausen sowie der Verteilung der Arbeitszeit auf die einzelnen Wochentage ein Mitbestimmungsrecht.

Seit 06.06.1994 ist das Arbeitszeitrecht durch das Arbeitszeitgesetz (ArbZG) weitestgehend vereinheitlicht worden. Das Arbeitszeitgesetz bezweckt in erster Linie, dem Gesundheitsschutz der Arbeitnehmer auf Grund zu langer oder ungünstiger Arbeitszeiten Rechnung zu tragen.

Spezielle arbeitszeitrechtliche Regelungen enthalten:

  • das Jugendarbeitsschutzgesetz (vgl. § 8 Abs. 1 JArbSchG), für Personen unter 18 Jahren,

  • das Mutterschutzgesetz,

  • Ladenschlussgesetz,

  • Fahrpersonalgesetz.

Die Schutzvorschriften des Arbeitszeitgesetzes gelten grundsätzlich für alle Arbeitnehmer (Auszubildende, Arbeiter, Angestellte, Teilzeitbeschäftigte) in Unternehmen und Verwaltungseinrichtungen.

  • Höchstdauer: Die werktägliche Arbeitszeit der Arbeitnehmer darf acht Stunden nicht übersteigen. Sie kann auf bis zu zehn Stunden nur verlängert werden, wenn innerhalb von sechs Kalendermonaten oder innerhalb von 24 Wochen im Durchschnitt acht Stunden werktäglich nicht überschritten werden. Mehrere abhängige Beschäftigungen sind gegebenenfalls zusammenzurechnen.

  • Unter Ruhepausen wird die Arbeitsunterbrechung verstanden, die dem Arbeitnehmer zur Erholung dienen soll. Die Dauer und Lage der zu gewährenden Ruhepausen müssen im Voraus festgelegt werden.

  • Unter Ruhezeit wird die arbeitsfreie Zeit zwischen Beendigung und Aufnahme der Arbeit bezeichnet. Arbeitnehmer müssen nach Beendigung der täglichen Arbeitszeit eine ununterbrochene Ruhezeit von mindestens 11 Stunden haben. Das Arbeitszeitgesetz lässt jedoch für bestimmte Berufsgruppen eine Verkürzung der Ruhezeiten zu:

    • Arbeitnehmer in Krankenhäusern und anderen Einrichtungen zur Behandlung, Pflege und Betreuung von Personen,

    • Beschäftigte in Gaststätten und anderen Einrichtungen zur Bewirtung und Beherbergung,

    • Arbeitnehmer in Verkehrsbetrieben,

    • Mitarbeiter beim Rundfunk, in der Landwirtschaft und in der Tierhaltung.

  • Nacht- und Schichtarbeit: Als Nachtarbeit wird die Zeit von 23 Uhr bis 6 Uhr verstanden. In Bäckereien und Konditoreien beginnt die Nachtarbeit um 22 Uhr und endet um 5 Uhr. Um Nachtarbeit handelt es sich bereits, wenn mehr als zwei Stunden während der Nachtzeit gearbeitet wird. Von Nachtarbeitnehmern spricht man, wenn die Mitarbeiter entweder auf Grund ihrer Arbeitszeitgestaltung normalerweise Nachtarbeit in Wechselschichten zu leisten haben oder Nachtarbeit an mindestens 48 Tagen im Kalenderjahr tatsächlich leisten.

    Die Arbeitszeit der Nachtarbeitnehmer darf ebenfalls acht Stunden nicht überschreiten. Sie kann auf bis zu zehn Stunden nur verlängert werden, wenn innerhalb eines Kalendermonats oder innerhalb von vier Wochen im Durchschnitt acht Stunden werktäglich nicht überschritten werden. Nachtarbeitnehmer sind berechtigt, sich vor Beginn der Beschäftigung und danach in regelmäßigen Zeitabschnitten arbeitsmedizinisch untersuchen zu lassen. Sie haben Anspruch auf Umsetzung auf einen Tagesarbeitsplatz, wenn ihre Gesundheit gefährdet ist oder im Haushalt des Arbeitnehmers ein Kind unter 12 Jahren lebt, das nicht von einer anderen im Haushalt lebenden Person betreut werden kann. Voraussetzung hierfür ist, dass nicht dringende betriebliche Gründe einer Umsetzung entgegenstehen.

  • Gefährliche Arbeiten: Für einzelne Beschäftigungsbereiche oder für bestimmte Arbeitnehmergruppen, bei denen besondere Gefahren für die Gesundheit zu erwarten sind, kann die Arbeitszeit über die in § 3 ArbZG geregelte Höchstdauer hinaus beschränkt werden. Zudem besteht für solche Arbeiten die Möglichkeit, die gesetzlich vorgeschriebenen Ruhepausen und Ruhezeiten auszudehnen.

  • Sonn- und Feiertagsbeschäftigung: Arbeitnehmer dürfen an Sonn- und gesetzlichen Feiertagen von 0 bis 24 Uhr nicht beschäftigt werden. Der Gesetzgeber gewährt jedoch von diesem generellen Beschäftigungsverbot zahlreiche Ausnahmen. Sofern die Arbeiten nicht an Werktagen vorgenommen werden können, dürfen Arbeitnehmer auch an Sonn- und Feiertagen beschäftigt werden.

    § 10 ArbZG enthält eine genaue Auflistung derjenigen Arbeitnehmergruppen bzw. Beschäftigungsbereiche, für die unter bestimmen Voraussetzungen das sonn- und feiertägliche Beschäftigungsverbot nicht gilt. Liegt ein in § 10 ArbZG genannter Ausnahmetatbestand vor, darf jedoch die Arbeitszeit an Sonn- oder Feiertagen die Höchstarbeitszeit von 8 Stunden nicht überschreiten. Werden Arbeitnehmer an Sonn- oder Feiertagen beschäftigt, ist ihnen grundsätzlich ein sog. Ersatzruhetag zu gewähren. Kann der Ersatzruhetag nicht gewährt werden, darf der Arbeitgeber den Arbeitnehmer nicht sonntags beschäftigen. Zulässige Ausnahmen können in einem Tarifvertrag oder einer Betriebsvereinbarung geregelt werden.

  • Aushangpflicht: Der Arbeitgeber ist verpflichtet, einen Abdruck des Arbeitszeitgesetzes sowie weitere für den Betrieb geltende Rechtsverordnungen, Tarifverträge und Betriebs- oder Dienstvereinbarungen an geeigneter Stelle im Betrieb zur Einsichtnahme auszulegen oder den Arbeitnehmern auszuhändigen. Weiterhin ist der Arbeitgeber verpflichtet, die über die werktägliche Höchstarbeitszeit hinausgehende Arbeitszeit der Arbeitnehmer aufzuzeichnen.

  • Beginn und Ende der Arbeitszeit: Nicht ausdrücklich gesetzlich geregelt ist der genaue Beginn und das Ende der täglichen Arbeitszeit. Wann die persönliche Arbeitszeit des Beschäftigten beginnt und endet, bestimmt sich in der Regel auf Grund der betrieblichen Regelungen bzw. den einzelvertraglichen Vereinbarungen. Die Arbeitszeit beginnt gewöhnlich mit dem Betreten des Betriebsgeländes oder dem Erscheinen des Mitarbeiters an seinem Arbeitsplatz; sie endet regelmäßig nach Beendigung der Arbeit mit dem Verlassen der Arbeits- bzw. der Betriebsstätte.

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Über den Autor:

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Josef Ellenrieder, Jahrgang 1943, Diplom Betriebswirt FH, lehrt an diversen Fachhochschulen, Industrie- und Handelskammern, Handwerkskammern die Themen: Betriebswirtschaft, Volkswirtschaft, Rechnungs ...

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