Ausnahmsweise umsatzsteuerfreie Rechnungen - an Vereine, Bildungs- und Wohlfahrtseinrichtungen

Wann freiberufliche Lehrkräfte und "Kulturschaffende" umsatzsteuerfreie Rechnungen stellen dürfen

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Stand: 2. April 2014 (aktualisiert)

Wenn Sie für eine gemeinützige Bildungseinrichtung oder einen Kulturverein arbeiten, wird normalerweise eine Rechnung ohne Umsatzsteuer verlangt, denn der Auftraggeber ist umsatzsteuerbefreit. Die dürfen Sie unter bestimmten Umständen tatsächlich ausstellen - selbst wenn Sie ansonsten umsatzsteuerpflichtig sind. Wir erklären, wie das geht.

Steuerprivileg für "ideelle" Leistungen

Viele Bildungs-, Kultur- und Wohlfahrtseinrichtungen oder auch gemeinnützige Vereine brauchen ihren Kunden und Patienten keine Umsatzsteuer in Rechnung stellen: Ihre Leistungen sind steuerfrei. Die Gute Nachricht: Freiberufliche Lehrkräfte und andere "Kulturschaffende" dürfen solchen Institutionen umsatzsteuerfreie Rechnungen stellen, obwohl sie ansonsten umsatzsteuerpflichtig sind.

In § 4 Umsatzsteuergesetz finden sich interessante Steuerprivilegien: Dort ist zum Beispiel festgelegt, dass die Umsätze von Banken und anderen Finanzdienstleistern oder auch die "Universaldienstleistungen" der Deutschen Post immer noch von der Umsatzsteuer befreit sind. Es gibt aber auch weniger fragwürdige Steuerbefreiungen: So sind beispielsweise ...

  • Schulen und Bildungsträger,

  • kulturelle Einrichtungen,

  • medizinische und pflegerische Einrichtungen wie Krankenhäuser oder Altenheime, aber auch

  • Wohlfahrtsverbände und gemeinnützige, mildtätige, politische oder kirchliche Einrichtungen

... in in den meisten Fällen von der Umsatzsteuer befreit. Sie brauchen ihren Schülern, Teilnehmern, Besuchern, Kunden, Klienten oder Patienten dann keine Umsatzsteuer (= Mehrwertsteuer) in Rechnung zu stellen. Auf diese Weise werden in diesen Sektoren die Endverbraucherpreise steuerlich subventioniert.

Kein Vorsteuerabzug

Im Gegenzug legt § 15 Umsatzsteuergesetz aber fest, dass sich solche Anbieter normalerweise auch keine Vorsteuer (das ist der Mehrwertsteueranteil ihrer betrieblichen Einkäufe) vom Finanzamt zurückholen dürfen. Entsprechend erpicht sind sie darauf, ihrerseits umsatzsteuerfreie Rechnungen zu bekommen. Vor allem von Dozenten, Seminarleitern und ähnlichen Lehrkräften oder auch freiberuflichen Kulturschaffenden (z. B. Musikern, Schauspielern etc.) verlangen umsatzsteuerbefreite Einrichtungen daher vielfach steuerfreie Rechnungen.

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interkulturelle Trainerin

GUten Tag,

ich bin interkulturelle Trainerin und Erzählerin. Ich arbeite im Bereich der politischen Bildung und gebe auch Performance.
Es heisst ich habe Rechnungen für die Seminare, die ich gebe und Rechnungen, für die Veranstaltungen, die ich anbiete.

Frage für die Rechnung, die mit der politischen Bildung zu tun haben
Ich bin jetzt nicht mehr Klein Unternehmer aber ich arbeite mit Einrichtungen, die Körperschaftsteuer befreit sind.

Hier ist teilsweise die Bescheinigung, die ich gerade bekommen habe:
"Die Steuerpflicht erstreckt sich ausschliesslich auf den von der Stiftung unterhaltenen (einheitlichen) steuerpflichtigen wirtschaftlichen Geschäftbetrieb. Im übrigen ist die Stiftung nach § 5 Abs. 1 Nr 9KStG von der Körperschaftsteuer befreit, wiel sie ausschliesslich und unmittelbar steuerbegüngstigten
X gemeinnützigen mildtätigen kirchlichen
Zwecken im Sinne der §§51 ff. AO dient."

Meine Frage ist: ist es dann korrekt wenn ich schreibe:

Die Leistung ist Umsatzsteuerfreie gemäß § 5 Abs. 1 Nr 9KStG Umsatzsteuergesetz. Die Bescheinigung des Auftraggebers liegt vor.

Soll ich jetzt für jede Rechnung es schreiben wenn ich die Bescheinigung habe?

Frage für die Performance wo ich als Küsntlerin auftrete:
Soll ich auch eine Bescheinigung bekommen oder soll ich erwähnen den § des Umsatzsteuergesetzes, der für Künstler steht?

Vielen Dank für Ihre Rückmeldung!
Frau Richet

Antwort: interkulturelle Trainerin

Guten Tag, Frau Richet,
Die von Ihnen vorgenommene Kombination aus KStG und UStG ...
------------ Zitat ----------------
§ 5 Abs. 1 Nr 9KStG Umsatzsteuergesetz.
----------Zitat-Ende --------------
... gibt es nicht: Bei der Körperschaftsteuer handelt es sich um die Einkommensteuer auf _Gewinne_ von Kapitalgesellschaften, Vereinen, Stiftungen etc. Die Umsatzsteuer besteuert deren Umsätze (soweit sie umsatzsteuerpflichtig sind).

Eine Bescheinigung über die Befreiung von der Körperschaftsteuer und / oder die Gemeinnützigkeit wirkt sich nicht auf die Umsatzsteuer aus. Bevor Sie umsatzsteuerfreie Rechnungen stellen dürfen, benötigen Sie von Ihrem Auftraggeber eine der (weiter oben im Text genannten) Bescheinigungen über die _Umsatzsteuer_-Befreiung der Stiftung.

Die weiteren Details Ihres Einzelfalls besprechen Sie am besten mit einem Steuerberater oder fragen direkt beim Finanzamt nach.

Alles Gute und freundliche Grüße
Robert Chromow

Anwendungt § 4 UStG im Einzelfall

Sehr geehrter Herr Chromow,
zunächst vielen Dank für Ihren interessanten Beitrag!
Auf der Grundlage Ihrer Informationen versuche ich nun, meine Rechnungen abzuändern. Beim Durchforsten des § 4 UStG bin ich aber noch nicht so recht fündig geworden bzw. unsicherb - was meine persönliche Situation betriff:
Ich arbeite als ÜL für zwei Sportvereine und für das DRK.
In Hinblick auf die DRK-Rechnungen erscheint mir § 4 Nr 18c anwendbar. Ist das richtig?
In Hinblick auf die Sportvereine ziehe ich § 4 Nr. 22b in Betracht: Sportvereine dienen doch gemeinnützigen Zwecken - jedenfalls solange sie selbst umsatzsteuerbefreit sind, weil sie keine großen Gewinne erzielen. Stimmt das so?
Ich danke Ihnen vorab für die Antwort.
Mit freundlichen Grüßen, S. Starck.

Antwort: Anwendung ...

Hallo S. Starck,
vielen Dank für Ihre freundliche Rückmeldung. Eine Einzelfallberatung ist an dieser Stelle leider nicht möglich. Bezogen auf Ihre Frage heißt es weiter oben im Text:
"Bevor Sie sich auf umsatzsteuerfreie Rechnungen einlassen, benötigen Sie eine schriftliche Bescheinigung Ihres Auftraggebers, in dem dessen zuständiges Finanzamt den genauen Grund für die Umsatzsteuerbefreiung bestätigt. "

Am besten sprechen Sie also mit Ihren Auftraggebern: Dort erfaren Sie nicht nur die einschlägige gesetzliche Grundlage für eine eventuelle USt-Befreiung: Unter Umständen können Sie Ihre Leistungen sogar auf Grundlage der sogenannten Übungsleiterpauschale abrechnen. Die ist sowohl umsatz- als auch einkommensteuerfrei. Mehr dazu unter
http://www.akademie.de/wissen/uebungsleiterpauschale-steuerfreibetrag

Alles Gute und freundliche Grüße
Robert Chromow

§ 4 Nr. 18c UStG - Ersatzbescheinigung

Hallo Herr Chromrow,

vielen Dank für Ihre Antwort!

Ihren Hinweis (auf die Nachfrage bei den Auftraggebern) hatte ich bereits vorab berücksichtigt.

Die Antworten der Sportvereine stehen noch aus, und die Antwort des DRK erschien mir etwas unbefriedigend:
"ich habe von ... die Info erhalten, dass Sie eine bescheinigte Begründung über die Befreiung des DRK von der Umsatzsteuer benötigen. Eine solche dezidierte Begründung liegt uns nicht vor. Letztendlich ist der DRK Ortsverein ...ein gemeinnütziger Verein, der im Rahmen seiner Tätigkeit umsatzsteuerpflichtig wird, wenn er in den unternehmerischen Bereichen die festgesetzten Grenze überschreitet. Näheres dazu können Sie hier (http://www.vereinsbesteuerung.info/leitfaden_ust.htm) nachlesen. In unserem Fall erfüllen wir derzeit die Kleinunternehmerregelung nach §19 UStG und unterliegen daher nicht der Umsatzsteuerpflicht.
Ich bin kein Experte, aber grundsätzlich sollte unsere Situation auch unabhängig von Ihrer Steuerpflicht sein. Viele Grüße ..."

Meine - allgemeine - Frage an Sie: Kann man auf der Grundlage solcher Antwort eine Ust-freie Rechnung nach § 4 Nr. 18c USTG stellen? Reicht solche Info als Ersatzbescheinigung?
Vielen Dank noch einmal! Herzliche Grüße, S. Starck.

Antwort

Hallo S. Starck,
wie gesagt: eine Einzelfallberatung ist an dieser Stelle nicht möglich. Meiner unmaßgeblichen Meinung nach reicht ein solches Schreiben als Rechtfertigung der Umsatzsteuerbefreiung keineswegs aus. Dafür ist m.W. die Bescheinigung des Finanzamts Ihres Auftraggebers erforderlich.

Am besten besprechen Sie die Details Ihres Einzelfalls mit einem Steuerberater. Anderenfalls besteht Gefahr, nach einer Steuerprüfung hohe Steuer-Nachzahlungen leisten zu müssen.

Alles Gute und freundliche Grüße
Robert Chromow

Hallo Frau Richter,

im Nachgang zu Herrn Chromows Antwort noch der Hinweis auf einen Berliner Steuerberater: Martin Winkler ist Umsatzsteuer-Experte (und übrigens auch akademie.de-Autor), Sie finden seine Website mit den Kontaktdaten unter http://www.winkler-steuerberatung.de/

beste Grüße
Simon Hengel

Hallo Frau Richter,
Ihre Überlegung leuchtet mir grundsätzlich ein: Ist eine Ausgabe eindeutig betrieblich veranlasst und kann der Umsatzsteueranteil nicht als Vorsteuer geltend gemacht werden, stellt der Umsatzsteueranteil im Rahmen der EÜR ausnahmsweise eine Betriebsausgabe dar. Da ich kein Steuerberater bin, kann ich das für den Fall der Steuerbefreiungen gemäß § 4 Nr. 20, 21b etc. UStG aber nicht beurteilen.
> Ich habe vor Beginn der Honorartätigkeit durchweg
> unsatzsteuerbehaftete Leistungen erbracht, im vergangenen Jahr aber
> fast ausschließlich als Honorardozentin gearbeitet. Nun habe ich
> natürlich eine Menge ständige Kosten wie Telefon, akademie.de-
> Beitrag, Fachzeitschriften, aber auch Kosten für die Anschaffung
> eines neuen Rechners oder von Fachbüchern, die nicht eindeutig einer
> Tätigkeit zugerechnet werden können. Eine prozentuale Aufteilung,
> wie von Ihnen beschrieben, wäre für mich sehr ungünstig. Wie gehe
> ich damit um?

Da fällt mir, ehrlich gesagt, auf Anhieb keine Möglichkeit der Steueroptimierung ein: Wenn Sie fast ausschließlich umsatzsteuerbefreite Leistungen erbringen und entsprechende Rechnungen ausstellen, wird es schwierig, den Vorsteuerabzug für einen größeren Teil des Umsatzes geltend zu machen.
> Empfehlung
> eines in Berlin ansässigen Steuerberaters, der sich mit dieser
> Materie auskennt?
Das ist eine gute Idee: Ich leite Ihre Nachricht an zwei KollegInnen in der Berliner Zentrale von akademie.de weiter - vielleicht können die Ihnen ja einen geeigneten Steuerberater vor Ort empfehlen.
Alles Gute und herzliche Grüße
Robert Chromow
Redaktionsteam akademie.de

Hallo Herr Chromow,

vielen Dank für den verständlichen Artikel.
2 Fragen habe ich jedoch noch:
Ich arbeite u.a. als Honorardozentin mit unsatzsteuerfreien Rechnungen an meinen Auftraggeber im o.a. Sinne und habe Rechnungen für eigene Aufwendungen, die eindeutig der Honorartätigkeit zuzurechnen sind. Für diese Rechnungen ziehe ich also keine Vorsteuer. Dann setze ich aber den Bruttobetrag als gewöhnliche, vom Umsatz absetzbare Kosten an, oder?

Ich habe vor Beginn der Honorartätigkeit durchweg unsatzsteuerbehaftete Leistungen erbracht, im vergangenen Jahr aber fast ausschließlich als Honorardozentin gearbeitet. Nun habe ich natürlich eine Menge ständige Kosten wie Telefon, akademie.de-Beitrag, Fachzeitschriften, aber auch Kosten für die Anschaffung eines neuen Rechners oder von Fachbüchern, die nicht eindeutig einer Tätigkeit zugerechnet werden können. Eine prozentuale Aufteilung, wie von Ihnen beschrieben, wäre für mich sehr ungünstig. Wie gehe ich damit um?

Vielen Dank im Voraus für Ihre Antwort ( vielleicht auch Empfehlung eines in Berlin ansässigen Steuerberaters, der sich mit dieser Materie auskennt? ) sagt
Sabine Richter

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