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Hilfe beim Neustart - Die Bewerbung

Das Bewerbungsgespräch

Wenn Sie zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen werden:

  • Schauen Sie sich eventuell einige Tage vor Ihrem Termin den Anfahrtsweg an. Das erleichtert Ihnen, pünktlich zu sein.

  • Geben Sie Ihrer Gesprächspartnerin oder Ihrem Gesprächspartner bei der Vorstellung die Hand. Ihr Händedruck sollte nicht zu fest und nicht zu lasch sein. Schauen Sie Ihr Gegenüber freundlich an. Sagen Sie Ihren vollen Namen, das wirkt persönlicher.

  • Versuchen Sie, gelassen zu sein. Ich weiß, das ist leichter gesagt als getan. Doch wenn Sie auf Ihr Gespräch gut vorbereitet sind, zeitgerecht zum Termin kommen, wenn Sie sich Fragen und Antworten überlegt haben und an dieser Stelle interessiert sind - dann können Sie beruhigt in das Gespräch gehen. Eine häufige Frage lautet zum Beispiel: "Was wissen Sie über unser Unternehmen?". Informieren Sie sich daher vorab über das Firmenprofil, den Unternehmensgegenstand, die Anzahl der Mitarbeiter.

Bleiben Sie authentisch!

Verhalten Sie sich auch in einem Bewerbungsgespräch so, wie Sie sind! Verstellen Sie sich nicht - zeigen Sie Ihre Stärken und keine Charakteristika, die Sie nicht haben. Sind Sie sehr nervös, dann geben Sie das zu: Argumentieren Sie damit, dass Ihnen an dieser Stelle viel liegt. Stellen Sie keinen Über-Drüber-Typ dar, solche sind immer seltener gefragt.

Argumentieren Sie mit Ihren Stärken und Erfahrungen. Nennen Sie dafür konkrete Beispiele: Wo haben Sie Ihre Stärken in der Vergangenheit für den Arbeitsplatz eingesetzt? Welche Beispiele könnten auch für diesen vakanten Job wichtig sein? Zum Beispiel: "Ich bin für diesen Posten besonders geeignet, weil ich Erfahrung habe, mit Problemen umgehen und sie ökonomisch lösen kann."

Vollkommen sollten Sie nicht sein. Geben Sie Schwächen zu, zumindest eine. Diese sollte aber nicht in Ihrem Hauptaufgabengebiet in der neuen Position liegen. "Ich bin kreativ, aber vielleicht nicht wirklich genau!" wäre kontraproduktiv für eine Buchhalterin. "Ich arbeite gern allein", wird für jemanden, der einen zuverlässigen Archivar sucht, keinen Mangel darstellen.

Altersfragen

"Sie würden uns aufgrund Ihres Alters nicht mehr lang zur Verfügung stehen": Mit dieser Aussage sollten Sie rechnen. Sie können dagegen halten mit folgendem Argument: Laut Forschungsberichten wird in Zukunft jeder Arbeitnehmer und jede Arbeitnehmerin durchschnittlich zwei- bis dreimal im Leben den Beruf wechseln und fünf- bis siebenmal die Arbeitsstelle. Das heißt: Ein Unternehmen behält die Älteren eher länger als die Jüngeren. Diese müsste man immer wieder neu einschulen, was Kosten verursacht.

"Sie sind ja nun schon länger ohne Arbeit." Auch dieses Argument werden Sie hören. Reagieren Sie mit der schlechten Wirtschaftslage. Weisen Sie darauf hin, dass oft die älteren (weil teureren) Kräfte wegrationalisiert würden. Es habe bisher keine gesunde Entwicklung gegeben. Aber jetzt sei ein Umdenken zu erkennen, die Unternehmen würden ältere Arbeitskräfte wieder mehr schätzen. Verweisen Sie darauf, wie Sie diese für Sie ungewollte Auszeit trotzdem nutzen: etwa, indem Sie eine Weiterbildung machen.

"Sie sind vielleicht nicht mehr am aktuellsten Wissensstand, was z.B. EDV, Internet oder Fachwissen anbelangt". Diese Fragen werden Sie wahrscheinlich nicht so direkt hören, sie könnte sich aber z.B. hinter der vorher erwähnten verstecken. Auf alle Fälle sollten Sie darauf vorbereitet sein. Weisen Sie auf die entsprechenden Weiterbildungen dazu hin, erwähnen Sie vielleicht, dass Sie sich fachlich mit Branchenjournalen, evtl. Messen oder sonstigen Möglichkeiten der Informationsbeschaffung regelmäßig beschäftigen.

"Sie können sich vielleicht nicht mehr so gut einordnen, oder auch (evtl. einem jüngeren Chef) unterordnen." Auch diese Befürchtung werden Sie sicher eher versteckt oder gar nicht zu hören bekommen aber heraushören können. Argumentieren Sie daher dann während des Gespräches zu passender Gelegenheit mit Ihrer Teamfähigkeit, welche Sie auch in der Vergangenheit beweisen konnten und bringen Sie ein, zwei Beispiele mit.

Die beste Argumentationskette für ältere BewerberInnen beginnt aber damit "eben weil ich in diesem Alter bin, ist diese Position genau passend für mich". Vermeiden Sie Entschuldigungen nach dem Motto: "Ja, aber". Ältere rechtfertigen sich gerne, je länger sie arbeitslos sind. Wenn Sie selbstbewusst mit Ihrem Alter und Ihrer Erfahrung argumentieren, verschaffen Sie sich ein völlig anderes Image. "Eben weil ich keine 20 mehr bin, kann ich mit anderen MitarbeiterInnen besser umgehen. Ich bewahre auch in schwierigen Situationen einen kühlen Kopf. Ich kenne den Markt seit vielen Jahren. Ich nehme meine Aufgabe ernst und lasse mich nicht durch Verrücktheiten ablenken ..."

Gesprächsabschluss

  1. Fragen Sie, wenn Sie dazu aufgefordert werden, oder ersuchen Sie von sich aus um weitere Informationen.

  2. Überlegen Sie sich bereits vorher einige Fragen zum Arbeitsplatz, zu den Tätigkeiten in dieser Position oder den Entwicklungsmöglichkeiten.

  3. Fragen Sie, bis wann Sie die Entscheidung für die Vergabe der Position erwarten können. Fragen Sie ab diesem Zeitpunkt im Unternehmen nach.

  4. Bedanken Sie sich für das Gespräch und betonen Sie nochmals Ihr großes Interesse an der Position.

Der Nachfassbrief

Sie zeigen Stil, wenn Sie sich nach einem Telefonat oder einem Bewerbungsgespräch mit einem Nachfassbrief bedanken. Wenige BewerberInnen nutzen dieses Werkzeug. Sie haben also damit die Chance auf einen Vorsprung! Auf diese Weise rufen Sie sich der Personalistin/dem Personalisten nochmals in Erinnerung.

Was könnte ein Nachfassbrief enthalten?

  • Dank für die genommene Zeit und Informationen,

  • Zusammenfassung der Ergebnisse,

  • Nachreichen von Unterlagen,

  • Vergessenes, eventuell Missglücktes thematisieren (wenn überhaupt, bitte sehr kurz fassen),

  • Überzeugung zeigen, dass Sie die Stelle haben wollen,

  • vereinbarte Schritte wiederholen.

Gestalten Sie Ihren Nachfassbrief formal so wie Ihre anderen Bewerbungsunterlagen - zeigen Sie Ihre Persönlichkeit auch in diesem Bereich.

Mit Absagen umgehen

Erhalten Sie eine schriftliche Absage, ist das noch kein Grund, den Gedanken an diesen Job sausen zu lassen. Im Schnitt wird ein Viertel der Jobs nach Ablauf der Probezeit wieder frei. Wenn Sie zuvor in der letzten Runde ausgeschieden sind, sollten Sie nach einer Absage nochmals Ihre großes Interesse bekunden. Weisen Sie darauf hin: "Sollte sich die Lage im Unternehmen ändern, freue ich mich auf eine neue Kontaktaufnahme!"

Nehmen Sie Absagen nicht persönlich. Viele Entscheidungen werden emotional getroffen. Ein anderer Bewerber, eine andere Bewerberin hat für diesen Posten die besseren Voraussetzungen mitgebracht.

Lassen Sie den ganzen Verlauf dieser Bewerbung noch einmal Revue passieren: Wo hat Ihre Bewerbung gut gepasst? Wo könnten Sie die nächste Bewerbung besser gestalten? Verlassen Sie sich dabei eher weniger auf das Feedback der PersonalistInnen (wenn Sie überhaupt eines bekommen). Sie verwenden meist einige Standardsätze, die nicht viel aussagen.

Nie anfangen aufzuhören, nie aufhören anzufangen!

Geben Sie nie auf, auch wenn Sie noch so viele Ablehnungen bekommen (oder gar keine Antwort). Nehmen Sie es nicht persönlich, es geht vielen BewerberInnen so. Viele Faktoren kommen bei Stellenbesetzungen ins Spiel. Suchen Sie nach dem Schreckmoment unermüdlich weiter nach einer neuen Stelle. Verzagen Sie nicht - öffnen Sie sich für neue, innovativere Bewerbungsstrategien. Gehen Sie guten Mutes die nächsten Aufgaben an. Bleiben Sie ausdauernd. Eine Krise kann auch eine Chance sein!

Sich sinnvoll beschäftigen

Sich zu bewerben, gehört zu einer Gesamtstrategie. Am besten setzen Sie sich in dieser Zeit auch mit Alternativen auseinander. Sie können auch von einer solchen Phase Ihres Lebens profitieren: Neue Erkenntnisse, neue Wege tun sich auf. Das kann im Nachhinein einen persönlichen Gewinn für Sie ergeben. Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie schwer die Situation für Jobsuchenden ist.

Je älter man wird, umso schwerer findet man einen neuen Vollzeitjob. 50- bis 55-Jährige gelten heute in der Regel als nicht vermittelbar. Suchen Sie sich daher in jedem Fall eine sinnvolle Tätigkeit, unter Umständen auch ehrenamtlich. Daraus könnte auch ein bezahlter Job entstehen.

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Über den Autor:

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Nach langjähriger Berufstätigkeit, zuletzt als Referatsleiter im Zentraleinkauf eines großen Unternehmens, wurde Roman Valent im Alter von 50 Jahren arbeitslos. Seine eigenen Erfahrungen und die sch ...

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