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Selbstständig statt arbeitslos: Praxis-Anleitung zum Gründungszuschuss und anderen Arbeitsagentur-Fördermitteln

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Stand: 25. Februar 2013

Einleitung

Noch arbeitslos oder schon Existenzgründer?

Die schlechte Nachricht gleich vorweg: Ende 2011 ist eine weitreichende Novelle der Gründungsförderung in Kraft getreten: Der bewährte Gründungszuschuss wurde in eine Ermessensleistung umgewandelt, der Kreis der Anspruchsberechtigten verkleinert und die Fördersumme spürbar gesenkt. Der Zuschuss ...

  • fällt unterm Strich seitdem deutlich niedriger aus,

  • wird nur dann gewährt, wenn zum Zeitpunkt der Antragstellung noch mindestens fünf Monate Anspruch auf Arbeitslosengeld I (ALG I) besteht (früher reichten drei Monate),

  • ist jetzt eine Kann-Leistung: In der Vergangenheit gab es einen Rechtsanspruch auf den Gründungszuschuss, sofern der Versicherte die Voraussetzungen erfüllte.

Die Details der aktuellen Gesetzeslage können Sie im Kapitel über die Antragsvoraussetzungen des Gründungszuschusses nachlesen.

Sie haben die Wahl

Trotz verschäfter Vergabebedingungen starteten nach Angaben der Bundesagentur im Jahr 2012 rund 20.000 Arbeitslose mit Unterstützung der Arbeitsagenturen in die Selbstständigkeit - Tendenz: wieder steigend! Falls Sie sich mit dem Gedanken an eine Existenzgründung tragen, sind Sie also immer noch in guter und zahlreicher Gesellschaft. Und ihre Erfolgsaussichten sind auch nicht schlechter als die anderer Nachwuchsunternehmer: Rund 70 % der Gründungen von Arbeitslosen haben auch nach drei Jahren noch Bestand.

Die traditionellen Handlungsmöglichkeiten sind für viele Arbeitslose nach wie vor nicht berauschend:

  • Stellenvermittlung durch die Arbeitsagentur: Trotz vergleichsweise günstiger Wirtschaftslage kamen Anfang 2013 auf bundesweit offiziell 3,2 Millionen Arbeitslose gerade einmal 405.000 offene Stellen, das sind rund acht Arbeitslose je offene Stelle! In den neuen Bundesländern teilen sich im Schnitt sogar 13 Arbeitslose eine freie Stelle und in einzelnen Regionen sieht es sogar noch viel dramatischer aus. Manche der wenigen Angebote kommen noch dazu von unseriösen Anbietern - die Arbeitsagenturen können schließlich nicht alle gemeldeten Stellen gleich überprüfen. Fazit: Selbst in wirtschaftlich günstigen Zeiten sind die Chancen auf eine Stellenvermittlung über die Arbeitsagentur ausgesprochen gering.

  • Eigenständige Stellensuche: Wer von sich aus aktiv wird, hat bessere Vermittlungschancen. Die Zahl der Arbeitsplätze erhöht sich auf diese Weise allerdings auch nicht.

Jetzt erst recht!

Ungeachtet der Kürzungen beim Gründungszuschuss: Wenn Sie eine Geschäftsidee haben, sollten Sie nicht zögern, diesen Weg gründlich auszuloten. Das Zeug zur Selbstständigkeit haben viel mehr Menschen, als die Zahl tatsächlicher Gründer vermuten lässt. Arbeitslose werden bei der Existenzgründung wie niemand sonst in Deutschland gefördert. Hinzu kommt: Die Förderungen für Arbeitslose gibt es zusätzlich zu den Unterstützungsangeboten, die für alle Gründer gelten. Eine fachliche Gründungsberatung sollten Sie von den Arbeitsagenturen allerdings nicht erwarten.

Wenn Sie dabei ein intelligentes Gründungskonzept verfolgen und sich keine großen finanziellen Risiken aufhalsen, also auf Kredite mit persönlicher Haftung oder das restlose Aufzehren Ihrer Eigenmittel verzichten, kann Ihnen dabei eigentlich nicht viel passieren: Im ungünstigsten Fall melden Sie sich später wieder arbeitslos.

Durch die Einführung des Gründungszuschusses haben sich die Rückzugsmöglichkeiten gegenüber der früheren Ich-AG- und Überbrückungsgeldförderung allerdings verschlechtert: Die Förderdauer gilt nun als Zeit der Arbeitslosigkeit. Die zum Gründungszeitpunkt bestehenden Ansprüche auf Arbeitslosengeld verringern sich dementsprechend. Davon abgesehen bleiben noch vorhandene Ansprüche auf Arbeitslosengeld bis zu vier Jahre nach Ersteintritt der Arbeitslosigkeit erhalten. Außerdem besteht die Möglichkeit, durch freiwillige Mitgliedschaft in der Arbeitslosenversicherung für Selbstständige neue Ansprüche zu erwerben.

Echte Herausforderung

Eine Existenzgründung stellt eine echte Herausforderung dar. Das Berufsleben in die eigenen Hände zu nehmen heißt: sich informieren, fragen, lernen, kommunizieren, planen, rechnen und entscheiden. Keine Frage: Das ist eine große Herausforderung. Dafür Sie können Sie aber endlich wieder aktiv werden und die lähmende Arbeitslosigkeit hinter sich lassen. Sie gewinnen neue Berufs- und Lebenserfahrung sowie eine Vielzahl von Kontakten. Davon profitieren Sie auch dann, wenn Sie später wirklich noch einmal auf Stellensuche gehen wollen oder müssen, um angestellt zu arbeiten.

Wer sich für die Selbstständigkeit entscheidet, wählt den auf den ersten Blick in mancher Hinsicht schwierigeren Weg: Er erfordert Initiative, Mut und Vertrauen in die eigenen Kräfte. Arbeitslosigkeit schlägt aber bei den meisten Betroffenen massiv auf das Selbstbewusstsein: sie trauen sich nach und nach immer weniger zu. Gerade Gründern, die neu am Markt auftreten, wird aber selbstbewusstes Auftreten abverlangt, um Kunden und andere von sich und den eigenen Angeboten zu überzeugen. Dieses Dilemma muss erst einmal ausgehalten werden. Wer den Zwiespalt akzeptiert und davon unbeirrt seinen Weg fortsetzt, verwandelt den Widerstand schnell in Rückenwind: Erfolgserlebnisse lassen oft nicht lange auf sich warten.

Möglicherweise gibt es auch in Ihrem persönlichen Umfeld Besserwisser, die Zweifel an Ihrem Gründungsvorhaben nähren: Zwar kennen die wenigsten Bedenkenträger die Selbstständigkeit aus eigener Anschauung - dafür haben sie aber angeblich von Gründern aus der Arbeitslosigkeit gehört, bei denen es nicht geklappt hat. Bei mahnenden Stimmen sollten Sie genau unterscheiden: Macht Sie ein wohlmeinender Experte auf riskante Aspekte aufmerksam? Oder gibt bloß wieder einer der vielen Miesmacher seinen Senf ab? Suchen Sie nach Möglichkeit den Kontakt zu Gleichgesinnten und erfahrenen Praktikern, um sich mit ihnen auszutauschen und ein Netzwerk zu bilden.

Überlegen Sie auch, welche persönlichen Chancen der Selbstverwirklichung und Freiheit Sie sich als Gründer nehmen können, wenn Sie Ihre Zukunft selbst in die Hand nehmen. Statt Ihr Leben lang nur davon zu träumen, können Sie sich jetzt selbst die Chance geben, die eigenen Ideen und Pläne in die Tat umzusetzen. Man sagt, jede Krise berge auch eine Chance. Das gilt auch bei der Arbeitslosigkeit. Wie gesagt, sollte es mit der Gründung nicht klappen, können Sie sich notfalls immer noch erneut arbeitslos melden - um einiges an Lebenserfahrung reicher. Sie haben viel gewonnen und - gegenüber den in Arbeitslosigkeit Verharrenden - wohl kaum etwas verloren.

Wir wünschen Ihnen viel Erfolg mit Ihrem Vorhaben und hoffen, dass unsere Beiträge zu diesem Erfolg beisteuern können. Weiter zum Überblick.

Ihre akademie.de
gruenderoffensive@akademie.de

P.S.:
Wie finanziert sich das alles? Das Infopaket "Existenzgründung aus der Arbeitslosigkeit" wird nur aus den Beiträgen der zahlenden Mitglieder von akademie.de (monatlich zwischen 12,50 Euro und 15 Euro) finanziert. Da wir ohne öffentliche Zuschüsse auskommen, können wir "zensurfrei" Tipps & Tricks im Interesse der Betroffenen veröffentlichen.

Irrtümer nicht hundertprozentig ausgeschlossen: Wir geben uns wirklich viel Mühe. Angesichts des Paragrafendschungels sind Irrtümer in unseren Beiträgen trotzdem nicht völlig auszuschließen. Befragen Sie daher auch Ihre Ansprechpartner zum Beispiel bei der Arbeitsagentur, bei Ihrer Krankenkasse oder dem Finanzamt. Senden Sie uns Ihre Erfahrungen, Korrekturen und Anregungen per E-Mail an redaktion@akademie.de. Dafür im Voraus schon besten Dank.

Danke: Als Autoren dieses Ratgebers wissen wir nur zu gut, dass bei der Gründungsförderung vieles im Argen liegt. Trotzdem möchten wir uns ausdrücklich bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Bundesagentur für Arbeit und vieler regionaler Arbeitsagenturen bedanken, die uns bei der Klärung von Fragen bereitwillig und kompetent Auskunft und Unterstützung gegeben haben.

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Über den Autor:

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Robert Chromow ist gelernter Industriekaufmann, Betriebswirt und Politologe. Seit zwanzig Jahren arbeitet er als freiberuflicher Journalist, Autor und Berater im eigenen Redaktionsbüro. Print- und Onl ...

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