Schreiben Sie verständlich und klar
Ihren Küchenzuruf und eine klare Argumentation haben Sie entwickelt - jetzt heißt es, Ihren Text sprachlich zu überarbeiten. Denn Fachtexte müssen klar und verständlich formuliert sein.
Schreiben Sie verständliche Wörter!
Wörter können Barrieren schaffen, sie können Lesergruppen vom Verständnis ausschließen. Wörter können aber auch komplexe Zusammenhänge erklären. Ob ein Wort verständlich ist, lässt sich manchmal nur beantworten, wenn man diese Frage durch eine andere ersetzt: Wer liest diesen Text? Richtet sich der Text an ein Fachpublikum, an eine interessierte Leserschaft, die Hintergrundwissen hat oder an ein allgemeineres Publikum?
Oft sind präzise Aussagen (z. B. zu einem wissenschaftlichen Thema) nur mit einem Fachwortschatz möglich. Wollen Sie mit einem Thema aber eine Leserschaft ansprechen, die über diesen Wortschatz nicht verfügt, müssen Sie Hilfsformulierungen finden.
Häufig fallen uns Fachwörter gar nicht mehr auf. Die beste Methode, unverständliche Fachwörter zu identifizieren ist, den Text von jemand lesen zu lassen, der nicht mit Ihrem Thema vertraut ist.
Zahlen selbst ausrechnen, runden, verdeutlichen
Präsentieren Sie Zahlen übersichtlich. Optisch kann das durch Grafiken, Schaubilder und Tabellen geschehen, inhaltlich durch Rundungen und Vergleiche. Gute Dienste erweisen Verhältnisangaben (doppelt so viel, die Hälfte), quantitative Adjektive (groß, klein) oder Vergleiche: "Etwa so groß wie ein Fußballplatz". Zu viel Zahlensalat im Text lagern Sie am besten in eine Tabelle oder Grafik aus.
Neun Regeln für gute Wortwahl
Kurze, anschauliche Wörter mit einer, zwei oder drei Silben sind fast immer verständlicher und gleichzeitig lebendiger als lange Wörter.
Verwenden Sie mehr aktive, kraftvolle, dynamische Verben - diese Verben bringen Leben in Ihre Texte! Verben machen Texte verständlicher.
Vermeiden Sie Substantivierungen: Inbetriebnahme, Erreichung, Inangriffnahme. Beispiele: Erreichung, Findung, Erteilung, Instandsetzung. In diesen Wörtern verstecken sich Verben (erreichen, finden ...). Verwenden Sie die "echten" Verben; Ihre Texte sind dann leichter zu lesen.
Gehen Sie mit Adjektiven sparsam um.
Vermeiden Sie Füllwörter! Füllwörter blähen den Text auf, ohne zum Verständnis beizutragen. Streichen Sie Floskeln wie selbstverständlich, insbesondere, eigentlich, praktisch ...
Vermeiden Sie Anglizismen und Fremd- und Fachwörter, wo sie nicht unbedingt nötig sind.
Finden Sie konkrete, präzise, sinnliche und anschauliche Begriffe! Vermeiden Sie abstrakte Oberbegriffe ohne konkrete Einzelheiten sowie Allgemeinplätze.
Gehen Sie sparsam mit Synonymen um. In der Schule haben wir zwar gelernt, dass Wiederholungen schlecht sind. Das gilt auch für so Wörter wie "haben", "machen", "aber" und "jedoch". Aber Synonyme für Substantive treffen oft nicht die eigentliche Bedeutung des ersetzten Wortes und machen den Text komplizierter.
Achten Sie auf klare Bezüge. Wiederholen Sie lieber ein Schlüsselwort, als in Kauf zu nehmen, dass der Leser nicht genau weiß, wer oder was denn nun mit "sie", "jener" oder "die oben genannten" gemeint ist.
Konstruieren Sie klare Sätze!
Je länger ein Satz ist, desto schwieriger ist er zu verstehen. Am schnellsten verstehen wir normalerweise kurze Hauptsätze mit höchstens 16 Silben. Schreiben Sie also kurze Sätze.
Um die geeignete Satzlänge zu bestimmen, sollte man sich an die Erkenntnis guter Redner halten. Eine Atemlänge entspricht einem Satz. Lesen Sie sich Ihre Texte leise vor. Spätestens, wenn Sie Luft holen müssen, machen Sie einen Punkt!
Nur kurze Hauptsätze aneinanderzureihen kann auf Dauer auch sehr monoton und langweilig sein. Leserfreundlicher ist es, zwischen kurzen und mäßig langen Sätzen zu wechseln und auf einen klaren, einfachen Satzbau zu achten. Denn die Verständlichkeit eines Satzes hängt nicht nur von seiner Länge ab, sondern auch von seiner Komplexität, also den Nebensätzen, Einschüben, Verschachtelungen und der Wortstellung. Schaffen Sie daher Ordnung und Klarheit in Ihren Sätzen. Und Ordnung erreichen Sie durch Satzzeichen - vor allem durch einen Punkt.
Vermeiden Sie Einschübe
Lassen Sie Wörter zusammen, die zusammengehören, d. h. rücken Sie die Bestandteile des Verbs zusammen, Subjekt und Prädikat, Artikel und Substantiv. Kompliziert wird es, wenn der lineare Fortgang eines Hauptsatzes durch einen eingefügten Nebensatz unterbrochen wird. Kurze Einschübe bereiten uns noch keine Verständnisschwierigkeiten. Das Kurzzeitgedächtnis des Menschen kann jedoch nur etwa drei Sekunden speichern. In dieser Zeit werden durchschnittlich 12 Silben gelesen. Längere Einschübe verdrängen dann den Anfang des Satzes aus dem Gedächtnis.
"Er ist gestern, nachdem er fünf Jahre Projektmanager gewesen war, zum Leiter der Abteilung ernannt worden."
Hier zeigt sich ein weiteres Problem mit Einschüben: Die Aussage des Satzes kann erst am Ende einwandfrei gedeutet werden, da die Passivkonstruktion "ernannt werden" durch einen Einschub getrennt ist. Im Deutschen ist es deshalb sehr wichtig, die zusammengesetzten Wörter so nah wie möglich beieinander zu positionieren.
"Er ist gestern zum Leiter der Abteilung ernannt worden, nachdem er fünf Jahre Projektmanager gewesen war."
Und Sie sehen hier auch: Passivkonstruktionen wirken langweilig, lesen sich sperrig, und verstecken sehr oft das handelnde Subjekt (hier die Institution, die ihn ernannt hat).
