Ergonomie für Skeptiker: Entspanntere, schmerzfreie Computer- und Büroarbeit

Alles eine Frage der Haltung!

Von: Robert Chromow
Stand: 19. August 2009
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Über den Autor:

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Robert Chromow ist gelernter Industriekaufmann, Betriebswirt und Politologe. Seit über fünfzehn Jahren arbeitet er als freiberuflicher Journalist, Texter und Berater im eigenen Projektbüro. Print- und Online-Medien beziehen dort Fach- und Serviceartikel sowie Lernmaterialien. Außerdem schreibt er Handbücher, Webtexte und Newsletter für Unternehmen.

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höhenverstellbare Schreibtische

Lebenslänglich "Sitzen" im Büro-Kittchen?

Apropos "Sitzen": Dass Büroarbeit notwendigerweise eine sitzende Tätigkeit ist, stimmt nicht. So wurde in den klassischen Handelskontoren überwiegend an Stehpulten gearbeitet. Dass Büro-Angestellte stehen (müssen), war für Arbeitgeber noch bis weit ins 20. Jahrhundert eine völlige Selbstverständlichkeit.

Nun ist das Stehen auf Dauer keine wirklich attraktive und gesündere Alternative zum Sitzen - das Heil liegt vielmehr in der Abwechslung. Deshalb habe ich in der Vergangenheit immer wieder einmal mit einem zusätzlichen Stehpult experimentiert. So wohltuend ich dabei den regelmäßigen Wechsel zwischen sitzender und stehender Bildschirmarbeit empfunden habe: Bis Tastatur, Bildschirm, Maus und Telefon an der gewünschten Stelle waren, verging mir einfach viel zu viel Zeit. Ein häufiger, spontaner Wechsel fand also letztlich nicht statt. Außerdem beansprucht ein zusätzlicher Steh-Arbeitsplatz Stellfläche, die in meinem Heimbüro nun einmal rar ist.

Sitz-Stehkomfort durch Büro-Aufzug

Als echter Glücksgriff hat sich deshalb für mich eine höhenverstellbare Sitz-Steh-Schreibtischkombination erwiesen: Mit einem kleinen Handgriff und ohne jeden Kraftaufwand wird aus einem Schreibtisch in Sekundenbruchteilen ein Stehpult - und zwar in jeder beliebigen Höhe zwischen etwa 70 und 120 cm Höhe. Bildschirm, Tastatur, Maus und sämtliche Unterlagen "schweben" auf- und abwärts einfach mit.

Hydraulik-Schreibtisch "Helos"

Der minimale Verstellaufwand sorgt dafür, dass ich meine Arbeitshaltung tatsächlich spontan mehrfach in der Stunde wechsele. Nach eineinhalb Jahren hat der pfiffige Schreibtisch-Aufzug kein bisschen von seiner Faszination eingebüßt. Das gute Stück bringt nicht nur gesunde Abwechslung ins Arbeitsleben, sondern ist ein echter Spaßmacher und Hingucker: Ich bediene den komfortablen Büro-Lift nach wie vor mit kindlicher Freude und die Besucher in meinem Heimbüro interessieren erfahrungsgemäß zunächst mehr für das ungewöhnliche Möbelstück als für meine Arbeit.

Bild vergrößernDer Autor mal bei sitzender Tätigkeit...

Nachdem ich Sitzen und Stehen anfangs auf ganz bestimmte Tätigkeiten verteilt hatte (Telefonate, E-Mailbearbeitung und Verwaltungstätigkeiten eher im Stehen, Online-Recherchen, Artikelschreiben und Besprechungen im Sitzen), wechsele ich die Haltung inzwischen ganz nach Lust und Laune. Meine Rückenbeschwerden sind seitdem spürbar geringer geworden. Zumal mir die Workrave-Erinnerungen neuerdings den Wechselimpuls noch etwas häufiger geben.

Bild vergrößern... und mal ganz standfest.

Und was kostet der Spaß?

Bei Neupreisen zwischen 2.000 und 3.000 Euro ist die vorgestellte Sitz-Steh-Dynamik kein ganz billiges Vergnügen. Optisch und technisch etwas schlichtere Lösungen gibt es aber schon für unter 500 Euro. In Anbetracht der Nutzungshäufigkeit und heilsamen Wirkung ist aber so oder so jeder Cent gut angelegt.

Abgesehen davon: Nur wenn man überhaupt von der Existenz solch pfiffiger Lösungen weiß (was erstaunlicherweise bei den wenigsten Menschen der Fall ist), kann man nach günstigen Bezugsquellen Ausschau halten. Zwar finden sich die praktischen Schreibtisch-"Aufzüge" bei Ebay & Co. längst noch nicht wie Sand am Meer - mein Exemplar habe ich jedoch auf genau diesem Weg erstanden. Kostenpunkt: 450 Euro. Ein echtes Spaß- und Gesundheitsschnäppchen!

Hier einige Hersteller und Bezugsquellen:

Weiterführende Informationen und Herstellerverweise finden Sie zum Beispiel bei der RKW-Initiative "Gesund und sicher starten" und im "Deutschen Büromöbel Forum".

Heimwerker-Variante

Schreibtisch plus Stehpult: IllustrationFalls Sie sich die Investition in eine integrierte Kombilösung nicht leisten können oder wollen, kommt für Sie ja vielleicht doch ein Eigenbau aus Schreibtisch und zusätzlichem Stehpult in Frage: Wenn Sie Telefon und TFT-Monitor auf einem höhenverstellbaren Schwenkarm platzieren, ist der Komplett-"Umzug" mit kabelloser Tastatur und Maus auch noch einigermaßen schnell bewerkstelligt.

Fazit

Sie haben keine Lust, lebenslänglich "im Büroknast" zu sitzen? Das ist vernünftig. Zum Glück führen ganz unterschiedliche Wege zu mehr Alltags-Ergonomie. Mich persönlich hat die Kombination aus technisch unterstütztem Haltungswechsel, Pausenerinnerung und funktionaler Minimalgymnastik überzeugt. Und zwar weniger weil es gesund ist, sondern weil's Spaß macht und es mir insgesamt spürbar besser geht.

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Workrave hat einen extrem hohen Nerv-Faktor. Man bekommt permanent vor Augen gehalten, wie lange man vor der Daddelkiste sitzt. Als ob es nicht schon schlimm genug ist, dass ich das überhaupt muss, wird mein schlechtes Gewissen nun auch noch per Pop-up daran erinnert. Das ist in etwa so, als ob ich tiefrot im Dispo stecke und alle halbe Stunde nen Anruf von der Bank erhalte, wie viel Zinsen sie jetzt wieder an mir verdient haben. F-U-R-C-H-T-B-A-R!!!

Wie gesagt, Florian,
die Häufigkeit der Popups kann mann ganz "differenziert an die persönlichen Bedürfnisse anpassen." Schau mal in den "Einstellungen" nach... :-)
Robert

Der Tisch darf auch etwas weniger martialisch aussehen ;) Es gibt viele Modelle, schön fürs Home-Office sind elektrische mit zwei oder drei Speicherplätzen. Auf Knopfdruck zwischen Sitzen und Stehen umschalten, immer die gleiche Höhe, ohne gefummel.

Übrigends gibts auch bei IKEA schon einen höhenverstellbaren Schreibtisch von der Galant-Serie.

Da ich (leider) auch meistens zu lang ohne Pausen vor meiner Kiste sitze, kommt mir diese Programm wie gerufen. Workrave läuft schon auf meinem Rechner, hab's mir individuell eingestellt und mir tut's richtig gut.
Zäsuren sind oft etwas positives und das bestätigt sich hier in mehrfacher Hinsicht.
Vielen Dank für diesen Hinweis!
Alexandra Graßler
www.wissensagentur.net

war lange mal nötig so ein artikel. bin auch einer derjenigen, die mit dem rücken zu "kämpfen" haben. danke!

Man kann, bei Verwendung eines simplen Bürostuhls (meiner stammt noch aus den 80ern) auch andersrum draufsitzen - Das spreizt das Kreuzbein, entlastet den Oberkörpter, streckt den Rücken schön flach und hält das Schultergelenk frei. Dabei ist es positiv, wenn die Stuhl-Rückenlehne nierig eingestellt ist: bei Bedarf mal die Bauchdecke nach vorne pressen und die Nieren wecken oder mit den Oberschenkeln Druck nach oben geben - und fleißig weitertippen. Funktioniert super, Beckenbodentraining bei der Arbeit.

Mal sehen ob mich das Tool auch daran erinnern kann, mehr zu trinken.

So wichtig und gut, es immer wieder ins Bewustsein rücken.

Auf den zweiten Blick fiel mir der Komentar mit dem Trinken auf.
Ich habe einen festen Platz für eine Plastikkanne mit Deckel mit 3/4 Liter Inhalt neben mir auf dem Schreintisch stehen. adavor ein o,25 Ltr. Glas. eine Rolle Küchenpapierin Griffnähe und schon geht es los. Im Sommer trinke ich so 3 Liter / Tag. Das Wasser auffüllen in der Küche bringt die notwendige Arbeitsunterbrechung. Im Winter sind es 1,5 - 2 Liter. Nachts fülle ich mir 2 Gläser zum Abschlus hinein. So mußich Nachts nochmals raus, und das Gift in der Leber wird ausgeschieden.

Zum Thema "Essen und Trinken im Büro" gibt es ebenfalls Tipps bei uns - ich hab sie am Ende des Beitrags verlinkt.

Büro-Aufzug? Eine Superidee, werd´ ich mal in Angriff nehmen ...

Ich halte viel von höhenverstellbaren Tischen, wenn die Ergonomie stimmt. Der auf den Bildern verhindert leider, dass der Monitor mittig steht. Mit dem Effekt, dass der Verfasser schräg am Tisch sitzt. Keine gute Haltung. Es gibt aber inzwischen sehr viele Lösungen. Sogar beim schwedischen Möbeldiscounter bekommt man inzwischen elektrisch höhenverstellbare Schreibtische.

Dankeschön, Herr Greisle,
für Ihre Anmerkungen und den Einkaufstipp.
Was die Illustration betrifft: Der Anschein tügt. Durch eine asymmetrische vordere Schreibtischkante verhindert der abgebildete Schreibtisch glücklicherweise nicht, "dass der Monitor mittig steht." Wenn der Verfasser also schräg aus der Wäsche guckt, dann muss das andere Gründe haben... :-)))
Herzliche Grüße
Robert Chromow