Das kostenlose CMS Drupal - Installation und Verwaltung für Einsteiger

Allgemeine Infos, lokale Serverumgebung, die Installation Schritt für Schritt

Vor- und Nachteile von Drupal

Vorteile von Drupal

  • Drupal ist OpenSource: Drupal steht unter GNU Lizenz, ist kostenlos und wird durch die aktive Entwicklergemeinde ständig weiterentwickelt. Das System basiert auf den Software-Komponenten: Apache, PHP und MySQL. Alle drei Komponenten sind ebenfalls OpenSource-Produkte und dürfen kostenlos eingesetzt werden.

  • Komfortable Benutzer- und Rechtevergabe: Drupal eignet sich hervorragend für Websites, auf denen eine fein skalierbare Benutzerverwaltung erforderlich ist, z. B. Portale, Community-Websites, Firmen-Websites, die von einem größeren Personenkreis gepflegt werden.

  • Web 2.0 Features enthalten: Im Drupal-Standardsystem sind gängige Funktionen für User-Aktivität schon enthalten. Dazu gehören: Forum, Blogs, Kommentarfunktion, Umfragen, Anlegen von User-Profilen.

  • Taxonomien/Verschlagwortung/Tagging: In Drupal lassen sich Inhalte nicht nur in der klassischen, hierarchischen Struktur verwalten und darstellen.

    Mit dem Drupal-eigenen Taxonomie-System lassen sich Inhalte gleichzeitig in mehrere Kategorien einordnen und im Frontend in den verschiedenen Bereichen der Website darstellen. Mit Hilfe der Taxonomien können Inhalte mit Begriffen verknüpft (getaggt) werden. Dies ermöglicht sehr flexible Darstellungen der Inhalte im Frontend, auch der Aufbau einer schlagwortbasierten Menüführung ist möglich.

    Besonders auf großen Sites bietet die schlagwortbasierte Kategorisierung der Inhalte gegenüber der Einsortierung in eine hierarchische Struktur große Vorteile und wesentlich mehr Flexibilität. Inhalte müssen nicht mehr in eine feste Struktur eingeordnet werden, sondern lassen sich durch die Verschlagwortung (Tagging) gleichzeitig mehreren Kategorien zuordnen, ohne die Inhalte selbst zu doppeln.

  • Verschiedene Inhaltstypen, eigene Inhaltstypen: Drupal stellt standardmäßig verschiedene Inhaltstypen zur Verfügung. Des Weiteren können eigene Inhaltstypen definiert werden, die durch Vergabe entsprechender Berechtigungen dann beispielsweise nur von einer bestimmten Benutzergruppe (Rolle) genutzt werden dürfen.

Beispiel:

Ein Beispiel aus der Praxis könnte sein: Für die Veröffentlichung von Pressemitteilungen definiert man einen eigenen Inhaltstyp. Dieser Inhaltstyp darf nur von den Benutzern der Presseabteilung genutzt werden.

Damit wird erreicht, dass alle Pressemitteilungen auf der Website nur von den Personen der Presseabteilung bearbeitet und veröffentlicht werden dürfen. Alle anderen Personen haben keinen Zugriff, können also keine Pressemitteilungen bearbeiten und veröffentlichen.

  • Modularer Aufbau: Durch den modularen Aufbau lässt sich das Drupal-System individuell anpassen und erweitern. Im Netz stehen eine Vielzahl von Erweiterungen, die meist kostenlos erhältlich sind, zur Verfügung.

  • Layoutvorlagen (Themes): Der Einsatz von Themes (Templates) ermöglicht die Umsetzung eigener Layouts. Auch die Umsetzung individueller Designs, die nicht erkennen lassen, dass ein CMS im Hintergrund läuft, ist mit entsprechenden Kenntnissen möglich.

Für die Umsetzung individueller Layouts in ein Drupal-Theme sind gute HTML- und CSS-Kenntnisse erforderlich. Auch ein Grundverständnis für PHP ist in diesem Zusammenhang hilfreich.

  • Barrierefreie Websites: Drupal ermöglicht die Erstellung tabellenfreier, barrierefreier Websites nach XHTML-Standard.

  • Mehrsprachige Websites/Multidomainfähig: Drupal ist für den Aufbau mehrsprachiger Websites geeignet. Auch die Verwaltung mehrerer Domains ist möglich. Drupal ist multidomainfähig, dafür muss der DNS-Server entsprechend konfiguriert werden.

  • Lesbare/suchmaschinenfreundliche URLs: Das Drupal-Basispaket verfügt über die Funktion, lesbare URLs auszugeben. Darüber hinaus gibt es im Netz entsprechende Erweiterungen, mit denen sich die Ausgabe der suchmaschinenfreundlichen URLs automatisieren lässt, was die Handhabung in der Praxis noch um einiges komfortabler macht.

  • Wachsende Drupal-Fangemeinde: Die Drupal-Community hat sich in den letzten Jahren stark vergrößert. Kommen andere Systeme, wie z.B. Joomla!, bei 'richtigen' Programmierern oft schlecht weg, ist Drupal auch bei dieser Spezies sehr beliebt.

    Auf der Website http://drupal.org/project/Modules findet man eine Vielzahl an Systemerweiterungen, die von den Drupal-Usern entwickelt wurden. In den Drupal-Foren unterstützen sich die Anwender gegenseitig. Dort findet man viele gute Tipps und Hilfe bei kniffeligen Fragen.

Nachteile von Drupal

  • Drupal-Backend: Im Vergleich zu anderen CM-Systemen ist das Drupal-Backend eher spartanisch gehalten. Die Bearbeitungsmöglichkeiten, zum Beispiel für die Steuerung und Veröffentlichung der Inhalte, sind nicht so komfortabel, wie man es beispielsweise von Joomla! kennt.

  • Frontend und Backend - keine visuelle Trennung: Anwender, die schon Erfahrung mit einem anderen CM-Systemen haben, vermissen in Drupal anfangs oft die strikte Trennung zwischen Frontend und Backend. Standardmäßig nutzt Drupal für Front- und Backend das gleiche Theme (Template).

    Da dieser Punkt von den Anwendern oft kritisiert wurde, lässt sich ab Drupal 6.x ein separates Template (Verwaltungstheme) für das Backend aktivieren.

  • Keine Installationsroutine für Systemerweiterungen: Für die Installation von Systemerweiterungen steht im Backend keine Installationsroutine zur Verfügung. Erweiterungen und Themes müssen per FTP auf den Server geladen werden. Ggf. sind auch zusätzliche Anpassungen in den Konfigurationsdateien erforderlich.

  • Kein WYSIWYG-Editor: Im Drupal-Standardpaket ist kein WYSIWYG-Editor für die Bearbeitung und Formatierung der Inhalte enthalten (WYSIWYG = What you see is what you get). Geeignete Editoren, wie z.B. der TinyMCE oder FCKeditor, müssen manuell nachinstalliert werden. Auch hier ist eine Anpassung der Konfigurationsdateien notwendig.

  • Vergleichsweise wenig Themes zum Download: Im Vergleich zu Joomla! und Typo3 gibt es für Drupal momentan noch relativ wenige Adressen, auf denen man gute Drupal-Themes findet. Sowohl kostenlose als auch kommerzielle Drupal-Themes für hohe Ansprüche sind im Netz noch relativ rar.

  • Taxonomie-System - Einarbeitung erforderlich: Die Arbeit mit dem Taxonomie-System ist anfangs gewöhnungsbedürftig.

    Besonders Anwender, die mit der klassischen, hierarchischen Struktur anderer CM-Systeme vertraut sind, tun sich mit dem Taxonomie-System anfangs schwer. Das legt sich aber mit der Zeit. Hat man die Kategorisierung (Verschlagwortung) einmal verstanden, sind erfahrungsgemäß auch die CMS-Umsteiger von der Flexibilität, die das Taxonomie-System bietet, sehr angetan.

Fazit: Wann ist Drupal das richtige CMS?

Zusammenfassend lässt sich sagen: Drupal eignet sich hervorragend für den Aufbau von Portalen, Community-Sites und Firmen-Websites, die von einem größeren Personenkreis mit unterschiedlichen Benutzerrechten betreut werden.

Auch auf Sites mit vielen Inhalten und hohen Besucherzahlen läuft das System stabil und verrichtet zuverlässig seinen Dienst.

Bei einer großen Site sehr ratsam und fast ein absolutes Muss: Ein geeignetes Webserver-Paket bei einem zuverlässigen, kompetenten Provider.

Mein Tipp: Finger weg von Strato und 1&1. Die Serveranbindung ist bei beiden Providern, ganz direkt gesagt, einfach schlecht. Besonders bei großen Websites führt das dazu, dass der Seitenaufbau einer identischen Site bei Strato und 1&1 gut und gerne ein paar Sekunden länger dauern kann.

Hinzu kommt, dass auch der Support bei beiden Providern nicht immer sehr kompetent ist. Bei Supportanfragen per Email können gut ein, zwei Tage ins Land ziehen, bis man eine Antwort erhält. Und auch die Preise der Serverpakete mit identischer Ausstattung sind im Vergleich zu anderen Providern nicht besser.

Mein Providertipp: Neue Medien Münnich www.all-inkl.de, Domainfactory oder hosteurope.

Wann ist vom Einsatz von Drupal eher abzuraten?

Ich persönlich würde Drupal nicht für den Aufbau einer einfachen Website mit wenigen Inhalten, die der Kunde später selbst pflegen möchte, empfehlen.

Für kleine Websites, auf denen sich die Inhalte eindeutig einer Kategorie zuordnen lassen, würde ich Joomla! aufgrund der komfortableren Bearbeitungsmöglichkeiten im Backend immer den Vorzug geben. Aber das ist, wie so oft, sicher auch Geschmackssache.

Erforderliche Kenntnisse für die Arbeit mit Drupal

Abhängig davon, ob Sie eine komplette Drupal-Site selbst aufbauen wollen oder ggf. nur für den redaktionellen Teil, also das Verwalten und Einstellen neuer Inhalte, verantwortlich sind, sind für die Arbeit mit Drupal bestimmte Kenntnisse erforderlich oder zumindest hilfreich.

Drupal-Administration

Sind Sie als Administrator für die Installation und Konfiguration des Systems verantwortlich, sollten Ihnen ein Webserver, Serveradministration und Zugriffsrechte im Linux-System nicht fremd sein. Auch PHP- und MySQL-Datenbank-Grundkenntnisse können nicht schaden.

Theme-Entwicklung (Templates)

Für die Theme-Programmierung benötigen Sie solide HTML- und CSS-Kenntnisse. Zwar wird Drupal in den Fachzeitschriften gerne als einfaches CMS verkauft, wenn Sie eigene Drupal-Themes entwickeln möchten, führt jedoch kein Weg an guten HTML- und CSS-Kenntnissen vorbei. Auch ein Grundverständnis für PHP ist in diesem Zusammenhang sehr hilfreich.

Die Entwicklung eigener Drupal-Themes sollten Sie erst in Angriff nehmen, nachdem Sie sich mit dem modularen Aufbau und dem Taxonomie-System von Drupal vertraut gemacht haben.

Die Theme-Entwicklung parallel zu den Basisfunktionen zu erlernen, ist für die meisten Einsteiger definitiv zu viel und kann schnell dazu führen, dass Sie wenig Freude am System haben und die Flinte schnell ins Korn werfen .... das muss ja nicht sein!

Wie bei der Einarbeitung in jede neue Software, gilt auch bei Drupal: Der Schlüssel zum Glück? Ein Schritt nach dem anderen und nicht Schritt 10 vor Schritt 1!

Redaktionelle Aufgaben in Drupal

Bei der Arbeit im redaktionellen Bereich eines CMS liegt der Schwerpunkt auf dem Verwalten, Aktualisieren und Einstellen neuer Inhalte auf der Website. Dafür sind keine der oben genannten Kenntnisse, wie HTML, CSS und PHP, zwingend erforderlich.

Da Drupal im Bearbeitungsmodus der Inhalte jedoch im Vergleich zu anderen Systemen, wie z. B. Joomla! oder Typo3, nicht das komfortabelste System ist, sind auch bei der Arbeit als Redakteur solide HTML-Kenntnisse keinesfalls schlecht. Ganz im Gegenteil, bei 'misslungenen' Textfomatierungen in den Beiträgen hilft fast immer ein Blick in den Quellcode.

Zwar kann auch das Drupal-Standardpaket für die Bearbeitung der Inhalte mit einem WYSIWYG-Editor aufgestockt werden, aber es ist nicht alles Gold, was glänzt. Bei der Arbeit mit einem WYSIWYG-Editor und besonders dann, wenn die zugewiesenen Formatierungen nicht wie gewünscht im Beitrag dargestellt werden, sollte man sich immer wieder einmal bewusst machen:

Ein CMS - so auch Drupal - ist nicht Word! Die Arbeit in einem WYSIWYG-Editor ist nicht mit dem Formatieren der Texte in Word vergleichbar. Bei jedem Klick auf ein Symbol des WYSIWYG-Editors wird eine Anweisung in den HTML-Quellcode geschrieben. Je häufiger und unkontrollierter die Symbole der Editor-Symbolleiste angeklickt werden, umso chaotischer wird der Quellcode zwangsläufig aussehen.

Daher ist auch für Redakteure, die mit Drupal arbeiten, ein Grundverständnis für HTML sehr hilfreich und ratsam.

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Über die Autorin:

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Kerstin Dankwerth arbeitet seit 1996 als Grafikerin und Web-Entwicklerin im Netz. Zu ihren Stammkunden gehören u.a. akademie.de, 104I9 OldieStar Radio, FDP Berlin,

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