BAföG-Rückzahlung: Aufschub für Unternehmer

Selbstständige mit geringen Einkünften können die BAföG-Rückzahlung hinausschieben

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Stand: 7. April 2014 (aktualisiert)

Fünf Jahre nach Ende der Förderungshöchstdauer beginnt meistens die Tilgung des BAföG-Darlehens. Rückzahlungen der Ausbildungsbeihilfe können den Beginn der Selbstständigkeit erheblich belasten. Das muss nicht sein: Auch Unternehmer und Freiberufler können sich beim Bundesverwaltungsamt von der Rückzahlungsverpflichtung ganz oder teilweise freistellen lassen. Bereits fällige Raten können notfalls gestundet werden. Wir nennen die Bedingungen und erläutern, wie es geht.

Auch das noch: Kaum ist die Gewerbeanmeldung unter Dach und Fach - da landet auch schon die Aufforderung zur BAföG-Rückzahlung im Briefkasten. Einen sachlichen Zusammenhang zwischen einer Existenzgründung und der Erstattung der Ausbildungsförderung gibt zwar es nicht. Bei Nachwuchs-Unternehmern ist die böse BAföG-Überraschung jedoch gar nicht selten - ganz gleich, ob es sich um Akademiker oder Handwerker handelt.

Die bessere Lösung: Freistellung

Die vierteljährliche Tilgungsrate beträgt zurzeit standardmäßig 315 Euro. Über 100 Euro pro Monat belasten also die Anlaufphase der Selbstständigkeit beträchtlich. Zum Glück können sich aber auch Unternehmer und Freiberufler von der Rückzahlungsverpflichtung gemäß § 18a BAföG freistellen lassen. Und das nicht nur in der Gründungsphase! Voraussetzung:

  • Das anrechenbare monatliche Durchschnittseinkommen liegt unter 1.070 Euro.

  • Dieser Freibetrag erhöht sich bei Eheleuten um 535 Euro sowie um 485 Euro für jedes Kind (soweit Angehörige nicht ihrerseits mit BAföG gefördert werden).

  • Umgekehrt mindern eigene Einkünfte von Familienangehörigen den Freibetrag.

Der Freistellungantrag gilt maximal vier Monate rückwirkend ab Antragseingang. Die Freistellung wird normalerweise für ein Jahr gewährt. Detaillierte Informationen und den "Einkommensermittlungsbogen" (PDF, 97 KB) finden Sie auf den BAföG-Seiten des Bundesverwaltungsamtes. Die Freistellung von der Rückzahlungspflicht lässt sich auch über das BAFöG-Online-Portal beantragen.

Als Einkommensnachweise wird von Selbstständigen der letzte Einkommensteuerbescheid verlangt. Existenzgründer erbringen den Nachweis ersatzweise über eine aktuelle Gewinn-Prognose ihres Steuerberaters.

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Einkommenssteuerbescheid

Was heißt denn der "letzte Einkommenssteuerbescheid"? Der sagt doch meistens gar nichts über die finanzielle Situation des Antragsstellers aus, da er ja von der Zeit VOR der Selbständigkeit stammt. Aber wie soll man einen Einkommenssteuerbescheid vorweisen, der die aktuelle finanzielle Situation darlegt, wenn das Jahr gerade erst begonnen hat?

Antwort: Einkommenssteuerbescheid

Guten Tag,
anders als bei Arbeitnehmern gibt es bei Selbstständigen grundsätzlich keine andere Möglichkeit des Einkommensnachweises als den Einkommensteuerbescheid. Wenn Ihre Einkommenssituation sich gravierend von der des letzten Einkommensteuerbescheids unterscheidet, akzeptiert das Bundesverwaltungsamt auch "aktuelle
Gewinn- und Verlustbescheinigung" Ihres Steuerberaters. Da es sich dabei nur um eine Prognose handelt, müssen Sie dann m. W. später jedoch den tatsächlichen Steuerbescheid nachreichen.

Freundliche Grüße
Robert Chromow

Es sollte noch erwähnt werden, dass Einkünfte von Familienangehörigen nur auf ihren eigenen Freibatrag angerechnet werden. Für den Fall von gleichzeitiger Kindererziehung ist sogar ein (Teil)-Erlass des Darlehens möglich.

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