Außenstände in der Anwaltskanzlei
Im Zuge des zum 01.07.2008 in Kraft tretenden Rechtsdienstleistungsgesetzes (RDG), abgedruckt im BGBl. 2007 I, 2840, welches das Rechtsberatungsgesetz ablösen wird, ist bereits am Tag nach der Verkündung des RDG eine neue gesetzliche Regelung zur Abtretung anwaltlicher Honorarforderungen in Kraft getreten.
Außenstände in der Anwaltskanzlei sind für den Laien nahezu unvorstellbar: Rechtsanwälte, die täglich erfolgreich längst fällige Forderungen beitreiben oder über einen komplizierten und langwierigen Rechtsstreit ihren Mandaten endlich zu ihrem Geld verhelfen, sollen nicht in der Lage sein, ihr eigenes Honorar beizutreiben?
Zugegeben, es ist schon ein paar Jahre her, dass ich als Referendarin einen Teil meiner Ausbildung in einer Anwaltskanzlei absolviert habe. In den ersten Wochen bestand meine Hauptbeschäftigung in der Beitreibung von offenen Rechnungen der Kanzlei gegen ihre (ehemaligen) Mandanten. Der dicke Ordner mit unbezahlten Rechnungen, Mahnungen und bereits titulierten Forderungen war sozusagen mein Einstieg in das Forderungsmanagement und sollte mich über viele Monate hinweg begleiten.
An der Situation hat sich bis heute nicht viel geändert. Wie viele andere Selbstständige beklagen sich Rechtsanwälte über die mangelnde Zahlungsmoral ihrer Klientel. Viele Anwälte schieben einen nicht unbeträchtlichen Anteil ihres Umsatzes als Außenstände vor sich her. Das gilt für große Kanzleien genauso wie für den hier und da noch vertretenen "Einzelkämpfer". Nach einer Studie des Soldan Instituts liegen die nachweisbaren Forderungsausfälle in den Anwaltskanzleien bei durchschnittlich 5%, mancher Anwalt schätzt sie sogar auf rund 8% seines Jahresumsatzes.
Effektives Forderungsmanagement für Anwaltskanzleien beginnt damit, dass Sie sich einen Überblick der relevanten Posten verschaffen. Forderungsmanagement bedeutet auch die Betrachtung aller wesentlichen Ressourcen, die Sie aufwenden:
Personal: Wie viel Personal ist involviert? Wer kümmert sich? Macht "jeder ein bisschen" oder ist eine Person "zentral" verantwortlich?
Zeit: Welche zeitlichen Ressourcen müssen Sie und Ihre Mitarbeiter investieren?
Aufwand: a) Welcher und b) wie viel mehr Verwaltungsaufwand entsteht?
Zinsen: In welcher Höhe entgehen Ihnen regelmäßig Zinsen, weil Ihre Mandanten verspätet zahlen? Achtung: Der Wert ist nie gleich Null; das wäre unrealistisch. Ihr Bestreben sollte jedoch immer sein, dass sich der Wert eher auf Null zu bewegt anstatt sich zu entfernen.
Verdeutlichen Sie sich diese Posten - und Sie haben einen Hinweis darauf, was Sie die mangelnde Zahlungsmoral Ihrer Mandanten in etwa kostet.
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