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EyeTracking-Analyse für Ihre Website: Wohin gucken Ihre Kunden auf Ihrer Firmen-Website?

Kostenlose EyeTracking-Analyse mit Feng Gui

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Stand: 16. September 2012

Viele kümmern sich um die Technik, die hinter einer Website steckt. Aber wer kümmert sich um den Leser, der davor sitzt? Immerhin ist das derjenige, für den Sie all den Aufwand treiben. Sieht der vor lauter Werbung überhaupt Ihre Inhalte? Lorenz Hölscher stellt eine Möglichkeit vor, das zu prüfen.

Die Besucher Ihrer Website wollen schnell Informationen haben, sonst sind sie direkt wieder weg. Damit das gelingt, gibt es einige typische Anforderungen, wie so eine benutzerfreundliche Gestaltung aussieht (siehe Beitrag "Sich selbst erklärende Benutzeroberflächen: Wie Sie Websites und Dialoge benutzerfreundlich gestalten").

Trotzdem bleibt sehr viel gestalterischer Freiraum. Ob jemand, der diese Seite zum ersten Mal sieht, nun wirklich sofort das Richtige anguckt, lässt sich eigentlich nur mit dem so genannten Eye-Tracking-Verfahren herausfinden.

Eye-Tracking

Dabei verfolgt eine spezielle Kamera die Pupillenbewegungen und eine Software projiziert die Blicke und deren Dauer auf den Screenshot. So werden "Hotspots" identifiziert, also Bereiche, auf welche die Testpersonen besonders lange oder häufig schauen. Es entsteht eine Art Wärmekarte, wo die rote Farbe besonders intensiv betrachtete Bereiche kennzeichnet.

Das Verfahren ist ideal ‑ und teuer. Damit kommt es für kleine Websites oder selbstentwickelte Bedienungsoberflächen nicht in Frage.

Websites prüfen

Allerdings gibt es eine Firma, welche mit einem Rechenalgorithmus simuliert, wie Benutzer eine beliebige Seite betrachten würden. Sie trägt den schönen Namen Feng-GUI als Mischung aus Feng Shui und GUI (Graphical User Interface).

Gratis-Version

Ohne Registrierung und Kosten können Sie bei Feng-GUI nur alle drei Stunden ein Bild zur Analyse uploaden. Das analysierte Ergebnisbild ist recht klein und berücksichtigt nur die Hotspots, nicht jedoch andere Techniken wie Augenbewegungen oder Aufenthaltsdaten.

Dazu laden Sie auf deren Website eine Bitmap hoch, die vom Server verarbeitet und mit Hotspots angereichert wird. Das Ergebnis sieht dann (am Beispiel der Homepage von Microsoft, links das Original, rechts das auf der gleichen Internet-Seite zurückgelieferte Bild) so aus:

Bild vergrößernHotspots für www.microsoft.com

Offenbar wird die ganze Aufmerksamkeit des Betrachters auf das Foto gezogen. Die einzigen Inhalte, die überhaupt noch von diesen Hotspots erfasst wurden, sind diejenigen zum Kauf von Windows und dem Halo4-Spiel. Die wirklichen Themen unterhalb der farbigen Flächen und Bilder werden nach dieser Analyse komplett übersehen.

Deutlich besser (für den suchenden Benutzer) ist das Ergebnis bei der Google-Startseite:

Bild vergrößernHotspots für Google

Hier ist gut zu erkennen, warum Google mit dem minimalistischen Design für seine Suchseite so erfolgreich ist: sie ist nicht nur schnell geladen, sondern auch schnell erfasst.

Die Aufmerksamkeit des Benutzers wird offenbar zum einzigen Bedienungselement, der Suchen-Schaltfläche, gelenkt und ‑ zu dem in der Trefferliste angezeigten Foto. Da sehen Sie schon, wie sehr das ablenken kann.

Vergleichen Sie mal, was passiert, wenn Google für die Treffer auch noch automatisch eine Karte anzeigt. Sofort beschäftigt sich das Auge offensichtlich vorrangig mit diesem Bereich:

Bild vergrößernHotspots für Google bei der Suche nach Zahnarzt-Notdiensten

Das passiert auf allen Websites, bei denen Textelemente gegen Fotos konkurrieren:

Bild vergrößernSo wird die Startseite von akademie.de analysiert

Auch die Startseite von akademie.de zieht den Betrachter vor allem mit schönen Fotos in Bann, aber wenigstens zusätzlich mit einem kurzen Blick auf die Themenliste oben links und einem längeren Blick auf den blauen Kasten mit dem Hinweis zum kostenlosen 14-Tage-Test.

Programm-Oberflächen prüfen

Da für den Upload eine Bitmap-Datei benötigt wird, können Sie natürlich auch Software-Design überprüfen. Nehmen wir beispielsweise mal das Datenbankfenster von Access 2003:

Bild vergrößernDatenbankfenster von Access 2003

Die Analyse vermutet, dass die Benutzer vor allem um die blau markierte Tabelle herum und einige wenige Stellen in der Überschrift gucken. Obwohl die Symbole sogar vergrößert dargestellt werden, bleiben sie missachtet.

Im optisch massiv veränderten Datenbankfenster von Access 2007 vermutet die Feng-GUI-Analyse die meisten Blicke auf der orange markierten Tabelle und in einem völlig uninteressanten Bereich unten links:

Bild vergrößernDatenbankfenster von Access 2007

Das einzig auffällige an dem unteren Hotspot ist die Kreuzung zwischen dem dunkelsten Hintergrund-Blauton und der Grenze weiß/blau. Die Symbolleisten bzw. Menübänder, also die Bedienungselemente in der jeweiligen Version, sind trotz aller Bildchen offenbar nicht attraktiv genug.

Was wird analysiert?

Da stellt sich die Frage, nach welchen Maßstäben diese Feng-GUI-Analyse erfolgt. Die Website nennt als Grundlagen

  • Farbe,

  • Ausrichtung,

  • Dichte, Kontrast,

  • Intensität,

  • Größe, optisches Gewicht,

  • Knotenpunkte und

  • Text-, Oberflächen- und Gesichtserkennung

Die versprochene Gesichtserkennung lässt sich beispielsweise anhand eines Porträtfotos mal prüfen:

Bild vergrößernGesichtserkennung?

Eigentlich sollte es auf diesem Bild nicht so schwierig sein, das Gesicht zu finden. Die Feng-GUI-Analyse betrachtet jedoch so ziemlich alles außer Augen, Nase und Mund als Hotspot.

Eine Studie der Universität Kyoto mit echtem Eye-Tracking im Vergleich bei Menschen und Schimpansen hingegen zeigt, dass Menschen sich ganz intensiv mit den Augen und danach mit Nase und Mund beschäftigen:

Bild vergrößernEchte Eye-Tracking-Versuche mit Menschen und Schimpansen

Diese Abweichung ist auch auf der Feng-GUI-Website unter dem Stichwort "Science" beschrieben. Dort sind die betrachteten (Werbe-)Bilder, das echte Eye&Mouse-Tracking und die Feng-GUI-Analyse zu sehen:

Bild vergrößernVergleich zwischen echtem Tracking und Feng-GUI

Auch hier fallen deutliche Abweichungen zwischen dem echten Tracking und dem Feng-GUI-Algorithmus auf.

Angesichts der Möglichkeit, Screenshots von eigenen Websites oder Bedienungsoberflächen selbst entworfener Software schnell und ohne Aufwand analysieren zu lassen, würde ich diese Abweichung aber nicht allzu kritisch bewerten. Behalten Sie im Auge, dass diese Analyse nicht hundertprozentig, aber dafür kostenlos ist.

Fazit

Mit wenig Aufwand können Sie eine Analyse-Software einen kritischen Blick auf Ihre Entwürfe werfen lassen. Das ist gut als Anregung für Verbesserungen, aber eben kein endgültiges Urteil.

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