öffentlich
Redaktion Druckversion

Fitness für Faulpelze

Präventionskurse: Kurzzeitkurse von der Krankenkasse

Es muss nicht immer das Fitness-Studio sein. Die Krankenkassen bieten spezielle Kurse an, die zwar zeitlich begrenzt sind, dafür für Sie aber günstig oder sogar gratis. Diese sogenannten Präventionskurse sollen Ihnen Impulse zur langfristigen Verhaltensänderung geben und damit Beschwerden und Krankheiten vorbeugen. Die Präventionsangebote der gesetzlichen Krankenkassen werdem auch als Gesundheitssport bezeichnet.

Dazu zählen Präventionsmaßnahmen wie beispielsweise Rückenkurse oder Ernährungsberatungen, die in Sportvereinen, Volkshochschulen, Fitness-Studios oder Betrieben durchgeführt werden, als Tagesveranstaltungen oder Kurse mit bis zu 12 Einheiten. Die Krankenkassen übernehmen 75 bis 100 Prozent der Kosten - je nach Satzung. Bei erfolgreicher Teilnahme werden manchmal auch zusätzlich "Bonuspunkte" gutgeschrieben (§ 65a SGB V), die eine Beitragsrückzahlung erbringen können. Es lohnt sich, die jeweilige Regelung seiner Krankenkasse zu kennen.

Als Versicherter werden Ihnen Kurse in vier Kategorien angeboten: Bewegung, Ernährung, Stress oder Suchtprävention. Gängige Praxis ist eine Kostenerstattung in Höhe von jährlich bis zu 150,- EUR in einer Kategorie. Einige Krankenkassen erstatten allerdings auch bis zu 3 Kategorien, also 450 EUR im Jahr. Nachfragen lohnt sich hier vor allem für kinderreiche Familien.

Auf Grundlage von § 20 Abs. 1 und 2 SGB V unterbreiten vor allem die gesetzlichen Krankenkassen Versicherten solche Präventionsangebote. Was dabei möglich ist, steht im Präventionsleitfaden (PDF), der "verbindlichen" Selbstkontrolle der Spitzenverbände der Krankenkassen.

Wo gibt es welche Präventionsangebote?

In dieser Datenbank des Deutschen Sportbundes können Sie mittels PLZ-Karte bequemer recherchieren. Dort finden Sie auch Angebote, die das Siegel Sport Pro Gesundheit tragen - die "Kernziele" dieses Siegels sind an sich lobenswert, aber noch keine Garantie für deren praktische Umsetzung im Kurs selbst.

Auch die BKKs und die Knappschaft bieten für ihre Versicherten eine Datenbank für Präventionsangebote an. Der Zugriff ist allerdings ein wenig mühsam.

Ausblick 2009

Da im Zuge der Gesundheitsreformen werden sich die unterschiedlichen Krankenkassen mehr und mehr über Zuschüsse zu Sportkursen profilieren wollen und hierzu vermehrte Angebote für Ihre Kunden machen. Wer hier auf dem Laufenden bleibt, kann also kostengünstig eine oder andere neue Sportart für sich ausprobieren.

Bezuschusst meine Krankenkasse den Beitrag meines Fitness-Studios?

Man könnte die Frage auch juristisch stellen:

Gilt Fitnesstraining im Studio als präventive Leistung nach § 20 SGB V?

Viele Krankenversicherungen kooperieren mittlerweile mit Fitnessstudioketten. Und dass, obwohl es auf Seite 19 des erwähnten Präventionsleitfadens heisst:

"Generell ist die Übernahme bzw. die Bezuschussung von Mitgliedschaftsbeiträgen in Sportvereinen und Fitness-Studios wie auch die Gewährung finanzieller Anreize nach § 20 Abs. 1 SGB V nicht zulässig".

Letztlich bleibt unklar, wo die Spielräume gesetzlichen Krankenkassen in diesem Fall enden. So mag es ihrem Nachbarn gelingen, seine Krankenkasse mit einem dreistelligen Summe an seinem Studiobeitrag zu beteiligen, während Sie trotzdem leer ausgehen. Als Begründung kann erstaunlicherweise in beiden Fällen auf den o.g. § 20 verwiesen werden.

Angenommen, Sie sind bereits seit einiger Zeit aktives Mitglied eines Fitness-Studios, möchten nun dennoch Unterstützung für den Studio-Beitrag beantragen, weil Sie ohne das Training im Studio unter Rückenschmerzen leiden würden. Fragen Sie in diesem Fall bei Ihrer Krankenkasse an, wie der jeweilige Passus in der Krankenkassen-Satzung lautet. Lassen Sie sich die übergeordnete Rechtsgrundlage erklären. Falls Ihr Sachbearbeiter Spielräume zulässt, schicken Sie der Krankenkasse dreierlei:

  1. Ein Anschreiben: Begründen Sie eine Einzelfallentscheidung ausführlich! Kann Ihr Fitnesstraining als Alternative zum teuren stationären Aufenthalt gelten? Trainieren Sie unter qualifizierter Anleitung (Nachweise) seit Jahren mehrmals wöchentlich? Ist Ihr Discounter-Jahresbeitrag sogar günstiger als die Präventionskurse? Argumentieren Sie damit, dass heute die meisten Krankenkassen mit Sport- und Fitnessanbietern kooperieren. Nennen Sie dazu aktuelle Weblinks. Als weiterführende Quelle können Sie auch diese Studie aus dem Jahr 2007 nennen, die innovative Programme zur Gesundheitsförderung generell empfiehlt. Oder Sie informieren sich auf dem Blog des Autors.

  2. Ein fachärztliches Empfehlungsschreiben (gegen Gebühr): Fragen Sie Ihren Arzt nach einem Nachweis für die medizinische Notwendigkeit.

  3. Den Studio-Nachweis: Bitten Sie die Buchhaltung ihres Studios um eine Bescheinigung, die den Zeitraum des aktiven Trainings sowie den Monats- und Jahresbeitrag enthält.

Eine Kopie der Dokumente sollten Sie in Ihren Unterlagen aufbewahren.

Mitglied werden, Vorteile nutzen!

  • Sie können alles lesen und herunterladen: Beiträge, PDF-Dateien und Zusatzdateien (Checklisten, Vorlagen, Musterbriefe, Excel-Rechner u.v.a.m.)
  • Unsere Autoren beantworten Ihre Fragen

Downloads zu diesem Beitrag

Über den Autor:

bild80524

Sascha Akmann aus Münster ist Gesundheits- und Versorgungsmanager. Er arbeitet seit zehn Jahren mit Sportlern, Patienten, Ärzten, Therapeuten und Krankenkassen zusammen. Seit 2007 ist er unter andere ...

Newsletter abonnieren