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Fitness für Faulpelze

Studioführer: Welches Fitness-Studio passt zu mir?

In diesem Abschnitt erfahren Sie, wie sportliche Einsteiger sparen und die Angebotsqualität einschätzen können.

Vom Fitness- zum Gesundheitsstudio

Der Begriff "Fitness" ändert sich ständig. Lange galten Studios als Orte, an denen junge Männer ihre Muskeln stählten und Frauen ihre "Problemzonen" bekämpften. Doch das ist längst nicht mehr so.

"Fitness" dient heute mehr denn je der Gesundheit. Neben Trainern wagen sich auch Ärzte, Physiotherapeuten und Vertreter anderer Heilberufe auf den Markt. Auch Krankenkassen unterstützen ihre Mitglieder bei diesen neuen Arten der Gesundheitsvorsorge.

Es geht nicht mehr um Eitelkeit und Aussehen: Kopfarbeiter sorgen nach einem Tag im Büro für körperlichen Ausgleich, Rückenschmerzgeplagte tun etwas für ihre Wirbelsäule, rüstige Rentner nehmen ihre Reha selbst in die Hand.

Fitnessstudios sind mittlerweile wirklich "für alle". Das Interesse ist groß - der Gesundheitsmarkt entsprechend riesig geworden. Ob Fitness, Wellness oder Gesundheitssport: Für jeden ist etwas dabei. Doch nicht jedes Studio ist für jeden geeignet.
Häufig werden Sie Gütesiegel-Aufkleber wie das "RAL-Gütesiegel Gesundheitssportzentrum" oder "GAP-Siegel Gesundheitsakademie Berlin" entdecken. Diese werden jedoch seit 2007 nicht mehr vergeben und bieten keine wirkliche Hilfe. Sie kommen als Kunde also nicht darum herum, sich ein eigenes Bild zu machen.

Kriterien für die Auswahl des Studios

  • Im Vorfeld sind Studio-Mitglieder eine gute Informationsquelle.

    Fragen Sie also nach Empfehlungen im Netzwerk ihrer Freunde und Bekannten.

  • Machen Sie einen Blitzbesuch.

    Vereinbaren Sie bewusst keinen Termin für ein Erstgespräch. Besuchen Sie stattdessen das Studio Ihrer Wahl in den Stoßzeiten zwischen 18:00 bis 20:00 Uhr. So erfahren Sie viel von der allgemeinen Atmosphäre des Studios, sehen welche Klientel dort trainiert, wie die Betreuungssituation ist und ob sich Warteschlangen an Geräten bilden.

  • Probetrainings- oder Kursstunden sind selten aussagekräftig!

    Nehmen Sie mindestens zwei Probetrainings in unterschiedlichen Studios wahr. Ein Probetraining an Geräten ist nicht selten eine gestylte Verkaufsveranstaltung.

  • Sind Sie eher ein Gruppenfitness- oder ein Einzeltraining-Typ?

    Fitness in der Gruppe ist motivierend und meist auch preisgünstiger, und die meisten Studios haben ein vielfältiges Angebot. Allerdings sollten Sie in guter körperlicher Verfassung sein, denn auf individuelle Schwachstellen und Bedürfnisse kann dort nicht eingegangen werden.

    Haben Sie ärztliche Empfehlungen zu berücksichtigen, Schmerzen entgegenzuwirken oder gezielte Muskelregionen zu stärken, sollten Sie im Einzeltrainig Ihr persönliches Trainingskonzept umsetzen. Damit sind Sie auch zeitlich flexibler.

  • Wie viele Trainer sind zu welchen Zeiten sichtbar und auch ansprechbar?

    Wie viele davon arbeiten hauptamtlich? Über welche Ausbildung verfügen sie? Fitness-Studios unterscheiden sich nicht so sehr in der Ausstattung als bei der Qualifikation des Personals!

  • Hat das Studio ein Trainings- und Betreuungskonzept?

    "Verbesserung der Gesundheit und Fitness" kann alles Mögliche bedeuten. Lassen Sie sich erklären, wie das konkrete Trainingskonzept aussieht.

    Dabei sollten folgende Fragen beantwortet werden:

    • Was ist das Ziel Ihres Trainings? Was wollen Sie konkret erreichen oder verbessern?

    • Wie soll dieses Ziel erreicht werden?

    • Welcher zeitliche Aufwand ist für Sie dafür nötig?

    • Was wird langfristig für Ihre Motivation getan, damit das Training nicht zur lästigen Pflicht wird?

    Es ist Ihr gutes Recht, diese Fragen zu stellen. Reagieren Mitarbeiter darauf ratlos oder hektisch, sollten Sie zumindest mißtrauisch werden.

  • Klein, aber fein...

    Ein großes Studio bietet zwar ein größeres Angebot - doch ist das Verhältnis der Anzahl Trainer/Mitglieder hier oft ungünstiger. Kleine Fitness-Studios sind deshalb keinesfalls schlechter als Fitness-Ketten. Gute Studios unterstützen ihre Kunden systematisch. Wenn Sie "nachrechnen" wollen, vergleichen Sie einmal die Anzahl der Mitglieder und die der angestellten Trainer. Ein Betreuungsschlüssel von 500:1, der in großen Studios keine Seltenheit ist, lässt gesundheitsorientiertes Training kaum zu.

Betreuung von Nicht-Sportlern

Im Vier-Augen-Gespräch werden zunächst gesundheitliche Risiken sorgfältig erfragt. Bei Verdacht auf ernsthafte (Herzkreislauf-) Probleme oder bei ungewöhnlichen Schmerzen werden anschließend weder ein Probetraining noch ein Fitnesstest durchgeführt!

Der erste Trainingsplan berücksichtigt Ihre Ziele, Defizite und Wünsche. Dieser Plan wird auf zwei Termine verteilt und für Sie verständlich eingeübt. Der Plan sieht sinnvolle Beweglichkeits- oder Ausdauertests vor, diese können auf Wunsch aber bis zu sechs Wochen verschoben werden. Reine Krafttests sind meistens unsinnig.

Bei regelmässigem Training werden Sie bald Fortschritte machen - dann ist es Zeit für einen erneuten Einzeltermin mit dem Trainer und eine Aktualisierung Ihres Trainingsplans. Ihr Studio hält Sie darüber telefonisch oder per SMS auf dem Laufenden und hält dies auch vertraglich fest. Schließlich zahlen Sie als Kunde vor allem für eine Betreuungsleistung.

Das Studio bietet ausreichend Trainer-Sprechstunden - Trainingssteuerung ist nämlich viel mehr, als zwischendurch "eine neuen Übung" zu demonstrieren. Ein guter Trainer dosiert Trainingsinhalte mit Fingerspitzengefühl und erläutert realistisch, wie groß zeitlicher Aufwand und Anstrengungsgrad beim Hauptziel tatsächlich ausfallen.

Die Trainingsverlaufskontrolle ist standardisiert, computerbasiert, und auch für Sie als Kunde nachvollziehbar. Sie hilft Ihnen, Ihre Übungen eigenständig und korrekt durchzuführen und macht Ihren Trainingserfolg sichtbar.

Die meisten Trainer im Team wissen, wie Ihr Training verläuft, sie erfragen regelmäßig Ihre Zufriedenheit und nehmen Sie als Kunde besonders ernst, wenn es Schwierigkeiten gibt.

Die Qualifikation der Trainer

Gute Trainer - höhere Preise

Wenn Sie bereits rundum fit sind, keine Betreuung nötig haben und am besten selbst über fundierte sportmedizinische Kenntnisse verfügen, ist gegen "Fitness-Discounter" nichts einzuwenden.
Machen Sie sich aber klar, dass gesundheitsbewußtes, individuelles Training kein Fließbandprodukt ist und daher seinen Preis hat. Das Niveau der Trainer ist und bleibt das wichtigstes Kriterium bei der Wahl eines Fitness-Studios.

"Fitnesstrainer" heißt noch nicht viel

Die Bezeichnung "Fitnesstrainer" sagt jedoch über die wahren Kompetenzen nicht viel aus. In größeren Studios werden Sie auf Sportwissenschaftler, Sportlehrer, Physiotherapeuten oder Sport- und Gymnastiklehrer treffen, die als Fitnesstrainer, Kursleiter, Verkäufer und Servicekräfte gleichzeitig arbeiten. Selbst die vielleicht hochwertigste Weiterbildung zum "Arzt im Fitness- und Gesundheitszentrum" sagt recht wenig über die praktische Kompetenz aus. Ein idealer Fitnesstrainer wendet sport- und gesundheitspsychologische Kenntnisse an, weil gerade Fitness-Neulinge Motivation und Coaching benötigen.

Bernhard Breskewiz vom noch jungen "Deutschen Wellness Verband" nennt acht Punkte, die einen guten "Wellness-Bewegungstrainer" auszeichnen. Diese Kriterien gelten ebenso für Fitnesstrainer.

In Zukunft könnte es für Sie leichter werden, Qualifikationen des Studio-Personals übergreifend zu vergleichen, sofern die Akzeptanz der neuen europäischen EQSF-Standards weiter wächst.

Ein Personal-Trainer ist vielleicht der besten Fitnesstrainer, weil er (oder sie) sich exklusiv und nur um Sie kümmert und am besten auf Sie eingehen kann. Personal-Trainer arbeiten für 50 bis 150,- EUR pro Stunde. Hier und hier finden Sie eine Datenbank.

Beiträge und Vertragsmodalitäten

Das Studio-Beitragssystem sollte in maximal zehn Minuten vermittelbar sein. Werden Sie stutzig, wenn das Probetraining netto 20 Minuten, das Gespräch mit dem "Sales Manager" hingegen 40 Minuten dauert.

Lesen Sie Vertrag und AGB in Ruhe. Verlagern Sie im Zweifelsfall die die Unterschrift auf einen weiteren Termin. Sagen Sie es dem Verkäufer, wenn Sie das Gefühl haben "die Katze im Sack" zu kaufen. Fixieren Sie ein zweiwöchiges Rücktrittsrecht schriftlich. Sicher ist sicher.

Preise

2006 ermittelte Stiftung Warentest Jahresbeiträge zwischen 210,- und 1.270,- EUR. 2008 kostet Fitness im weitesten Sinne zwischen 16,- EUR mtl. beim Discounter und 92,- EUR in "Wellness-Oasen" (zgl. dreistelliger Aufnahmegebühr). Erfreulichweise gibt es immer häufiger einmonatige Vertragslaufzeiten.

Vorsicht ist geboten bei hohen Monatsbeiträgen ländlicher "Monopolisten". In Ballungszentren mit viel Studio-Konkurrenz bedeuten hohe Beiträge tendenziell dagegen eher auch tatsächlich mehr Qualität.

Das Kleingedruckte

Wie steht es um Kündigungszeiten und -kosten?

Klären Sie auf jeden Fall, wie es im Krankheitsfall und bei außerordentlichen Ausfallzeiten (Urlaub; berufsbedingte Abwesenheit) aussieht.

Falls Sie später einzelne Inhalte abwählen oder zukaufen möchten, erfragen Sie die Modalitäten für etwaige Vertragsverlängerungen.

Jede Vereinbarung mit dem Studio bedarf natürlich der der Schriftform.

In der Regel attestieren Sie sich via Unterschrift uneingeschränkte Sporttauglichkeit: Mit Hinweis auf Krankheit oder beschwerden können Sie den Vertrag dann nicht mehr außerordentlich kündigen. Bei Schwangerschaft haben Sie dagegen das Recht, fristlos zu kündigen.

Den Monatsbeitrag reduzieren

Es lohnt sich, nach besonderen Angeboten zu fragen. Ob Sie folgende Möglichkeiten kombinieren können, hängt vom Verhandlungsgeschick ab:

  • Sie starten ihre Mitgliedschaft saisonal (Frühjahr, Weihnachten, Jahresbeginn) oder am letzten Tag einer Werbeaktion.

  • Sie erhalten einen Zusatzrabatt bei Vorkasse oder langen Vertragslaufzeiten.

  • Sie nutzen ein Bonuskarten-Prinzip oder, als langjähriges Mitglied, einen Treue-Bonus.

  • Sie werben ein Neumitglied oder melden sich mit mehreren Personen gleichzeitig an.

Mitglied werden, Vorteile nutzen!

  • Sie können alles lesen und herunterladen: Beiträge, PDF-Dateien und Zusatzdateien (Checklisten, Vorlagen, Musterbriefe, Excel-Rechner u.v.a.m.)
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Über den Autor:

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Sascha Akmann aus Münster ist Gesundheits- und Versorgungsmanager. Er arbeitet seit zehn Jahren mit Sportlern, Patienten, Ärzten, Therapeuten und Krankenkassen zusammen. Seit 2007 ist er unter andere ...

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