Existenzgründung per Franchising

Der Schnellüberblick für Interessierte

Von: Barbara Brecht-Hadraschek
Stand: 10. März 2008
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Über die Autorin:

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lebt und arbeitet als freiberufliche Texterin, Fachautorin und (Web-)Trainerin in Berlin. Sie hat Erfahrung als Redaktionsleiterin, TV-Autorin und Wissenschafts-Redakteurin, schreibt für Online-Redaktionen, konzipiert Unternehmens-Websites und textet für Online-Shops. In Präsenzseminaren und Online-Workshops schult sie Texter, PR-Mitarbeiter und Journalisten in Sachen Online-Kommunikation und PR.

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Franchising funktioniert längst nicht nur bei Fastfood-Ketten: Existenzgründer, die mit einem seriösen Franchising-System den Sprung auf den Markt wagen, können mit Zuversicht in ihre unternehmerische Zukunft blicken. Sorgfalt ist jedoch wichtig bei der Auswahl des Franchising-Gebers.

Von Heimwerkermarkt Obi über den Naturkosmetik-Vertreiber Body Shop bis zur Autowäsche cleanpark - allein in Deutschland tummeln sich weit über 1.000 Franchise-Anbieter. Wer sich einen starken Partner sucht, kann vom Start weg von bekannten Marken und guten Geschäftsideen profitieren und viele Risiken der Existenzgründung umgehen. Die Insolvenzrate bei seriösen Anbietern liegt bei unter 10 Prozent. Zum Vergleich: Laut Statistik gibt bundesweit jeder zweite Firmenchef nach den ersten Jahren wieder auf.

Bei der Wahl des passenden Franchising-Gebers ist jedoch große Sorgfalt geboten: Nicht jedes Konzept ist so durchdacht und erfolgversprechend, um es am Markt beliebig zu vervielfältigen.

Leitfaden für Gründer

Zum Thema "Franchising" beachten Sie bitte auch unseren umfangreichen Leitfaden für Gründer: "Per Franchising in den Chefsessel".

Franchising - Was ist das?

Beim Franchising kauft sich ein Existenzgründer in ein schon am Markt etabliertes System ein und macht sich damit selbständig. Jeden Tag starten so 50 neue Franchise-Nehmer in die Selbständigkeit.

Der Franchise-Nehmer, also der Existenzgründer, bleibt dabei rechtlich selbständig. Er trägt das Geschäftsrisiko, betreibt aber das Geschäft unter der Firma des Franchise-Gebers.
Der Franchise-Geber liefert den etablierten Markennamen, das Know-how und das Marketing.

Das Franchise-Paket ist üblicherweise im Franchise-Handbuch belegt: Hier wird das Beschaffungs-, Absatz- und Organisationskonzept dokumentiert, außerdem die Werbung, Verkaufsförderung und PR, Betriebsplanung und -einrichtung mit Standortbewertung, die Sortimentsfestlegung sowie eine Rentabilitätsberechnung.

Übliche Leistungen des Franchise-Gebers

  • Weitergabe des Know-hows durch Schulung, Training und Beratung.

  • Dokumentation des gesamten Know-hows für Betriebsaufbau und Betriebsführung.

  • Erfahrungs- und Ideenaustausch.

  • evtl. Gewährung eines Gebietsschutzes (nur bei ca. 40 Prozent der Franchise-Geber)

  • Betriebswirtschaftliche Beratung und Erfolgskontrolle.

Übliche Gegenleistungen des Franchise-Nehmers neben dem Kapital- und Arbeitseinsatz

  • Warenbezug vom Franchise-Geber oder von vorgeschriebenen Dritten

  • Einhaltung der vertraglichen Vorgaben und Duldung von Kontrollen

  • Ständige Information

Ihr Anteil an Erfolg und Misserfolg

Franchising ist ein auf Leistung und Gegenleistung basierendes arbeitsteiliges System. Der Franchise-Geber sollte Ihnen zwar möglichst optimale Voraussetzungen bieten, entscheidend ist aber auch, wie Sie die gegebenen Chancen nutzen und Leistungen und Know-how des Franchise-Gebers auf Ihr Unternehmen übertragen.

Kosten für den Franchising-Nehmer

Die Investitionskosten sind je nach Franchise-System sehr unterschiedlich. Der Franchising-Geber verlangt meist

  • eine Eintrittsgebühr

  • eine laufende Umsatzbeteiligung und

  • eine Umlage für gemeinsame Werbeaktivitäten.

Franchising-Nehmer können dabei von folgenden Kosten ausgehen:

  • Eintrittsgebühr: Sie sollte nicht über 50.000 Euro liegen. Eine Umfrage des Deutschen Franchise-Verbands e.V.(DFV) ermittelte einen Durchschnittsbetrag von rund 7.500 Euro.

  • Laufende Franchisegebühr: Zehn Prozent vom Umsatz sind das Maximum! Der DFV-Mittelwert liegt bei 4,6 Prozent vom Nettoumsatz. Fixe Monatsgebühren liegen bei rund 480 Euro.

  • Werbegebühren: Sie werden von fast jeder zweiten Franchise-Zentrale erhoben. Der durchschnittliche Monatsbetrag liegt bei 1,8 Prozent vom Nettoumsatz oder fixen 285 Euro.

Fast jeder zweite Franchise-Nehmer muss beim Start rund 37.500 Euro in seine Firma investieren, z.B. für Ladenausstattung oder Waren. Es lohnt sich, einen Förderantrag zu stellen und sich beispielsweise mit Hilfe von Gründerdarlehen zu finanzieren, die in den ersten Jahren nicht getilgt werden müssen. So z.B. mit dem Startgeld der Deutschen Ausgleichsbank (DtA), dem ERP Existenzgründungsprogramm oder mit der ERP Eigenkapitalhilfe. Welche Bedingungen bei der DtA erfüllt werden müssen, wird auf ihrer Website beschrieben. Weitere Informationen zu Förderungen finden Sie in der Förderdatenbank des Bundesministeriums für Wirtschaft und Arbeit (BMWI).

Vorteile

Fünf entscheidende Vorteile hat ein Franchisenehmer gegenüber einem herkömmlichen Existenzgründer:

Risikominderung: Wer sich für ein erfolgreiches Franchising-System entscheidet, sichert sich den Weg in die Selbständigkeit mit einem erprobten Geschäftskonzept. Die Zentrale liefert für viele anfallenden Aufgaben den Manpower und das Know-how. Typische Gründungsfehler können so vermieden werden und der Franchise-Nehmer kann sich voll auf sein neues Unternehmen konzentrieren.

Renommee: Wer sich für ein etabliertes Franchise-System entscheidet, profitiert automatisch von einem bereits bekannten Markennamen. Jeder kennt McDonalds und auch Franchising-Systeme wie der Obi-Markt und das Nachhilfeunternehmen "Studienkreis" lösen bei vielen einen Wiedererkennungseffekt aus. Damit lassen sich schon in der Startphase die Markteintrittsbarrieren leichter überwinden.

Koordination: Durch die Koordination der Zentrale gibt es z.B. beim Einkauf Mengenvorteile. Auch ein bundesweites Marketing lässt sich nur ab einer gewissen Größenordnung realisieren. Solche Kostenvorteile stärken die Marktposition des gesamten Systems.

Kooperation: Der Erfahrungsaustausch innerhalb des Systems und die stetige Betreuung durch die Zentrale helfen auch in schwierigen Phasen der Geschäftsentwicklung.

Produktivität: Die konsequente Arbeitsteilung zwischen Zentrale und Franchise-Nehmer erlaubt eine rationellere Betriebsführung. Auch der Erfahrungsvorsprung des Franchise-Gebers hilft dabei, die Vorbereitungs- und Anlaufzeit eines jungen Betriebs deutlich zu verkürzen.

Risiken und Fallstricke

Drum prüfe, wer sich ewig bindet - bevor Sie sich für ein Franchise-System entscheiden, sollten Sie vorher genau ausloten, ob Produkt, Partner und Franchise-Paket zu Ihnen passen. Bereiten Sie sich auf das erste Gespräch mit Ihrem potenziellen Franchise-Geber gut vor:

  • Fragen Sie bei der IHK nach, ob das Unternehmen bekannt ist. Eine weitere wichtige Informationsquelle sind z.B. Franchise-Nehmer-Verbände. Klären Sie, wie lange das Franchise-System bereits am Markt ist und wie viele Partner es bereits hat.

  • Ist das Unternehmen im Handelsregister eingetragen? Besorgen Sie sich einen Auszug beim Registergericht.

  • Besteht eine Mitgliedschaft beim Deutschen Franchise-Verband (DFV) oder liegen dort Kenntnisse über den Franchise-Geber vor?

In einem ersten Gespräch mit dem Franchise-Geber sollten sie dann folgende Fragen klären:

  • Existiert ein Franchise-Handbuch? Dieses Buch ist der Kern jedes Franchise-Systems! Hier sind alle Rechte und Pflichten von Franchise-Gebern und -Nehmern geregelt, z. B. Schulungen, Werbemaßnahmen sowie Zahl und Umfang der betriebswirtschaftlichen Berichte.

  • Weist der Franchise-Geber die Eintragung von gewerblichen Schutzrechten nach (Marke, Warenzeichen, Wort-/Bildzeichen)?

  • Worin bestehen die spezifischen Vorteile des Franchise-Konzepts und wie werden sie nachgewiesen?

  • Wie ist die derzeitige Marktlage des Systems? Welche Daten werden zur Verfügung gestellt?

  • Sind die Geschäftserwartungen realistisch und mit entsprechenden Erfahrungswerten unterlegt?

  • Sind Kostenaufstellung, Umsatz- und Gewinnvorschau einsehbar? Sind diese realistisch?

  • Ist eine umfangreiche betriebswirtschaftliche Betreuung gewährleistet?

  • Welche Leistungen bietet der Franchise-Geber?

  • Wie hoch sind die Anfangsinvestitionen?

  • Sind die laufenden Gebühren angemessen und üblich?

  • Haben Sie ein Mitspracherecht? Gibt es einen Beirat, in dem die Franchise-Nehmer ihre Interessen gegenüber dem Franchise-Geber vertreten können?

  • Besteht die Möglichkeit, bestehende Franchise-Betriebe zu besichtigen?

  • Zu welchen Schulungen verpflichtet Sie der Franchise-Geber? Wer übernimmt hierfür die Kosten?

  • Wie sieht die Laufzeit aus? Sie investieren schließlich erhebliche Summen in Ihr Franchise-Unternehmen. In der Regel gilt der Vertrag zunächst für fünf bis zehn Jahre - mit der Option, ihn um fünf Jahre zu verlängern.

  • Gibt es einen Gebietsschutz? Diese Klausel schützt Sie davor, dass eine Zentrale wahllos Lizenzen vergibt, um mit Eintrittsgebühren ihr Geld zu verdienen. Allerdings garantieren nur etwa 40 Prozent aller Zentralen den Lizenznehmern, dass sie in ihrem Geschäftsgebiet keine anderen Filialen eröffnen.

Typische Fallstricke

Neuheit: Seien Sie vorsichtig bei Franchise-Systemen, die erst seit kurzem auf dem Markt sind. Das Konzept kann noch nicht erprobt sein und die Gefahr zu scheitern ist groß.

Keine Pilotprojekte: Leisten Sie keine Unterschrift ohne Einblick in die Zahlenwelt: Seien Sie vorsichtig, wenn der Franchise-Geber sich weigert, mindestens zwei Pilotprojekte zu benennen und die wirtschaftlichen Eckdaten aufzudecken.

Keine Referenzen: Lassen Sie die Finger von Franchise-Systemen, wenn der Franchise-Geber nicht bereit ist, Referenzen zu benennen! Sie sollten mehrere Franchise-Nehmer Ihrer Wahl nach deren Erfahrungen befragen. Gehen Sie dabei auch zu Partnern, die nicht vom Anbieter genannt wurden. Erkundigen Sie sich dort nach den tatsächlichen Arbeitsabläufen und der Zusammenarbeit zwischen Niederlassung und Zentrale.

Kein Franchise-Handbuch: Hände weg, wenn es kein Franchise-Handbuch gibt. Das Buch ist der Kern jedes Franchise-Systems! Seriöse Franchise-Geber haben das.

Zeitdruck: Lassen Sie sich nie unter Druck setzen! Schließen Sie nie einen Vertrag ab, ohne das Vertragswerk und die kaufmännischen Unterlagen sorgfältig geprüft zu haben. Lassen Sie das Schriftstück am besten von einem Experten überprüfen.

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Umfangreicher Leitfaden

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