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Auslandsinkasso

Forderungsbeitreibung über die Landesgrenzen hinweg - Andere Länder, andere Sitten

Moderne Kommunikationsmittel wie das Internet machen es möglich: Geschäftsabschlüsse können in Sekundenschnelle getätigt werden, gleichgültig, ob der Kunde in Castrop-Rauxel, Singapur oder New York sitzt.

Während uns das deutsche Zivil- und Handelsrecht zumindest in den Grundzügen vertraut ist, wissen wir bei Vertragsabschlüssen über die Landesgrenzen hinweg nicht immer so recht, auf was wir uns eigentlich einlassen. Umso schwieriger wird es dann, wenn der Schuldner seinen Zahlungsverpflichtungen nicht in dem Maße nachkommt, wie wir uns das vorgestellt haben.

Umgekehrt kann es Ihnen auch passieren, dass sich ein inländischer Kunde in einer "Nacht und Nebel-Aktion" plötzlich ins Ausland absetzt und zahlreiche verzweifelte Gläubiger zurücklässt, die auf ihren unbezahlten Rechnungen sitzenbleiben. In beiden Fällen macht die Forderungsbeitreibung nicht an der Landesgrenze halt. Während das Forderungsmanagement im eigenen Land schon zur Herausforderung werden kann, kommen bei der grenzüberschreitenden Geltendmachung gleich noch ein paar Hürden hinzu.

Andere Sprachen - Andere Sitten

Im Urlaub sehen wir anderen Sitten und Gebräuchen im Gastland gelassen entgegen. Wer an seinem Urlaubsort einen Mangel rügt und bezüglich der Beseitigung ein "mañana" erntet, der weiß, dass er nicht unbedingt "morgen" mit der Erledigung zu rechnen braucht.

Im Geschäftsleben sieht es dagegen anders aus. Wer "mañana" zur Antwort erhält, wenn es um die Zahlung der längst fälligen Forderung geht, der befindet sich bereits mitten in einem der wesentlichen Probleme des Auslandsinkassos: Forderungsbeitreibung im Ausland bedeutet nicht nur, sich mit anderen gesetzlichen Vorschriften auseinanderzusetzen, sich in einer anderen Sprache, die uns nicht immer in allen Einzelheiten vertraut ist, verständlich zu machen, sondern sich zusätzlich noch mit erheblichen Mentalitätsunterschieden im Zahlungsverhalten auseinanderzusetzen.

Ein kleines Beispiel mag dies deutlich machen: In Deutschland machen Sie Ihren Kunden die pünktliche Zahlung mit einem Skonto schmackhaft, über die Landesgrenzen hinweg ist die Gewährung eines Skontos dagegen weitgehend unbekannt, weshalb diese Maßnahme versagt.

Andere Länder - Andere Zahlungsrisiken

Selbst mit der Zahlungsmoral ist es sehr unterschiedlich bestellt. So lassen sich nach einer umfangreichen Studie insbesondere italienische und französische Geschäftskunden besonders viel Zeit mit dem Bezahlen, bei den Briten und den Belgiern sieht es dagegen etwas besser aus.

Für das Auslandsgeschäft gilt daher noch mehr als bei der Lieferung oder Leistung an Inlandskunden: Je mehr Sie über den Geschäftspartner wissen, umso besser können Sie die Risiken eines Auslandsgeschäfts einschätzen und entsprechende Sicherungsinstrumente vereinbaren. Das fängt schon bei ganz banalen Dingen an:

  • Ist Ihnen der Name ihres Geschäftspartners und vor allem dessen korrekte Schreibweise bekannt? Hierzu gehören auch die vollständigen und korrekten Angaben zur Rechtsform des Unternehmens, die durchaus von deutschen Gepflogenheiten abweichen können.

  • Und schließlich: Wie ist es um die Bonität des Kunden bestellt?

Die Gründe liegen in einem fehlenden bzw. unvollkommenen Meldesystem. Nicht in allen Ländern besteht eine Pflicht zur Eintragung in ein Handelsregister - woraus wiederum unzureichende Auskunftsmöglichkeiten resultieren ...

Damit haben Sie freilich noch nicht alle Risiken im Griff. Je nachdem, in welches Land Sie liefern wollen, spielen sowohl politische und / oder wirtschaftliche Unwägbarkeiten neben der Bonität des Kunden eine wichtige Rolle bei der Einschätzung der Risiken im Auslandsgeschäft. Was liegt also näher, als sich verlässliche Informationen nicht nur über den Kunden selbst sondern auch das Land zu besorgen, in das Sie liefern wollen.

Eigene Recherchen

In vielen Ländern gibt es genauso wie in Deutschland Einwohnermeldeämter, Handelsregister oder Insolvenzdateien, von denen Sie entsprechende Informationen einholen können. Was in Deutschland schon mühsam und zeitaufwendig ist, kann im Ausland zu einem schwierigen Unterfangen werden. Daher ist es oft sinnvoller, gleich von Anfang an einen Profi mit der Einholung der entsprechenden Auskünfte zu beauftragen.

International ausgerichtete Wirtschaftsauskunfteien

Wer bereits im Inland mit einer Wirtschaftsauskunftei zusammenarbeitet, der weiß, worauf es bei der Beauftragung ankommt. Doch selbst wenn Sie mit der Arbeit der Auskunftei im Inland zufrieden sind, muss das noch lange nicht bedeuten, dass Ihnen das gleiche Unternehmen in entsprechender Qualität über Ihre im Ausland ansässigen Kunden berichtet. Genau betrachtet sitzen Sie mit der Auskunftei in einem Boot, denn auch der Dienstleister ist auf die Informationen Dritter vor Ort angewiesen. Deshalb bietet sich die Zusammenarbeit mit einer Auskunftei an, die entweder über eine eigene Niederlassung bzw. Tochtergesellschaft im entsprechenden Land verfügen oder zumindest eine langjährige Zusammenarbeit mit einem Partner vor Ort nachweisen können. Nur so können Sie sichergehen, dass Sie eine verlässliche und qualitativ hochwertige Auskunft erhalten, denn leider gibt es auch in dieser Branche in jedem Land "schwarze Schafe".

Außenhandelskammern

Als "erste Adresse auf den Weltmärkten" können Ihnen die Außenhandelskammern nicht nur wichtige und vor allen Dingen aktuelle Informationen über diejenigen Länder zur Verfügung stellen, in denen die Außenhandelskammern vertreten sind. Die Standorte finden Sie auf der Homepage der Außenhandelskammern.

Sie finden dort nicht nur einen deutschsprachigen Ansprechpartner vor Ort, sondern vor allem die Möglichkeit über die Außenhandelskammer Bonitätsauskünfte oder Auskünfte aus dem Handelsregister neben vielen anderen Informationen aus dem Wirtschafts-, Zoll- und Steuerbereich einzuholen. Gleichzeitig können Kontakte zu Rechtsanwälten oder Steuerberatern hergestellt werden.

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Über die Autorin:

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Dr. Ellen Ulbricht ist Juristin und Unternehmensberaterin, sie liefert unter Mahnen leicht gemacht Hilfen für das Forderungsmanagement. Dr. Ulbricht war 15 Jahre lang in leitender Position im Inkasso ...

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