Was ist eine barrierefreie Website?
Barrierefreies Webdesign wird oft mit Webdesign für Blinde gleichgesetzt. Tatsächlich sind gerade blinde Menschen besonders auf ein gut zugängliches Internet angewiesen. Denn für sie wird vieles, was für Normalsichtige selbstverständlich ist, durch das Internet überhaupt erst möglich: Zeitung lesen, die richtige Bahnverbindung raussuchen, Stellenanzeigen durchsehen, Börsenkurse verfolgen, Kontoauszüge prüfen, das Fernsehprogramm studieren oder Preislisten vergleichen - die Liste lässt sich beliebig fortsetzen. Leider sind heute jedoch zahlreiche Webseiten für blinde Benutzer ebenso wenig brauchbar wie ein gedrucktes Telefonbuch. Blinde können nur dann tatsächlich die phantastischen neuen Möglichkeiten nutzen, die das Internet ihnen in der Theorie bietet, wenn barrierefreies Webdesign zur Norm wird.
Doch nicht nur blinde Menschen profitieren von einem barrierefreien Internet. Accessibility (die englische Bezeichnung für Zugänglichkeit) im Internet ist für alle Benutzer gut.
Ganz einfach:
Eine barrierefreie Website ist für jeden Benutzer mit jedem beliebigen Browser und jeder beliebigen technischen Ausstattung im vollen Umfang zugänglich und nutzbar.
Doch was heißt das im Einzelnen?
Ein Benutzer kann normalsichtig und computererfahren sein, vielleicht ist er aber auch
sehbehindert oder blind
lese- oder konzentrationsschwach
motorisch behindert
gehörlos
älter
ein Computer-Anfänger
Er kann als Browser den aktuellen Internet Explorer mit Flash-Plugin und aktiviertem JavaScript benutzen, vielleicht hat er aber auch
eine ältere Browserversion
einen anderen grafischen Browser wie Firefox oder Opera
einen Textbrowser wie Lynx
einen besonderen Browser wie den IBM Homepage Reader für Blinde
keine Plugins installiert
JavaScript deaktiviert
die Darstellung von Bildern deaktiviert (zum Beispiel bei langsamer Internet-Anbindung)
Seine technische Ausstattung kann der klassische PC mit Windows als Betriebssystem, 17-Zoll-Monitor, Tastatur, Maus, Lautsprecher und 56KB-Modem sein, aber die Alternativmöglichkeiten sind zahlreich, zum Beispiel
ein Mac mit Flachbildschirm und DSL-Internetzugang
ein Notebook mit Linux als Betriebssystem, Trackpad statt Maus und langsamen 14KB-Modem
ein PC ohne Bildschirm, dafür mit Sprachausgabe und Braillezeile
ein PDA
ein öffentliches Internet-Terminal mit Touchscreen
So unterschiedlich die Menschen, so verschieden sind auch ihre Bedürfnisse. Eine barrierefreie Website erlaubt jedem Sitebesucher, unabhängig von seinen persönlichen und technischen Umständen alle Inhalte zu lesen und natürlich auch alle Interaktionsmöglichkeiten zu nutzen.
Barrierefreies Webdesign heißt allerdings entgegen einem gängigen Vorurteil ganz und gar nicht, dass nur noch ungestaltete Textwüsten mit blauen unterstrichenen Links erlaubt sind. Vielmehr besteht die Herausforderung darin, alle Anforderungen an Barrierefreiheit sinnvoll und elegant unter einen Hut zu bekommen - also zum Beispiel für Sehende eine ansprechende, ergonomische und intuitive grafische Oberfläche zu gestalten und diese so in HTML und CSS umzusetzen, dass blinde Benutzer alle Informationen vollständig und gut strukturiert präsentiert bekommen, sehbehinderte Benutzer die Gestaltung an ihre Bedürfnisse anpassen können, Benutzer mit motorischen Behinderungen alles gut mit der Tastatur bedienen können und so weiter.
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