Erfolgreich als IT-Trainer

Von: Heike Neidhardt
Stand: 16. Februar 2009
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Wirklich was gelernt - so lehren Sie nachhaltig

In EDV-Kursen werden komplexe Inhalte vermittelt. Die Bandbreite dessen, was Sie den Teilnehmern beibringen könnten, ist unendlich groß. Viele Dozenten meinen es sehr gut und möchten ihren Kursgruppen möglichst vieles zeigen. Doch das führt in der Regel nicht dazu, dass die Teilnehmer das alles nach dem Kurs auch können - im Gegenteil.

Hier einige Hinweise, was Sie tun können, damit Ihre Teilnehmer wirklich etwas lernen und auch etwas mit dem Gelernten anfangen können:

  • Beschränken Sie sich auf wesentliche Inhalte

    Die Versuchung liegt nahe, aufgrund der Fülle an Funktionen, die etwa ein Programm mit sich bringt, einen Kurs mit Inhalten zu überfrachten. Diese Gefahr ist auch deshalb gegeben, weil Sie als Dozent alles ja schon können - und dann erscheinen Ihnen manche Inhalte banal, die ein Anfänger jedoch erst "verdauen" muss.

    Deshalb: Beschränken Sie sich - weniger ist hier in der Regel mehr! Auf den Punkt bringt das die sog. "Kiss"-Regel: Keep it short and simple!

    Hilfreich ist, wenn Sie für jede Kursstunde ein klares und realistisches Ziel formulieren, z.B.: "Am Ende der Stunde sind die Teilnehmer in der Lage, mit Word einen Geschäftsbrief zu schreiben." Und nun überlegen Sie, was die Teilnehmer tatsächlich benötigen, um dieses Ziel zu erreichen - und was nicht! Nur das Nötige nehmen Sie in Ihre Kursplanung auf, alles Überflüssige streichen Sie.

  • Erklären Sie immer nur einen Weg zum Ziel

    Anwendungssoftware zeichnet sich häufig dadurch aus, dass es mehrere "Wege nach Rom" gibt. Um etwa in Word einen Textabschnitt zu kopieren, kann man den Befehl in der Menüleiste unter "Bearbeiten" finden, man kann das Kontextmenü mit der rechten Maustaste öffnen, man kann die entsprechende Tastenkombination verwenden oder die Symbolleiste verwenden. Vier Wege, die zum selben Ergebnis führen. Wenn Sie all dies den Teilnehmern zeigen, dann trägt dies in der Regel eher zur allgemeinen Verwirrung bei und ist keine Hilfe für die Teilnehmer.
    Beschränken Sie sich also auf einen Weg und sparen Sie sich die drei anderen. Diese bringen sowieso keinen Mehrwert für die Teilnehmer, denn "kopieren" können diese ja nun, und das reicht den meisten zunächst!

    Wichtig: Behalten Sie den einmal gewählten Weg den ganzen Kurs über bei. Und erklären Sie auch andere Funktionen mit demselben Weg. Wenn Sie etwa den Befehl "Kopieren" mit Hilfe der Menüleiste erklärt haben, dann tun Sie für "Ausschneiden" dasselbe! Das führt langfristig dazu, dass die Teilnehmer die Logik des Programms verstehen und sich irgendwann auch selbst herleiten können, wo sie einen Befehl vermutlich finden. Und solch ein souveräner Umgang mit einem Programm ist ja letztendlich das Ziel eines EDV-Kurses.

  • Wechseln Sie die Unterrichtsmethoden

    Viele IT-Trainings laufen nach folgendem Muster ab: Vormachen - Nachmachen. Vormachen - Nachmachen. Vormachen - Nachmachen.
    Diese immer gleiche Abfolge ist nicht nur eintönig, sie führt auch schnell zu Ermüdung und Langeweile bei den Teilnehmern. Die Konzentration droht zu sinken, und damit auch der Lernerfolg.

    Bewährt hat sich dagegen ein gezielter Methodenwechsel. So ist es z.B. denkbar, die Teilnehmer auch mal selbst eine Fragestellung erarbeiten zu lassen. Oder mal andere Medien zu verwenden als immer nur den Beamer. Oder in Gruppen arbeiten zu lassen. Konkrete Ideen für einige interaktive Methoden finden Sie im letzten Kapitel.

  • Packen Sie kleine Informationseinheiten

    Erklären und zeigen Sie nicht zu vieles auf einmal. Teilen Sie den Stoff lieber in viele kleine Abschnitte auf, die Sie erst nach und nach präsentieren. Und geben Sie den Teilnehmern nach jedem Abschnitt die Möglichkeit, das Gelernte sofort in Ruhe selbst anzuwenden und auszuprobieren. Erst wenn eine Einheit wirklich sitzt, kommt die nächste an die Reihe.

    Das menschliche Gedächtnis ist nicht einfach ein riesiger Informationsschlucker, in den man alles hineinwerfen kann. Das Gedächtnis möchte eine neue Information in Ruhe an der richtigen Stelle "einsortieren" und mit vielen bereits bekannten Inhalten verknüpfen. Das erhöht die Chance, den neuen Inhalt zu anderem Zeitpunkt wieder zu finden, wieder abrufen zu können.

  • Führen Sie Neues immer im Kontext ein

    Wir merken uns Dinge viel besser, wenn wir einen konkreten Bezug dazu haben, wenn wir sie selbst "mit Leben gefüllt" haben und anwenden. Wenn Sie also erklären wollen, was eine CD-ROM ist, dann tun Sie das erst dann, wenn die Teilnehmer im Kurs eine CD einschieben oder brennen. Vielleicht erst in der dritten Kursstunde, nicht etwa am Beginn eines Kurses im Rahmen eines (abstrakten) Überblicks über verschiedene Speichermedien. Der Effekt: Die Teilnehmer haben sofort persönliche Assoziationen mit dem Begriff und behalten ihn besser.

  • Arbeiten Sie mit Wiederholungen

    Eine der wichtigsten Lernregeln lautet: Wiederholen. Was nicht beständig wiederholt und angewendet wird, geht schnell verloren bzw. ist "verschüttet". Das gilt für Fremdsprachen genauso wie für IT-Kenntnisse.

    Leiten Sie Ihre Teilnehmer deshalb zum beständigen Wiederholen an. Optimal ist es, wenn Neues zunächst in hoher, dann in abnehmender Frequenz wiederholt wird. Die Pausen zwischen den Wiederholungsphasen werden also immer länger. Damit Wiederholungen nicht langweilig werden, verpacken Sie diese immer wieder neu, z.B. in verschiedenartigen Einzelübungen, in Gruppenübungen, als Teil einer komplexeren Aufgabe, als Hausaufgabe. Am Ende einer Kursstunde und zu Beginn einer neuen Kursstunde bietet es sich besonders an, die wichtigsten Inhalte zu wiederholen - planen Sie dies als feste Kursbestandteile ein.

  • Verwenden Sie Bilder und Vergleiche, um Abstraktes zu veranschaulichen

    Die Inhalte von EDV-Kursen empfinden viele Teilnehmer als sehr abstrakt. Helfen Sie den Teilnehmern, Dinge dennoch zu verstehen, indem Sie Bilder und Vergleiche verwenden. Ein beliebtes Beispiel sind etwa beschriftete Aktenordner, mit denen eine Datei verglichen wird. Benutzen Sie dabei Bilder, die aus der Lebenswelt der Teilnehmer stammen und mit denen diese vertraut sind. So ermöglichen Sie den Teilnehmern, das Neue zu behalten, da sie es an bereits bekannte Gedächtnisstrukturen anknüpfen können.

Lebendige Vorträge halten

Egal ob PowerPoint-Präsentation oder Geburtstags-Ansprache: Einen schlechten Vortrag zu halten ist schlimmer als gar keinen Vortrag zu halten. Da es für den Vortragenden viel zu bedenken und noch mehr falsch zu machen gibt, gibt Autor Lorenz Hölscher Tipps zum guten Gelingen: "'Worüber reden Sie eigentlich?' - So halten Sie lebendige Vorträge".

Auch als Variation für PowerPoint erhältlich:

Schwierige Typen

In nahezu jedem Kurs gibt es Besserwisser, Jammerlappen und Klassenclowns. Wie Sie mit denen am besten umgehen, erklärt Lorenz Hölscher: So gehen Sie mit schwierigen (Kurs-)Teilnehmern um.

Checkliste zum Download

Für Mitglieder von akademie.de steht eine Arbeitshilfe zum Download bereit: "Checkliste IT-Training effektiv gestalten" (PDF, 11 kB).

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