Keine Aufträge? Keine Panik!

Wie akademie-Autor Lorenz Hölscher Phasen beruflichen Misserfolgs überlebt

Von: Lorenz Hölscher
Stand: 9. Mai 2011
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Über den Autor: Lorenz Hölscher

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Lorenz Hölscher ist freiberuflicher Dozent, Berater und Programmierer mit Schwerpunkt Anwendungs-Programmierung. Vorrangig widmet er sich Access, Word und Excel sowie begleitenden grafischen Arbeiten. Er legt viel Wert auf benutzerfreundliche Oberflächen und ordentliches Design in Optik und Programmierung. Zu Hilfe kommen ihm da seine langjährigen "branchenfremden" Erfahrungen als Architekt, Layouter und Designer.

Lorenz Hölscher bietet eigene Hilfeseiten an und hat bei Microsoft Press mehrere Bücher veröffentlicht zu Access 2007, Access 2007 VBA, Word 2007 VBA und Access 2010.

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Arbeiten bis zum Umfallen?

Arbeiten bis zum Umfallen?

Es gibt zwei Arten von beruflichen Durststrecken: die Aufträge fehlen oder ich habe keine Lust. Bedauerlicherweise treten sie nicht gleichzeitig auf, denn dann müsste ich ja mangels Aufträgen einfach nicht arbeiten, wenn ich sowieso keine Lust habe. Sie arbeiten gar nicht, weil Sie Lust drauf haben, sondern wegen des Geldes?

Ich nicht. Arbeit ist ein wesentlicher Teil des Lebens, mir wäre stinklangweilig ohne Arbeit. Verstehen Sie mich nicht falsch, ich verdiene mein Geld auch mit Arbeit. Aber Geld entschädigt mich auf Dauer nicht genug für die Zeit, die ich mit Arbeit verliere.

Angenommen, Sie hätten im Lotto eine monatliche Dauerrente gewonnen und wären finanziell sorgenfrei. Möchten Sie anschließend den ganzen Tag zu Hause, im Café oder am Strand herumsitzen? Jeden Tag Feiertag wäre doch furchtbar!

Arbeit soll mich persönlich (und finanziell) zufriedenstellen. Nicht jeden Tag und auch nicht bei jedem Projekt, aber wenigstens überwiegend. Sonst mache ich mich psychisch kaputt und das ist mit Geld nicht aufzuwiegen, schließlich habe ich nur dieses eine Leben.

Deswegen bin ich erstens selbstständig, habe zweitens ein Büro zu Hause und arbeite drittens nicht selbstverständlich jeden Tag Vollzeit (dafür aber durchaus auch abends und am Wochenende zwischendurch). Ich brauche noch Zeit für mich, für meine Familie, für Freunde oder für mein Engagement etwa in der Schule.

Wenn ich im Beruf durchhänge, weil irgendwie alles nicht klappt, gibt es noch mehr in meinem Leben. Ich habe noch mehr als meine berufliche Arbeit, denn meine Anerkennung kommt auch aus der Familie, von Freunden oder aus ehrenamtlicher Arbeit. Nur das Geld nicht.

Viel Geld macht viel Angst

Ja, ich mache mir auch Sorgen um Geld. Es mag sich jetzt so anhören, als käme jeden Freitag eine Fee mit einem Füllhorn voller Geldscheine vorbeigeflogen und würde mich fragen, wie viele ich gerade bräuchte.

Dabei ist das durchaus die richtige Frage: wie viel brauche ich? Nicht: wie viel will ich haben? Haben will man immer mehr, brauchen tut man es nicht.

Vielleicht erinnern Sie sich noch an die Ausbildungszeit oder das Studium. Es war doch erstaunlich, mit wie wenig Geld man so viel Spaß haben konnte. Natürlich lag das viel zu kleine Zimmer im Tiefparterre und hatte nur einen Kohleofen, es gab öfter als heute Fertignudeln und Tiefkühlpizza.

Heute haben Sie eine Familie, ein Haus, ein bis zwei Autos, drei Wochen Urlaub mit Vollverpflegung und Animation, tausend technische Geräte vom Computer über mp3-Player bis hin zum aktuellen Handy, ein paar laufende Kredite und - Kosten bis zum Abwinken.

Damit sind die Ausgaben fixiert. Wenn jetzt die Einnahmen sinken, haben Sie natürlich ein Problem und guten Grund zur Panik. Warum versuchen Sie dann aber, die Einnahmen wieder zu erhöhen? Jede vernünftig kalkulierende Firma senkt zuerst die Ausgaben, warum nicht auch Sie?

Es ist durchaus ein Unterschied, ob Sie 3.000 Euro einnehmen und monatlich ausgeben oder nur 2.000 Euro. So lange es gut läuft, ist es egal. Wenn aber die berufliche Durststrecke kommt, haben Sie die Meßlatte hoch gehängt und sind nun gezwungen, auch wirklich so viel Geld zu verdienen.

In Erfolgszeiten vergisst man diese Erkenntnis schon mal und gewöhnt sich schlicht daran, so viel Geld auszugeben. Das ist nicht schwer. Wenn die Einnahmen dann nachlassen, glauben viele Leute jedoch, die Ausgaben seien unveränderlich, weil es schon immer so war.

Damit das nicht passiert, zahle ich mir meine Einnahmen nicht komplett aus, sondern zweige direkt etwas davon ab. Jeden Monat fließen 300 Euro sofort auf ein Sparkonto, ohne dass ich das Gefühl hätte, es wären Einnahmen (unabhängig davon entnehme ich vom Firmenkonto sowieso nur die Nettoeinnahmen, damit immer der Umsatzsteuerbetrag auf dem Konto bleibt).

Entsprechend verringern sich die gefühlten Einnahmen um diesen Betrag und ich gewöhne mich gar nicht daran, mehr auszugeben. Das ist weniger schwierig, als die Ausgaben später wieder zu reduzieren.

Wenn es mal schlecht läuft (wir haben gerade einen sehr säumigen Zahler), zweige ich den Betrag nicht ab und habe ohne Mühe das finanzielle Polster für sofortige Ausgaben erhöht. Wichtig ist, diese Erhöhung später auch wieder zurückzunehmen.

Wird es dann mal wirklich brenzlig, finden sich auf dem Extra-Konto pro Jahr über 3.000 Euro als Notreserve. Da Ihnen das hoffentlich nicht jedes Jahr passiert, wird der Betrag gelegentlich deutlich größer werden. Es ist jedoch kein Spielgeld, sondern als letzte Rettung gedacht und damit tabu für das tägliche Geschäft.

Fazit

Eigentlich ist es ganz einfach, wenn eine berufliche Durststrecke auftaucht:

  • Sie freuen sich, dass Sie nun mehr Zeit für sich haben, kümmern sich um sich, um die Familie und alte Freunde.

  • Sie nutzen die Zeit für vorausschauende Planung, Kundenakquise oder einfach nur einen übergeordneten Blick auf Ihre Projekte.

  • Sie haben rechtzeitig Geld beiseite gelegt, von dem Sie nun zehren.

Na gut, der wichtigste Punkt fehlt noch: Sie machen sich einen Tee und fragen sich, was Ihnen nun eigentlich fehlt: Geld, Arbeit oder Anerkennung? Kaum haben Sie diese Frage beantwortet, wissen Sie, was nun zu tun ist.


Softies im Geschäftsleben

Man mag von der Ideologie des "freien Unternehmertums" halten, was man will: In unseren Breiten bietet sie qualifizierten, engagierten und findigen Unternehmerinnen und Unternehmern reichlich Möglichkeiten, auch an nicht-monetären, hehren Idealen festzuhalten. Mehr noch: Ehrlichkeit, Mut und Originalität sind vielfach sogar ein Wettbewerbsvorteil, wie Robert Chromow feststellt: "Schaf unter Wölfen? Überleben in der Wirtschaftswelt".

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Das sind sehr wichtige Hinweise! Einen weiteren habe ich noch für den Fall, dass die Auftragsflaute einfach nicht kommen will und die Arbeit kein Ende nimmt. Ich habe es irgendwann akzeptiert, dass ich es nicht schaffe, eine 40-Stunden-Woche einzuhalten: Nachtarbeit, Wochenendarbeit, und immer will man noch mehr Aufträge haben. Bis ich mir irgendwann gesagt habe: Gut. Wenn ich schon mehr als 50 Stunden in der Woche arbeite, dann habe ich künftig wenigstens drei Monate Urlaub im Jahr - das sind im Jahresdurchschnitt dann wieder etwa 40 Stunden pro Woche. Das geht - und es ist ganz herrlich! Aber das geht nicht von selbst. Die Urlaube muss man planen, am besten gleich am Jahresbeginn, sonst verschiebt man sie doch nur unter aktuellem Druck. Aber wenn man es hinkriegt, dann ist das eine ganz tolle Alternative zur Disziplinlosigkeit beim Feierabend-Machen. Und endlich ist einem mal der Neid der angestellten Kollegen gewiss!

Goetz Buchholz

Toller Artikel! Sehr Motivierend!