Büro-Sport
Gehören Sie auch zu den "coolen" Computer-Anwendern, die ergonomische Empfehlungen von Berufsgenossenschaften, Ärzten und wohlmeinenden Angehörigen über Jahre als Einmischung in innere Angelegenheiten betrachtet haben? Die sich aber doch immer öfter unangenehme Rücken-, Nacken- oder Handgelenksschmerzen eingestehen müssen? Dann gefallen Ihnen vielleicht die Tipps unseres bekannten Ergo-Ignoranten Robert Chromow.
Ja, ich gebe es zu: In den letzten zwanzig Jahren habe ich mit "jugendlicher" Sorglosigkeit und Ignoranz Raubbau an meinem Körper betrieben. Die Zeit, die ich am Schreibtisch mit Tastatur und Maus ausgerüstet vor dem Bildschirm verbracht habe, ist im Laufe der Jahre auf durchschnittlich sechs bis acht, oft zwölf bis vierzehn Stunden pro Tag angewachsen. Das hat Spuren hinterlassen.
So wichtig mir ein halbwegs aufgeräumter und gut ausgestatteter Büroarbeitsplatz grundsätzlich ist: Die berufsgenossenschaftlichen Empfehlungen in Sachen ergonomische Arbeitsplatzgestaltung haben mir in der Vergangenheit allenfalls ein mildes Lächeln entlockt. Die ungelesenen Hochglanz-Periodika der Verwaltungs-BG sind ein gefundenes Fressen für meinen Altpapier-Container.
Diese in mehrfacher Hinsicht fragwürdige "Haltung" ist nicht ohne Folgen geblieben: Schmerzen in der Hals- und Lendenwirbelsäule, in der Schultermuskulatur und vor allem im rechten "Maus"-Handgelenk sind inzwischen an der Tagesordnung. Dass ich als traditioneller Maus-Verachter möglichst viele Funktionen per Tastatur erledige, ändert daran herzlich wenig. Spätestens seit ich vor einiger Zeit über Wochen hinweg ein Taubheitsgefühl in drei Fingern der rechten Hand verspürt habe, beginne ich insgeheim den rücksichtslosen Umgang mit meinem Körper zu bereuen.
Er nu' wieder...
Warum erzähle ich Ihnen das? Wo doch bekanntlich Erfahrungen wie Kämme für ausgefallene Haare sind und wir Menschen immer erst aus Schaden am eigen Leib klug werden? Keine Sorge, ich will Ihnen jetzt nicht den altersweisen Rat geben, ebenfalls regelmäßig zu joggen und gelegentlich ins Fitnessstudio, in die Sauna, zum Yogakurs oder in die Rückenschule zu gehen. Das machen Sie ja doch nicht, bloß weil das gesund ist und Ihnen das schon wieder jemand "wärmstens ans Herz legt".
Nein, vielmehr habe ich zwei höchst unterschiedliche, aber wirksame Werkzeuge entdeckt, mit denen sich erfreulicherweise das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden lässt:
Ein ebenso schicker wie höhenverstellbarer Schreibtisch ermöglicht mir den blitzschnellen Wechsel zwischen sitzender und stehender Tätigkeit bei ansonsten gleich bleibender Arbeitsumgebung.
Ein freundlich-penetrantes Pausenerinnerungs-Programm sorgt dafür, dass ich mir regelmäßig Auszeiten nehme und bietet mir zugleich die dazu passenden einfachen und wirksamen Entspannungs- und Erholungs-Übungen an.
Schutzengel für Bildschirmarbeiter
Workrave-IlluFangen wir aus Kostengründen mit der für Windows- und Linuxrechner verfügbaren Pausen-Freeware "Workrave" an: Ursprünglich war das deutschsprachige Programm für "Mausarm"-Patienten ("RSI-Syndrom") gedacht, die während der Bildschirmarbeit an
regelmäßige Kurzunterbrechnungen (von wenigen Sekunden bis zu einer Minute zwecks Entspannung)
längere Ruhe- und Erholungspausen sowie
das Einhalten von maximalen täglichen Arbeitszeiten
erinnert werden wollen.
Die laufende ZeitanzeigeDa sich manche Tätigkeiten beim besten Willen nicht von einer auf die andere Sekunde beenden lassen, bietet das Programm flexibel einstellbare Unterbrechungs-Ankündigungen, Aufschub- und Überspring-Möglichkeiten. Dafür ist der Bildschirm während der Mikro- und Ruhepausen dann aber auch gesperrt. Dermaßen geschickt gesperrt übrigens, dass das Anfertigen von Screenshots nicht ohne weiteres möglich ist. Deshalb ist hier die englischsprachige Alarmbox von der Anbieter-Website dokumentiert:
In der Ruhepause unterbindet "Workrave" den Zugriff auf den Rechner. Dringende Aufgaben lassen sich selbstverständlich trotzdem erledigen: Dafür genügt ein Mausklick auf "Überspringen" oder "Aufschieben" - notfalls, versteht sich.
Außerdem schlägt Workrave während der Erholungspausen im Wechsel zehn einfache, jeweils gut halbminütige Übungen vor: Die helfen RSI-Rekonvaleszenten dabei, ihre gefährdeten Körperregionen zu entlasten. Neben Rücken, Nacken, Schultern, Arme und Finger werden dabei auch die Augen trainiert:
Eine von 10 schlichten, aber wirkungsvollen Übungen
Ganz gleich, ob nun mit oder ohne Gymnastik: Die Arbeitsunterbrechungen tun auch (noch halbwegs) gesunden Büromenschen gut: Wer sich erst einmal an das regelmäßige kurze Innehalten und die Erholungspausen gewöhnt hat, merkt schnell, dass die Produktivität ungeachtet kürzerer Nettoarbeitzeit steigt. Diesen Effekt habe ich unter der Überschrift "Selbstangestellt? Nehmen Sie Ihre Chef-Pflichten ernst!" ausführlicher zu Protokoll gegeben.
Nach Download (4,6 MB) und Installation arbeitet das Programm unauffällig im Hintergrund. Alarmboxen und Optionsdialoge sind eingedeutscht. Über das Kontextmenü des Taskleistensymbols rufen Sie den "Einstellungen"-Dialog auf, über dessen Registerkarten sich die Workrave-Meldungen differenziert an die persönlichen Bedürfnisse anpassen lassen:
Das Einstellungs-Register für die Ruhepausen
Spielkinder (wie ich) erfreuen sich schließlich an der eingebauten "Statistik"-Funktion: Die gibt zum Beispiel Aufschluss darüber, wie viele Mausklicks und Tastaturanschläge pro Tag stattgefunden haben und welche Entfernungen mit der Maus zurückgelegt wurden:
Von wegen "Maushasser"! Die Workrave-Statistik bringt's ans Tageslicht: An einem ganz normalen Arbeitstag lege ich Workrave zufolge mehr als 300 "Maus-Meter" in fast 45 Minuten zurück und klicke fast 2.000 mal! Kein Wunder, dass die rechte Hand weitaus stärker belastet ist als die linke.
Linktipps für Maus- und Tastaturgeschädigte
20 Ideen zur Therapie und Linderungen bei Mausarm, Sehnenscheidenentzündungen, Schuler-Arm-Syndrom und ähnlichen Zivilisationskrankheiten des Informationszeitalters finden Sie bei Wikipedia zum RSI-Syndrom.
Wenn Sie keine Software installieren und trotzdem gelegentlich ein paar Lockerungs- und Entspannungsübungen für Rücken, Schultern und Hände machen wollen, helfen Ihnen unter Umständen Pauls Schreibtischübungen weiter. Keine Sorge: Es muss ja niemand sehen... Sie brauchen keine "peinlichen Verrenkungen" am Schreibtisch zu machen. Sämtliche Übungen sind völlig unspektakulär. Sie müssen dabei noch nicht einmal aufzustehen.
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Ich bin bereits Mitglied
Workrave hat einen extrem hohen Nerv-Faktor. Man bekommt permanent vor Augen gehalten, wie lange man vor der Daddelkiste sitzt. Als ob es nicht schon schlimm genug ist, dass ich das überhaupt muss, wird mein schlechtes Gewissen nun auch noch per Pop-up daran erinnert. Das ist in etwa so, als ob ich tiefrot im Dispo stecke und alle halbe Stunde nen Anruf von der Bank erhalte, wie viel Zinsen sie jetzt wieder an mir verdient haben. F-U-R-C-H-T-B-A-R!!!
Wie gesagt, Florian,
die Häufigkeit der Popups kann mann ganz "differenziert an die persönlichen Bedürfnisse anpassen." Schau mal in den "Einstellungen" nach... :-)
Robert
Der Tisch darf auch etwas weniger martialisch aussehen ;) Es gibt viele Modelle, schön fürs Home-Office sind elektrische mit zwei oder drei Speicherplätzen. Auf Knopfdruck zwischen Sitzen und Stehen umschalten, immer die gleiche Höhe, ohne gefummel.
Übrigends gibts auch bei IKEA schon einen höhenverstellbaren Schreibtisch von der Galant-Serie.
Da ich (leider) auch meistens zu lang ohne Pausen vor meiner Kiste sitze, kommt mir diese Programm wie gerufen. Workrave läuft schon auf meinem Rechner, hab's mir individuell eingestellt und mir tut's richtig gut.
Zäsuren sind oft etwas positives und das bestätigt sich hier in mehrfacher Hinsicht.
Vielen Dank für diesen Hinweis!
Alexandra Graßler
www.wissensagentur.net
war lange mal nötig so ein artikel. bin auch einer derjenigen, die mit dem rücken zu "kämpfen" haben. danke!
Man kann, bei Verwendung eines simplen Bürostuhls (meiner stammt noch aus den 80ern) auch andersrum draufsitzen - Das spreizt das Kreuzbein, entlastet den Oberkörpter, streckt den Rücken schön flach und hält das Schultergelenk frei. Dabei ist es positiv, wenn die Stuhl-Rückenlehne nierig eingestellt ist: bei Bedarf mal die Bauchdecke nach vorne pressen und die Nieren wecken oder mit den Oberschenkeln Druck nach oben geben - und fleißig weitertippen. Funktioniert super, Beckenbodentraining bei der Arbeit.
Mal sehen ob mich das Tool auch daran erinnern kann, mehr zu trinken.
So wichtig und gut, es immer wieder ins Bewustsein rücken.
Auf den zweiten Blick fiel mir der Komentar mit dem Trinken auf.
Ich habe einen festen Platz für eine Plastikkanne mit Deckel mit 3/4 Liter Inhalt neben mir auf dem Schreintisch stehen. adavor ein o,25 Ltr. Glas. eine Rolle Küchenpapierin Griffnähe und schon geht es los. Im Sommer trinke ich so 3 Liter / Tag. Das Wasser auffüllen in der Küche bringt die notwendige Arbeitsunterbrechung. Im Winter sind es 1,5 - 2 Liter. Nachts fülle ich mir 2 Gläser zum Abschlus hinein. So mußich Nachts nochmals raus, und das Gift in der Leber wird ausgeschieden.
Zum Thema "Essen und Trinken im Büro" gibt es ebenfalls Tipps bei uns - ich hab sie am Ende des Beitrags verlinkt.
Büro-Aufzug? Eine Superidee, werd´ ich mal in Angriff nehmen ...
Ich halte viel von höhenverstellbaren Tischen, wenn die Ergonomie stimmt. Der auf den Bildern verhindert leider, dass der Monitor mittig steht. Mit dem Effekt, dass der Verfasser schräg am Tisch sitzt. Keine gute Haltung. Es gibt aber inzwischen sehr viele Lösungen. Sogar beim schwedischen Möbeldiscounter bekommt man inzwischen elektrisch höhenverstellbare Schreibtische.
Dankeschön, Herr Greisle,
für Ihre Anmerkungen und den Einkaufstipp.
Was die Illustration betrifft: Der Anschein tügt. Durch eine asymmetrische vordere Schreibtischkante verhindert der abgebildete Schreibtisch glücklicherweise nicht, "dass der Monitor mittig steht." Wenn der Verfasser also schräg aus der Wäsche guckt, dann muss das andere Gründe haben... :-)))
Herzliche Grüße
Robert Chromow