Allgemeines
Camtasia von Techsmith ist ein Programm, mit dem Sie alles genau so von Ihrem Bildschirm abfilmen können, wie Sie es sehen. Im Gegensatz zur folienbasierten Aufnahme von z.B. TurboDemo können Sie damit auch Flash-Animationen, YouTube-Videos und alle anderen dynamischen Elemente aufzeichnen. Und weil viele neue Programme, wie z.B. das neue Microsoft Office inzwischen immer mehr animierte Elemente haben, ist dieses Aufnahme-Prinzip klar von Vorteil.
Neben dem Recorder enthält Camtasia einen Editor, mit dem Sie Ihre Screencasts direkt verarbeiten können. Es funktioniert wie ein normales Filmschnitt-Programm. Es erlaubt ebenso den Import Ihrer Filme von der Videokamera oder der Webcam; so können Sie im Grunde alle Ihre Filmaufnahmen mit dem Programm verarbeiten und in eine Vielzahl von Formaten exportieren.
Das Programm bietet Funktionen zur Audioverbesserung, Zooms & Schwenks, vielerlei Möglichkeiten zum Einblenden von Text und Textfeldern, Übergangseffekte, Untertitel und vor allem interaktive Elemente, mit denen Sie Internet-Links, Stopps und Kapitelsprünge einfügen können. Gemeinsam mit interaktiven Tests und Umfragen samt SCORM-Kompatibilität lassen sich damit komplexe Lernszenarien erstellen.
Camtasia ist in vielen Sprachen erhältlich, u.a. auf Deutsch und Englisch und ist auf der Firmen-Homepage zur Zeit für 260,- Euro gelistet. Im Einzelhandel im Internet findet man aber durchaus wesentlich günstigere Angebote.
In diesem Bericht teste ich die deutsche Version 5.0.2
Starten von Camtasia
Nach dem Start erscheint ein Auswahlfenster, dass Sie fragt, was Sie tun wollen.
Startscreen mit vielen Auswahlmöglichkeiten
Über die linken vier Schaltflächen werden drei Aufnahme-Optionen und der direkte Import von Medien angeboten. Rechts daneben können Sie direkt Ihre zuletzt geöffneten Projekte öffnen und darunter auf Tutorial-Videos zugreifen, die einen ersten Einstieg in die vielfältigen Funktionen von Camtasia bieten.
Bildschirmaufnahme
Sobald der Button "Neue Bildschirmaufnahme" betätigt wurde, minimiert sich der Editor und der Recorder wird geöffnet.
Recorder mit allen Optionen
Das Programm bietet sehr viele Optionen und Effekte und bietet ausreichend Stoff für einen Extra-Kurs. Aber es ist gar nicht notwendig, sich mit allen Einzelheiten auszukennen, um den Bildschirm aufzunehmen.
Die Voreinstellungen sind gut und Sie müssen nur auswählen, ob Sie Audio über das Mikrofon und das Bild der Webcam mit aufzeichnen wollen. Mit einem Klick auf die Schaltfläche "Aufnahmebereich auswählen" öffnet sich ein Fadenkreuz, mit dem Sie einen Bereich zur Aufnahme auswählen.
Haben Sie sich für einen Bereich entschieden, bietet das schmale Fenster unter dem Auswahlbereich Zugriff auf praktische Funktionen.
Einstellungsfenster unter dem Auswahlbereich
Der Auswahlbereich lässt sich nun noch an acht Ziehpunkten oder pixelgenau anpassen. Auch feste Standard-Größen und zuletzt verwendete Größen werden über das Aufklapp-Menü "Voreingestellte Größen" angeboten.
Ist man mit einer Aufnahme fertig, haben Sie die Möglichkeit, die Aufnahme sofort zu verwerfen und mit den gleichen Einstellungen einen nächsten Versuch zu starten. Sie können aber auch erst eine Vorschau ansehen und dann entscheiden, ob Sie die Aufnahme speichern möchten.
Ist eine Aufnahme gespeichert, ist es sofort möglich, daraus ein Video in einem der vielen Standardformate zu produzieren, ohne den Umweg über den Editor gehen zu müssen.
Haben Sie einmal eine Einstellung zur Aufnahme mit dem Recorder getroffen, können Sie über den Button "Letzter Bereich" genau dort fortfahren, wo sie stehen geblieben sind. Und wenn Sie die Funktionstasten für Start und Stop (F9 und F10) benutzen, ist sogar der Mauszeiger wieder an derselben Stelle, wo er war, als Sie auf Stopp gedrückt haben.
Schon im Recorder ist es also möglich, durch vielfältige Anpassungen und Effekte ein ganz spezielles und auf eigene Bedürfnisse angepasstes Projekt zu produzieren oder aber es ganz einfach auf die Schnelle zu machen.
PowerPoint
Bei der Installation werden Sie gefragt, ob Sie ein Camtasia-Plug-In für PowerPoint installieren möchten. Haben Sie es installiert, können Sie alle PowerPoint-Präsentationen ganz einfach aufnehmen, Ton und Webcam dazu einspielen und in Camtasia verarbeiten.
Die Verarbeitung im Editor
Die Oberfläche des Editors ist übersichtlich und bietet schnellen Zugriff auf alle Bearbeitungs-Funktionen.
Der Editor mit einem geöffneten Projekt
Unten im Editor befindet sich die Timeline (Zeitleiste), das Werkzeug, mit dem Sie die Aufnahmen sortieren und bearbeiten. Die Aufnahmen können geschnitten, getrimmt, verschoben und mit Frames aus dem Film erweitert werden. Eine nachträgliche Vertonung ist jederzeit möglich. Hier werden auch alle weiteren Objekte, wie Texte, Grafiken, Titelclips usw. eingefügt und angepasst.
Über der Timeline links sehen Sie die Task-Liste, über die Sie schnell zu allen Funktionen und Objekten gelangen.
Rechts daneben in der Mitte sehen Sie alle aufgenommen und importierten Medien, die man einfach per Drag and Drop auf die Timeline zieht.
Ganz rechts ist das Vorschaufenster. Es dient zur Ansicht und Kontrolle des Films in der Timeline. Es ist abtrennbar und kann so auf einem zweiten Monitor platziert werden; es gibt außerdem eine Vollbild-Vorschau.
Beispiel Audioverbesserungen
Die Funktion "Audioverbesserung" erleichtert Ihnen den Umgang mit unterschiedlichen Qualitäten von Audio in einem Projekt. Sie können die Lautstärke aller Aufnahmen anpassen, Störgeräusche filtern und wiederherstellen und Klicks entfernen.
SmartFocus
Müssen Sie große Bereiche wie z.B. den gesamten Bildschirm aufnehmen, dennoch aber auf bestimmte mitunter kleine Details hinweisen, gibt es die Funktion, einen Bereich für eine beliebige Zeit heran- und wieder heraus zu zoomen. Mit der Funktion SmartFocus ersparen Sie sich viel Arbeit mit dem manuellen Einfügen von Zooms. SmartFocus fügt automatisch Zooms an bestimmten Stellen ein. Das funktioniert zwar nicht immer ganz genau und passend aber das löschen und anpassen eines Zooms ist immer noch leichter und zeitsparender als das Einfügen manueller Zooms.
Formate und Objekte
In der Timeline werden folgende Objekte hinzugefügt und bearbeitet:
Screencast-Aufnahmen sowie externe Videos (AVI, MPG, MPEG, WMV, CAMREC)
Callouts (Textfelder, Sprechblasen oder selbst definierte Grafiken)
Titelclips (leere Frames, die mit Text und vielem mehr belegt werden können)
Grafiken (BMP, GIF, JPG, PNG)
Audio (WAV, MP3, WMA)
Übergangseffekte
Zooms
Untertitel
Flash-Quizze und Umfragen (mit Feedback-Option per Email oder SCORM)
Webcam-Video (kann auch nachträglich hinzugefügt und bearbeitet werden)
Exportieren und Veröffentlichen
Auch beim Exportieren macht es einem Camtasia leicht. Vier vorgefertigte Produktionseinstellungen für
Web
CD
Blog
iPod
stehen bereit. Ohne sich damit auszukennen, bekommen Sie damit gute Ergebnisse auf Knopfdruck.
Sie dürfen es aber auch komplizierter haben. Wenn Sie sich mit Formaten, Codecs, Kompressionsraten, Bitratensteuerung, Keyframerate, Frequenzen und dergleichen auskennen, haben Sie alle Freiheiten, Ihr Video genau so einzustellen, wie Sie es benötigen.
Die vorgefertigten Einstellungen lassen sich übrigens auch anpassen und Sie können zusätzlich eigene Produktionseinstellungen entwickeln und speichern.
Vorschau-Manager
Um die besten Einstellungen zu testen, gibt es den Vorschau-Manager. Darüber können Sie für ein Video mit jeweils veränderten Einstellungen kurze Vorschauen erstellen lassen und alle Einzelheiten der Ergebnisse komfortabel miteinander vergleichen.
Camtasia bietet auch beim Export noch viele Optionen, besonders, wenn Sie sich für das Flash-Format entscheiden. Eine Auswahl an unterschiedlichen Themen und Playern steht zur Verfügung, sie können den Film mit einem interaktiven Inhaltsverzeichnis ausgeben, nachträglich die Abmessungen ändern, Wasserzeichen und Videoinformationen hinzufügen und den Screencast direkt per eingebauter FTP-Schnittstelle auf einen Server hochladen. Auch eine Stapel-Produktion mehrerer fertig gestellter Projekte ist möglich.
Ausgabe-Formate
Folgende Formate stehen Ihnen für die Veröffentlichung zur Verfügung:
Flash (SWF und FLV) Adobe Flash-Ausgabe
WMV - Windows Media Streaming Video
MOV - QuickTime Movie
AVI-Video
M4V - Spezielles Format für iPod und iTunes
MP3 - nur das Audio des Projektes ausgeben z.B. für Podcasts
RM - RealMedia-Streaming-Media
CAMV - Camtasia für RealPlayer-Streaming Media
GIF-Animations-Datei
Extras
Neben dem Recorder zur Aufnahme und dem Editor zur Verarbeitung und Ausgabe eines Films liegt dem Programmpaket noch ein Audio-Editor bei, mit dem Sie Sounds aufnehmen und verarbeiten können. Der Vorteil des Audio-Editors ist die bessere Ansicht und damit die genauere Verarbeitung einer Audiospur.
Mit Camtasia Theater können Sie aus SWF-Dateien HTML-basierte Inhaltsverzeichnisse erstellen und mit dem Camtasia MenuMaker lassen sich komplexe Menüs für eine CD-ROM oder für das Internet erstellen. Der MenuMaker erlaubt die Verknüpfung aller Formate, wie Video, Grafiken, PDF, Word usw. Dieses Tool ist ideal zur Weitergabe von Projekten an Kunden, Studenten, Arbeitsgruppen... Die Menüs lassen sich sehr komplex gestalten und mit eigenen oder mitgelieferten Hintergrundgrafiken optisch aufwerten.
Zum Abspielen der Videos wird auch noch ein eigener Videoplayer, der Camtasia Player mitgeliefert.
So könnte auch Ihr Video aussehen
In diesem Beispiel-Video sehen Sie, was Sie mit Camtasia alles machen können.
Fazit
Camtasia bietet für seinen Preis erstaunlich viele Funktionen und Features. Es ist ein echtes Multimedia-Talent und es ist sehr vielfältig einsetzbar. Die Aufnahmen sind wirklich sehr gut, die Im- und Exportmöglichkeiten vorbildlich.
Manchmal muss man den OK-Button zum Abschießen eines Arbeitsschrittes zuviel klicken. Hier könnte man den Workflow noch flotter gestalten, indem der Klick auf ein anderes Objekt ein OK-Klick des vorangegangenen Objektes mit einschließt. Auch die Verwaltung von Objekten in der Timeline ist noch ausbaufähig. Gerne hätte ich eine Option zum Ausblenden einzelner Objekte. Eine zusätzliche dritte Audiospur steht ebenfalls auf meinem Wunschzettel.
Dennoch, das Arbeiten mit dem Programm macht Spaß und die Ergebnisse überzeugen. Man kann es für schnelle Screencasts ebenso gebrauchen wie für komplexe Lernvideos.
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