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Autorenverträge: Verwertungsrechte und Nutzungsrechte

Tipps zum Abschluss einer Autorenvereinbarung

Nutzungsrechte: Regelungen vermeiden Probleme

Wenn ein Autor für einen Auftraggeber einen Text erstellt, dann gehen beide ein Vertragsverhältnis ein. Juristisch betrachtet verkauft der Autor dem Auftraggeber weder die Worte seines Textes noch die Arbeitszeit, die er für das Schreiben verwendet hat, sondern vielmehr das Recht, den von ihm geschriebenen Text zu nutzen.

Das ist sogar dann der Fall, wenn beide Seiten diesen Tauschhandel gar nicht bewusst so abschließen. Allerdings ist es besser, sich die Vereinbarung klarzumachen und die Details genau zu regeln.

Typische Knackpunkte

Geregelt werden sollten beispielsweise Fragen wie diese:

  • Wo darf der Text veröffentlicht oder verwendet werden? Und wo bzw. wie nicht?

  • Darf der Autor denselben Text auch an andere verkaufen? Und wie steht es mit dem Auftraggeber – darf er die erworbenen Rechte an Dritte weiterverkaufen?

  • Wenn der Auftraggeber mit dem Text Umsätze erzielt, steht dem Autor dann ein Teil davon zu?

  • Wer ist dafür zuständig beziehungsweise dazu berechtigt, einen Urheberrechtsverstoß zu verfolgen, wenn der Text durch Dritte ungefragt übernommen wird? Wer bekommt den Schadensersatz?

Bleiben solche Fragen ungeklärt, führt das später leicht zu Konflikten. Die lassen sich vermeiden, wenn man für einen Auftrag zur Texterstellung eine Autorenvereinbarung aufsetzt und darin verbindlich regelt, was in Bezug auf Urheberrechte, Verwertungsrechte und Nutzungsrechte gilt.

Was ist mit dem Copyright?

In urheberrechtlichen Fragen gibt es wichtige Unterschiede zwischen deutschem Recht und der Rechtslage in den USA. Das allgegenwärtige ©-Zeichen wird zwar auch bei uns oft genutzt. Aber es kann in Deutschland schon deshalb nicht das Gleiche bedeuten wie in Amerika, weil ein solcher Vermerk dort grundsätzlich Voraussetzung für Urheberrechtsschutz ist und die Urheberschaft beim „Copyright Office“ angemeldet werden muss.

Das ist in Deutschland ganz anders. Hier gelten die Rechte des Urhebers grundsätzlich unabhängig davon, ob er auch genannt wird oder als Urheber irgendwo registriert wurde. Trotzdem kann der ©-Hinweis auch hierzulande sinnvoll sein – als psychologische Barriere für potenzielle Rechteverletzer und um nach außen hin sichtbar zu machen, dass ein Werk nicht zur schrankenlosen Nutzung wie etwa der Weiterveröffentlichung freigegeben ist.

Das Urheberrechtsgesetz und Nutzungsrechte

Die wichtigsten rechtlichen Bestimmungen legt das Urheberrechtsgesetz fest. Es verleiht dem Autor oder der Autorin eine sehr starke Stellung. Zunächst einmal bestimmt nur der Autor als Urheber, was mit seinem Text passiert.

Er legt fest, ob der Text „vervielfältigt“, „verbreitet“ oder in „unkörperlicher Form öffentlich wiedergegeben“ werden darf. (Das steht in den §§ 15 ff. UrhG). Praktisch bedeutet das: Ob der Text auf Papier, als E-Book oder beispielsweise auch in Comic-Form publiziert werden darf, darüber entscheidet allein der Autor. Auch eine Verfilmung, Vertonung oder öffentliche Lesung ist genau wie eine Übersetzung ohne seine Erlaubnis nicht möglich.

Deshalb kann nur der Autor (oder nach seinem Tod sein Erbe) einem Auftraggeber bzw. Verleger das Recht einräumen, den Text zu veröffentlichen oder in anderer Form zu nutzen, etwa als Schulungsunterlage, Comic-Vorlage etc. Dafür wird er in der Regel ein Honorar verlangen. Deshalb spricht man vom Verwertungsrecht.

Die Rechte des Urhebers – Verwertungsrechte und Urheberpersönlichkeitsrechte

Der Urheber hat also im Prinzip zwei Arten von Rechten an seinem Werk:

Die Verwertungsrechte, d. h., der Autor kann anderen gegen Geld oder auch umsonst das Recht zur Nutzung einräumen – wobei Nutzung vom reinen Lesen bis zum Weiterverkauf der Veröffentlichungsrechte reichen kann. Man spricht auch vom Lizenzieren.

Dazu kommen die Urheberpersönlichkeitsrechte, die sich nicht übertragen lassen. Dazu gehört der Anspruch, als Urheber des Werks anerkannt zu werden (es darf also kein anderer als Autor auftreten). Der Urheber kann gegen Entstellungen seines Werks vorgehen, und er kann festlegen, mit welcher Urheberbezeichnung er auftritt (mehr dazu unten).

Nutzungsrechte

Wenn der Autor vom Verwertungsrecht Gebrauch macht und einem Auftraggeber (beispielsweise einem Website-Betreiber) das Recht einräumt, seinen Text auf dessen Website zu veröffentlichen, räumt er ihm damit ein Nutzungsrecht ein. (Die Nutzungsrechte sind in den §§ 31 ff. UrhG festgelegt.)

Das Nutzungsrecht, das in einer konkreten Autorenvereinbarung übertragen wird, kann ganz unterschiedlich gestaltet sein. Wichtige Punkte sind:

  • Welche Nutzungsarten? Der Autor kann dem Auftraggeber bzw. Verleger erlauben, dass er den Text auf alle möglichen Arten verwenden kann, die ihm einfallen: als Website-Content, als E-Book, als Print-Broschüre, als Schulungsmaterial oder als Grundlage für ein YouTube-Video. Er kann die erlaubte Nutzung aber auch auf ein ganz bestimmtes Format einschränken, beispielsweise ausschließlich zur Veröffentlichung auf einer bestimmten Website. Dann verstößt der Rechte-Käufer gegen die Vereinbarung, sobald er den Text auch als E-Book verbreitet oder in den Kundenseminaren seines Unternehmens verteilt.

  • Räumliche oder zeitliche Beschränkung oder unbeschränkt? Typisch sind räumliche Einschränkungen bei Print-Formaten: Ein Buch darf beispielsweise ausschließlich in Deutschland verkauft werden. Ein räumlich beschränkt übertragenes Nutzungsrecht hat im Internet dagegen wenig Sinn, auch wenn hier die Beschränkung etwa auf die Top-Level-Domain .de oder auf deutschsprachige Websites möglich ist.

    Eine zeitliche Beschränkung ist online wie offline verbreitet. So lässt sich beispielsweise vereinbaren, dass der Auftraggeber den Text nach einem Jahr wieder offline schalten muss. Wenn er den Text lieber unbegrenzt nutzen möchte, dann sollte er sich ein zeitlich unbeschränktes Nutzungsrecht einräumen lassen.

  • Einfache oder ausschließliche/exklusive Nutzung? Wenn der Autor die ausschließlichen Nutzungsrechte für ein bestimmtes Format (zum Beispiel für die Veröffentlichung als E-Book) verkauft, dann darf niemand außer dem Käufer der Rechte diesen Text in dieser Form veröffentlichen. Das gilt auch für den Autor selbst – er darf seinen Text auch an keine weiteren E-Book-Publisher mehr lizenzieren.

    Noch umfassender ist der exklusive Anspruch, wenn er für alle Veröffentlichungsarten gilt. Wenn der Autor sich die Zweit- oder Eigenverwertung offenhalten will, sollte das im Autorenvertrag stehen. Oft werden Regelungen dazu auch mit einer zeitlichen Beschränkung kombiniert: beispielsweise ein Jahr exklusiv, danach ein einfaches Nutzungsrecht.

  • Gibt es inhaltliche Beschränkungen? Inhaltlich kann das Nutzungsrecht (wie im ersten Punkt erläutert) auf bestimmte Formate oder Medien beschränkt werden. Es kann aber auch weitergehende Festlegungen geben, etwa zum Kontext, in dem ein Beitrag erscheinen darf. Vielleicht ist der Auftraggeber Politiker und will mit einem Text zur Kriminalitätsbekämpfung punkten. Der Autor möchte jedoch nicht, dass sein Beitrag für Parteienwerbung genutzt wird. Er möchte, dass der Text rein redaktionell veröffentlicht wird. Dann sollte man sich darüber vorab einig werden.

  • Ist die Änderung/Bearbeitung erlaubt? Falls derjenige, der den Text veröffentlicht, daran Änderungs- oder Ergänzungsbedarf sieht, muss der Autor ausdrücklich zustimmen, bevor er in überarbeiteter Form veröffentlicht (zum Beispiel gekürzt) werden darf (§ 23 UrhG). Diese Zustimmung kann im Autorenvertrag pauschal gegeben oder auch komplett ausgeschlossen werden.

    Bei sehr weitgehenden Änderungen sind allerdings irgendwann die Autorenpersönlichkeitsrechte (siehe oben) tangiert.

  • Ist die Weiterübertragung von Nutzungsrechten erlaubt? Darf der Auftraggeber den Text weiterverkaufen – das heißt, selbst wieder in Form einer Lizenzierungskette Dritten Nutzungsrechte einräumen? Wenn er mit dem Text des Autors Geld verdienen will, indem er ihn an Dritte verkauft, dann sollte der Autorenvertrag ihm das Recht dazu geben.

Die Sache mit der Autoren-Nennung

Dass Person A einen Text schreibt, den Person B als eigenes Werk und unter seinem Namen veröffentlicht, widerspricht deutschem Urheberecht. § 13 UrhG bestimmt nämlich: „Der Urheber hat das Recht auf Anerkennung seiner Urheberschaft am Werk.“ Und dieses Rechts ist nicht übertragbar. Allerdings gilt auch hier: Wo kein Kläger, da kein Richter.

Etwas anderes ist es mit der Frage, ob der Autor vertraglich darauf festgelegt werden kann, dass er auf die Nennung seiner Person als Autor verzichtet. Zumindest dauerhaft lässt sich eine solche Pflicht – etwa mit einer Vertragsstrafe verbunden – kaum festschreiben.

Übrigens ergibt sich aus dem genannten Paragrafen auch, dass der Autor das Entscheidungsrecht darüber hat, ob er seinen Klarnamen oder ein Pseudonym wählt.

Autorenvereinbarung

Im Urheberrechtsgesetz steht sinngemäß, dass bei einer fehlenden vertraglichen Festlegung anhand der Umstände des Einzelfalls bestimmt wird, was genau gilt:

§ 31 Abs. 5 UrhG

Sind bei der Einräumung eines Nutzungsrechts die Nutzungsarten nicht ausdrücklich einzeln bezeichnet, so bestimmt sich nach dem von beiden Partnern zugrunde gelegten Vertragszweck, auf welche Nutzungsarten es sich erstreckt. Entsprechendes gilt für die Frage, ob ein Nutzungsrecht eingeräumt wird, ob es sich um ein einfaches oder ausschließliches Nutzungsrecht handelt, wie weit Nutzungsrecht und Verbotsrecht reichen und welchen Einschränkungen das Nutzungsrecht unterliegt.

Das bedeutet praktisch: Wurde beispielsweise nur allgemein vereinbart, dass der Auftraggeber den Text des Autors im Internet veröffentlichen darf, und nun gibt es Streit darüber, ob auch das Recht zur Veröffentlichung einer Kindle-Version davon eingeschlossen war, dann muss das Gericht versuchen, den „von beiden Partnern zugrunde gelegten Vertragszweck“ zu ergründen – also herauszufinden, an was beide Seiten bei dem Deal wohl gedacht haben.

Viel besser ist es, man spart sich den späteren Streit darüber, indem man diese Punkte gleich zu Beginn der Zusammenarbeit in einer Autorenvereinbarung festzurrt.

Formlose Vereinbarung oder ausformulierter Vertrag?

Dazu kann man einen Vertrag aufsetzen oder ein Vertragsmuster nutzen. In einfachen Fällen geht es auch einfacher. Wenn es um keine großen Summen und nicht um die Arbeit vieler Wochen geht, reicht es, wenn man die genannten Punkte der Rechteübertragung durch einen E-Mail-Schriftwechsel festhält. Das Wichtigste ist, dass es klare und nachweisbare Regelungen gibt, denen beide ausdrücklich zugestimmt haben.

Klar werden muss, zu welchem Zweck die Nutzungsrechte eingeräumt wurden, an wen genau, für welche Nutzungs- oder Veröffentlichungsformen und ob es weitere inhaltliche oder eine zeitliche Beschränkung gibt. Außerdem sollte ausgemacht sein, ob der Verwerter den Text einfach oder exklusiv bekommt, ob er selbst wiederum den Text an Dritte weitergeben bzw. verkaufen darf und wie Ergänzungen oder Änderungen gehandhabt werden.

Einige Vertragsmuster

  • Einen auf die Internetnutzung beschränken Autorenvertrag gibt es von der Berliner Kanzlei Härting als kostenloses Muster.

  • Das Internet-Magazin t3n hat seinen Autorenvertrag ins Internet gestellt. Dieser Vertrag ist durchaus weitreichend – der Verlag erhält für 12 Wochen fast exklusive Nutzungsrechte und darf sie auch kostenlos weiterübertragen, danach hat er nur noch einfache Nutzungsrechte. Offenbar geht es darum, sich ein Thema für ein Quartal zu schützen – wohl, weil es danach für den Verlag schon an Bedeutung verloren hat.

  • Ein Muster mit Regelungen zu vielen verschiedenen Punkten ist der Normvertrag, den der Börsenverein des Deutschen Buchhandels mit dem Verband Deutscher Schriftsteller ausgehandelt hat. Dabei handelt es sich aber um keinen Vordruck, bei dem nur noch Namen und Adressen eingesetzt werden müssen, sondern eher um eine Art Rahmen, der an die eigene Situation anzupassen ist.

Bei größeren Projekten ist das Geld für einen Anwalt durchaus sinnvoll investiert – er kann schon im Rahmen einer einmaligen Beratung darauf hinweisen, welche Punkte man geklärt haben sollte und welche Varianten legal und vorteilhaft sind.

Aus dem Vergleich der oben stehenden und weiterer Autorenvereinbarungen aus dem Internet kann man in jedem Fall eine für Autoren wie Verwerter wichtige Sache lernen: solche Vereinbarungen zu lesen und ein Gefühl für die Unterschiede in den Bestimmungen zu entwickeln.

Zum Schluss

Natürlich ist das Festlegen der Rechteeinräumung bzw. -übertragung nicht der einzige Punkt, den Autor und Verwerter aushandeln müssen. Andere Gesichtspunkte sind ebenfalls ganz entscheidend – das Honorar beispielsweise, aber auch Haftungsfragen.

Die Einigung darüber, welche Rechte übertragen werden (und welche nicht), steht aber am Anfang. Denn dadurch bestimmt sich ja, wie wertvoll das Geschäft ist. Ein exklusives und unbeschränktes Nutzungsrecht sollte dem Autoren mehr Honorar bringen als eine zeitlich begrenzte, einfache Nutzung. Es gibt also nicht nur juristische, sondern auch originär geschäftliche Gründe dafür, der Rechteübertragung die gebührende Aufmerksamkeit zu widmen.

Umsatzsteuer

Auch für die Frage, welche Umsatzsteuer auf das Honorar anfällt, sind urheberrechtliche Aspekte wichtig. Genauer: Sobald Nutzungsrechte eingeräumt werden, ist der Satz von 7 % aufs Honorar einschlägig. (Mehr dazu steht im Beitrag „Wie viel Umsatzsteuer auf welche Dienstleistung“.)

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