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Förderungen und Kredite für Gründer und Unternehmer

Fördermittel: Auf die Planung kommt es an!

Man könnte es sich sehr einfach machen, wenn über die Finanzierungen von Existenzgründungsvorhaben und von bestehenden Unternehmen gesprochen und dabei die Bedeutung öffentlicher Förderprogramme herausgestellt wird. Dann reichen - provozierend - zwei Kernaussagen:

  1. Geschenktes Geld ist besser als geliehenes.

  2. Niedrige Zinsen sind besser als hohe.

Wir haben es jedoch bei der Kapitalausstattung von Betrieben und Unternehmen mit elementar wichtigen Zusammenhängen zu tun und mit flapsigen Bemerkungen ist Existenzgründern oder Unternehmern und Freiberuflern nicht gedient. Klar ist ja: Ohne eine ausreichende Versorgung mit Kapital kann kein Betrieb arbeiten, kein Existenzgründer starten.

Mittelständische Betriebe in Deutschland sind sogar weitaus stärker von Fremdkapital abhängig als ihre Kollegen im Ausland: Mit durchschnittlich weniger als 10 % Eigenkapitalanteil (!) arbeiten deutsche KMU (Kleine und Mittlere Unternehmen) entsprechend mit 90 % fremdem, d.h. geliehenem Geld.

Die Entscheidungskriterien von Kreditinstituten haben sich in den letzten Jahren allerdings sehr umfassend geändert. Reichte früher bei einem etablierten Unternehmen für die Beantragung eines neuen Darlehens die Vorlage von (möglichst guten) Bilanzen, stehen heute auch Brancheneinschätzungen und Zukunftsprognosen mit auf dem Prüfstand. Konkretes Beispiel: Versuchen Sie heute einmal eine Finanzierung im Gastronomiebereich durchzusetzen - eine große Zahl von Kreditinstituten lehnt die - unabhängig vom Konzept im Detail - wegen der schwierigen Branchenverhältnisse schon "pauschal" ab.

Es ist daher nicht erstaunlich, dass seit mehreren Jahren fast mehr als dei Hälfte aller deutschen Unternehmer von größeren Schwierigkeiten als früher bei der Darlehensaufnahme berichten.

Es gibt daher zumindest drei gute Gründe für Existenzgründer und Unternehmer, die Beantragung eines benötigten Kredites sehr planvoll anzugehen und sich im Vorfeld extrem gut zu informieren und vorzubereiten:

  1. Die eigene Sicherheit: Es ist in der Praxis unfassbar, wie viele Darlehen von Banken und Sparkassen schon deshalb abgelehnt werden, weil es dem Antragsteller nicht gelingt, plausibel darzustellen, dass er den entstehenden Kapitaldienst (Zinsen und Tilgung) mit seinen Umsatzerlösen auch erwirtschaftet und damit erbringen kann. Das aber sollte doch im eigenen Interesse die Mindestanforderung einer kritischen Selbstprüfung vor der Aufnahme eines neuen Darlehens sein.

  2. Jeder, der heute ein Darlehen oder einen Kredit beantragt, wird nach einem Ratingverfahren gemäß Basel II bzw. III analysiert: Das Unternehmen und die Unternehmerperson werden unter die Lupe genommen, vorgelegte Zahlen transparent gemacht und Vergleiche gezogen, Markt- und Brancheneinschätzungen analysiert, um letztlich eine Bewertung seines Darlehensantrages zu erhalten.

    Wer diese Ratingverfahren ignoriert ("War doch noch nie nötig ..."), wird sehr frustrierende Erfahrungen bei der vorgesehenen Kreditaufnahme machen. Tatsache ist, dass nach einer aktuellen Untersuchung nur ein Drittel der Mittelständler überhaupt die Kriterien der Ratingverfahren kennt.

  3. Kreditinstitute bemängeln in ganz aktuellen Untersuchungen, dass sich eine erschreckend hohe Zahl sowohl der Existenzgründer als auch der Inhaber kleinerer und mittelständischer Betriebe äußerst schlecht vorbereiten. Standardmäßig wird heute von Banken und Sparkassen die Vorlage eines Businessplanes inklusive mehrjähriger Finanzplanungen erwartet.

    Doch in der Praxis haben viele Antragsteller schon Probleme damit, die Art und die Höhe ihres Kapitalbedarfes für eine Unternehmensfinanzierung plausibel darzustellen! Und wiederum aus Befragungen geht hervor, dass lediglich etwas mehr als 50 % der Mittelständler immer eine systematische Liquiditätsplanung vornehmen! Da darf die hohe Zahl von ablehnenden Bescheiden nach Kreditanträgen gar nicht mehr verwundern.

Hinweise, wie Sie sich auf das Gespräch bei der Bank vorbereiten können, lesen Sie im Beitrag "Welche Auswirkungen Basel II+III auf Ihren Kreditantrag haben und wie Sie sich optimal vorbereiten".

Ob Sie die nötigen Voraussetzungen haben, um sich eine realistische Chance auf eine Förderkredit ausrechnen zu können, sehen Sie in unserem "Förderkredit-Check-Up".

Aus diesem Grunde sollten Sie folgende Empfehlungen beherzigen:

  • Rechtzeitig mit den Planungen anfangen: Zum Teil sind lange Laufzeiten der Anträge zu berücksichtigen, bei öffentlichen Förderprogrammen in jedem Fall 6 - 8 Wochen.

  • Benötigt wird ein professioneller Businessplan - Ihre Gesprächspartner bei Banken und Sparkassen sind Profis, bereiten Sie sich dementsprechend vor!

  • Stellen Sie präzise dar, wofür das neue Darlehen benötigt wird: Geht es um die Finanzierung einer Investition (neue Maschine, Werkzeuge, Software o.ä.) oder geht es um die Finanzierung des Betriebsmittelbedarfes (die Anlaufzeit bei einem Gründungsvorhaben, die Vorfinanzierung von Aufträgen, die Überbrückung der Zahlungsziele von Kunden u.ä.). Belegen Sie dies mit einer nachvollziehbaren Investitions- und Finanzplanung.

  • Genau und exakt planen - Nachbesserungen sind entweder unmöglich oder sorgen für unendlichen Mehraufwand; seitens der Bank zudem für größtes Unverständnis.

  • Alternativen durchplanen: Was passiert, wenn Fördermittel nicht fließen? Ist eine Investitionsplanung komplett gefährdet, wenn ein Zuschuss oder ein günstiges Darlehen nicht bewilligt wird? (Gibt es einen "Plan B"?)

  • Für die Beantragung eigenen Aufwand (Zeit + Geld) einplanen.

weitere Informationen

Zum Thema "Finanzierung und öffentliche Förderprogramme" steht eine Flut von Informationsbroschüren u. ä. zur Verfügung, die von öffentlichen Einrichtungen wie Wirtschaftsförderungsgesellschaften oder Gewerbeförderungsstellen der Länder, Kreise und Städte verteilt werden. Darüber hinaus solche von Banken und Sparkassen, außerdem von den Landesbanken und der KfW-Mittelstandsbank. Und wer in eine beliebige Suchmaschine Begriffe eingibt wie "Existenzgründungsfinanzierung" oder "Förderprogramme", wird von der reinen Flut an Informationen buchstäblich erschlagen.

Das generelle Problem dabei: Die Kenntnis von einem Förderprogramm bedeutet noch lange nicht, dass man dabei das komplette Kleingedruckte kennt und beurteilen kann - Förderbedingungen und -voraussetzungen im Detail, Ausschlüsse, Kombinationsmöglichkeiten verschiedener Programme und vieles mehr bleiben in Kurzdarstellungen den Interessenten oft verschlossen. Sehen Sie die Beschaffung von benötigtem Kapital daher auch als Investition und holen Sie sich ggf. einen qualifizierten, erfahrenen Berater an Ihre Seite.

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Über den Autor:

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Hans-Joachim Brüser ist seit 1984 selbständiger Unternehmensberater. Seit 2001 ist er zertifiziert beim Bundesverband Deutscher Unternehmensberater. Die Unternehmensberatung Brüser berät KMU bei der ...

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