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Auslandsinkasso

Sicherungsmaßnahmen und -instrumente gegenüber ausländischen Geschäftspartnern

Mit aussagefähigen Informationen gewappnet, können Sie gleich von Beginn der Vertragsverhandlungen an geeignete Sicherungsinstrumente für den anstehenden Geschäftsabschluß ins Auge fassen und in die Verhandlungen einbeziehen. Gängige Sicherungsinstrumente wie Vorauszahlungen, die Vereinbarung eines Eigentumsvorbehalts oder eine Sicherungsübereignung geeigneter Gegenstände sind natürlich auch bei Auslandsgeschäften in Betracht zu ziehen.

Dennoch versagen gerade diese bei uns geläufigen Sicherungsinstrumente, die in den meisten Allgemeinen Geschäftsbedingungen bei Inlandsgeschäften gar nicht mehr wegzudenken sind, bereits an der Landesgrenze ihre Dienste.

Schon bei den Nachbarn in Österreich wird es mit der Vereinbarung einer Sicherungsübereignung schwierig, denn die Rechtsprechung anerkennt dieses Sicherungsinstrument nur unter ganz engen Voraussetzungen, sodass der Einsatz eher einer Pfandrechtsbestellung gleich kommt. Deshalb ist es oft sinnvoller, gleich von Beginn an auf die ganz speziell für den Außenhandel konzipierten Sicherungsinstrumente zu setzen.

Dokumenteninkasso und -akkreditiv

Dokumenteninkasso und -akkreditiv sind alt bewährte Sicherungsinstrumente im Außenhandel, die trotz ihrer etwas umständlichen und kostenintensiven Handhabung noch immer eingesetzt werden. Beim Dokumenteninkasso vereinbaren Sie als Verkäufer / Exporteur mit Ihrem im Ausland ansässigen Käufer, dass die Aushändigung der Ware durch den Spediteur oder beispielsweise das Zolllager nur gegen die Vorlage bestimmter Dokumente erfolgen darf, die er zuvor von einer Bank gegen Zahlung des Kaufpreises ausgehändigt bekommt.

Beim Dokumentenakkreditiv handelt es sich hingegen um das Versprechen einer Bank im Auftrag und für Rechnung des Käufers, der gleichzeitig der Importeur der Ware ist, an den Verkäufer und Exporteur gegen Vorlage und Übergabe von exakt beschriebenen Dokumenten, die zuvor vereinbarte Leistung zu gewähren. Während der Verkäufer durch das Dokumentenakkreditiv vor Zahlungsausfällen geschützt wird, hat der Käufer hingegen keine Gewähr dafür, dass er die Ware in der entsprechenden Qualität erhält. Er kauft mehr oder weniger "die Katze im Sack". Zudem belastet das Akkreditiv bereits mit dessen Eröffnung die Liquidität des Käufers, da die Bank sein Konto bereits mit der Zusage des Akkreditivs belasten kann.

Ausführliche Informationen zur Abwicklung und den Vor- und Nachteilen der beiden Sicherungsinstrumente erhalten Sie im Beitrag Dokumenteninkasso und -akkreditiv.

Statt des mit einer hohen Fehleranfälligkeit und anderen Nachteilen verbundenen Dokumentenakkreditivs werden Sie daher häufig nach anderen Alternativen zur sicheren Zahlungsabwicklung im Außenhandel suchen.

Exportfactoring

Nicht nur mit der Zahlungsmoral nehmen es ausländische Kunden nicht so genau, ganz unabhängig davon lassen sie sich bereits im Vorfeld ein deutlich längeres Zahlungsziel einräumen als deutsche Kunden. Sie werden damit unfreiwillig zum Kreditgeber Ihrer Kunden, was letztendlich Ihre Liquidität erheblich beeinträchtigt. Factoring kann bei In- und Auslandsgeschäften die Liquidität schnell wieder herstellen.

Beim Factoring verkaufen Sie laufend eine Vielzahl kurzfristiger, künftiger In- oder Auslandsforderungen, die aus Warenlieferungen an Ihre Kunden entstanden sind, an einen Factor. Den Gegenwert der veräußerten Forderungen erhalten Sie noch vor Zahlung der Kunden an den Factor, abzüglich eines Abschlags vom Factor ausbezahlt. Sie erhalten damit schnell und unkompliziert die Zahlung, was Ihrer Liquidität zugutekommt. Im besten Fall sind Sie auch Ihr Forderungsausfallrisiko durch den Forderungsverkauf los.

Weiterer Vorteil: Sie brauchen kein umständliches und fehleranfälliges Dokumentenakkreditiv zu vereinbaren, das zudem die Liquidität des Käufers stark belastet und schon aus diesem Grunde an Beliebtheit verliert.

Freilich hat auch das Factoring einen Haken. Je nach Factor muss Ihr Unternehmen einen bestimmten Umsatz pro Jahr nachweisen können und "auf gesunden Beinen" stehen, andernfalls kommt Factoring für Sie nicht in Frage.

Forfaitierung

Im Gegensatz zum Factoring können Sie durch Forfaitierung einzelne, hohe Forderungen, die künftig fällig sind mit einem längerfristigen Zahlungsziel veräußern und das Bonitätsrisiko, wie beim Factoring, auf den Forderungskäufer verlagern.

Bankgarantien

Ein Garantievertrag sorgt hingegen auf andere Weise für Sicherheit. Hier verpflichtet sich nämlich ein Dritter (= Garant), meist handelt es sich dabei um eine Bank, dafür einzustehen, dass Sie als Begünstigter aus dem mit Ihrem Kunden geschlossenen Vertrag die vereinbarte Leistung erhalten. Der Garant kann beispielsweise für die fristgerechte Zahlung des vereinbarten Kaufpreises oder umgekehrt die vereinbarte Warenlieferung einstehen. Das Besondere an der Garantie ist, dass sie stets abstrakt ist, d.h., sie ist völlig losgelöst vom zugrunde liegenden Geschäft, also beispielsweise dem Kaufvertrag, den Sie mit dem Kunden geschlossen haben. Der Garant kann Ihnen deshalb keine Einwendungen aus dem Grundvertrag entgegenhalten, sondern muss in jedem Fall seinen übernommenen Verpflichtungen nachkommen.

Kreditversicherungen

Sicherungsinstrumente wie die Vereinbarung eines Eigentumsvorbehalts greifen aufgrund anderer rechtlicher Gegebenheiten in vielen Ländern entweder gar nicht oder können entweder nur eingeschränkt vereinbart bzw. durchgesetzt werden. Deshalb kann die Kreditversicherung ein alternatives Instrument darstellen, um sich zumindest vor Forderungsausfällen zu schützen, wenn es schon aus rechtlichen Gründen nicht gelingt, den Eigentumsverlust an der Ware zu verhindern. Allerdings deckt auch die Kreditversicherung nicht alle Risiken ab.

Vom Versicherungsschutz ausgenommen sind von vornherein Forderungen gegen öffentlich-rechtliche Unternehmen, Forderungen aus Vermietung und Verpachtung sowie Forderungen aus Lieferungen, deren Einfuhr in das Bestimmungsland gegen ein gesetzliches Verbot verstößt.

Bisher konnten zudem nur Forderungen aus dem B2B-Bereich abgesichert werden. Einer der führenden Anbieter auf dem Kreditversicherungsmarkt hat in Deutschland Anfang 2007 erstmals eine Kreditversicherung für Lieferungen an Konsumenten und kleine Gewerbetreibende auf den Markt gebracht. Angesichts der steigenden Zahl an Privatinsolvenzen könnte sich die B2C-Kreditversicherung gerade für den Versandhandel zu einem wichtigen Sicherungsinstrument entwickeln. Allerdings bieten Kreditversicherungen keinen 100%-igen Schutz vor Forderungsausfällen. Je nach Anbieter müssen Sie einen Selbstbehalt in unterschiedlicher Höhe tragen.

Zudem übernimmt selbst die Kreditversicherung nicht alle Länderrisiken. Gerade dort, wo ein Schutz besonders angebracht wäre, nämlich in Ländern, die ganz besonders häufig von politischen Krisen heimgesucht werden, steigt die Kreditversicherung regelmäßig aus.

Hermes-Bürgschaften

Diese Lücke in der Absicherung von Exportkrediten füllen zum Teil die sogenannten Hermes-Bürgschaften des Bundes. Abgewickelt wird die Gewährung einer entsprechenden Deckung von einem Mandatarkonsortium unter Federführung der Euler Hermes Kreditversicherungs-AG und der PwC Deutsche Revision AG, weshalb das Sicherungsinstrument meist "Hermes-Bürgschaft" genannt wird, obwohl sich dahinter nicht nur Bürgschaften verbergen. Die Absicherung geschieht nämlich in Form einer Ausfuhrbürgschaft, wenn es sich bei dem ausländischen Vertragspartner des deutschen Exporteurs um einen Staat, eine Gebietskörperschaft oder Vergleichbares handelt, oder in Form einer Ausfuhrgarantie, wenn es sich beim Vertragspartner um ein privates Unternehmen handelt. In jedem Fall tragen Sie als Exporteur eine Selbstbeteiligung.

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Über die Autorin:

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Dr. Ellen Ulbricht ist Juristin und Unternehmensberaterin, sie liefert unter Mahnen leicht gemacht Hilfen für das Forderungsmanagement. Dr. Ulbricht war 15 Jahre lang in leitender Position im Inkasso ...

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