Der Gründungzuschuss
Der Geschäftsplan
Damit sich die fachkundige Stelle einen Eindruck von Ihrem Vorhaben machen kann, müssen Sie einen schriftlichen Geschäftsplan erstellen. Keine Sorge: Das Zusammenstellen eines solchen Mini-"Businessplans" klingt anspruchsvoller und abschreckender als es ist. Am besten betrachten Sie es von der positiven Seite: Gedanken über Kosten, Kunden, Umsatz- und Gewinnerwartung sowie Finanzierungsquellen müssen Sie für Ihre eigenen Zwecke ohnehin machen. Wir zeigen, worauf es ankommt und was sich hinter dem kaufmännischen Fachchinesisch verbirgt.
Neben einer Kurzbeschreibung Ihres Vorhabens (inklusive Begründung der gewählten Rechtsform), Ihrem Lebenslauf und eventuell erforderlichen Befähigungsnachweisen benötigen Sie ...
einen Kapitalbedarfs- und Finanzierungsplan sowie
eine Umsatz- und Rentabilitätsvorschau.
Lassen Sie sich nicht einschüchtern: Die erwarteten Unterlagen haben zwar hochtrabende Bezeichnungen, dahinter verbergen sich bei genauerem Hinsehen jedoch recht einfache und einleuchtende Sachverhalte. Wenn Sie mit Ihrer Gründung nicht Schiffbruch erleiden wollen, müssen Sie sich die dahinter stehenden Fragen sowieso stellen (und: beantworten).
Kapitalbedarfsplan
In diesem Teil Ihrer Aufstellung listen Sie die Werte der für den Betrieb erforderlichen Vermögensbestandteile auf, zum Beispiel:
Maschinen und Anlagen,
Lager- und Warenbestände,
Betriebsfahrzeug(e) oder auch die
Büro- und Geschäftsausstattung.
Neben diesen Investitionen in materielle Vermögenswerte dürfen aber auch die betrieblichen Anlaufkosten nicht vernachlässigt werden:
Gründungsaufwand und Kosten für "Eröffnungs"-Werbung sowie vor allem
laufende Betriebsausgaben für mehrere Monate, insbesondere Raummiete und Personalkosten.
Schließlich wird es eine Weile dauern, bis die ersten Kunden-Zahlungen in Ihrer Kasse oder auf Ihrem Geschäftskonto eintreffen.
Finanzierungsplan
Der Finanzierungsplan stellt das Gegenstück zur Kapitalbedarfsplanung dar: Während Sie im ersten Schritt ermittelt haben, wofür Sie finanzielle Mittel in welcher Höhe benötigen, erteilt der Finanzierungsplan Auskunft darüber, aus welchen Quellen, also woher das Geld kommen soll. Die wichtigsten drei Finanzierungs-Quellen lauten:
Eigenkapital (eigene oder familiäre Ersparnisse),
staatliche Fördermittel (damit ist nicht der Gründungszuschuss gemeint, sondern unternehmensbezogene Hilfen wie besonders zinsgünstige Darlehen oder die seltenen Zuschüsse) und zu guter Letzt:
Darlehen und Kontokorrentkredite (= Geschäfts-"Dispo") von Kreditinstituten.
Erfahrungsgemäß stellt eine mangelhafte Finanzierung ein wichtiges Problem bei Gründungen aus der Arbeitslosigkeit dar. Spätestens, wenn die Banken und Sparkassen ins Spiel kommen, werden Sie feststellen, dass die eigentliche Gründungshürde nicht die positive Stellungnahme irgendeiner fachkundigen Stelle ist: Weitaus schwerer ist es vielfach, das "OK" der Hausbank zu bekommen. Ein Grund mehr, gleich einen sattelfesten Business-Plan auf die Beine zu stellen.
Umsatzvorschau
In den Umsatz-Planwerten kommen hauptsächlich die Vertriebserwartungen zum Ausdruck, also: Welche Produkte und Dienstleisten können im ersten Geschäftsjahr voraussichtlich in welcher Zahl oder welchem Umfang an welche Kunden abgesetzt werden?
Während bei der einfachen Prognose für die Arbeitsagentur oft schon halbwegs plausible Erwartungen und Behauptungen ausreichen, geben sich Kreditinstitute damit selten zufrieden: Hier müssen Sie Ihre Planwerte mit schlüssigen Marktanalysen unterfüttern, also etwa:
Wie groß ist das Marktpotenzial in meinem Einzugsbereich?
Welcher Marktanteil soll mit welchen Marketing-Mitteln erreicht werden?
Wie werden sich Marktpotenzial und Marktanteil im Planungs-Zeitraum entwickeln?
Welches sind die eigenen Stärken und Schwächen im Vergleich zu denen der Konkurrenz?
Um Missverständnissen vorzubeugen und die Latte nicht zu hoch zu legen: Selbst professionelle Marketing-Spezialisten können keine wasserdichten Voraussagen über die Zukunft machen. Trotzdem ist es sinnvoll, die wichtigsten Einflussgrößen für das Bestehen des eigenen Unternehmens am Markt abzuklopfen, so viele Informationen wie nur eben möglich zusammenzutragen und die resultierenden Erwartungen von möglichst erfahrenen Praktikern beurteilen zu lassen. Wie und wo Sie die erforderlichen Basisdaten und Vergleichswerte in Erfahrung bringen, entnehmen Sie dem Beitrag "Branchen-Kennzahlen: So finden Sie Vergleichswerte für Planungen und Auswertungen".
Rentabilitätsvorschau
Seriöse und möglichst konkrete Aussagen über die Gewinnerwartung eines jungen Unternehmens sind ebenfalls schwierig zu erstellen: Ob das lediglich in Form ...
einer einfachen Gewinnprognose geschieht (also geplante Einnahmen minus erwartete Ausgaben),
mit einer Plan-Bilanz unterfüttert wird oder gar mit
speziellen Kennziffern wie Umsatz- und Eigenkapital-Rendite, Cash-Flow oder gar Return-on-Investment (ROI) einhergeht,
... ist abhängig von der Branche und der Größe des neuen Unternehmens. Das gilt auch für die Frage, ob zunächst nur das erste Geschäftsjahr geplant oder gar ein Drei- bis Fünf-Jahresplan aufgestellt werden sollte. Für die Stellungnahme zum Gründungszuschuss reicht in der Regel eine Einnahmen-Überschussrechnung mit Planwerten für das erste Geschäftsjahr völlig aus.
Auch der Unternehmer muss leben
Einen besonders wichtigen Prüfpunkt stellt die Frage dar, ob der Unternehmer seinen privaten Entnahmebedarf realistisch einschätzt: Gerade Starter aus der Arbeitslosigkeit neigen nämlich dazu, die Mittel für den eigenen Lebensunterhalt und den ihrer Familie zu niedrig anzusetzen. Achten Sie also darauf, dass Sie je nach gewählter Rechtsform ein angemessen hohes Geschäftsführergehalt oder aber entsprechende Privatentnahmen einkalkulieren.
Dazu gehören auch die erforderlichen Mittel für die eigene soziale Sicherung, vor allem Krankenkassenbeiträge und Altersversorgung. Faustregel der Gutachter: Wer für sich und seine Familie nicht gut sorgen kann, wird sich auch schwer tun, das Wohl des Betriebs und das seiner Mitarbeiter im Auge zu behalten.
Zahlungsfähigkeit
Nicht ausdrücklich zu den von den Arbeitsagenturen geforderten Unterlagen gehört eine separate Liquiditätsplanung. Damit ist die Betrachtung gemeint, wie sich Ein- und Auszahlungen über das Jahr gesehen verteilen werden. Erfahrungsgemäß fallen Auszahlungen nämlich regelmäßig früher an als erwartet, Gutschriften hingegen später. Das führt immer wieder dazu, dass wirtschaftlich "eigentlich kerngesunde" Unternehmen zahlungsunfähig werden und ihre Geschäftstätigkeit einstellen müssen.
In einer sehr frühen Phase eines Unternehmens fehlen zwar genaue Erfahrungswerte über die Zahlungsströme, die Aufnahme einer eigenen Liquiditätsplanung signalisiert jedoch, dass Sie sich dieses zentralen Problems bewusst sind und über die zu seiner Bewältigung erforderlichen Werkzeuge verfügen.
Einfache Liquiditätsrechnung auf Excel-Basis
Was Sie für eine einfache Liquiditätsrechnung brauchen und wie Sie sie mithilfe einer schlichten Excel-Datei im Handumdrehen erstellen, erfahren Sie im Beitrag "Kennzahlen-Überwachung für Kleinbetriebe".
Entscheidungskriterien
Auf Grundlage Ihres Geschäftsplans und eines persönlichen Gesprächs entscheiden die "Gutachter", ob bei Ihrem Vorhaben die fachlichen und branchenspezifischen sowie die kaufmännischen und unternehmerischen Voraussetzungen gegeben sind. Außerdem kontrollieren sie, ob eventuell erforderliche Zulassungsvoraussetzungen (z. B. Konzessionen oder Befähigungsnachweise) vorhanden sind. Insbesondere wird geprüft, ob ...
das Leistungsangebot konkurrenzfähig ist,
Ihre Umsatz- und Gewinnerwartungen realistisch sind,
Sie den Kapitalbedarf realistisch einschätzen,
das erwartete Einkommen eine ausreichende Lebensgrundlage darstellt und
auch tatsächlich eine Selbstständigkeit vorliegt.
Wenn Sie sich gründlich auf Ihre Gründung vorbereitet haben, dann brauchen Sie vor dem Gespräch mit dem zuständigen Mitarbeiter der fachkundigen Stelle keine Angst zu haben. Es handelt sich nicht um eine mündliche Prüfung. Sieht man einmal von den restriktiven Auflagen des deutschen Handwerksrechts ab, will Ihnen normalerweise niemand Steine in den Weg legen.
Umgang mit Ablehnungen
Sofern Sie trotzdem auf ernsthafte Vorbehalte treffen, haben Sie die Möglichkeit, Ihre Planungen und Unterlagen noch einmal zu überarbeiten. Betrachten Sie Ihr Gegenüber daher eher als Berater denn als Prüfer.
Sobald das Tragfähigkeits-Gutachten vorliegt und Sie darüber hinaus die wenigen, von uns im Kapitel Gründungs-Formalia beschriebenen Unterlagen besorgt haben, kann Ihr Antrag auf Gründungszuschuss kurzfristig genehmigt werden. Lange Wartezeiten sind nicht mehr an der Tagesordnung. Denn sofern ...
die Anspruchsberechtigung vorliegt,
Sie nicht gegen die Scheinselbstständigkeits-Kriterien verstoßen und
Ihre Unterlagen vollständig sind,
... spricht nichts dagegen, dass Sie Ihre Tätigkeit bereits binnen kürzester Frist aufnehmen. Sobald die Bewilligung vorliegt und Leistungsabteilung informiert ist, wird die Umstellung von Arbeitslosen-Unterstützung auf die monatliche Überweisung des Gründungszuschusses umgestellt.
Was tun bei Ablehnung?
Sofern Sie sich gut auf Ihr Vorhaben vorbereitet, Ihren Arbeitsberater in Ihre Planungen einbezogen haben und eine positive Stellungnahme zur Tragfähigkeit vorliegt, haben Sie Ihre Hausaufgaben gemacht. Ob Sie den Gründungszuschuss tatsächlich bekommen, liegt leider im Ermessen der Arbeitsagentur.
Sollten die Berater an einzelnen Punkten Defizite feststellen, bekommen Sie die Möglichkeit nachzubessern. Falls die Stellungnahme endgültig negativ ausfällt und Ihr Antrag abgelehnt wird, können Sie Widerspruch bei der Widerspruchstelle der Arbeitsagentur einlegen. Nutzen Sie die im Bescheid genannte Widerspruchsfrist, um sich bei einer Arbeitsloseninitiative, der öffentlichen Rechtsauskunft oder einem Anwalt Unterstützung bei der Formulierung Ihres Widerspruchs zu holen. Stößt auch der Widerspruch auf Ablehnung, bleibt Ihnen nur noch der Weg zum Sozialgericht.
Nachdem Sie Ihren Geschäftsplan und den Antrag auf Gründungsförderung durchgefochten haben, ist es an der Zeit, sich über Ihre soziale Sicherung Gedanken zu machen. Hier haben Selbstständige einen wesentlich größeren Entscheidungsspielraum als Angestellte. In Ermangelung eines Arbeitgebers, der die Hälfte der Beiträge übernimmt, reißen die Beiträge zur Krankenversicherung sowie die Alterssicherung andererseits schnell große Löcher ins Gründerbudget. Auf den folgenden Seiten erfahren Sie, worauf Sie achten müssen.
