Erfolgsblockaden lösen

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Stand: 29. Oktober 2012

Detektivarbeit in eigener Sache

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Es ist ja bereits angeklungen: Viele unserer Blockaden tragen wir schon sehr lange mit uns herum. Sie sind oft bereits in unserer Kindheit entstanden, und ein Blick zurück in diese Zeit ist daher manchmal notwendig, um sie zu identifizieren. Wie also kommen wir uns auf die Spur?

Die folgenden drei Anregungen können Ihnen wertvolle Hinweise dazu liefern. Nehmen Sie sich ruhig ein bisschen Zeit dafür, in sich hinein zu spüren. Wenn Sie sich das erste Mal mit Ihren Blockaden beschäftigen, werden Sie so ganz sicher einige Indizien finden, woher diese rühren.

Tipp 1: Hören Sie sich zu!

Mal ehrlich: Wie reden Sie mit sich, vor allem dann, wenn etwas nicht so klappt, wie Sie sich das vorgestellt haben?

Vielleicht klingt das ja so oder so ähnlich:

  • Kannst du nicht einmal was richtig machen?

  • Na, super, das hast du ja wieder mal toll hingekriegt, du Depp!

  • War ja klar. Du kriegst es eben nie auf die Reihe!

Erkennen Sie das wieder? Diese Art der Selbst-Gespräche führen viele von uns die ganze Zeit. Wir schimpfen mit uns, bewerten und verurteilen uns in einer Weise und oft auch in einem Ton, wie wir niemals mit anderen reden würden …

Uns selbst gegenüber sind wir hingegen häufig extrem streng und unduldsam. Wenn Ihnen das bekannt vorkommt, dann beobachten Sie sich in nächster Zeit doch mal dabei, wie Sie mit sich selbst sprechen. Welche Sätze fallen immer wieder? Erinnert Sie das an früher? Wer hat vielleicht in Ihrer Kindheit so mit Ihnen gesprochen, und Sie reproduzieren das jetzt unbewusst ständig?

Manchmal können Sie schon etwas verändern, indem Sie darauf achten, wie Sie mit sich sprechen und gegebenenfalls einfach mal damit experimentieren, einen anderen, netteren Tonfall zu wählen und sich mehr Verständnis zu signalisieren:

  • Statt "Du dämlicher Loser!" vielleicht mal "Ok, das hat nicht geklappt. Dann halt beim nächsten Mal."

  • Statt "Du hast eben zwei linke Hände!" mal ausprobieren, wie sich "Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen!" anfühlt.

  • Statt "Dümmer geht nimmer!" tröstend sagen "Ist nicht so schlimm!"

Wenn Sie lernen, sich selbst respektvoller zu begegnen, hat das mit Sicherheit auch Auswirkungen darauf, wie man sich Ihnen gegenüber im Außen verhält – und das kann bereits sehr erstaunliche Konsequenzen haben. Testen Sie es doch einfach mal. Sie müssen ja nicht dabei bleiben.

Tipp 2: Wobei fühlen Sie sich immer unsicher oder unterlegen?

Versuchen Sie einmal herauszufinden, welchen Situationen Sie eigentlich am liebsten ausweichen. Was daran ist so unangenehm für Sie? Verbinden Sie damit schlechte Erinnerungen?

Beispiel:

Günther B. hasst es wie die Pest, Vorträge zu halten. Irgendwie schafft er es meistens, diese Aufgabe an Kollegen abzugeben. Als ich ihn frage, warum das für ihn so schwierig ist, erinnert er sich an eine Situation aus seiner Kindheit: Vor dem Nikolaus musste er ein Gedicht vortragen und blieb hängen. Der Nikolaus – eigentlich sein Onkel, den er sehr mochte – machte sich über ihn lustig, und die ganze Familie lachte ihn aus.

Unbewusst hat Günther die Hilflosigkeit der damals erlebten Situation mit heutigen Anforderungen verknüpft. Er hat so große Angst, wieder ausgelacht zu werden, dass er sich erst gar nicht in diese potenziell gefährliche Situation begibt. Wenn er trotzdem präsentieren muss, ist er so nervös und verkrampft, dass er schon dadurch Fehler macht und so genau die Situation wieder heraufbeschwört, die er eigentlich unter allen Umständen vermeiden möchte.

Fallen Ihnen ähnliche Situationen ein? Vielleicht haben auch Sie sich irgendwann einmal unsterblich blamiert und tun jetzt alles, nie wieder in so eine Situation zu geraten.

Auch hier sind also die Wurzeln mancher Erfolgsblockade zu finden.

Tipp 3: Mit welchen Menschen umgeben Sie sich?

Die Menschen in unserem Umfeld haben großen Einfluss darauf, wie wir uns fühlen. Manchmal verstärken sie durch ihr Verhalten uns gegenüber noch die einschränkenden Annahmen, die wir über uns selbst haben. Deshalb kann es hilfreich sein, sich mal genauer anzuschauen, mit wem wir täglich zu tun haben.

  • Notieren Sie die Namen von zwei Menschen, in deren Gegenwart Sie sich eher wohl fühlen. Finden Sie Gründe dafür.

  • Dann schreiben Sie die Namen von zwei Menschen auf, in deren Gegenwart Sie sich oft eher unwohl oder pessimistisch fühlen. Notieren Sie Belege dafür.

Überprüfen Sie jetzt, ob sich Gemeinsamkeiten finden lassen.

Beispiel:

Annette K. fiel ihre beste Freundin ein. Diese hat immer ein offenes Ohr für sie, hört ihr zu und ist verständnisvoll. Sie hat auch oft gute Ideen. "Wenn ich so darüber nachdenke, fühle ich mich besonders wohl bei ihr, weil sie sich nicht unterkriegen lässt und so eine optimistische Ausstrahlung hat. Das tut mir gut!" Außerdem schätzt sie die Gesellschaft ihres Mannes: "Er ist für mich so ein Fels in der Brandung. Ich weiß, dass ich mich immer auf ihn verlassen kann. Das gibt mir viel Sicherheit."

Optimismus und Sicherheit sind also zwei Faktoren, die bei den Menschen in Annettes Umgebung dafür sorgen, dass es ihr gut geht.

Beispiel:

Als eher negativen Einfluss sah Annette K. bei genauerem Nachdenken eine ihrer Kundinnen an: "Diese Frau sieht immer nur Probleme. Sie neigt dazu, aus einer Mücke einen Elefanten zu machen. Jedes Mal wenn sie anruft, jammert und klagt sie mir die Ohren voll. Das ist echt anstrengend." Und ihr fiel auf, dass sie sich auch in der Gegenwart ihres Vaters oft nicht wohl fühlt: "Er spricht nicht viel, aber er zieht oft die Augenbrauen so skeptisch hoch, wenn ich etwas erzähle. Oder er ignoriert mich komplett und fängt einfach an, in der Zeitung zu lesen."

Annette K. wird klar, dass ständiges Nörgeln sie mit ihrem Perfektionismus konfrontiert. Etwas in ihr fragt sich ständig, ob es vielleicht an ihr liegen könnte, dass die Kundin so unzufrieden ist. Das Verhalten ihres Vaters verstärkt diesen Anteil ebenfalls. Sie hatte noch nie das Gefühl, dass er wirklich schätzt, was sie tut, und so muss sie sich immer noch mehr anstrengen, um endlich, endlich die heiß ersehnte Anerkennung durch ihn zu erhalten.

Dieses Beispiel kann Ihnen zeigen, wie die Beschäftigung mit den Menschen Ihres Umfelds Ihnen interessante Hinweise geben kann auf tief sitzende Blockaden. Denn letztlich sind die Menschen, mit denen wir uns umgeben, immer Spiegel eigener Persönlichkeitsanteile (zu diesem Konzept später noch mehr). Was wir an anderen bewundern, will auch in uns gesehen und gefördert werden.

Das gilt übrigens auch und erst recht, wenn wir andere beneiden. Neid ist nur ein Hinweis darauf, dass ein Anteil in uns sich danach sehnt, sich ebenso zu zeigen wie die beneidete Person. Insofern ist Neid – ebenso wie Angst – ein guter Wegweiser für unsere persönliche Entwicklung. Es gilt, die Eigenschaften in uns zu entdecken und aktiv zu unterstützen, die bisher vielleicht zu kurz gekommen sind.

  • Sie beneiden die mutige Kollegin, die beschlossen hat, sich selbstständig zu machen? An welche, vorerst vielleicht noch kleinere Herausforderung, können Sie sich wagen und so herausfinden, wie mutig Sie tatsächlich sind?

  • Sie bewundern, wie toll Ihre Freundin tanzen kann? Vielleicht finden Sie in einem Tanzkurs heraus, dass auch in Ihnen eine Tänzerin steckt. Oder Sie entwickeln eine andere Form der Bewegung, die besser zu Ihnen passt, vielleicht Tai-Chi oder Zumba.

Menschen, in deren Gegenwart wir uns unwohl fühlen, entziehen uns Energie. Wir sind dann innerlich ständig damit beschäftigt, uns irgendwie zu wehren oder abzugrenzen. Unser innerer Dialog richtet sich auf die negativen Aspekte, die diese Personen in uns verstärken. Das kann dazu führen, dass wir in eine Negativspirale kommen:

Je unwohler und unsicherer ich mich fühle, umso mehr Unwohlsein und Unsicherheit strahle ich auch aus. Dies wird mir dann wieder vom Gegenüber durch sein Verhalten gespiegelt, etwa, indem ich ignoriert oder sonst wenig wertschätzend behandelt werde. Dadurch fühle ich mich noch schlechter – und die Spirale zieht mich immer weiter hinunter.

Wenn Sie erkennen, dass Ihnen so etwas öfter passiert, empfehle ich als Sofortmaßnahme zunächst einmal, sich dem direkten Kontakt so gut es geht zu entziehen:

  • Telefonieren Sie nicht mehr mit der Nörgel-Kundin, sondern wickeln Sie den Kontakt nur noch über Mail ab.

  • Besuchen Sie Ihren Vater eine Zeitlang nicht mehr. Treffen Sie sich ggf. mit Ihrer Mutter einfach außer Haus.

Gleichzeitig gehen Sie auf die Suche nach den Blockaden, die diese Personen in Ihnen wachrufen und verstärken und arbeiten Sie damit. Denn wenn es Ihnen gelingt, die Blockaden zu beseitigen, wird sich wundersamerweise auch Ihr Verhältnis zu diesen Menschen verändern. Auch hier wirkt die Spirale, aber in positiver Hinsicht:

Wenn Sie wissen, welches Knöpfchen bei Ihnen gedrückt wird, können Sie Techniken anwenden, um ihm nicht so viel Macht zu geben. Ihre Ausstrahlung wird sich sofort verändern, weil Sie nicht mehr still erdulden, sondern aktiv Ihre Realität gestalten. Das wird, bewusst oder unbewusst, von Ihrem Gegenüber wahrgenommen, der nun merkt, dass Sie nicht mehr bzw. anders als bisher auf sein Verhalten reagieren. Also muss nun diese Person ihr Verhalten ändern – und sie wird das auch tun und Sie damit in Ihrer Haltung bestärken. Was sich wiederum positiv auf Sie auswirken wird.

Sie sehen: Schon diese kleine Übung kann Großes bewirken. Es ist ja Ihr Leben, und Sie haben immer die Wahl. Vielleicht haben Sie auch schon mal den Spruch gehört "Love it, change it, or leave it." Damit gemeint ist: Wenn Sie eine Situation nicht lieben oder annehmen können, dann verändern Sie sie. Wenn das nicht geht, verändern Sie Ihre Einstellung dazu. Und falls auch das nicht möglich sein sollte, verlassen Sie die Situation. (Natürlich können Sie auch darin verharren und jammern. Aber mal ehrlich: Das ist die schlimmste Erfolgsblockade von allen! Sich als hilfloses Opfer zu fühlen, wird Sie garantiert nicht erfolgreicher machen!)

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Über die Autorin:

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Heide Liebmann ist Expertin für Positionierungs-Coaching und Vordenkerin für authentisches Marketing. Mit ihrem Nasenfaktor-Konzept unterstützt sie Unternehmen und Freiberufler dabei, sich erfolgreic ...

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