Erfolgsblockaden lösen

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Stand: 29. Oktober 2012

Die gute Absicht erkennen

Es gibt einen, wie ich finde, sehr hilfreichen Trick, um mit störendem Verhalten konstruktiv umzugehen: Stellen Sie sich einfach vor, dass nur ein Teil von Ihnen dafür verantwortlich ist. Das heißt, Sie identifizieren sich nicht länger als Gesamtpersönlichkeit damit. Wenn ich von mir glaube, dass ich ein Schluffi bin, fühlt sich das anders an als zu denken, dass nur ein Teil von mir Schluffi-artig ist.

Im systemischen Kontext wird sehr erfolgreich mit diesem Modell gearbeitet, was nicht bedeutet, dass es wahr ist. Aber wir erzielen damit gute und hilfreiche Ergebnisse, und darauf kommt es schließlich an.

Ich habe für diese Technik ein Bild gefunden, das die Idee dahinter ganz gut vermittelt. Unsere Persönlichkeit funktioniert letztlich wie ein Theaterstück:

  • Da gibt es die Hauptdarsteller auf der Bühne, die immer im Vordergrund stehen und viel Raum einnehmen. Sie werden auch vom Publikum am meisten wahrgenommen. Das sind die Persönlichkeitsanteile, die wir gut kennen und virtuos beherrschen und die wir nach außen auch gerne zeigen.

  • Außerdem gibt es die Nebenrollen. Diese stehen für Persönlichkeitsanteile, die nicht so oft auftreten. Wir kennen sie dennoch gut, aber vielleicht zeigen wir diese Facetten unserer Persönlichkeit nicht aller Welt.

  • Für den Erfolg eines Theaterstücks sind aber noch weitere Personen bzw. Persönlichkeitsanteile nötig, zum Beispiel die Souffleuse, der Requisiteur, die Bühnenarbeiter etc. Diese stehen für die Anteile in uns, die oft unsichtbar sind und im Hintergrund wirken. Oft ignorieren wir sie, vielleicht, weil sie uns irgendwie unangenehm oder lästig sind.

Letztere Anteile sind oft diejenigen, die für ein störendes Verhalten zuständig sind. Denn was machen Menschen, die niemals wahrgenommen und deren Leistung noch viel weniger geschätzt wird? Sie bringen sich manchmal auf eher destruktive Art in Erinnerung. Das heißt, der Bühnenarbeiter lässt die Kulisse vielleicht im falschen Moment herunter. Der Requisiteur "vergisst" das wichtigste Requisit und lässt den armen Hauptdarsteller am langen Arm verhungern. Die Souffleuse verweigert die hilfreiche Einflüsterung und sorgt so für eine Riesenblamage.

Kennen Sie das? Dass Ihnen im entscheidenden Moment plötzlich die Worte fehlen? Oder Sie im Gegenteil eine Information preisgeben, die Sie eigentlich gar nicht kennen dürften? Vielleicht haben Sie auch einen wichtigen Termin vergessen oder eine Mail an den falschen Adressaten verschickt …

Wenn Ihnen solche Dinge öfter passieren, könnte das damit zusammenhängen, dass sich auf diese Weise so ein verleugneter Persönlichkeitsanteil bemerkbar macht.

Zum Glück gibt es eine Kur für solche Erfolgsblockaden: Schauen Sie sich dieses störende Verhalten und den dafür zuständigen Persönlichkeitsanteil mal genauer an. Unterstellen Sie, dass er mit seinem störenden Verhalten eigentlich eine gute Absicht für Ihre Gesamtpersönlichkeit verbindet. Versuchen Sie nun herauszufinden, welche das sein könnte. Denn wenn Sie das erfahren, können Sie gemeinsam mit Ihrem Anteil überlegen, wie seine gute Absicht sich in Zukunft vielleicht anders umsetzen lassen könnte. Alleine Ihre Bereitschaft, sich mit diesem bisher ignorierten und abgelehnten Anteil einmal wohlwollend zu beschäftigen, kann manchmal Wunder wirken. So könnte das beispielsweise ablaufen:

Beispiel:

Sabine L. ist IT-Beraterin. Doch jedes Mal, wenn ein größerer Auftrag "droht", geht irgendetwas schief: Sie macht einen Fehler im Angebot oder verpasst die Angebotsfrist. Sie verhaspelt sich beim Telefonat und wird als wenig souverän wahrgenommen. Bisher ist es ihr noch kaum gelungen, größere Aufträge an Land zu ziehen.

Sie geht nun mit dem Anteil, der für dieses störende Verhalten zuständig ist, in Kontakt und fragt ihn zunächst, ob er damit einverstanden ist, sich mit ihr zu unterhalten. Nachdem sich der Anteil gemeldet hat und sein erstes zögerliches Einverständnis gegeben hat, verläuft das Gespräch so:

Sabine: Bisher hast du erfolgreich verhindert, dass ich größere Aufträge erhalte. Aber ich gehe davon aus, dass du damit etwas Gutes für mich erreichen möchtest, stimmt's?

Anteil: Ja, klar. (denkt nach). Ich finde, du arbeitest eh schon so viel. Also sorge ich dafür, dass du nicht so viel Stress hast.

Sabine: Ach so. Das ist ja nett. Danke erst mal. Allerdings müsste ich eigentlich insgesamt weniger arbeiten, wenn ich größere Projekte hätte, weil ich dafür ein höheres Budget verlangen kann als bei den kleinen Projekten. Dein Verhalten, lieber Anteil, ist also nicht so wirklich hilfreich, wenn du meinen Stress reduzieren möchtest.

Anteil: Oh. So habe ich das noch gar nicht gesehen.

Sabine: Hast du denn eine Idee, wie du mich weiter dabei unterstützen könntest, weniger Stress zu haben, ohne die größeren Projekte zu sabotieren?

Anteil: (denkt nach) Vielleicht könnte ich dafür sorgen, dass du auch regelmäßig Pausen machst? Du vergisst ja manchmal sogar das Essen, und das ist nicht gut!

Sabine: Ja, gute Idee! Das würde mir wirklich helfen. Wie machst du das denn?

Anteil: Alle zwei Stunden werde ich mich in deinem Körper mit einem kleinen Zwicken melden. Dann weißt du, es ist Zeit für eine Pause.

Sabine: Ok, lass uns das probieren. Danke, dass du mich weiter unterstützt.

Anteil: Gern geschehen!

Anfangs ist diese Art des inneren Gesprächs gewöhnungsbedürftig. Aber wenn Sie damit experimentieren, werden Sie schnell merken, was für interessante innere Diskussionen sich hier ergeben können. Damit es Ihnen leichter fällt, die unterschiedlichen Anteile voneinander zu trennen – manchmal meldet sich während des Gesprächs ein weiterer Anteil, der auch noch etwas beizutragen hat – können Sie sich für jeden Anteil auf einen anderen Stuhl setzen oder jedenfalls Ihre Position im Raum verändern. Vielleicht werden Sie die verblüffende Erfahrung machen, dass sich sogar Ihre Körpersprache oder Ihre Stimme verändert, je nachdem, welcher Anteil gerade das Sagen hat.

Ich finde es immer wieder faszinierend, wie sich auf diese Weise selbst hartnäckige störende Verhaltensweisen dauerhaft verabschieden lassen. Im Grunde geht es hier um ein Signal an unsere Seele. Wir zeigen uns selbst, dass wir uns wichtig nehmen, und wir geben uns die Wertschätzung, die wir uns so oft von außen wünschen, einfach selbst. Das ist die ganze Magie – und sie wirkt. Testen Sie es einfach mal. Wenn es nicht funktioniert, können Sie ja einfach so weitermachen wie bisher.

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Über die Autorin:

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Heide Liebmann ist Expertin für Positionierungs-Coaching und Vordenkerin für authentisches Marketing. Mit ihrem Nasenfaktor-Konzept unterstützt sie Unternehmen und Freiberufler dabei, sich erfolgreic ...

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