Wie Sie Ihren zukünftigen Arbeitgeber kennen lernen: Statistische Wahrscheinlichkeiten
(Fast) alle Arbeitssuchenden studieren regelmäßig die Stellenanzeigen in den Zeitungen und ggf. auch Fachzeitschriften. Bei Auffinden eines interessanten Stellengesuchs wird rechtzeitig eine schriftliche Bewerbung eingeschickt, dann erwartet man im Zeitraum von rund 4 Wochen eine Einladung zum Vorstellungsgespräch. In dieser Zeit beginnt man u. U., die gesamte urlaubs- und sonstige Planung (ggf. gemeinsam mit dem Partner) in Frage zu stellen, weil alles anders kommen könnte, wenn man diese Stelle zum ersten XX (beliebiger Monat) bekäme. Am Ende kommt aber vielleicht (wieder) nur eine Nachricht, in der bedauert wird, mitteilen zu müssen ...
Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, wie groß die statistische Wahrscheinlichkeit ist, über die Bewerbung auf ein Stellengesuch in der Zeitung eine Anstellung zu finden? Sie sind nicht der/die Einzige, der diese Zeitung liest und eine Bewerbung einsendet, aber das Unternehmen hat definitiv nur EINE Stelle zu besetzen. Sie können sicher sein, dass Sie bei dieser Bewerbungsstrategie eine sehr große Konkurrenz haben. Manche der Mitbewerber sind jünger als Sie, andere sind älter, manche haben bessere Zeugnisse, andere haben mehr Branchenerfahrung, irgendwer erfüllt das Einstellungskriterium A besonders gut, jemand anders hat gerade bei Kriterium A seine Schwächen, wieder andere haben besonders sympathische Bewerbungsfotos, ein weiterer ist mit jemandem aus dem Unternehmen persönlich bekannt, andere bringen Kenntnisse und Erfahrungen ein, die in der Ausschreibung gar nicht gefordert waren, doch in der Zwischenzeit überlegt man in dem personalsuchenden Unternehmen, dass solche Kenntnisse bei genauer Betrachtung tatsächlich nützlich sind etc. Das Unternehmen, das die Stellenanzeige aufgegeben hat, hat die Qual der Wahl und Sie sind nur einer von vielen.
Unterschiedliche Statistiken belegen seit Jahren, dass in Deutschland nur etwa ein Drittel aller Stellenbesetzungen über ein Zeitungsinserat zustande kommt. Diese Zahl wird tendenziell weiter sinken.
Welche anderen Wege gibt es, über die Arbeitgeber und Arbeitnehmer zueinander finden?
Mitarbeiter geben Hinweise an den Arbeitgeber, dass sie für die offene Position einen geeigneten Bewerber kennen bzw. sie geben an Bekannte die Information, dass eine Bewerbung lohnen könne,
das Unternehmen reagiert auf Initiativbewerbungen,
das Arbeitsamt kann einen neuen Mitarbeiter vermitteln,
der passende Kandidat kann über eine interne Stellenausschreibung gefunden werden,
das Unternehmen reagiert auf ein Stellengesuch in der Zeitung (ggf. auch in einer Online-Börse),
ein privater Arbeitsvermittler wird eingeschaltet.
Aus Sicht des Unternehmens verursacht das Stelleninserat in einer Zeitung den größten Kosten- und Arbeitsaufwand. Um eine Stelle zu besetzen, entstehen hier neben den Kosten für die (ggf. großformatige) Anzeige (Imagewirkung) vor allen Dingen Personalkosten in der Handhabung von 100 - 200 eingehenden Bewerbungen - nicht selten wesentlich mehr: Bei BMW sind im Jahr 2006 250.000 Bewerbungen bei 600 freien Stellen eingegangen. Diese Personalkosten entstehen z. B. für die Beantwortung von Bewerberfragen am Telefon und die beachtlichen Portokosten für die Rücksendung von Bewerbungsunterlagen. Bedenken Sie, wie lange es dauert, all diese Bewerbungen wenigstens flüchtig durchzusehen, auf der Suche nach 5 bis 10 Kandidaten, bei denen eine genaue Prüfung lohnend erscheint. Das Unternehmen wird die Methode "Zeitungsinserat" erst dann zur Besetzung einer neuen Stelle einsetzen, wenn alle anderen Methoden nicht in Kontakt mit dem passenden Kandidaten bringen.
Wenn das Unternehmen zum Beispiel durch Empfehlung eines Mitarbeiters mit einem geeigneten Bewerber in Kontakt kommt, hat dieser Bewerber eine sehr viel bessere Chance, die offene Position zu bekommen, selbst dann, wenn es sich nicht um den ganz idealen Kandidaten handelt. Selbstverständlich muss der Bewerber die gestellten Anforderungen erfüllen, aber das Auswahlverfahren ist konkurrenzlos, denn manch ein Konkurrent mit wirklich glänzenden Kenntnissen und Referenzen tritt hier mangels Kontakt und Kenntnis gar nicht in Erscheinung. Wenn Sie sich auf diesem "verdeckten" Arbeitsmarkt bewegen, haben Sie die besseren Chancen.
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