Digitalfotografie, EXIF-Daten und Bildgestaltung

EXIF-Daten systematisch auswerten

EXIF-Daten systematisch auswerten: ISO-Wert, Brennweite, Blitzlicht und Motivprogramme

Praktischer Nutzen des ISO-Werts

Der ISO-Wert, den viele nur im Zusammenhang mit dem gefürchteten Bildrauschen kennen, beschrieb früher die Lichtempfindlichkeit des Films. Heutzutage beschreibt er die Einstellung für den Aufnahmechip in der Kamera. Der ISO-Wert ist eine Art Joker, den man in der Hinterhand hat, wenn das Licht schwindet. Je höher die ISO-Zahl, desto empfindlicher verhält sich der Chip und desto weniger Licht braucht man für die Aufnahme.

Standardmäßig arbeiten alle Kameras zunächst mit dem jeweils niedrigsten Wert, der i. d. R. bei 100 liegt - manchmal auch bei 64 oder 200. Sofern die Kamera über einen manuellen Modus verfügt, kann man die ISO-Einstellung jedoch von Hand verändern. Viele Motivprogramme und die Vollautomatik verändern ebenfalls den ISO-Wert, um in bestimmten Situationen die nötigen Einstellungen zu realisieren.

Nachteil: Das Bildrauschen verstärkt sich, vor allem bei kleinen Kameras. Lässt man den ISO-Wert auf den niedrigen Einstellungen (50, 64 oder 100), erhält man zwar ein rauschfreies oder rauscharmes Bild, aber man braucht dann ein Stativ oder muss den Blitz einschalten.

Dank hoher ISO-Werte kann man auch nachts ohne Blitz fotografieren. Diese Aufnahme entstand mit einer "Miniknipse" bei ISO 400 mit einer Belichtungszeit von ¼ sec und Blende 2,8.

Manchen Fotos sieht man an, dass nur wenig Licht vorhanden war. Schauen Sie nach, welche ISO-Einstellung nötig war, um das Foto ohne Blitz zu realisieren. Es könnte Ihnen Mut machen, einmal mit höheren ISO-Werten zu experimentieren und den Blitz abzuschalten.

Kameramodell

Der ISO-Wert ist immer im Zusammenhang mit dem Kameratyp zu betrachten. Auch der lässt sich aus den EXIF-Daten ablesen.

Von einer hochwertigen Spiegelreflexkamera dürfen und müssen Sie mehr erwarten, als von einer kleinen Miniknipse. Wer viel und gerne unter schwierigen Lichtbedingungen fotografiert, wird mit einer kleinen Kompaktkamera nicht viel Freude haben. Für Standardsituationen - Erinnerungsbilder, Urlaubsfotos, Blumenmotive -, die man tagsüber oder mit Blitz fotografieren kann, braucht man nur dann eine hochwertige Kamera, wenn man sehr hohe Ansprüche an die Ergebnisse stellt.

Vergleichen Sie ruhig einmal das Rauschverhalten verschiedener Kameras bei ISO 400, z. B. wenn Sie planen, eine neue Kamera anzuschaffen. Die Fotos dürfen natürlich nicht nachträglich bearbeitet worden sein. Wenn Sie mehr über die Kamera erfahren wollen, mit der ein Foto gemacht wurde, dann schlagen Sie nach: Bei digitalkamera.de finden Sie die http://www./Schnellzugriff/Kameras.aspxDatenblätter aller gängigen Kameratypen.

Die Schwierigkeit im Verständnis der Kameradaten besteht bei Einsteigern darin, dass die drei Variablen Blende - Belichtungszeit - ISO-Wert miteinander in Verbindung stehen. Verändert man den Wert für die Blende, verändert sich automatisch auch der Wert für die Belichtungszeit, denn die ermittelte Lichtmenge für die Aufnahme soll insgesamt gleich bleiben. Öffnet man die Blende, braucht man weniger Zeit fürs Bild. Schließt man die Blende, verlängert sich die Belichtungszeit. Weil eine Kamera bzw. das Objektiv nicht beliebig viele Blendenstufen hat, sind dem Fotografen an dieser Stelle technische Grenzen gesetzt. Erfahrene Fotografen bevorzugen deshalb Kameras und Objektive mit einer hohen Lichtstärke, d. h. die Blende lässt sich sehr weit öffnen. So kann man bei wenig Licht mit niedriger ISO-Zahl fotografieren und in der Sportfotografie die kurzen Belichtungszeiten realisieren, die nötig sind, um schnell bewegte Motive scharf abzubilden. Lichtstarke Objektive kosten deutlich mehr als die üblicherweise mitgelieferten Standardzooms, sind ihr Geld aber immer wert.

Die Brennweite

Auch die Länge der verwendeten Brennweite hat Einfluss auf das Aussehen des Bildes: Mit einem Teleobjektiv kann man weit entfernte Motive nah heran holen (kleiner Bildwinkel). Mit einem Weitwinkel-Objektiv bekommt man selbst aus geringer Entfernung viel aufs Foto (großer Bildwinkel).

Bild vergrößernDie extreme Weitwinkelbrennweite (links) ist bei Sportaufnahmen eher untypisch. Wegen der großen Distanzen zwischen Fotograf und Motiv kommen fast immer Telebrennweiten (rechts) zum Einsatz.

Die Angaben für die Brennweite werden in den EXIF-Informationen z. T. unterschiedlich wiedergegeben: Manche sind aufs (analoge) Kleinbild-Format bezogen, andere aufs Digitalformat (Formatfaktor).

Faustregel: Eine kleine Zahl bei der Brennweite entspricht einem Weitwinkel-Objektiv, eine große Zahl dem Teleobjektiv. Die Werte bezogen aufs Kleinbild-Format:

Unter 20 mm = extremes Weitwinkel

Bis 28-35 mm = Weitwinkel

50 mm = Normalbrennweite

Ab 60 mm = leichtes Teleobjektiv

Ab 100 mm = Teleobjektiv

Zoomobjektive können heutzutage stufenlos jede Brennweite einstellen, z. B. auch 41 oder 56 mm. Die Einteilung in Weitwinkel- Normal- und Telebrennweiten mit den zugehörigen Zahlenwerten ist historisch und bautechnisch bedingt. Es gab früher kaum Objektive jenseits der normierten Standards 20 - 28 - 35 - 50. Schaltet man eine kompakte Digitalkamera ein, bewegt man sich im Bereich eines leichten Weitwinkels bis zur Normalbrennweite, der Telebereich wird über das Zoom aktiviert.

  • Für Porträtaufnahmen werden leichte Teleobjektive empfohlen, für die Sport- und Tierfotografie kommen starke Telebrennweiten zum Einsatz.

  • Mit extremen Weitwinkelbrennweiten sehen Fotos oft sehr spektakulär aus, während Ansichten mit der Normalbrennweite gelegentlich als langweilig empfunden werden.

  • Mit dem Weitwinkel erreicht der Fotograf eine größere Schärfentiefezone als mit einem Normal- oder Teleobjektiv.

  • Bei wenig Licht kann man mit der Weitwinkel-Einstellung noch Bilder machen. Für eine Aufnahme mit dem Teleobjektiv braucht man erheblich mehr Licht oder muss viel früher den ISO-Wert erhöhen.

Wenn Sie ein ungewöhnliches Foto sehen, schauen Sie nach, mit welcher Brennweite es gemacht wurde. Extreme Ansichten, extreme Perspektiven und extreme Brennweiten werden gerne kombiniert und verstärken den Hingucker-Effekt. Wer skurrile Porträts macht, verwendet eben nicht das 80 mm Tele, sondern vielleicht ein Superweitwinkel. Die EXIF-Daten verraten es.

Blitzlicht

Das zugeschaltete Blitzlicht führt bei den meisten Kameras dazu, dass das Foto mit einer Belichtungszeit von 1/60 sec (meist in Verbindung mit Blende 5,6) aufgenommen wird. Bei hochwertigen Kameras ist die Blitzsynchronzeit kürzer - der Fotograf hat dann mehr Gestaltungsmöglichkeiten. Über das Programm Nachtblitz wird die Belichtungszeit verlängert (meist 1/30 sec). Dadurch wirken die Aufnahmen natürlicher, weil mehr Umgebungslicht mit aufs Bild gelangen kann. Manchmal sind solche Fotos auch leicht verwackelt.

Wenn Sie Blitzlichtaufnahmen analysieren, können Sie sich folgende Fragen stellen:

  • Wurde der Blitz aktiviert? Vielleicht sogar bei einem Foto im hellen Sonnenschein?

  • Wurde mit dem Blitz eine lange oder kurze Belichtungszeit verwendet? Würden Sie den Unterschied im Bild erkennen?

Die Motivprogramme

Je nachdem, welches Motiv man fotografieren möchte, benötigt man unterschiedliche Kombinationen aus Blende und Belichtungszeit. Erst die Erfahrung des Fotografen erlaubt es ihm, für die jeweilige Situation die passenden Werte einzustellen. In den Motivprogrammen ist diese fotografische Erfahrung hinterlegt. Sie können über die Auswertung von EXIF-Daten "spicken", denn auch wenn Motivprogramme eingeschaltet waren, können Sie nachvollziehen, für welche Einstellungen sich die Kamera entschieden hat:

Die Motivprogramme werden über das Einstellrad oder das Kameramenü ausgewählt.

Sportfotos und alles, was sich schnell bewegt: Kurze Belichtungszeit hat Priorität, um Schärfe zu erzielen.

Landschaft: Kleine Blendenöffnung hat Priorität, um einen großen Schärfentiefebereich zu erzielen; der Blitz ist abgeschaltet, weil er eine Landschaft niemals ausleuchten könnte.

Porträt: kleine bis mittlere Blendenöffnung hat Priorität, damit der Hintergrund in Unschärfe verschwimmt, Blitz wird bei Bedarf zugeschaltet.

Nahaufnahme: Die Kamera schaltet in einen anderen Modus, mit dem der Nahbereich scharf optimal abgebildet werden kann; die Blitzleistung wird verringert, weil der Abstand zum Objekt sehr klein ist.

Nachtporträt/Nachtblitz: Die Belichtungszeit ist länger als beim Automatikblitz, der Weißabgleich wird der Lichtsituation angepasst. Kunstlicht.

Nachtaufnahme: Der Blitz wird ausgeschaltet, die Belichtungszeit stark verlängert.

Schnee und Strand: Hier wird die Belichtungsmessung von der Kamera automatisch korrigiert, weil helle Flächen im Bild dazu führen, dass das Hauptmotiv zu dunkel ausfällt - oder der Blitz wird zum Aufhellen eingeschaltet.

Die Motivprogramme können nicht zaubern: Auch sie variieren nötigenfalls den ISO-Wert, um die erforderlichen Einstellungen zu realisieren, d. h. auch hier kann es zu starkem Bildrauschen kommen.

Ein weiterer Nebeneffekt der Motivprogramme ist eine zum Teil erhebliche Nachbearbeitung der Daten in der Kamera: Farben und Schärfe werden auf die jeweilige Motivsituation eingestellt, was nicht immer dem Geschmack des Kamerabesitzers entsprechen muss. Für Lebensmittel werden andere Farbtöne eingestellt als für Landschaften oder Porträts. An diesen Einstellungen lässt sich nichts verändern. Wenn Sie mit der Farbnote der Bilder unzufrieden sind, wählen Sie lieber eine halbautomatische Einstellung und bearbeiten Sie Ihre Bilder am PC selbst nach. Vor allem das Schärfen der Bilder in der Kamera zerstört Bilddaten und mindert die Qualität für eine spätere Nachbearbeitung am PC.

Schauen Sie dem Motivprogramm über die Schulter: Fotografieren Sie ein Motiv mit der normalen Automatik, mit einem Motivprogramm und, sofern vorhanden, mit einer halbautomatischen Einstellung (Zeit- oder Blendenvorwahl). Vergleichen Sie die Bildergebnisse und EXIF-Daten. Was ist im Bild anders?

Lassen Sie sich von den teilweise sehr eng gefassten Definitionen der Motivprogramme nicht einschränken und probieren Sie die Motivprogramme auch in anderen, ähnlichen Situationen aus: Wenn Sie eine Person vor einer hellen Wand fotografieren, kann "Schnee und Strand" auch ganz hilfreich sein. "Sport und Action" können Sie auch für Kinder und Tiere einstellen. Wenn Ihre Kamera keine Langzeit-Belichtung für nachts hat, probieren Sie es mit der Einstellung Landschaft und analysieren Sie Ihre Bildergebnisse später anhand der EXIF-Daten.

Weitere interessante EXIF-Werte sind die Angaben zu

  • Weißabgleich (White Balance) - wie wurden die Farbstiche korrigiert: automatisch, von Hand?

  • Belichtungsmessung (Metering Mode) - wurde die Lichtmenge vielleicht mit einer Spotmessung ermittelt, die ein punktgenaues Anvisieren bildwichtiger Stellen voraus setzt? Das würde darauf hinweisen, dass der Fotograf sehr genau arbeiten wollte.

  • Belichtungskorrektur (Exposure Bias) - wurden die von der Kamera vorgeschlagenen Einstellungen vom Fotografen manuell korrigiert, um das Foto heller oder dunkler zu machen?

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Über die Autorin:

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Jacqueline Esen ist freiberufliche Fotografin und gibt ihr Wissen in Foto-Kursen, Online-Workshops und Fachbüchern weiter. Ihre Bücher "Der große Fotokurs" und "Digitale Fotografie" sind Bestseller ...

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