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Doppelte Haushaltsführung

Doppelte Haushaltsführung

Doppelte Haushaltsführung

Im Beitrag "Auslösungen" ist dargestellt, dass der Arbeitgeber einen steuerfreien Ersatz wegen "Reisekosten bei Auswärtstätigkeiten" oder wegen "doppelter Haushaltsführung" leisten kann. Eine Auswärtstätigkeit liegt z.B. im Fall einer befristeten Abordnung und eine doppelte Haushaltsführung z.B. bei einer Versetzung vor. Nachfolgend dargestellt sind dem Grunde und der Höhe nach die Voraussetzungen eines steuerfreien Arbeitgeberersatzes bei doppelter Haushaltsführung. Wesentliche Unterschiede gegenüber der Auswärtstätigkeit bestehen bei den Familienheimfahrten sowie bei den Unterkunftskosten.

Voraussetzung

Eine doppelte Haushaltsführung liegt nur dann vor, wenn der Arbeitnehmer außerhalb des Ortes beschäftigt ist, in dem er einen eigenen Hausstand unterhält (= Lebensmittelpunkt) und auch am auswärtigen Beschäftigungsort übernachtet.

Begriff der doppelten Haushaltsführung

Die Anzahl der Übernachtungen am Beschäftigungsort spielt keine Rolle, das heißt, dass auch gelegentliche Hotelübernachtungen am auswärtigen Beschäftigungsort die Voraussetzungen für eine doppelte Haushaltsführung erfüllen.

Eine doppelte Haushaltsführung setzt den Bezug einer Zweitwohnung am Ort der regelmäßigen Arbeitsstätte voraus (BFH-Urteil vom 11.5.2005, BStBl. II S. 782). Bei Arbeitnehmern, die bei ihrer individuellen beruflichen Tätigkeit typischerweise nur an ständig wechselnden Tätigkeitsstätten eingesetzt werden, richtet sich der Abzug der Aufwendungen deshalb nach Reisekostengrundsätzen bei einer vorübergehenden beruflich veranlassten Auswärtstätigkeit (siehe Beitrag "Reisekosten bei Auswärtstätigkeiten").

Eine doppelte Haushaltsführung ist sowohl bei Verheirateten als auch bei Ledigen nur dann steuerlich berücksichtigungsfähig, wenn sie beruflich veranlasst ist. Eine berufliche Veranlassung liegt immer dann vor, wenn der Arbeitnehmer eine Zweitwohnung am neuen Beschäftigungsort bezieht

  • anlässlich einer Versetzung;

  • anlässlich eines Arbeitgeberwechsels;

  • anlässlich der erstmaligen Begründung eines Arbeitsverhältnisses.

Ist die doppelte Haushaltsführung aus beruflichem Anlass begründet worden, kommt es nicht darauf an, aus welchen Gründen sie beibehalten wird.

Eine doppelte Haushaltsführung liegt seit 2008 nicht vor, solange die auswärtige Beschäftigung noch als vorübergehende Auswärtstätigkeit anzuerkennen ist.

Beispiel A

Der Arbeitnehmer A mit Wohnsitz und regelmäßiger Arbeitsstätte in Nürnberg wird am 1.2.2009 für acht Monate an eine Niederlassung des Arbeitgebers in Regensburg abgeordnet.

Es liegt für die gesamten acht Monate keine doppelte Haushaltsführung vor, da es sich um eine vorübergehende, beruflich veranlasste Auswärtstätigkeit handelt.

Beispiel B

Arbeitnehmer A mit Wohnsitz und regelmäßiger Arbeitsstätte in Nürnberg wird am 1.2.2009 von seinem Arbeitgeber nach Regensburg versetzt, wo er sich eine Zweitwohnung nimmt.

Es liegt ab dem 1.2.2009 (also von Beginn an) eine aus beruflichem Anlass begründete doppelte Haushaltsführung vor, da die Auswärtstätigkeit aufgrund der Versetzung nicht nur vorübergehend ist.

Eine beruflich veranlasste doppelte Haushaltsführung liegt aber auch dann vor, wenn der Arbeitnehmer nicht nur am auswärtigen Beschäftigungsort, an dem er eine Zweitwohnung unterhält, sondern auch an seinem Lebensmittelpunkt (= Ort des eigenen Hausstands) einer Beschäftigung nachgeht und dort eine weitere regelmäßige Arbeitsstätte hat (BFH-Urteil vom 24.5.2007, BStBI. II S. 609). Der Abzug von Mehraufwendungen für doppelte Haushaltsführung ist damit nicht auf Fälle beschränkt, in denen der Arbeitnehmer ausschließlich außerhalb des Ortes seiner Hauptwohnung tätig wird. Der Arbeitnehmer arbeitete im Streitfall sowohl in Berlin als auch in Bonn. Neben seinem Hauptwohnsitz am Lebensmittelpunkt in Berlin unterhielt der Kläger auch in Bonn eine eigene Wohnung, deren Kosten er steuerlich geltend machte. Der Bundesfinanzhof ging hinsichtlich der "Bonner Wohnung" von einer beruflich veranlassten doppelten Haushaltsführung des Klägers aus.

Im Hinblick auf den besonderen grundgesetzlichen Schutz von Ehe und Familie wird eine aus beruflichem Anlass begründete doppelte Haushaltsführung in Fällen der Eheschließung auch dann angenommen, wenn beide Ehegatten im Zeitpunkt der Eheschließung an verschiedenen Orten beruflich tätig sind, jeweils dort wohnen und anlässlich ihrer Heirat eine der beiden Wohnungen oder eine neue Wohnung an einem dritten Ort zum Familienhausstand machen.

Beispiel C

A lebt und arbeitet in Düsseldorf, B lebt und arbeitet in Frankfurt. Sie heiraten am 1.4.2009 und machen die Wohnung in Frankfurt zu ihrer Familienwohnung. A arbeitet weiterhin in Düsseldorf und übernachtet während der Woche in seiner bisherigen Wohnung.

Ab dem 1.4.2009 liegt bei A eine beruflich veranlasste doppelte Haushaltsführung vor.

Diese vorteilhafte Regelung zur beruflich veranlassten doppelten Haushaltsführung bei Ehegatten ist aber aus verfassungsrechtlichen Gesichtspunkten nicht in jedem Fall auf nichteheliche Lebensgemeinschaften zu übertragen. Eine Übertragung des Grundsatzes kann aber bei einer nichtehelichen Lebensgemeinschaft mit Kind in Betracht kommen, da es sich um eine "Familie" handelt. Die Gründung eines doppelten Haushalts kann daher bei nicht verheirateten Personen beruflich veranlasst sein, wenn sie vor der Geburt eines gemeinsamen Kindes an verschiedenen Orten berufstätig sind, dort wohnen und im zeitlichen Zusammenhang mit der Geburt des Kindes eine der beiden Wohnungen zur Familienwohnung machen (BFH-Urteil vom 15.3.2007, BStBl. II S. 533).

Die berufliche Veranlassung einer doppelten Haushaltsführung wird übrigens nicht dadurch beendet, dass der Arbeitnehmer seinen Familienhausstand innerhalb desselben Ortes verlegt (BFH-Urteil v. 4.4.2006, BStBl. II S. 714). Dies gilt gleichermaßen für verheiratete, in Trennung befindliche und ledige Arbeitnehmer. Es besteht also keine Verpflichtung seitens des Arbeitnehmers, in solch einem Fall an den Beschäftigungsort zu ziehen und die doppelte Haushaltsführung zu beenden.

Beispiel D

A und B haben ihre Familienwohnung in Hamburg. A ist angestellt in Kiel und hat dort eine Zweitwohnung am Beschäftigungsort. Am 1.7.2009 trennen sich A und B. A zieht innerhalb von Hamburg in eine neue Wohnung.

Trotz der Verlegung seines Familienhausstands liegt bei A weiterhin eine beruflich veranlasste doppelte Haushaltsführung vor. Eine andere Lösung hätte sich allerdings ergeben, wenn A anlässlich der Trennung von B seinen Lebensmittelpunkt nach Kiel verlegt hätte.

Bei der Zweitwohnung am Beschäftigungsort, die aus beruflicher Veranlassung bewohnt wird, kann es sich z.B. handeln um

  • eine Miet- oder Eigentumswohnung,

  • ein Hotel- oder Pensionszimmer,

  • ein möbliertes Zimmer,

  • eine Gemeinschaftsunterkunft,

  • einen Gleisbauzug,

  • eine Kasernenunterkunft.

Die Zweitwohnung kann auch in der Nähe des neuen Beschäftigungsorts (Einzugsbereich) gelegen sein.

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Über den Autor:

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Josef Ellenrieder, Jahrgang 1943, Diplom Betriebswirt FH, lehrt an diversen Fachhochschulen, Industrie- und Handelskammern, Handwerkskammern die Themen: Betriebswirtschaft, Volkswirtschaft, Rechnungs ...

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