Das EÜR-Formular - Version für 2009: Eine Anleitung für die "Gewinnermittlung" von Steuer-Nachzüglern

Die "Anlage EÜR" wird schön regelmäßig überarbeitet. Wir sagen Ihnen, in welcher sachlicher Gliederung Sie Ihre EÜR abgeben müssen

Von: Robert Chromow
Stand: 4. Mai 2010 (aktualisiert)
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Das Formular

In diesem Beitrag geht es um die "Anlage EÜR" in der für die Steuererklärung 2009 gültigen Fassung. Die Jahr für Jahr überarbeitete "Anlage EÜR" enthält genaue Vorschriften über die äußere Form der Gewinnermittlung von Freiberuflern und nicht bilanzierungspflichtigen Unternehmen. Daraus ergeben sich auch Konsequenzen für die sachliche Gliederung der laufenden EÜR-Buchführung.

EÜR-Gewinnermittlung für andere Wirtschaftsjahre

Beim sachlichen Aufbau der "vereinfachten Buchführung" hatten Steuerpflichtige bis vor ein paar Jahren völlig freie Hand. Mittlerweile hat es mit der weitgehenden Formfreiheit bei der vereinfachten Buchführung jedoch ein Ende: Denn Paragraf 60 der Einkommensteuer-Durchführungsverordnung verlangt die Vorlage einer Einnahmenüberschussrechnung nach amtlich vorgeschriebenem Vordruck (der ab 2011 sogar "durch Datenfernübertragung zu übermitteln" ist.)

Bild vergrößernSeite 1 des EÜR-Vordrucks für das Jahr 2009

Gegen die Umsetzung dieser Bestimmung hat sich unter Experten und Praktikern erheblicher Widerstand geregt. Die erste Version des Formulars musste auf Druck des Bundestags und sämtlicher Länderfinanzminister eingestampft werden. Ungeachtet dessen ist die mittlerweile mehrfach geänderte Fassung immer noch umstritten - zuletzt ist das Finanzgericht Münster in einer Grundsatzentscheidung zu dem Ergebnis gekommen, dass es weder in der Abgabenordnung noch im Einkommensteuergesetz und der dazugehörigen Durchführungsverordnung eine rechtliche Grundlage für die Vorgabe eines EÜR-Formulars gibt (Az.: 6 K 2187/08 vom 17.12.2008). Da die Münsteraner Richter die Revision vor dem Bundesfinanzhof zugelassen haben, ist das Urteil aber bislang noch nicht rechtskräftig (Stand: 5/2010). Das anhängige Revisionsverfahren hat das BFH-Aktenzeichen X R 18/09.

Keine Panik: Alles halb so wild!

Ganz gleich, wie der BFH sich letztlich zum umstrittenen EÜR-Formular stellt: Sie sollten sich durch aufgeregte Kommentare zum angeblichen "Folterwerkzeug des Fiskus" nicht unnötig erschrecken lassen.

  1. Verglichen mit der vorherigen formlosen Rechtslage erhebt das Finanzamt keine zusätzlichen Informationen. Das Finanzamt bekommt die Daten allerdings von vornherein in leichter vergleichbarer Form vor. Abweichungen vom Branchendurchschnitt und damit Anhaltspunkte für "lohnende" Betriebsprüfungen fallen somit leichter ins Auge.

  2. Für Kleinstbetriebe mit einem Jahresumsatz von bis zu 17.500 Euro gilt der Vordruck nicht. Sie können die Ergebnisse ihrer EÜR weiterhin formfrei einreichen.

  3. Art und Umfang Ihrer eigenen Buchführungsunterlagen schreibt Ihnen der neue Vordruck nicht vor. Sie müssen bei der abschließenden Steuererklärung lediglich in der Lage sein, Ihre betrieblichen Auswertungen den passenden Zeilen des Vordrucks zuzuordnen. Mit anderen Worten: Die Gliederung Ihrer Aufzeichnungen muss mindestens den Anforderungen des Formulars entsprechen. Sie dürfen aber selbstverständlich an einer davon abweichenden sachlichen Unterteilung Ihrer Buchhaltung festhalten! (Genau genommen brauchen Sie gar keine Aufzeichnungen - dann müssen Sie bei der Steuererklärung allerdings jeden einzelnen Beleg in die Hand nehmen und nachträglich den verschiedenen Zeilen des Vordrucks zuordnen.)

  4. Die Gesetzes-Formulierung "nach amtlich vorgeschriebenem Vordruck" heißt schließlich, dass Sie nicht unbedingt das Originalformular des Finanzamts ausfüllen müssen: Sofern Sie zum Beispiel mit einer Software arbeiten, deren EÜR-Ausdrucke der vorgeschriebenen Systematik entsprechen, dürfen Sie auch die einreichen.

Downloads und Ausfüllhilfen

Die Anlage EÜR für das Jahr 2009, das dazugehörige Anlageverzeichnis, eine Rechenhilfe zur Ermittlung der "nichtabziehbaren Schuldzinsen" sowie eine Ausfüllanleitung stehen im BMF-Formularcenter zum Download bereit. Sie können die Vordrucke dort bei Bedarf auch gleich am Monitor ausfüllen, abspeichern und ausdrucken. Hier die Direktlinks auf einen Blick:

Auf den ersten drei Seiten des EÜR-Formulars wird der Gewinn (oder Verlust) auf insgesamt 83 Zeilen ermittelt. Die erforderlichen Angaben im Überblick:

Betriebseinnahmen

  • In den Zeilen 1 bis 6 machen Sie allgemeine Angaben zu Ihrem Betrieb.

  • Nicht umsatzsteuerpflichtige Kleinunternehmer tragen die Summe ihrer Einnahmen aus Dienstleistungshonoraren und Warenverkäufen in den Zeilen 7 und 8 ein.

  • Umsatzsteuerpflichtige Land- und Forstwirte tragen ihre (Netto-)Betriebseinnahmen in der Zeile 9 ein, die umsatzsteuerpflichtigen Betriebseinnahmen von Selbstständigen und Gewerbetreibenden gehören in Zeile 10 und umsatzsteuerfreie Betriebseinnahmen den Zeilen 11 und 11a).

  • Zeile 12 ist für die Umsatzsteuer-Einnahmen von Kunden reserviert.

  • Auch Umsatzsteuererstattungen des Finanzamts gelten als Betriebseinnahme: Sie werden in Zeile 13 eingetragen.

  • Die Zeilen 14 bis 16 sind für Erlöse aus dem Verkauf von Anlagevermögen sowie Einnahmen aufgrund von Privatentnahmen vorgesehen (z. B. private Kfz- oder Telefon-Nutzung oder Warenentnahmen).

  • In Zeile 17 wird die (positive) Differenz zwischen aufgelösten und gebildeten Rücklagen bzw. Ansparabschreibungen eingetragen, die ggf. zuvor in der Tabelle auf Seite 3 des EÜR-Formulars (Zeilen 68 bis 73) ermittelt worden ist.

  • Zeile 18 schließlich ist für die Summe der Betriebseinnahmen reserviert.

Betriebsausgaben

In den folgenden Zeilen 19 bis 55 geben Sie einen Überblick über Ihre Betriebsausgaben. Die Zeilen 19 und 20 sind dabei für spezielle Berufsgruppen (z. B. Landwirte und Journalisten) reserviert, die Betriebsausgaben-Pauschalen in Anspruch nehmen können, und denen die folgende differenzierte Auflistung von Ausgaben ganz oder teilweise erspart bleibt.

Alle anderen Steuerpflichtigen machen die folgenden Angaben:

  • Zeilen 21 bis 23: die Summen der Ausgaben für Wareneinkäufe, Fremdleistungen sowie eigenes Personal,

  • Zeilen 24 bis 34: Abschreibungen.

  • Zeilen 35 bis 37: Kfz- und andere Fahrtkosten, in Zeile 37a können Sie die Aufwendungen für Fahrten zwischen Wohnung und Betriebsstätte eintragen (= Pendler- oder Entfernungspauschale)

  • Zeilen 38 bis 40: Raumkosten (z. B. für ein häusliches Arbeitszimmer oder Miete für Geschäftsräume),

  • Zeilen 41 bis 46: beschränkt abziehbare Aufwendungen (Schuldzinsen, Geschenke, Reise- und Bewirtungskosten), deren Summe gehört in Zeile 47,

  • Zeilen 48 bis 51: alle anderen unbeschränkt abziehbaren Betriebsausgaben (z. B. Porto, Bücher, Büromaterial, Beratungskosten),

  • Zeile 52: Summe der gezahlten Vorsteuern an andere Unternehmen.

  • Zeile 53: ans Finanzamt überwiesene Umsatzsteuern.

  • In Zeile 54 wird die (negative) Differenz zwischen aufgelösten und gebildeten Rücklagen bzw. Ansparabschreibungen eingetragen, die ggf. zuvor in der Tabelle auf Seite 3 des EÜR-Formulars (Zeilen 68 bis 73) ermittelt worden ist.

  • Zeile 55 schließlich enthält die Gesamtsumme aller Betriebsausgaben.

Aus der Summe der zuvor ermittelten Betriebseinnahmen und -ausgaben wird oben auf Seite 3 in den Zeilen 60 bis 67 schließlich der endgültige Gewinn oder Verlust ermittelt. Die Zeilen 68 bis 82 sind für die bereits erwähnten Nebenrechnungen zu Rücklagen, Ansparabschreibungen sowie Investitionsabzugsbeträgen reserviert.

Ein Beispiel: Webdesigners "Kontenrahmen"

Damit sie zum EÜR-Formular passen, könnten die nach Einnahmen und Ausgaben unterteilten "Sachkonten" eines selbstständigen Webdesigners (sein Buchführungs-"Kontenplan" oder auch "Kontenrahmen") etwa so aussehen:

Beispiel:

Einnahmen:

  • Netto-Einnahmen,

  • von Kunden eingenommene Umsatzsteuern (="Vorsteuern")

  • vom Finanzamt erhaltene Umsatzsteuererstattungen.

Ausgaben:

  • Kfz-Kosten,

  • Raumkosten,

  • Geschenke,

  • Bewirtung,

  • Reisekosten,

  • Porto, Telefon, Büromaterial,

  • Fortbildung / Fachliteratur,

  • Rechts- und Steuerberatung / Buchführung

  • Schuldzinsen

  • Abschreibungen

  • sonstige Betriebsausgaben sowie

  • ans Finanzamt gezahlte Umsatzsteuern.

Um zum Beispiel die Entwicklung Ihrer Ausgaben für Werbeanzeigen oder auch die Telefon- und Onlinekosten genauer verfolgen zu können, dürfen Sie die allgemeinen Bürokosten oder auch die "sonstigen Betriebsausgaben" für Ihre eigenen Zwecke selbstverständlich weiter ausdifferenzieren. Sie müssen lediglich in der Lage sein, sie am Jahresende der passenden übergeordneten Rubrik des Finanzamt-Vordrucks zuzuordnen.

Wenn umgekehrt z. B. Geschenke, Bewirtungen oder auch Reisekosten nur sehr selten vorkommen, dürfen Sie diese Positionen bei der laufenden Buchhaltung zunächst auch unter "Sonstiges" buchen, um sie dann bei der Steuererklärung von Hand herauszurechnen und in den Vordruck einzutragen.

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Hat sich schon einmal jemand mit den Anlagenformular in Elster auseinander gesetzt? Hier müssen offenbar - anders als im Papierformular - nicht nur summarischen Angaben vorgenommen werden sondern die einzelnen Anlagengüter einzeln eingetippt werden. Das ist insofern brisant, als das ab 2013 (für das Steuerjahr 2012) zwingend das EÜR Formular und das Anlagenverzeichnis elektronisch übermittelt werden müssen - Stichwort E-Bilanz http://www.meinesteuersoftware.de/news/2010/11/11/ebilanz-ab-2012/

Bitte helfen Sie mir weiter, Conny,
welches "Programm" meinen Sie?
Freundliche Grüße
Robert Chromow

wirklich tolles programm. leider geht das drucken nicht damit. Er zeigt ständig druckbereich leer. Gibt es eine Möglichkeit , da was zu ändern`??

mfg conny

Jetzt funktionieren die Download-Links wieder - Entschuldigung für den Fehler!

Dankeschön für Ihren Hinweis,
unsere Techniker werden die Downloadlinks kurzfristig reparieren! Bis dahin finden Sie die Dokumente aber auch auf den Seiten des Bundesfinanzministeriums:
http://tinyurl.com/p6yta
Danke für Ihre Unterstützung und freundliche Grüße
Robert Chromow
--
Redaktionsteam akademie.de

Eine gute erste Übersicht über die Problematik des neuen amtlichen Vordruckes, leider funktionieren die Links zum Download nicht.

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